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Dem Baum zur Ehr’


Bild von: Klaus Kappel aus den Wikimedia Commons
CC - Some rights reserved
Link: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baum-mw.jpg

In Aachen, meiner momentanen Wahlheimat, beherrscht seit einiger Zeit unter anderem ein Thema die Nachrichten. Der Umgau des Templergrabens, die Straße vor dem Hauptgebäude der RWTH. Dort soll ein sogenannter Shared Space entstehen, wie es sie schon seit einiger Zeit in den Niederlanden gibt. Beim Shared Space Konzept teilen sich Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt eine Fläche. Sprich: Es gibt keine vorgeschriebene Einteilung mehr in “Straße” und “Fußweg”. Jeder achtet auf jeden.

Was so unvorstellbar klingt, muss es gar nicht sein, denn – wie gesagt – in den Niederlanden gibt es derartige Konzepte bereits. Aber über das Konzept soll hier gar nicht geredet werden, sondern über das, was damit verbunden ist.

Die Umstrukturierung der gesamten Fläche.

Vor dem Karman-Auditorium in Aachen standen ziemlich viele Plantanen. Nicht gerade die Bäume, die ewig brauchen zum Wachsen, gehören eher zu der Sorte Bäume, die doch recht zügig wächst.
Diese Bäume mussten, um einen Umbau des Templergrabens und eine dringend nötige Umgestaltung des Karman-Vorplatzes, gefällt werden. Dass gab schon bei den ersten Bäumen einen riesen Palaver, manch Aachener begann sich schon selbst als “Wood-Bürger” zu bezeichnen.
Ich habe nichts gegen Leute, die die Bäume schützen und Aachen grün halten wollen. Doch darf man nicht vergessen, dass für Umbauarbeiten in größerem Maßstab häufig Pflanzen und Bäume dran glauben müssen. Das ist zugegebenermaßen recht traurig und sollte so weit es irgendwie möglich ist – und ich meine auch finanziell möglich – vermieden werden.
Doch die Bäume am Karman waren weder besonders erhaltenswürdig – es ist ja keine 1000 Jahre alte Eiche dabeigewesen – noch sind sie sonderlich hübsch. Die Plantanen, für deren Erhalt manch Aachener gekämpft hat, sind in meinem Umfeld unter den Studenten gar nicht so sonderlich beliebt gewesen. Unter anderem deshalb, weil sie die Platten um die Bäume herum mit ihren Wurzel bereits anhoben und die Fläche im Winter damit noch gefährlicher wurde. Auch standen um die im Quadrat angeordneten Bäume keine Bänke, sondern höchstens Fahrradständer, sodass der Platz gar nicht korrekt genutzt werden konnte. Schade, eigentlich.

Und auch Schade, dass die Bäume jetzt weg sind.

Die Bauarbeiten haben jetzt in jedem Falle begonnen und sind auch schon recht weit fortgeschritten. Es ist halt wirklich viel zu tun.

Jetzt laufe ich heute nichtsahnend am Karman-Auditorium herum und was sehe ich? An diversen Bäumen und Ampeln hängen Pappschilder, die mit teils sehr drastischen Worten die Uni, die Studenten und die Befürworter des Projekts für anscheined den Untergang der Welt verantwortlich machen. Warum? Weil einerseits noch ein paar mehr Bäume gefällt werden sollen und andererseits ja schon so viele weg sind.
Ich gebe insofern recht: Bäume bieten Vögeln und anderen Lebewesen Lebensraum, lassen die Stadt grüner werden und sorgen für Schatten. Aber im Endeffekt sind es ein paar Bäume.
Wie gesagt: Auch ich finde es sehr, sehr schade, dass man die Plantanen dort gefällt hat. Aber ich sehe auch, dass es nötig ist, um ein modernes Verkehrssystem zu schaffen, welches nicht – wie so oft in Aachen – die Autofahrer bevorteilt und die Fußgänger unnötig lange warten müssen, um von der einen auf die andere Straßenseite zu kommen.

Meine Sympathie für die Wood-Bürger wäre größer, würden sie nicht nur schreien, sondern durchführbare Alternativen vorschlagen. Aber meine Suchen im Internet war kurzweilig, weil ich nichts definitives gefunden habe, außer Vorschläge alla Stufenbau und weitere Treppen. Doch genau das gilt es gerade am Karman zu verhindern. Denn schon jetzt ist es für behinderte Menschen aufgrund der vielen Treppen ziemlich schwierig, einen guten Zugang zum Karman zu finden..

Was zu sagen bleibt:

Liebe Wood-Bürger, nennt durchführbare Alternativen, die für die Studenten, die dort tagtäglich herumlaufen, akzeptabel sind, die eine Alternative für Behinderte darstellt und finanziell machbar ist, ohne das man dabei Bäume wochenlang herumkarren muss.

 
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Geschrieben von - April 16, 2012 in In eigener Sache, Kurioses, RWTH

 

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Wilhelm Busch


Ich war auf einer Ausstellung zu Wilhelm Busch. Nicht weil ich wollte, sondern weil ich dort etwas zu erledigen hatte. Und während ich der Ausstellungseröffnung lausche und mir die gezeigten Beispielbilder ansehe, ist mir etwas aufgefallen:

Wieso vergötterte man zu meiner Kindheit Wilhelm Busch? Wieso lasen Eltern ihren Kindern daraus vor? Hat man mich ernsthaft mal gefragt, was ich von Wilhelm Busch halte?

Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich “Max und Moriz” und Co. schon früh abstoßend fand. Ja, gar ekelig.
Warum? Weil sie ungeheuer brutal sind. Die beiden Jungs, die zwar allen Leuten streiche spielen, die bisweilen auch gefährlich sind, finden am Ende den Tod in einer Mühle. Das finde ich selbst aus heutiger Sicht sehr abstoßend. Wieso wurde und wird den Kindern dies immer noch vorgelesen?
Ich bin hier vielleicht etwas polemisch, das gebe ich gerne zu, aber ich würde heute keinem Kind mehr Busch vorlesen. Warum? Weil mir der pädagogische Gedanke dahinter fehlt. Mir fehlt die Aussöhnung. Mir fehlt die Einsicht. In den meisten Wilhelm Busch Geschichten, die ich so kenne, findet der Protagonist/die Protagonisten ein ziemlich grausames Ende (verbrannt, von Schirmen erstochen usw.). Braucht das ein Kind?
Da regt man sich über die Darstellung von Gewalt in Fernsehen und Computerspielen auf und ließt seinen Kindern Erzählungen von Menschen vor, die sich zu Tode hungern? Die von Mühlsteinen zerquetscht, aufgehangen und von Kisten den Kopf abgetrennt bekommen?
In der Ausstellung sagte jemand, dass man über die Qual der Menschen lachen kann.

Ich kann das nicht. Und ich konnte es nicht. Ich finde Wihelm Busch nicht lustig. Morbide – vielleicht. Abschreckend? Ganz sicher. Aber das nicht im positiven Sinne. Es passt heute nicht mehr in das pädagogische Konzept hinein. Kindern Wilhelm Busch vorzulesen, halte ich für eine ungünstige Methode.

Ja. Viele Märchen der Gebrüder Grimm enthalten auch einen brutalen Teil. Das schöne an ihnen ist aber, dass man ihn rauslassen kann. Bei Aschenputtel ist das schwieriger, aber ich finde, ein abgehackter Zeh und eine schwer verletzte Ferse sind besser, als von einem Mühlstein zerquetscht zu werden. Die Abschlussszene von Aschenputtel, in der Tauben der Stiefmutter und den Stiefschwestern die Augen ausstechen, kann man weglassen. In Dornröschen wird die tiefere, brutalere Seite erst sichtbar, wenn man interpretiert. Und das tut ein Kind nicht auf diese Art und Weise.Rotkäppchen fand ich schon als Kind nicht besonders dolle, ebenfalls die Sieben Geißlein nicht. Schneewittchen ist sehr spannend – aber auch hier kann man getrost den Tod der Hexe weglassen. Hänsel und Gretel finde ich bis heute eigentlich zu brutal für Kinder.
Von mir bekommt ein Kind eher einen netten Disneyfilm geschenkt, in dem der heldenhafte Prinz eine Hexe in Gestalt eines Drachens tötet, als ein Buch von Wilhelm Busch. Denn ich möchte nicht, dass Kinder, ähnlich wie ich, sich diese Geschichten antun müssen, obwohl sie sie nicht gut finden
Ich kann über dies Darstellung der Qual und des Todes nicht lachen. Nein. Das kann ich nicht.

 
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Geschrieben von - März 18, 2012 in Eva missbilligt, In eigener Sache

 

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Batman – Houdini


Rechte liegen beim Urheber/DC Comics

Erschienen ist das Heft auf Deutsch im Jahre 1997 im Carlsen-Verlag. Das amerikanische Copyright beläuft sich auf das Jahr 1993. Geschrieben von Howard Chaykin und John Francis Moore. Gezeichnet von Mark Chiarello.

Inhalt:

Die Geschichte spielt im Jahre 1907, eine Zeit, die ich persönlich künstlerisch schätze.
In Gotham City befindet sich der großartige Zauberer Houdini. Gleichzeitig verschwinden auf mysteriöse Weise in Gotham City Kinder.
Houdini möchte dem Verschwinden der Kinder nachgehen und trifft dabei auf den jungen, verwöhnten Bruce Wayne als auch auf eine riesige Fledermaus, der im Heft als “Bat-Man” (!) bezeichnet wird. Gemeinsam machen sie sich auf, das Verschwinden der Kinder aufzuklären und nehmen es dabei mit einem ungewöhnlichen Gegner auf, der beide in ihren Überzeugungen und Grundfesten erschüttert.

Rezension/Kritik:

Der Anfang des Heftes macht es einem nicht gerade leicht. Dadurch, dass sich Bruce Wayne und Houdini durch den verwaschenen Zeichenstil sehr ähnlich sehen (beide dunkle Haare, keiner einen Bart), ist es nicht immer einfach, den jeweiligen Sprecher auseinander zu halten. Auch ist nicht von Anfang an klar, wer eigentlich der Erzähler des Hefts ist. Er später wird deutlich, dass es nur Houdini erzählt, obwohl zu Anfang auch Batman der Erzähler sein könnte.

Doch wenn man diese Hürde ersteinmal überwunden hat, kann man viel Freude an diesem Heft haben. Nicht nur die andere Zeit, in der Batman agiert, ist interessant, sondern auch das, womit er es letztenendes zu tun kommt.
Man trifft einerseits auf bekannte Gestalten, wie Vicky Vale (Victoria Vale wird sie im Heft genannt), Alfred (der in diesem Heft ein Dunkelhäutiger ist) und Jack Schadenfreude (Wer sich hinter letzterem verbirgt, brauch ich glaub ich nicht ausführen), auf der anderen Zeite aber auch auf ganz neue Figuren, wie etwa den undurchsichtigen “Rindfleischbaron” und eine Opernsängerin.
Der Zeichenstil machte es mir einfacher, zu erkennen, in welcher Epoche man sich befindet. Denn auch wenn das Verwaschene, gemalt Wirkende, einem das Erkennen einzelner Figuren nicht leicht macht, hat man doch als Leser schnell das Gefühl, in einer anderen Epoche zu sein. Vielleicht, da der glatte Strich nicht existiert, den man heute so kennt. Damit wird der Eindruck erzeugt, dass man sich nicht in der heutigen Zeit/Moderne befindet, sondern eben in einem für uns etwas “verwaschenen” Zeitalter (vielleicht etwas überinterpretiert).

Die allgemeine Örtlichkeiten im Heft sich überzeugend ausgesucht worden. Die Fleischfabrik ist ein unheimlicher Ort und wie man im Verlaufe des Hefts feststellt, natürlich nicht ganz koscher. All dies hat auch mit den Kindern zu tun…

Die Zusammenstellung der Protagonisten ist sicherlich interessant. Houdini wirkt für Batman/Bruce Wayne als eine Art Mentor. Vielleicht auch als “kluger Kopf”. Während des Heftes stellt Houdini Batman immer als einen Neuling dar, als jemanden, der lieber Sprengstoff benutzt als Dietriche, vorprescht und teils unüberlegt handelt. Dies ist ein interessanter Schachzug der Autoren, könnte man doch argumentieren, dass Houdini das Hirn/der Geist und Batman der Körper/der Kämpfer ist. Dies stimmt sicherlich nicht in allen Punkten, auch Batman zeigt, dass er Köpfchen besitzt, aber in gewisser Art und Weise scheint es doch so, als habe man den bekannte Batman in einen Bat-Man (!) und einen Houdini aufgetrennt. Interessante Sache in jedem Falle, die Batman nicht als absolut perfekt darstehen lässt.

Das Heft geht relativ schonungslos mit dem Leser um. Zwar werden die Taten von Jack Schadenfreude nicht offen gemalt gezeigt, sondern (meist durch diesen “Verwaschen”-Effekt) nur angedeutet oder angesprochen. Den Rest kann der Leser sich denken und das fand ich schon – sagen wir mal – sehr, sehr düster. Es handelt sich hierbei definitiv um ein Heft, dass für Erwachsene, vielleicht noch ältere Jugendliche gemacht ist. Nicht aber mehr für ein Kind. Dafür sind die Figuren zu skuril, der Zeichenstil zu düster, die Handlung psychisch zu brutal.
Gerade Jack Schadenfreude macht seinem Vorbild alle Ehre, vielleicht setzt er sogar noch einen oben drauf. Das weiß zu gefallen.

Die Geschichte ist gut durchdacht, auch wenn der Leser vielleicht schneller als die handelnden Figuren weiß, wie der Hase läuft. Dies macht aber nicht unbedingt die Geschichte weniger spannend. Als Manko muss man jedoch festhalten, dass die Autoren zwar unglaublich gut starten und eine unheimliche Atmosphäre aufbauen, ihre eigentlichen Antagonisten jedoch bis auf Jack Schadenfreude ein wenig farblos bleiben. Man hätte noch einiges mehr an Spannung rausholen können.
Victoria Vale jedoch weiß zu gefallen.


Fazit:

Persönlich halte ich “Batman – Houdini” für eine sehr gelungene Elseworthgeschichte, die mit ihren fast 20 Jahren auf dem Buckel immer noch nichts von ihrer Spannung einbüßen konnte. Auch heute noch, wenn man mal überlegt, wie viele Geschichten in den 20 Jahren erzählt worden sind, stellt dieses Heft einen neue Herangehensweise an den Mythos Batman dar, den man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Es gibt Abstriche, dass habe ich bereits gesagt.
Herausheben (eventuell erneut) möchte ich:
- die Zeit. Batman an den Anfang des 20. Jahrhunderts zu versetzten hat was und zeigt, dass die Figur auch dort funktionieren könnte. Ja, sie tut es. Davon würde ich gerne mehr lesen.
- das Setting. Man hat das Gefühl, man befände sich wirklich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeichnungen, die Kleidung, das Auftreten der Figuren ist in sich stimmig.
- das Kostüm von Bat-Man. Ach, ich liebe Kutschermäntel
- der starke Start der Geschichte. Gute Idee, sehr guter Handlanger. Leider schwacher “Endgegner”.
- Houdinis Darstellung. Sie ist ziemlich gut gelunge, vor allem, da Houdini wirklich ein Gegner der Spiritismusbewegung war und maßgeblich daran beteiligt war, dass ein Geldpreis der Zeitschrift “Scientific American” für den Nachweis von übernatürlichen Aktivitäten nie ausgezahlt werden musste
- der Bat-Man-Bezug. Für alle, die es nicht wissen: Batman sollte/hieß zuerst so.

 
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Geschrieben von - März 12, 2012 in Batman, Bücher, Comics, Rezension

 

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Batman – Das Geschäft des Bösen


Originaltitel: The Ultimate Evil

Die Rechte liegen beim Urheber/DC Comics

Erschienen bei Carlsen Comics im Jahr 1997, Originalcopyright 1995. Es ist nach einem Roman von Andrew Vacchs, die Comicumsetzung ist von Neal Barrett Jr., die Zeichnungen (Bleistift/Tusche) von Denys Cowan und Prentis Rollins

Inhalt:

Das Heft beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema. Während er eine Jugendamtsmitarbeiterin begleitet, stößt er eher zufällig auf einen Kinderporno- und Sexring, der sowohl . Als er diesem nachgeht, bekommt er von Alfred das Tagebuch seiner Mutter überreicht, in dem er etwas über seine Mutter herausfindet, was er nicht erwartet hätte….

Kritik:

Allgemein:

Die meisten alten Hefte, die ich im Laden kaufe, sind Spontankäufe. Daher bin ich Carlsen doch recht dankbar für ihre Klappentexte. Und dieser lies eine sehr spannende Geschichte erwarten.
Leider wurde ich enttäuscht. Ich möchte hier nicht viel näher auf die Darstellung der Pädophilie eingehen, es sei nur gesagt, dass ich, genauso wie die meisten anderen, deren Ausübung verabscheue, egal in welcher Form, es aber gut finde, dass diese sexuelle Neigung als solche nicht strafbar ist. Pädophile Handlungen jeglicher Art sollten jedoch mit der höchstmöglichen Strafe belegt werden, Aufklärung sollte besser werden und Opfer eine bessere Betreuung erfahren. Soviel sei jedoch gesagt: Sie ist mir zu undifferenziert, wirkt teilweise sehr nach jemandem, der generell die Neigung verurteilt, nicht nur die Taten. Der sich auch nicht viel Gedanken um die Psyche der Täter macht. Es mag sein, dass das an der Zeit liegt, ich halte es aber wahrscheinlicher, der Vacchs eigenes Leben eine große Rolle spielt (hauptberuflich Antwalt, vertritt nur Kinder- und Jugendliche, seine Bücher handeln in weiten Teilen von jeglicher Art des Missbrauches von Kindern).

Umgang mit der Figur:

Betrachtet man sich Vacchs Umgang mit Batman, merkt der geneigte Batman-Kenner schnell, dass er sich doch auf dem Terraine nicht so gut auskennt, als das man davon sprechen könnte, dass er ein stimmtes Charakterbild kreiert. Ich kenne viele Hefte, in denen Batman einwenig “out of character” erscheint. Die meisten davon sind eher episodenhafte Darstellungen eines freundlichen Bruce Wayne, der mit unterpriviligierten Kindern zelten geht. Sie sind “out of character” und die Autoren wissen das, vielleicht macht sie das so liebenswert. Bei Vacchs ist dies nicht der Fall. Nicht nur, dass Batman mit der Mitarbeiterin des Jugendamtes in die Wohnung kommt, sondern auch dass er zusieht, wie ein Mann einen anderen erschießt. Auch wenn es sich bei dem Erschossenen um den eigentlichen Bösewicht handelt, reicht es m.E. nicht, Batman nacher darüber sinieren zu lassen, dass er es hätte verhindern könne.
Auch ist es völlig unglaubwürdig, dass Batman, als der große Detektiv von Kindesmissbrauch nicht die geringste Ahnung zu haben scheint. Nein, es wirkt glatt so, als habe er sie all die Jahre vollständig ignoriert. Das wirkt fast so, als habe Vacchs niemals zuvor ein Batman Comic in der Hand gehabt.
Hier spricht glaube ich eher Vacchs eigener Selbstjustizwunsch – der sich laut Wikipedia wohl auch in vielen anderen Werken finden lässt – als eine koherente Gestaltung des Charakters innerhalb ihrer bekannten Grenzen. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem des Werks: Es ist völlig irrelevant, ob da nun Batman handelt, oder The Mighty Superhero XY oder ein kleiner Privatdetektiv. Es spielt keine Rolle. Es ist austauschbar. Sehr schade.
Auch die “Umgestaltung” von Martha Wayne will mir nicht ganz gefallen. Auch wenn es rein theoretisch passt – viel ist über sie ja nicht bekannt – so scheint es doch unwahrscheinlich, dass sie ein Tagebuch über Kindersextourismus führt, und dann nicht dafür sorgt, dass es nach ihrem Tod an jemanden kommt, der handeln kann. Für eine angeblich so gegen Sextourismus und Kindesmissbrauch angehende Frau, scheint die wenig passend.

Batmans Gefasel

Auch Batmans Gefasel (entschuldigt dieses Wort, aber es fühlt sich für mich genauo so an) davon, er habe nicht gegen “das Verbrechen”, sondern gegen “Verbrecher” gekämpft, ist letztenendes doch inhaltsleer. Würde Batman gegen “das Verbrechen” kämpfen, dann würde er nicht so handeln, wie er es im Heft tut, sondern das Übel bei ihrer Wurzel packen. Und das ist nicht das Reisen in ein anderes, selbstverständlich asiatisches Land und das Aufmischen des dortigen Kindersexbarons. Man müsste die Ursachen, Leid, Elend, Armut, Arbeitslosigkeit bekämpfen. Und so ist doch Vacchs bei seinem Versuch, Batman das Verbrechen bekämpfen zu lassen, letztenendes beim “Verbrecher” bekämpfen geblieben.
Dies wird erst recht deutlich, wenn er Batman nach Udon Khai (jenem ostasiatischen Land) reist, um den Sextourismus dort zu beenden. Er trifft auf Dorfbewohner, die Kinder aus ihrem Dorf an die entsprechenden Zuhälter in die Großstadt verkaufen. Er trifft dort auf einen Mann, der ihm erzählt, warum der Vater seine Tochter verkaufte: “Dieser Mann hat neun Kinder. Neun. Wie soll er sie ernähren? Der Mohn wächst hier nicht gut.” Auf die Frage, was dieser Mann tun soll, um seine Familie zu ernähren, hat Batman die ungemein platteste Antwort, an die ich mich in einem ernstgemeinten Batman-Comic erinnern kann. “Ich würde meine Kinder nicht mit dem Blut ihrer Schwestern oder Brüder ernähren. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich stehlen.” Wunderbar. Als ich diesen Satz las – er steht am Ende eine Seite und den Blick nach oben auf die nächste wandte, wusste ich schon, was der Dorfvorsteher antwortet. Hatte er doch darauf hingeweisen, dass die Gegend arm ist: “Krieger. Hier gibt es nichts zu stehlen.” Und was macht Batman dann? Er ruft zu einem bewaffneten (!) Konflikt auf, er ruft quasi dazu auf, zu töten. Das passt nicht zu Batman. In keinster Art und Weise. Denn er nimmt den Tod vieler Leute in Kauf, auch derjenigen, die die eigentliche Bosse beschützen, vielleicht mit den Taten als solche gar nichts zu tun haben. An dieser Stelle habe ich mich gefragt: Ist Vacchs eigentlich daran interessiert, eine gute Geschichte zu schreiben, oder will er seinen eigenen, persönlichen Kampf auch in die Welt von Batman einbringen, obwohl sie dort gar nicht hinpasst?

Der Titel:

Der deutsche Titel ist okay. Keine wortwörtliche Übersetzung aber annehmbar und wie ich finde ausnahmsweise besser als das englische Original. Warum? Bei allem Ekel, den der Missbrauch von Kindern auslöst, kann ich nicht sagen, dass es das “ultimative Böse” ist. Wie sieht es aus mit der Vergewaltigung und des Mordes an einer Frau? Wie sieht es aus mit einem Mord aus Habgier? Einem Mord an einem Kind? Ich möchte damit keinesfalls Kindesmissbrauch relativieren. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass es viele Dinge gibt, die als das “Ultimativ-Böse” bezeichnet werden können. Ob Batman hier tatsächlich gegen das Ultimativ-Böse kämpft, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht auch deshalb weil Vacchs mir nicht ausdifferenziert genug arbeitet.

Fazit:

Die Zeichnungen sind okay (mehr aber auch nicht).
Aber der Rest? Ich kann nur noch mal sagen, dass ich enttäuscht bin. Ich hatte mir sehr viel mehr von dem Heft erhofft, ja ich hatte eine gute Auseinandersetzung erwartet, ein Packen des Übels bei der Wurzel und zwar auch in der Behebung der Probleme als solche. Was habe ich bekommen? Meines Erachtens nach die Wut eines us-amerikanischen Anwalts, der mit Hilfe des großen Namens Batman auf seinen eigenen Kampf aufmerksam machen will. Ich schätze Menschen, die sich für die Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzten und ich achte Menschen, die den Kampf gegen Kinderpornographie und Kindesmissbrauch aufnehmen. Ich habe kein Problem damit, dass solch ein Thema, auch in seinen vielen unschönen und erschreckenden Aspekten, in Batman-Comics seinen Platz findet. Aber die Machart gefällt mir nicht.
Es wäre vielleicht ein besserer Weg gewesen, den Kampf in Gotham zu belassen. Oder zumindest zu versuchen, das Elend zu lindern. Das Bruce Wayne im DCU zu den reichsten Männern der Welt gehört, wärke es möglich gewesen, genau dort anzusetzen. So hätte er dem Vater, der zu Anfang wegen seiner Aussichtslosigkeit dem Alkohol verfällt und seine eigenen Kinder schlägt, einen Arbeitsplatz vermitteln können (und damit mal was sinnvolles getan), er hätte den Menschen in Udon Khai helfen können – oder zumindest einen besseren Vorschlag als “Ihr könnt alles niederschießen”. Denn ploppt (auch wenn Vacchs auf diese Tatsache am Ende verzichtet) doch bei Vernichtung des einen Rings, an der nächsten Ecke ein neuer auf. Es reicht nicht, die “Händler” auszuschalten. Wichtiger wäre es, die Konsumenten zu bekommen, den Eltern, die ihre eigenen Kinder verkaufen, eine Perspektive aufzuzeigen und dann schön “Batman-Like” den Ring ordentlich aufzumischen. Ohne dabei auf bewaffnete Guerillas zurückgreifen zu müssen, auch wenn es auf den Blick episch wirkt.
Nein, danke. Schwieriges Thema – und in den Sand gesetzt.

 
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Geschrieben von - März 12, 2012 in Batman, Bücher, Comics, Rezension

 

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OmU vs. deutsche Synchronisation

OmU vs. deutsche Synchronisation

Auf Kabel 1 läuft eine neue Fernsehserie an. Da ich keinen Fernseher habe, interessiert mich das eigentlich nicht groß. Allerdings entwickelte sich im Spiegel-Online Forum eine Diskussion über das Thema OmU (Original mit Untertiteln). Es war zu erwarten, aber es kristalliesierte sich schnell heraus, dass die meisten Kommentare sich nur auf dieses Thema bezogen und dann meistens von den Leuten stammen, die OmU (oder nur den Originalton) über alles lieben und die deutsche Synchronisation im gleichen Atemzug verteufeln.

OmU

Ich habe nichts gegen OmU oder nur O-Ton (im Weiteren: OmU), ich wechsle – wenn die Möglichkeit besteht – auch gerne zwischen Sprachen hin und her. Gerade, wenn ich Wortwitz vermute. Das klappt gut.
Manchmal schaue ich mir dann auch längere Passagen in der Originalsprache an, um ein Gefühl für den Unterschied zwischen der Originalsprache und der Synchronisation zu bekommen.
Aber schadet es mir, wenn ich nicht OmU sehe? Warum sehe ich Filme und Serien nicht OmU? Der Grund, er ist denkbar einfach. Weil ich das Deutsche besser verstehe.

Ja, es gibt Leute – gerade im Internet – die ihre “Aber-man-versteht-doch-alles-Keule” herausholen und gar nicht darauf achten, dass auch sie nicht alles verstehen. Es ist vielleicht vergleichbar mit dem Spracherwerb von Kindern. Nehmen wir an, wir würden ein Hörspiel hören. Dort fällt das schöne Wort “kontaminieren” (völlig eigens erdachtes Beispiel). Das Kind weiß nicht, was es bedeutet. Aber entweder erschließt es sich anhand der restlichen Bedeutung den Kontext (aha, irgendwas mit verschmutzen) oder es erachtet das Wort als nicht weiter wichtig und übergeht es ersteinmal. Nach dem dritten oder vierten Hören fragt man dann mal nach, was es eigentlich heißt.
Wenn ich englische Serien schaue, dann gehts mir manchmal wie dem Kind. Ich schaue die Wörter nicht nach, die ich nicht kenne oder nicht verstehe. Ich versuche sie entweder aus dem Kontext zu deuten oder lasse sie, weil sie unbedeutend sind, links liegen.

Nur ganz wenig Menschen können mir erzählen, dass sie alles verstehen, schauen sie eine englische Serie. Und damit meine ich exakt jedes Wort. Um den Bogen zurückzuschlagen zum OmU:
Wenn ich die Möglichkeit habe, etwas auf Deutsch zu sehen, gleichzeitig aber eine englische Tonspur habe, dann bin ich vollkommen glücklich. Ich kann den entsprechenden Film, oder die entsprechende Serie auf Deutsch sehen, wenn ich gleichzeitig in der Küche stehe und spüle, bügel, sticke, oder sonst was mache. Und ich kann die Serie im Originalton sehen, wenn mir danach ist.

Synchronsprechen

Und ich bin immer wieder erfreut über die Arbeit von Synchronsprechern. Es gibt unter ihnen natürlich (das muss ich einschränkend zugestehen) einige, die die Gefühle und Ausdrücke “ihrer” Schauspieler nicht hinbekommen. Andere hingegen sind grandios darin. Manchmal – nur manchmal – hatte ich sogar schon das Gefühl, der Synchronsprecher wäre näher an der Figur, als der Schauspieler. Als langjährige Hörspielhörerin habe ich auch kein Problem damit, wenn Figuren von bekannteren Stimmen gesprochen werden. Da denke ich kurz: “Oh, das ist Oliver Rohrbeck” und dann ist gut. Die Rolle, die er an dieser Stelle spricht ist eine andere – und das ist mir klar.
Zudem denke ich, dass Synchronsprechen eine verdammt schwierige Aufgabe ist. Man spielt nicht selbst, man agiert nicht selbst, man redet nur und das möglichst passend. Die meisten Synchronsprecher leisten da gute Arbeit. Ich denke, dass sich dies festhalten lässt.
Damit sei einmal eine Lanze für die Synchrontradition in Deutschland gebrochen.

Problem: Mangelnde Englischkentnisse

Die deutsche Synchronisation gehört zu den besten der Welt. Meistens gut ausgewählte Sprecher verschiedenster Art und gute Texte. Anders, als in anderen Ländern überspricht nicht einer alles, so dass man nicht mehr auseinanderhalten kann, wer eigentlich was sagt. Dennoch regen sich viele Leute über die deutsche Synchronisation auf. Viele nehmen als Argument die skandinavischen Ländern, in denen recht wenig synchronisiert wird. Das stimmt meines Wissens nach auch.
Auch sind die allgemeinen Englischkenntnisse in diesen Ländern höher, als hierzulande.
Betrachtet man sich aber mal das deutsche Fernsehpublikum, so ist dies keine homogene Masse, die alle auf dem gleichen Schulenglischniveau sind. Ganz im Gegenteil. Gerade die etwas älteren Generationen (und da schließe ich die Generation meiner Eltern schon mit ein) haben ein Problem im Verstehen von längeren, englischen Texten. Ich spreche hier nicht von allgemeinem Vokabular (hello; how are you?; where are you from? my name is… usw), sondern von einem weit darüberhinausgehenden Wortschatz der nötig ist, um Serien, Filme und auch Bücher zu verstehen. Wenn man ab heute viele Serien im Originalton zeigen würde, dann würden denke ich den Sendern doch einige Zuschauer abspringen. Natürlich würde man das so nicht handhaben, das ist klar. Aber selbst, wenn man OmU zeigen würde: Untertitel sind in der Regel schlechter und wesentlich liebloser als die Synchronisation. Wortwitz geht da meistens sogar noch stärker verloren. Würde als OmU zu einem besseren Verständnis der englischen Sprache in Deutschland führen? Ich glaube es weniger. Bei jüngeren Menschen vielleicht, aber sicherlich nicht in den älteren Generationen.

Warum ich dies schreibe?

Weil ich das Gefühl habe, dass einige, die Fernsehserien im OmU schauen, sich für etwas “besseres” halten. (nein, dass stimmt bei weitem nicht für alle, eher, für die wenigsten) Die sich für klüger halten, weil sie damit einen so viel besseren Eindruck der Stimmung bekommen. Ja, es kann sein, dass man dann schneller merkt, dass jemand einen Akzent spricht. Aber ich glaube, die wenigsten in Deutschland können einen beliebigen Südstaatenakzent von einem Nordstaatenakzent (US-Amerikanisch) unterscheiden. Genauso, wie ich nicht glaube, dass jemand aus England genau hört, welcher Schauspieler einen schwäbischen und wer einen friesischen Dialekt spricht. Man merkt vielleicht, dass es ein Dialekt ist, aber zum Zuordnen dürfte doch dem normalen, in Deutschland lebenden Menschen, das Gehör und auch das Wissen fehlen.

OmU ist für Wortwitz toll und ja – man bekommt manchmal auch einen besseren Eindruck von Gefühlen, Stimmungen und Herkunft. Aber ist es deshalb richtig, die deutsche Synchronisation als “schrecklich” zu bezeichnen? Oder ist es vielmehr ein Beißreflex?

 
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Geschrieben von - März 11, 2012 in Eva missbilligt, Hörspiel, In eigener Sache

 

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Google Street View


Ich muss zugeben: Ich liebe Google Street View. Ich liebe es, weil ich mir den Aufbau von Orten ansehen kann, an denen ich noch nie gewesen bin. Ich liebe es, weil ich mir Orte ansehen kann, an die ich vermutlich nie kommen werde und ich liebe es, weil es mir mehr hilft, als ein Stadtplan. Es ist hilfreich, wenn man jemanden besuchen will, der in einer fremden Stadt wohnt. Man kann sich die Umgebung der z.B. Bushaltestelle ansehen und dann den Weg zum Bekannten schon mal virtuell abgehen. Zwar mögen sich Details verändert haben, aber große Gebäude bleiben in der Regel stehen. So kann man in etwa abschätzen, wie lang die Wegstrecke ist und auf welche markanten Punkte man achten muss. Es ist hilfreicher, als einen Stadtplan zu betrachten.

Nun birgt Google Street View auch Nachteile. Zunächst einmal sind die Fotos alle schon etwas älter, was den Betrachter, gerade bei Baustellen, aus dem Konzept bringen kann. Dann sind natürlich auf den Fotos auch Menschen zu sehen oder große Wohnhäuser. Manche Menschen wollen nicht gesehen werden. Manche Autos wollen sich auch lieber nicht vor dem örtlichen Bordell sehen lassen.
Dafür hat Google eine Verpixelungsmöglichkeit eingeräumt. Menschen und Autokennzeichen werden ohnehin verpixelt. In Deutschland auch Häuser. Weil die ja sonst keiner sehen kann.

Nun ist einem Mann in Frankreich was echt dummes passiert. Er steht so, mir nichts dir nichts, in seinem Vorgarten, da kommt das Google Street View Auto vorbei und macht ein Foto. Klick. Und der Mann ist beim Pinkeln im eigenen Vorgarten erwischt. Google Street View reagiert, wie bei jedem anderen Foto auf dem ein Mensch ist auch, und verpixelt den Herren. Dieser klagt jetzt. Denn anhand der Fotos und der damit verbundenen Adresse könnten die Nachbarn (und Leute darüberhinaus) erkennen, wer da im Vorgarten steht und uriniert.

Er kann ruhig klagen. Wenn er das möchte. Aber ist es das, was er will? Er bekommt jetzt sogar Aufmerksamkeit in deutschen Zeitungen (Spiegel). Hehe, jetzt weiß nicht nur die Nachbarschaft, dass er in den Vorgarten pinkelt, nein, die halbe Welt. Und man kann ja nicht davon ausgehen, dass jetzt keiner das entsprechende Foto googelt. Schön gepflegt bei Google Street View.

Aber betrachtet man sich das ganze mal aus Googles Perspektive: Da sind Millionen, wenn nicht gar Milliarden Fotos gemacht worden. Und diese Millionen Fotos von Menschen durchsuchen zu lassen, ist nahezu unmöglich. Irgendwann sieht man da den Mensch vor lauter Menschen nicht mehr (also auf den Bildern).
Die Software arbeitet in den meisten Fällen zuverlässig. In den Fällen, in denen sie es nicht tut, kann man sich bei Google melden (etwa im Falle eines Autos, dass aus dem Eingang zu einem Bordell herausgefahren kam und dabei fotografiert wurde. Heute ist das gesamte Auto, bei dem zunächst vergessen worden war, das Kennzeichen zu verpixeln, verpixelt) und dann wird nachgeholfen. Dass man neben der Verpixelung des Mannes schwerlich etwas machen kann (in Frankreich gibt es meines Wissens nach auch nicht die Hausverpixelungsklausel, die in Deutschland existiert), ihn unkenntlich zu machen, liegt meines Erachtens auf der Hand.

Darüber hinaus: Wer in seinen eigenen Vorgarten pinkelt, der von der Google Street View Kamera einsichtigt ist (und damit vermutlich auch von Häusern, die gegenüber liegen, von großen Menschen und Co.) ist meiner Meinung nach doch irgendwo selbst schuld, oder?
Das man nicht in den Vorgarten pinkelt, auch nicht in den eigenen, sollte doch eigentlich klar sein. Und das man dabei von wem auch immer gesehen werden kann, liegt auch auf der Hand.

Zudem finde ich es auch in anderen, ähnlich gelagerten Fällen, ein Unding, wenn – in der Regel Männer – meinen, in die Gegend pinkeln zu müssen. Wer muss, der muss, aber doch bitte nicht am Straßenrand oder in einem irgendwie einsehbaren Vorgarten. Vor allem, da in der Regel auch französische Häuser einen Toilette haben. Das an dieser Stelle Google verklagt wird, kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, andererseits aber nicht gut heißen. Ich würde mich in der Situation vielleicht ähnlich verhalten, dass räume ich ein. Aber würde ich in meinen eigenen Vorgarten pinkeln? Nein. Und wenn man mich dabei erwischt, ja, dann hätte ich einen hochroten Kopf, würde versuchen, privat mit Google zu kommunizieren, aber in jedem, ja absolut jedem Fall versuchen, die Presse rauszuhalten. So ist das doch noch viel peinlicher, weil es die ganze Welt erfährt. Und ich glaube kaum, dass es seiner Bekanntheit als Vorgarten-Pinkler entgegensteuert. Ich weiß, dieser Blogartikel ist da nicht besser, aber ich wollte es doch mal gesagt haben.

Ein anderer Kritikpunkt, den ich hier kurz ansprechen möchte, bezieht sich auf die Verpixelung von Häusern.
Einerseits kann ich den Wunsch nach Privatsphäre verstehen. Andererseits ist es mir als Privatperson immer noch möglich, das Haus als solches zu fotografieren und etwa bei Panoramio zur Verfügung zu stellen. Zack, ist das Haus wieder da. Nein… ich mach sowas nicht.
Was ich allerdings nicht gut heißen kann, ist die Praxis, dass eine Beschwerde reicht.
Stellen wir uns vor, in Haus X leben 10 Mietparteien und eine hat was dagegen, bei Google Street View aufzutauchen. Es reicht, wenn sie einer beschwert, auch wenn neun andere die gepflegte Hausfront bei Google Street View sehen wollen. Das halte ich, alles in allem, für bedenklich.
Im Übrigen sehe ich weniger ein Problem des Schutzes von Häuserfronten vor Google, als vielmehr die Gefahr, die durch Vorratsdatenspeicherung und ACTA droht. Die sind eher privatssphärenverletzend, als ein paar Bilder der Hausfront.

 

UPDATE: Ich hatte das noch nicht mitbekommen, aber im April 2011 hat Google verkündet, keine weiteren Fotos mehr aus Deutschland einzustellen. Schade. Man sollte vielleicht mal überlegen, warum.

 
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Geschrieben von - März 2, 2012 in Eva missbilligt, In eigener Sache, Politik

 

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Ein Brief an


Ich wollte die E-Mail an Frau Thein schreiben, habe mich dann aber nicht getraut. Deshalb veröffentliche ich sie jetzt hier:

Sehr geehrte Frau Thein,

auf http://acta.digitalegesellschaft.de/ schrieben Sie, dass es Ihnen um den Schutz des geistigen Eigentums ginge, der in Einklang zu bringen sei, mit der Freiheit des Internets und der Integrität der Bürgerrechte.

Das kann ich verstehen. Aber hier soll es ja um ACTA gehen.

Sind nicht durch ACTA gar nicht die Künstler und Urheber geschützt, sondern vielmehr die Verwerter der Werke? Warum kann ein Video eines Künstlers, welches er selbst auf Youtube hochgeladen hat, durch die GEMA gesperrt werden? Warum können Autoren nicht bei mehreren Verlägen gleichzeitig ihr Buch publizieren lassen?

Dazu kommt, das “geistiges Eigentum” etwas ungeheuer Schwammiges ist.

Ich meine, jeder Autor hat das Recht darauf, zu entscheiden, was mit seinem Buch passiert und weiterhin hat er selbstverständlich auch das Recht darauf, dieses Werk angemessen bezahlt zu bekommen. Aber ich glaube, darum geht es bei ACTA gar nicht. Es geht nicht darum, dass der Urheber profitiert, sondern vielmehr um die Interessen derer, die die Verwertungsrechte habe. Wieso sind “Die Buddenbrooks” mehr als 100 Jahre nach Erscheinen immer noch nicht frei zugänglich?

Thomas Mann ist seit 1957 tot, sogar seine drei Kinder, Klaus (gest. 1949), Golo (gest. 1994) und Erika (gest. 1969), die ebenfalls bekannte Schriftsteller waren, sind ebenfalls verstorben.

Ich glaube, dass es vielen ACTA-Gegnern nicht nur um ACTA selbst geht, sondern vielmehr auch um eine Reformierung dieses Verwertungsrechts. Es geht nicht darum, dass man die Leistungen des Künstlers nicht anerkennt, oder das man alles “kostenlos” haben möchte. Es geht um viel grundsätzlichere Fragen. Der Sohn eines Bauarbeiters profitiert auch nicht mehr davon, dass sein Vater Bauarbeiter war (nichts gegen Bauarbeiter an dieser Stelle, ich sehe es nur als gutes Beispiel). Dass das Verwertungsrecht überhaupt so lange anhält, ist ja noch gar nicht so lange Gang und Gebe. Als Thomas Mann die Buddenbrooks schrieb, war es noch nicht einmal Thema, dass das Buch auch nach seinem Tod noch nicht frei erhältlich gewesen wäre. Ich kann den frommen Wunsch – den manch einer gerne äußert – danach, dass auch die Kinder von Schriftstellern noch von den Werken der Eltern (Mütter wie Väter) profitieren sollen, nachvollziehen.

Aber ist das wirklich der Grund für das Verwertungsrecht bis 70 (!) Jahre nach dem Tod? Wenn ich mir das so vorstellen, dann denke ich eigentlich eher, dass es ein Interesse derer ist, die die Verwertungsrechte haben. Namentlich der Verläge. Wäre ich der Abkömmling eines Schriftstellers und nicht einer Krankenschwester, dann würde ich vielleicht anders darüber denken. Aber im Endeffekt bleibt es doch dabei: Der eigentlich Künstler, Urheber, des Werkes, hat nichts von den Verwertungsrechten, die bis 70 Jahre nach seinem Tod weiter laufen. Das heißt, ein ganzes Menschenleben. Meine Oma ist nach dem Erscheinen der Buddenbrooks geboren worden (ca. 30 Jahre) und es ist nicht unmöglich, dass sie vor Ablauf der Verwertungsrechte verstirbt. Das muss man sich doch eigentlich mal vor Augen halten.

Ich möchte hier keineswegs polemisieren, ich schreibe nur auf, was mich im Zuge der ACTA-Debatte bewegt und was auch meine tiefsinnigeren Gedanken dazu sind.

Bevor ich schließen möchte, möchte ich noch etwas zum Thema Verwertungsrecht aufgreifen, dass vielleicht auf den ersten Blick weit hergeholt zu sein scheint.

Es geht mir um soetwas wie “Veränderung” des Werkes. Es ist schon nicht ganz legal, ein Lied, etwa von Herbert Grönemeyer, selbst zu covern und auf Youtube unentgeldlich hochzuladen. Meines Wissens nach befindet man sich dabei in einer rechtlichen Grauzone. Hätte es diese Grauzone vor etwa 1800 Jahren bereits gegeben, großartige Werke, wie etwa das Nibelungenlied (Anonym), der Parzival (Wolfram von Eschenbach) oder die vielen Arthusromane (Wolfram von Eschenbach, Hartmann von Aue), wären uns vorenthalten gebleiben, weil sie auf der Veränderung bereits gegebener Werke fußten. Genauso etwa Musikstücke, bei denen sich namenhafte Komponisten bei anderen namenhaften Komponisten bedienten und ihre Motive und Themen aufgriffen, veränderten und neuartige, wunderschöne Stücke schafften. Ich weiß nicht, ob Sie Zeit haben, diesen ganzen Sermon zu lesen. Persönlich muss ich sagen, dass ich für die meisten Abgeordneten, die wirklich etwas tun, Anerkennung zeigen kann. Ich würde mich aber dennoch sehr glücklich schätzen, würden Sie vielleicht den ein oder anderen Gedanken mal für sich revue passieren lassen und ihn weiter tragen.

Hochachtungsvoll,

Eva

 

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