Alan Campell – Scar Night


Heute mal zu einem sehr, sagen wir „ungewöhnlichen“ Buch.

Es handelt sich um den Roman „Scar Night“ von Alan Campell, der sich als Entwickler des Spiels „Grand Theft Auto“ einen Namen machte. Scar Night ist der erste Roman der „Kettenwelt-Chroniken“ und man muss sagen, es ist ein Buch, an das man sich gewöhnen muss.

Ich hab es vor allem wegen des Klappentextes gekauft, Kombination von „Engel“, „damönisch“, „Seelen der Verstorbenen“, „Höllenschlund“ und „entseelte Tochter“ klang gar nicht so übel. Der Inhalt ist schwierig kurz zusammen zufassen, da es tatsächlich eine ganze Menge passiert.

Kurz gesagt: Es geht um eine Stadt, die an zahlreichen Ketten über einem Abgrund hängt. Der Protagonist, Dill, ist der letzte aus einem Geschlecht, dass sich Erzengel nennt. Er steht im Dienst einer grausamen Kirche, die einem mindestens genauso grausamen Gott huldigt, dessen Nahrung die Seelen der verstorbenen sind. Doch die Kettenstadt steht am Rande eines gravierenden Umbruchs.

Das alles hat noch mit einem merkwürdigen Verein von einer merkwürdigen Art „Terroristen“, dem Mädchen Rachel, der Tochter des Gottes, Carnival und einer Menge weiterer, sehr skurriler Figuren.

Aber wie gesagt, der Inhalt ist mehr als kompliziert zu erklären.

Zur Rezension:

Nun, wie ich eingangs schon bemerkte, das Buch ist kompliziert. Nicht nur der Inhalt, auch der Schreibstil. Das kann zwar auch an der Übersetzung durch Jean Paul Ziller geschehen sein, aber teilweise ist es furchtbar, was für Stilblüten sich in dem Werk herumtreiben. Meist sind das keine einzelnen Sätze, sondern viel mehr ganze Passagen, die einen manchmal zum Verzweifeln bringen.

Allerdings war das Buch alles in allem doch so spannend, dass ich es auslesen wollte. Die Atmosphäre kann Alan Campell denn doch des teils schlechten Stiles aufrecht erhalten, die Stadt ist derartig einzigartig aufgebaut, die Vermischung eines beginnenden industriellen Zeitalters mit einer Art von Fantasy-Setting, ist für mich neu gewesen und schafft ein gewisses Schaudern.

Manchmal wirkt die Welt wie eine Gotham City zur Zeit der Industrialisierung, manchmal wie eine Weiterentwicklung einer düsteren, mittelalterlichen Fantasystadt. Und irgendwo in der Mitte hängt Deepgate, wie die Stadt sich selbst bezeichnet.

Unter der Stadt befindet sich, passender Weise, ein Abgrund, in dem der absolut böse (und überdies hinaus ziemlich hässliche) Gott Ulcis lebt. Ob dies jedoch bloß aus Sicht der Erzählung interessant ist, oder ob man weitergehend interpretieren kann, das Ulcis die Stadt darstellt, die eben so hässlich, und im späteren Verlauf auch böse ist, wie der Gott, den sie anbetet, ist nicht leicht zu klären. Vieles deutet darauf hin, vieles zeigt aber auch, dass es sich hier um einen einfachen Roman zur Unterhaltung handelt.

Die Figuren, sei es Dill, dessen Name schon äußerst ungewöhnlich ist, aber auch Carnival, die getriebene Seele, schaffen es, den Leser zu fesseln und sich dafür zu interessieren, was denn mit den Figuren – bei mir vor allem Carnival – geschehen mag.

Dennoch bleibt das Buch bis zum Ende hin spannend und ich habe mich sehr auf den zweiten Teil gefreut. Dazu kann ich leider vorläufig nur sagen: der zweite Teil ist storytechnisch noch viel komplizierter als der erste Teil und sorgt dafür, dass man viele Handlungsstränge und Orte einfach wieder vergisst. Ich werde  mir auch den dritten Teil holen, ihn zumindest lesen, damit ich weiß, wie die Geschichte um Dill endet.

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Ein Kommentar zu “Alan Campell – Scar Night

  1. mglarev sagt:

    Eine Stadt über einer Stadt? Welcher Stadt?
    Klingt ein wenig so als wäre das eine Umsetzung aus einer bestehenden Fantasywelt..

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