Eine Rezension in 10 Sätzen – Die drei Fragezeichen und der tanzende Teufel


Inhalt: 

“Ihr seid doch Detektive, nicht? Ihr könnt Annabella finden, ich möchte euch den Fall übertragen, hier sind 50 Cent”, so beginnt die spannende Geschichte um den tanzenden Teufel und auch wenn Justus zunächst gönnerhaft die Anfrage der kleinen Tina ablehnt, stellt sich das Ganze doch als “lohnenswerten” Fall heraus. Denn nicht nur Annabella ist auf merkwürdige Weise in den “Baum raufgeflogen”, auch andere Gegenstände sind verschwunden und dann taucht auch noch eine gruselige Gestalt auf – der tanzende Teufel.

Kritik: 

Die drei Fragezeichen und der tanzende Teufel ist eine durchaus gelungene Folge, allerdings mit einigen kleineren Schwächen, die den Gesamteindruck trüben. Die Geschichte ist durchaus gut konstruiert, dadurch, dass sich der Anfang stark davon unterscheidet, was im späteren Hörspiel dann passiert. Von der Puppe geht es über einen als Teufel verkleideten Menschen bis hin zu einer wertvollen, chinesischen Statur. Leider, leider wollen mir die Auftritte des namensgebenden tanzenden Teufels bis heute nicht so recht gefallen, denn irgendetwas scheint zu fehlen. Es heißt, dass die Musik wohl mal geändert worden ist, ich kann allerdings nicht sagen, welche Version mir vorliegt – vermutlich die neuere. Es kann durchaus sein, dass die Musik hier einiges wettmacht.
Gut gelungen hingegen ist die Auflösung des Falls, die mit einem überraschenden Täter aufwarten kann und einem sehr interessanten Motiv, das vielleicht in Teilen in “… und der Automarder” wieder zum Tragen kommt. Nicht gefallen will mir, wie schon in anderen Hörspielen, die Umsetzung des chinesischen Akzents, der wieder einmal stark übertrieben wird, auch in Kombination mit der hohen Stimme (ich denke, es ist Hans Irle).

Fazit: 8/10 Punkten

Comic – Shazam


Nach vielen Drei-Fragezeichen-Rezensionen mal wieder etwas zu einem Comic:

Einige Daten: 

Autor: Geoff Johns
Zeichner: Gary Frank
Farben: Brad Anderson
Übersetzer: Christian Heiss
Erschienen bei: Panini
Jahr: 2014
Reihe: DC remium 85

Inhalt: 

Der 15 Jahre alte Billy Batson ist kein einfacher Junge. Er wurde von Waisenhaus zu Waisenhaus gereicht, hat einen sehr schwierigen Charakter und möchte eigentlich nur weg von Leuten, die ihm etwas sagen wollen. Seine einzige “Familie” ist ein Tiger im örtlichen Zoo.
Doch hinter Billy Batson verbirgt sich mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat, denn eines Tages wird er, nachdem er von Zuhause ausgerissen ist, von einem uralten Magier in den “Felsen der Ewigkeit” entführt. Dort stellt sich heraus, dass Billy Batson der “Wirt” für Shazam ist, jenen großen Magier, dessen Kräfte Blitz und Donner beeinflussen und der der einzige ist, der der bösartigen Magie Einhalt geben kann. Gleichzeitig ist von einem zwielichtigen Mann, der Hilfe für seine Familie sucht, auch der tyrannische “Black Adam” befreit worden, der den alten Magier – später Shazam – finden möchte, um sich dessen Macht einzuverleiben.

Billy muss erst erkennen, was Familie bedeutet um die Welt von der Bedrohung durch Black Adam befreien zu können.

 

Kritik: 

Dieses DC-Premium-Heft ist meine erste “richtige” Begegnung mit Shazam, ehemals Captain Marvel, der für mich bisher maximal eine Randfigur gewesen ist. Vom Autor Geoff Johns hatte ich jedoch schon einige andere Hefte gelesen (Secret Origins: Green Lantern; Secret Origins: Superman; Batman: Erde Eins), die mir ausnahmslos alle sehr gut gefallen haben. Auch die Zeichnungen sagten mir auf den ersten Blick zu, so dass ich zugegriffen habe. Shazam präsentiert sich hier – auch wenn ich natürlich wenig bis gar kein Vorwissen über diese Figur habe – im Rahmen der New52 und hat somit vermutlich wie alle anderen Figuren auch eine Generalüberholung bekommen.
Man kann durchaus sagen, dass dieses Heft gelungen ist. Eine spannende Geschichte, die sich sehr auf den Ursprung Shazams als auch auf die Herkunft von Billy Batson bezieht.
Schnell wird klar, dass das Hauptmotiv hinter der Geschichte hier die “Familie” ist. Dies hervorzuheben ohne, dass es wie mit dem Holzhammer eingeprügelt wirkst, schafft Johns gut, auch wenn sich zumindest der Wink mit dem Zaunpfahl von Anfang an nicht abstreiten lässt. Überall ist die Familie zu finden, die neue Pflegefamilie von Billy Batson, die Familie von Black Adam, die Familie des ersten Shazam, die familiäre Beziehung, die der Protagonist zu dem Tiger Tawny aufgebaut hat. Und schließlich endet das Heft auch mit der Erkenntnis, was “Familie” eigentlich bedeutet.
Wie in den anderen Heften von Johns auch, konzentriert sich Shazam stark auf die Entwicklung der Figuren, weshalb es relativ wenig Actionszenen in dem doch sehr langen Heft gibt. Es ist natürlich nicht so, dass diese gar nicht existieren, das wäre dem Genre auch nicht angemessen, aber sie sind doch eher auf den hinteren Teil des Heftes konzentriert, in dem es mit Black Adam so richtig zur Sache geht. Hier fliegen dann Helden durch die Luft und Autos werden hochgehoben. Ganz in alter Superheldenmanier, so wie es sich gehört, würde man sagen.

Es gibt in dem Heft eine ganze Menge Antagonisten. So ist eigentlich recht früh klar, dass der “Gegner” Shazams in diesem Heft wohl Black Adam sein wird, die Wurzel allen Übels ist er aber nicht. Vielleicht bleibt er deshalb im Gesamten gesehen etwas “farblos”. Man erfährt zwar etwas über seine Vergangenheit und auch über die Motivation, aber mir fehlt da etwas. Der Drahtzieher wird sicherlich für spätere Geschichten wieder relevant, vermutlich ist er auch ein Hauptgegner Shazams. Zudem ist auch für ihn die Familie ein Motivator. Dann gibt es natürlich noch den menschlichen Antagonisten, der nicht nur Billy, sondern auch seiner Familie das Leben schwer macht. Dieser ist vielleicht die Figur, die den Leser am ehesten saturiert, denn er bekommt, gefühlt, am Schluss seine gerechte Strafe, in dem er von allen denen ausgelacht wird, über die er bisher gelacht hat. Der Leser bleibt mit süffisantem Lächeln auf dem Gesicht zurück.

Auch die Zeichnungen dürfen natürlich bei einem Comicheft nicht unberücksichtigt bleiben, schließlich sind sie ein wesentliches Merkmal.
Frank arbeitet öfter mit Geoff Johns zusammen, beispielsweise auch bei Superman: Origins oder Batman: Erde Eins, und er ist ein Zeichner, dessen Bilder meistens sehr ansprechend sind. Zwar sehen sich Black Adam und Shazam bisweilen im Gesicht sehr ähnlich, aber ich persönlich glaube, dass das nicht unabsichtlich geschieht. Ansonsten muss man sagen, dass es Frank gelingt, unterschiedliche Gesichter zu zeichnen, die auch “naturalistisch” aussehen. Da gibt es ganz andere Kaliber im DCU. Vor allem gelingt es auch, sich nicht an Vorlagen zu orientieren, Shazam sieht weder aus wie Clark Kent noch wie Bruce Wayne was wirklich nicht jedem Zeichner gelingt.

Fazit:

Ein schönes Heft mit einigen Abzüge in der B-Note. So ist das Finale zwischen Black Adam und Shazam zwar ausführlich beschrieben, bleibt aber im Vergleich zum Rest des Heftes und zu anderen Comics etwas “unspektakulär”, auch wenn es durchaus seine Momente hat. Man könnte durchaus daraus einen Film (Animation) machen, die Musik würde vermutlich in einigen Szenen Akzente setzten können, die sich im Heft nicht setzten lassen. Schön ist die Konzentration auf die Figur Billy Batson, die man hier kennenlernt, sowie die humoristischen Anspielungen nach der ersten Verwandlung in Shazam. Zudem gelingt es gut, einen Wandel in der Figur von Billy Batson darzustellen.

Dieses Heft ist sicherlich für Neueinsteiger sehr gut geeignet, nur muss man sich schon darüber im Klaren sein, dass wir uns in einem Superheldencomic befinden. Da kann es mit der Logik (nicht der Internen, die ist gut gelungen) schon mal etwas – schwierig werden. Und natürlich sehr fantastisch.

 

Alles in Allem ein lohnenswerter Kauf: 9/10 Punkten

Eine Rezension in 10 Sätzen – Die drei Fragezeichen und die flammende Spur


Inhalt: 

Der “Potter”, ein bekannter Töpfer in Rocky Beach, verschwindet von einem auf den anderen Moment spurlos, es tauchen zwei zwielichtige Rumänen auf und ein Angler, “der nicht weiß, dass man auf Petri Heil mit Petri Dank antwortet”. Welche Rolle spielt die Nachricht in der Zeitung und nach welcher Ikone suchen die merkwürdigen Rumänen aus Hilltop-House?

Kritik: 

Die drei Fragezeichen und die flammende Spur plätschert im Gegensatz zur vorherigen Folge etwas vor sich hin, obwohl das Grundgerüst eigentlich sehr gut ist. Bisweilen wirken die Szenen zusammengestückelt, als würden passende Übergänge fehlen. Auch ist die Geräuschauswahl bei weitem nicht so gut, wie das noch in “…und der Teufelsberg” der Fall ist. Besonders negativ fällt dabei die Geräuschuntermalung zu der namensgebenden flammenden Spur auf. Allerdings hat die Folge durchaus ihre Momente. Das Finale ist sehr spannend geworden, die Auflösung nicht zu einfach und Justus’ spontane Erfindung des “Wandervereins von Rocky Beach” eine lustige Idee am Rande. An der Geschichte gefällt mir zudem die Einbindung in einen eher osteuropäischen Kontext, auch wenn der Aufhänger der Geschichte aufgrund der rund  35 Jahre, die seit Entstehung der Geschichte vergangen sind, mittlerweile merkwürdig erscheint.
Ich finde hier nicht alle Sprecher gelungen, im Ohr bleiben eigentlich neben den drei Fragezeichen nur der Potter (Karl-Heinz Gerdesmann) und Mihai Eftimin (Volker Brandt), Marianne Kehlau will mir hier ausnahmsweise in ihrer Rolle als Mrs. Dobson nicht gefallen.

Fazit: 6/10

Eine Rezension in 10 Sätzen – Die drei Fragezeichen und der Teufelsberg


Inhalt:

Justus, Bob und Peter sind auf der Mendoza-Ranch und jagen einem unheimlichen Heulen nach, dass auf dem Teufelsberg zu hören ist. Ist es ein Geist, ein Naturphänomen oder gar der berüchtigte El Diablo? Erst der Fund eines merkwürdigen Steins zeigt, dass eine ganz andere Person verdächtig ist….

Kritik:

Die drei Fragezeichen und der Teufelsberg ist eine erstklassige Folge, die mir sehr gut gefällt, obwohl sie außerhalb der “Zivilisation” spielt – ich habe sonst so meine Probleme mit “Wildnisfolgen”. Im Gegensatz zur Folge “… und der Zauberspiegel” ist Jürgen Thormann (auch als Synchronsprecher von Michael Caine bekannt) als Mr. Dalton wirklich gut. Auch die restlichen Sprecher – neben den drei Detektiven – sind sehr gut ausgewählt, daher an dieser Stelle keine Kritik. Weiter passt die musikalische Untermalung und der Einsatz der Geräusche nahezu perfekt. Man hat das Gefühl, sich wirklich auf einer weitläufigen Ranch zu befinden, mit wenig Personal, aber unglaublich viel Land. Auch die Umsetzung der Geräusche in der Höhle ist sehr gut gelungen und macht in der Hinsicht Lust auf mehr. Die Auflösung des Falls ist dann auch ganz anders als man zu Beginn vielleicht denkt und im Übrigen kommt hier wieder ein beliebter Tätertyp vor.

 

Fazit: 10/10

Eine Rezension in 10 Sätzen – Die drei Fragezeichen und die Geisterinsel


Inhalt: 

Peters Vater arbeitet für ein Filmteam auf der sogenannten “Geisterinsel“, doch da es derzeit für das Filmteam nicht viel zu tun gibt, werden Justus, Bob und Peter von Alfred Hitchcock gefragt, ob sie Interesse hätten, bei einem Kurzfilmdreh mitzuarbeiten. Die drei Detektive sagen natürlich “ja” und stecken damit mittendrin in einem neuen Fall, in dem es um ein Gespenst, einen Überfall und einen alten Piratenschatz geht.

Kritik: 

Die drei Fragezeichen und die Geisterinsel macht einfach Spaß, obwohl sie schon so alt ist, die Stimmen der Sprecher noch dementsprechend jung. Doch abseits der spannenden Geschichte (Schatzsuche, Überfall, Geister) gibt es hier ein andere Highlight, das ich unbedingt hervorheben möchte: Chris Markos (Stephan Chrzeszinski). Es ist eines der wenigen Male in den Drei Fragezeichen, dass Rassimus betont wird (“Viele Fischer mögen mich nicht, weil ich Ausländer bin”) und das direkt in mehrfacher Hinsicht. Bis auf die drei Detektive selbst stehen fast alle Figuren dem griechischen Jungen und seinem Vater ablehnend gegenüber, aber die drei Detektive vertrauen ihm – auch weil er sie im strömenden Regen von einer Insel rettet. Auch die Atmosphäre ist gut umgesetzt. Das Rauschen des Meeres, die Vögel, Tauchgeräusche, die Musik: ein rundum gelungenes Paket.
Die Detektivgeschichte geht zwar hinter der Schatzsuche, die vor allem von Peter und Bob betrieben wird (Justus ist zu stark erkältet), etwas unter, de facto ist das aber gar nicht schlimm, denn durch die Atmosphäre und das Erzähltempo gleicht sich das prima wieder aus. Und wer meinen Blog länger verfolgt weiß auch, dass die letzten Folgen sehr viel detektivischer waren und daher “Abwechslung” gar nicht schadet.

Insgesamt: 10/10 Punkten

 

Kritik am Artikel — Super-Mittwoch: “Online-Wahn: 10 Gründe für den Einkauf vor Ort”


CC some rights reserved Fotograf: Tim "Avatar" Bartel

CC some rights reserved
Fotograf: Tim “Avatar” Bartel

So die Überschrift in der vorletzten “Super-Mittwoch“, manche würden sagen “der Werbebroschüre”, die hier jeden Mittwoch eintrifft. (Vermutlich wäre so etwas wie “Anzeigenblatt” die bessere Wahl, Wochenblatt ginge vielleicht auch noch) Es ging darum, dass heute mehr und mehr im Internet gekauft wird und die Innenstädte deshalb unter Leerstand und zurückgehender Kundenzahl leiden.

So ein bisschen passt das zu der “Lieferverkehrthematik” (die jetzt übrigens auch die Aachener Nachrichten aufgegriffen hat), die ich erst neulich in einem Artikel beschrieben habe.

Ein großer Teil dieser Ausgabe beschäftigt sich mit “Offline-Shopping” – indirekt: der Rettung der guten alten Einkaufszone.

Aufgefallen sind mir die 10 Gründe, die die Redaktion pro “Offline-Shopping”, also dem Einkaufen vor Ort, nennt. Diese 10 Gründe würde ich hier gerne zerpflücken:

Grund Nr. 1: “Bummeln macht Spaß”

Als Mensch der gerne bummelt, muss ich dem zustimmen. Bummeln macht Spaß. Allerdings müssen wohl die meisten Menschen in ihrem Umfeld nicht lange suchen, um Leute zu finden, denen Bummeln aus diversen Gründen eben gerade keine Spaß macht. Zu voll, zu laut, nicht der gewünschte Artikel vorrätig, zu teuer, zeitraubend, keine guten Öffnungszeiten, keinen Sitzgelegenheiten, Frauen wollen 100 Paar Schuhe anprobieren.
Wie gesagt, ich gehe gerne Shoppen. Für andere ist es der Graus pur und deren Argumente kann ich sehr gut nachvollziehen. Bummeln macht auch nur dann Spaß, wenn man Zeit hat und vielleicht noch wichtiger: Geld. Sonst kann bummeln schnell frustrieren. Also ein subjektives Argument, das sich nicht auf jeden übertragen lässt.

Grund Nr. 2: “Eine persönliche und professionelle Beratung”

Geschenkt. Ja. Die kann man im Einzelhandel bekommen. Aber… will man die überhaupt? Bei vielen Einkäufen, die ich so tätige, brauche oder will ich keine Beratung, keine Verkäufer, die mich beim Betreten des Ladens beäugen und mich fragen, ob er mir helfen kann. Ich bin dann manchmal unangenehm berührt, wenn ich antworten muss: “Ich möchte mich nur mal umschauen”. Zudem: Ich überlege mir in der Regel vorher, was ich haben will, wenn ich nicht gerade wirklich wegen Punkt 1 unterwegs bin – zum Bummeln oder neudeutsch: Shoppen. Zudem halte ich “persönliche und professionelle Beratung” in mindestens 70% der Fälle für eine Floskeln, die kaum wahr ist. Ich erinnere mich noch gut an die Male, als ich tatsächlich mal Beratung haben wollte und die meistens schlecht und wenig informativ war, bzw. auf meine Wünsche einfach nicht eingegangen wurde. Am schlimmsten ist das dann noch, wenn man sich vorab über ein Produkt informiert hat, der Verkäufer einen aber für blöd verkauft.

Symbolbild Shopping

Karin Beate Nøsterud/norden.org

Noch so eine Floskeln. Man kann exzellenten Service durchaus haben. Aber das gilt weder für alle, noch für einen Großteil der Geschäfte. Exzellenter Service bemisst sich zudem meines Erachtens nach daran, was der Kunde sich vorstellt. Und wenn ich auf amazon lediglich den Artikel heraussuchen muss, den ich haben möchte und ihn dann bestelle, er innerhalb von ein-zwei Tagen geliefert wird und ich über eine gute Möglichkeit des Rückversands verfüge, ist das oft der beste Service den ich mir vorstellen kann. Das letzte Mal, dass ich Service in Anspruch genommen habe, der vom Geschäft ausging, war der Kauf meiner/unserer Waschmaschine, für den wir den Lieferdienst des Händlers in Anspruch genommen haben. Inklusive Aufbau. Solche Anschaffungen sind aber eher selten und in vielen Geschäften ist exzellenter Service auch etwas Subjektives.

Grund Nr. 4: “Im Laden vor Ort ist der Mensch noch Mensch, keine Kundennummer”

Einfache Antwort: Floskel. Vor Ort ist der Mensch noch Mensch? Das Gefühl habe ich nicht. Da ist der Mensch ein Kunde, der etwas will, im Zweifelsfall noch von einem selbst. Da muss dann an der Kasse der Ausweis vorgezeigt werden, wenn man mit Karte zahlt – ja, eigentlich der Ausweis. Führerschein dürften eigentlich nicht gelten (Ausweismitführpflicht gibt es in Deutschland nicht). Wenn man übrigens in “Ketten” einkaufen geht oder in großen Kaufhäusern ist man genauso eine “Nummer” wie im Internet auch. Im Übrigen: Wenn ich bei Amazon anrufe, dann werde ich doch auch von der Nummer zum Menschen. Und ehrlich? Wenn ich schnell und einfach etwas einkaufen möchte und sei es ein Buch für ein Seminar, dann ist es mir egal, ob ich nun floskelhaft ein “Mensch” bin oder eine Nummer. Hauptsache ich bekomme mein Buch schnell und leicht.

Grund Nr. 5: “Jeder Einkauf sichert Arbeitsplätze”

Ich kann dieses Argument nicht hören. Es ist in meinen Augen ein “Scheinargument”. Auch die Herstellung von Wagenrädern und das Anzünden von Gaslampen sichert Arbeitsplätze. Der Internethandel übrigens auch… Ich sage nicht, dass ich es für gut befinden würde, dass wegen fehlender Einkaufskraft in den Innenstädten die Leute ihre Jobs verlieren, aber persönlich glaube ich nicht, dass das nur am Internet liegt. Die Subventionierung und der Kauf von Print-Medien sichert übrigens auch Arbeitsplätze.

Grund Nr. 6: “Einkaufen vor Ort erhält unsere Gemeinden”

Nun ja. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, was damit gemeint ist. Ich sehe mich nicht als Teil der Aachener Gemeinde weil ich einkaufen gehe. Ich sehe mich auch nicht als Teil der Gemeinde, in der ich groß geworden bin, weil ich dort einkaufen gegangen bin. Wenn es dort so weiter geht, wie es derzeit der Fall ist, wird es dort demnächst nur noch Rollatoren und Alte-Damen-Kleidung zu kaufen geben. Ja, das erhält die Gemeinde. Aber nur die, die auch die angebotenen Produkte kaufen und die “Zeit” haben, sich ewig mit Verkäufern und anderen Kunden zu unterhalten. Die man sonst nie sieht und nie spricht und eigentlich auch keine Interessen teilt. Ich weiß nicht, ob ich da von “Gemeindeerhalt” reden würde. Das kommt für mich eher durch Vereine und “Stadtfeste” zusammen. Ich glaube, dieses Gemeindegefühl kann nur dort entstehen, wo wir ohnehin sehr kleine Gemeinden haben, wo man also die Bäckereifachverkäuferin persönlich kennt und die Henriette Müller im Bekleidungsgeschäft jeden Sonntag in der Kirche trifft.

Grund Nr. 7: “Man kann die Ware anfassen, anprobieren und sofort mitnehmen”

Ja. Stimmt. Absoluter Grund für den Einkauf im Einzelhandel. Gerade bei Kleidungsstücken stimme ich da absolut zu. Dies ist wirklich ein Argument für den Einzelhandel. Auch wenn es Leute gibt, die ohnehin immer die gleichen T-Shirts und Socken vom gleichen Hersteller kaufen. Die können dann auch über das Internet bestellen.

Grund Nr. 8: “Vor Ort Einkaufen wirkt inspirierend”

Auch hier: Ja, durchaus. Aber das kann das Internet auch, vielleicht sogar noch besser. Ich muss aber zugeben, dass ich liebend gerne “inspirierend shoppen” gehe, soll heißen: Ich schau mich um und sehe mir – gerade bei Kleidung – an, was es so Neues gibt und überlege, ob ich davon vielleicht doch noch etwas brauchen könnte.

Grund Nr. 9: “Ware kann problemlos umgetauscht werden.”

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Das ist ein Scheinargument, was häufig nicht stimmt. Umtausch nur in Orginalverpackung (witzig, wenn dann in der eingeschweißten CD-Doppelhülle eine CD fehlt). Umtausch nur gegen Gutschein. Umtausch nicht möglich. Alles Dinge, die ich im Einzelhandel schon erlebt habe. Bei Amazon habe ich bisher einmal etwas zurückgehen lassen müssen. Etwa ein Jahr nachdem ich es gekauft hatte (ein MP3-Player). Und das war gar kein Thema. Ich habe das Geld erstattet bekommen und dies ging schnell und zügig. Keine Nachfragen nach der Originalverpackung oder dem Grund des Kaputtgehens. Die meisten Leute, die zudem etwas im Internet zurückgegeben haben und mit denen ich gesprochen habe, bestätigen in Hinblick auf Amazon dieses Erleben. Die Rückgabe ist meist problemloser als im Einzelhandel. Sie kann nur in Ausnahmefällen etwas länger dauern.

Grund Nr. 10: “Schafft soziale Kontakte.”

Ehrlich? Das ist ein Argument? Welche sozialen Kontakte? Vielleicht in einer Kleinstadt, wo ohnehin fast jeder jeden kennt. Aber hier in Aachen? Soziale Kontakte habe ich im Einzelhandel noch nicht geschlossen und habe auch nicht das Bedürfnis danach. Leute, die mir an der Kasse ihre Lebensgeschichte erzählen, sind mir sehr suspekt und Verkäufer, die dies von mir wollen, finde ich auch merkwürdig.
Meine sozialen Kontakte pflege ich da eher noch bei Arztbesuchen, egal ob HNO, Neurologe oder Hausarzt.

alle Zitate stammen aus der Ausgabe “Super-Mittwoch” vom 12.03.2014

Rezension: Hartmann von Aue – Erec


Ich starte heute eine neue Kategorie. In dieser möchte ich euch einige mittelalterliche Texte vorstellen, die ich gelesen habe. (und sicherlich auch einige meiner Leser) Dabei möchte ich die Texte für solche Leute bewerten, die bisher nichts oder wenig mit mittelalterlichen Texten zu tun hatten. Daher fange ich mit dem Text an, mit dem auch ich angefangen habe: Dem Erec von Hartmann von Aue.

Entstanden ist der Erec irgendwann um 1180/1190 und gilt als ältester deutscher Artusroman. Artus, wie der, der das Schwert aus dem Stein gezogen hat. Nur spielt Artus in den Artusromanen eher eine untergeordnete Rolle, vielmehr geht es um die Ritter, die an Artus’ Hof ein- und ausgehen.
Erec ist einer von ihnen und seine Geschichte gehört zu den Werken, die in vielen Germanistikstudiengängen gelesen werden.

Hartmann von Aue - Manessische Liederhandschrift  - Gemeinfrei -

Hartmann von Aue – Manessische Liederhandschrift
- Gemeinfrei -

Überlieferung des Erec

Auch hier nur kurz – in die Tiefe gehen würde dem diametral entgegengesetzt sein, was ich mit dem Text machen möchte – etwas zur Überlieferung: Nahezu vollständig ist uns der Erec nur in einer Handschrift aus dem 16. Jahrhundert überliefert, die geschrieben wurde von Hans Ried. Neben dem Erec ist auch der Iwein und das Nibelungenlied in dieser Handschrift, die man allgemein das Ambraser Heldenbuch nennt, überliefert, sowie einige weitere Texte. Fragmentarisch liegen noch andere Quellen vor.
Problematisch daran ist, dass der Text nicht in mittelhochdeutscher Sprache vorliegt, sondern – aufgrund des relativ jungen Entstehungsdatums der Handschrift – in frühneuhochdeutsch. In den bisher vorliegenden Edierunge des Textes hat man versucht, die mittelhochdeutsche Sprache eines Hartmanns von Aue wiederherzustellen und dabei einige Dinge verschlimmbessert, gerade auch im Hinblick auf den Sinn des Textes. Man muss also vorsichtig sein, wenn man die heutigen Ausgaben liest und sollte bei näherem Interesse für den Text – vielleicht auch etwas wissenschaftlicherer Natur – versuchen, in die Handschrift zu schauen. (Übrigens soll Ende dieses Jahres eine neue Edition herausgegeben werden, die sich stärker am Ambraser Heldenbuch orientiert und die daher wohl einige der “Fehler” heutiger Editionen verbessern wird).

Inhalt:

Eigentlich – bricht man es herunter – ist der Erec eine klassische Rittergeschichte. Heutzutage würde man sagen: Mit einem strahlenden Held, einer wunderschönen Prinzessin, einem bösen Ritter (vielleicht auch mehrern) und schlussendlich auch einem Happy-End.
Erec gewinnt das Herz der schönen Enite durch Aventiuren für sich und heiratet sie schließlich. Doch die Heirat hält ihn davon ab, seine ritterlichen Tugenden nachzugehen, was dazu führt, dass man übel über ihn redet.
Als Erec dies erfährt, macht er sich auf, neue Abenteuer zu erleben und seine Ehre wieder herzustellen. Enite, die ihm von den Gerüchten am Hof berichtet hat, bekommt von ihm ein Sprechverbot, welches sie mehrfach bricht, um Erec zu retten. Nachdem Erec eine Menge Abenteuer bestanden hat, ganz unterschiedlicher Natur, und den Kampf gegen den furchtbaren Mabonagrin gewinnt, kann er zurück an seinen Hof kehren. Mit dem Wissen darüber, wo das richtige Maß zwischen Liebe und Herrschaft liegt, werden er und Enite zu einem guten Herrscherpaar.

Ambraser Heldenbuch  - Gemeinfrei -

Ambraser Heldenbuch
- Gemeinfrei -

Kritik für Nicht-Germanisten:

Obwohl der Erec einige Stellen bietet, die dem heutigen Leser merkwürdig vorkommen (insbesondere die verselange Beschreibung von Enites Pferd und dessen Zaumzeug), ist der Roman durchaus ein guter Einstieg in die mittelhochdeutsche Literatur. Er hat alles, was eine Rittergeschichte braucht und gleichzeitig nichts, was die Geschichte für den Laien zu kompliziert oder zu “wenig lesenswert” macht. Nicht umsonst gehört sie zu den ersten mittelhochdeutschen Geschichten, die man im Studium liest.
Gleichzeitig ist der Text auch ein guter Einstieg für das Lesen weiterer mittelhochdeutscher Texte, weil hier einige Dinge vorgeführt werden – und zwar leicht verständlich – die für das Lesen komplizierterer Texte durchaus notwenig sein könnten.
Man kann beim ersten Lesen nicht alles verstehen, dafür ist ein Studium von Sekundärliteratur wohl unumgänglich. Wer allerdings kein Problem damit hat, bestimmte Motive oder Anspielungen nicht beim ersten Mal zu durchschauen, für den ist der Erec der perfekte Einstieg in eine mittelhochdeutsche Literaturliste, die doch sehr lang werden kann.

Nicht abschrecken lassen sollte man sich ob der Sprache. Der Erec ist ins Neuhochdeutsche übersetzt worden und selbst wenn die Versform auf den ersten Blick abschreckend wirkt, so ist sie es nicht. Eimal daran gewöhnt kann man es leicht und relativ locker herunterlesen.
Natürlich sollte man sich aber auch davon lösen, dass man hier ein Buch liest, wie wir sie heute kennen. Die Zusammenhänge sind vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz klar, die einzelnen Episoden scheinen fast willkürlich zusammengestellt. Wenn man mittelhochdeutsche Literatur liest, dann sollte man damit rechnen, dass diese zunächste inmmal mündlich vorgetragen wurde, weshalb einige Brüche und einige unzudsammenhängend wirkende Stellen in fast allen Überlieferungen zu finden sind – und auch in fast allen (mir bekannten: allen) Texten zu finden ist. Blattverlust, Übertragungsfehler, “Verbesserungen” tragen ihren Teil dazu bei.

Solltet ihr Fragen haben: Ab in die Kommentare damit, vielleicht kann ich helfen