Theodor Fontane – Unterm Birnbaum


Kommen wir heute zu etwas älterer Literatur und damit gleich auch zu meinem „Lieblingsautor“, Theodor Fontane. Fontane mag ich

eigentlich nicht… aber ob das bei diesem Buch gleich war?

Titeldaten:

Autor: Theodor Fontane

Titel: Unterm Birnbaum

Rezension:

Ich habe Effi Briest gehasst, ja, gehasst. Dieses ewige Lamentieren, das naive, dumme Verhalten von Effi, das für mich nicht nachzuvollziehende Verhalten von Innstetten und ganz zum Schluss der Tod, der zwar von einigen als sinnig und im Zusammenhang mit dem Werk logischen Ende gesehen wird, ist mir schon beim ersten Mal auf den Geist gegangen.

Nun ein weiteres Buch von Fontane. Gelesen in einem Kriminallektürekurs. Ich habe es soweit wie möglich nach hinten rausgeschoben und es dann doch gelesen.

Und ich war positiv überrascht, wenn gleich auch nicht angetan.

Im Großen und Ganzen handelt es sich bei „Unterm Birnbaum“ tatsächlich um einen Kriminalroman. Es gibt einen Toten, es gibt einen Mord und irgendwo dazwischen auch noch ermittelnde Figuren. Angefangen bei alten Mutter Jeschke bis hin zum Dorfpolizist.

Doch der Leser ist der ganzen Ermittlungsarbeit einige Schritte voraus. Denn der Protagonist aus dem Buch ist gleichzeitig auch für den Leser der Hauptverdächtige. Es werden zu Anfang sehr viele Hinweise darauf gegeben, dass dieser den Mord begangen hat, um seine hohen Schulden zu decken. Er gerät auch bei der Dorfbevölkerung in Verdacht, kann sich jedoch überaus geschickt davon freimachen. Bis zum Schluss jagt ihn jedoch das Gewissen und er muss, ganz wie Effi Briest, zum Schluss sterben, wie auch seine Frau.

Das ist der Punkt, der mich an dem Werk zweifeln lässt und der mich auch wieder dazu bringt, mich über Fontane zu ärgern.

Man könnte ihm zu Gute halten, dass es doch in den Kontext passt und dass das schlechte Gewissen als Todesgrund zum Schluss doch nicht unlogisch ist, doch anders, als bei Effi Briest, stirbt Hradscheck – so der Name der Hauptfigur – nicht an einem gebrochenen Herzen oder etwas Vergleichbaren, sondern bei einem Unfall, für den direkt er gar nichts kann. Es wirkt ein bisschen so, als sei Fontane hier keine passende Idee gekommen, den Protagonisten zu enttarnen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass er eben nicht ins Gefängnis kommt. Es kann auch heißen, dass Fontane es nicht wollte, dass Hradscheck weltliche Gerichtsbarkeit wiederfährt.

Auch der Tod von Frau Hradscheck, die später in dem Wissen lebt, dass ihr Mann ein Mörder ist und dass sie zu diesem Mord beigetragen hat, trägt nicht dazu bei, dem Buch mehr Tiefe zu verleihen. Den Tod der Frau (die natürlich an einer eher mysteriösen Krankheit leidet) hätte man noch irgendwie schön verpacken können, so bleibt jedoch ein fader Beigeschmack.

Fontane bleibt seinem Schreibstil, den viele wohl auch aus Effi Briest kennen, auch in diesem Werk treu. Der Akzent der Dorfbewohner wird jedoch viel weiter in den Vordergrund gestellt und ausgeführt, als in Effi Briest, was an der ein oder anderen Stelle schon ein wenig auflockernd wirken kann. Es ist auf der anderen Seite jedoch auch störend, wenn man gar nicht feststellen kann, welches Wort sich hinter dem Dialektwort verbirgt.  Gerade bei der Mutter Jeschke ist dies besonders bedauerlich, da sie sich am Ende doch als wichtige Zeugin herausstellt, jedoch wider ihrem eigenen Wissen.

Positiv anrechnen kann ich Fontane, dass er sich weniger auf Landschaftsbeschreibungen versteift, wie das in Effi Briest doch sehr häufig und auch sehr extrem der Fall ist. Das gibt dem Buch ein wenig Frische, neben den Seitenhieben, die Fontane auf das einfache Dorfvolk, macht. So wird die Bevölkerung auf eine häufig humoristische Weise karrikiert.  Sie sind demnach weniger als heterogenen Dorfgemeinschaft zu sehen, sondern vielmehr als Gemeinschaft, die konstruiert wurde, um genau die Klischees und Vorurteile bedienen zu können. So wird in diesem Buch die Karrikierung groß geschrieben. Dies trägt dazu bei, dass das Buch dann doch ein wenig besser war, als ich das erwartet hatte, allerdings kein Werk, dass ich empfehlen würde.

Fazit:

Unterm Birnbaum ist ein Werk des Realismus. Tatsächlich wird es wohl am ehesten von Studenten oder Schülern gelesen werden (müssen). Wer sich allerdings für Effi Briest begeistern konnte, wird wohl auch dieses Buch – in dem etwas mehr passiert – mögen.

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Ein Kommentar zu “Theodor Fontane – Unterm Birnbaum

  1. mglarev sagt:

    Achja, Fontane. Der schafft es immer wieder einen – wenn es sein muss durch die Hintertür – doch noch mit seinen Büchern zu ärgern.

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