Die Bild-Zeitung


Es war einmal in Deutschland… eigentlich könnte jeder Bild-Artikel so anfangen. Nun ja, jeder, der wirklich was aussagen will, würde es.

Es war einmal. Der klassische Anfang eines Grimmschen Märchen. Eigentlich eine romantische Sache. Das man allerdings von einer Zeitung sagen kann, dass sie jeden Tag mindestens ein Märchen verfasst, ist – sagen wir mal – nicht ganz Sinn und Zweck einer solchen. Die Zeitung sollte Wahres schreiben,  nicht Dinge schreiben, die sie so gerne als Wahrheit hätten. Dabei kann es zu wirklich skurrilen Aussagen, kommen, wie etwa, dass Aliens per Twitter kommunizieren oder ähnliches. Schön auch die Aussage, dass Achmadinedschad die Krake Paul beleidigt habe, indem er über sie den Europäern Aberglauben vorwirft. Schön mal zwischen durch zum Lachen und schön für den Bildblog, der solche Geschichten immer wieder gerne aufgreift.

Als sehr kurios erwies sich auch die Geschichte über ein Ehepaar, das angeblich beim Sex aus dem Fenster fiel. Das glaubhaftere Medien, genauso wie die Polizei schrieben, dass dem nicht der Fall war, hat die Bild es dennoch groß raus gebracht und alles schön mit Bildern illustriert. Da wären wir auch direkt beim Kern- und Knackpunkt der Geschichte um die Bild und damit diesen Artikels.

Wahrheit machen.

Die Bild brüstet sich damit, unabhängig zu sein, schaut man sich diese „Zeitung“, so wollen wir das Etwas hier mal vorläufig nennen, genauer an, dann fällt allerdings sehr schnell auf, dass sie nichts anderes macht, als die Haus- und Hofberichterstattung für die CDU. Nicht, dass das nicht auch andere Zeitungen machen, allerdings beteuert die Bild wieder und wieder, dass sie unabhängig ist. Und die Leute glauben es. So wie sie vieles andere glauben.

So wie sie der Meinung glauben, die die Bild auf die Masse abstrahlt, die das Blatt im Zug, im Bus oder auf der Parkbank lesen – und liegen lassen.

In meinen Augen liegt hier ein ganz gewaltiges Problem. Denn die Bild schreibt nicht nur lustige Dinge. Die Bild hat schon wiederholt gegen die Richtlinien und Vorschriften des Presserats. Es werden Bilder veröffentlicht von Leuten, die verdächtigt werden, eine Straftat begangen zu haben, ohne Schwärzung. Es werden Bilder von Toten (sei es jetzt nach der Loveparade oder damals nach dem Amoklauf von Winnenden) ohne dem Einverständnis von Verwandten in die Zeitung gesetzt. Die Klagewellen kommen zwar bei Bild an, erreichen aber nicht den Leser, der sich auch noch beschwert, warum andere Zeitungen keine nicht-geschwärzten Bilder der beiden Jugendlichen veröffentlichen, die beschuldigt werden, Domenik Brunner an jenem Tag in der U-Bahn zu Tode geprügelt zu haben (das sie seinen Tod mit zu verantworten haben, steht außer Frage). Viele Leser stimmen der Bild zu, wenn sie von Mördern und von einer gerechten, lebenslangen Strafe spricht ohne sich aber detaillierter und genauer mit der Materie zu befassen – vor allem auch über das hinaus, was die Bild berichtet.

Gleiches gilt natürlich auch für Leute, wie diese Mann, den die Bild mal frei als „Schwein“ betitelte (Link verweist auf den Bildblog), die sich im Nachhinein als unschuldig erweisen. Auch fragte vor nicht allzulanger Zeit die Bild, warum Leute im Gerichtssaal ihr Gesicht vor den Kameras verdecken dürfen. Auf die Privatsphäre, auf einen gewissen Selbstschutz vor den macht- und vor allem lesergeilen Medien, „scheißt“ die Bild ja, gelinde gesagt, aber das wissen wohl die allermeisten hier

Eine Frage will jedoch in meinem Kopf einfach keine Antwort finden: Was für Leute sind das, die der Bild ihr Vertrauen und ihren Glauben schenken? Sind das die Unterschichten? Ists die Mittelschicht, oder gar die Oberschicht? Tatsächlich glaube ich behaupten zu können, dass die Bild mal diesen, mal jenen nach dem Mund redet um bloß mehr und mehr Leser zu aquirieren. Wieso man darauf reinfällt? Ich hätte da so einige (nicht ganz ernst gemeinte Thesen, belegen kann ich sie in erster Linie nicht empirisch):

1) Wegen des ansprechenden Aussehens. Rot, weiß, schwarz, das spricht an, ist kontrastreich und man könnte meine, die Farben kämen nicht von ungefähr.

2) Die tollen Neologismen und Substantivzusammenstellungen, die an Neun-Live-Lösungen/DSF-Sportquiz-Lösungen erinnern, wie etwa das Tennisspielfeldsensorsystem. Gut, so kompliziert ist es in der Bild natürlich nicht, schöne Kombinationen wie „Killer-Opa“, „Todes-Parade“ oder (ganz toll) „Nazi-Monster“ (auch wenn es sich um eine Dokumentation handelt).

3) Hängt indirekt mit den Neologismen zusammen. Sinnlose Verteilung von Binde-Strichen. Etwa bei Soldaten-Ausrüstung (statt Soldatenausrüstung), Enten-Teich (statt Ententeich) oder Liga-Boss (das System erklär sich selbst). Nicht, dass man das nicht darf, nötig ist es aber nicht. Und sorgt… nun, für was eigentlich? Bessere Lesbar-keit?

4) Womit wir auch gleich bei Punkt vier wären. Diese Unterstreichungen, das Fettdrucken von Buchstaben, ein häufiger Gebrauch der KursivsetzungAlles im selben Artikel und alles schön hintereinander. Damit der Leser auch bloß weiß, was wirklich wichtig ist. Nämlich das, was Bild alles hervorhebt – ergo 90% des Artikels. Gewöhnlich würde ich an dieser Stelle sagen: Die restlichen 10% sind dann das, was die anderen Zeitungen recherchiert haben. Bei Bild könnte man die Recherche ein bisschen mit dem Schreiben eines Schundromans vergleichen. Möglichst viel Fantasie als Fakt verkaufen, damit die Leute einem aus der Hand fressen. Nur wegen der „geilen“ Überschrift.

5) Beschreibungen von Geschehnissen unter der Überschrift „So qualvoll starben die Opfer.“ Ja. Schön, dass will ein kleiner Teil Menschheit zwar lesen, aber sollte sich ein Medium, das sich selbst als vierte Gewalt bezeichnet, wirklich über so was berichten? Und wenn man das schon tut, dann doch bitte nicht unter der Rubrik „Ratgeber“. Nun, das spricht Bände.

Man sollte jeden Bildleser eigentlich darauf hinweisen, was für einen Zeitung er da ließt. Man sollte ihn auf den Bildblog hinweisen, der immer und immer wieder zeigt, welcher Mist auch in etablierteren Zeitungen zu finden ist.

Und ganz ehrlich: Auch wenn die Bild am Sonntag in manchen Regionen die einzige Zeitung zu sein scheint, die auch Sonntags erscheint (neben der Welt), sie ist es  nicht wert. Wie sangen schon die Ärzte, dass die Bild aus nichts anderem bestehe wie Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht? Korrekt. Sportteil haben sie noch vergessen, der überwiegt vor allem am Sonntag in diesem Schmierblättchen.

So. Vielleicht berichte ich demnächst noch mal etwas mehr zur Bild, wenn gerade mal wieder eine tolle Überschrift in dieser zu lesen war – bei Lidl an der Kasse stehen sie ja so, dass jeder die Schlagzeile lesen kann und sich „bildet“, bzw. durch die Bild eine Meinung bildet. Wie sagte schon der Werbespot: „Bild dir deine Meinung“ Vergessen hat man: aber bitte nur durch die Bild.

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Ein Kommentar zu “Die Bild-Zeitung

  1. […] neben diversen Frauen- und Fernsehzeitschriften lagen dort nur und ganz ausschließlich die BILD und die Aachener Nachrichten. Eigentlich wäre das keine Meldung wert, doch als ich mich dann mal […]

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