Neil Gaiman – Niemalsland


Neil Gaiman. Mir war dieser Name zunächst nur als Comicautor, bzw. als Autor des (Kinder-)Märchens Coraline bekannt, was neulich verfilmt worden ist.

Dass das hier heute vorgestellte Buch von ihm ist, habe ich eigentlich erst bemerkt, als ich es in der neuen Auflage in der Buchhandlung sah. Da das Buchcover doch auch einen interessanten Roman hindeute, hab ich ihn einfach mal mitgenommen.

Titeldaten:

Autor: Neil Gaiman

Titel: Niemalsland

Originaltitel: Neverwhere

Erscheinungsdatum: 1998

Rezension:

Urban Fantasy zieht mich in letzter Zeit einfach an. Ob man das Buch des Hugo-Awards Gewinners nun noch als Urban Fantasy bezeichnen will oder nicht,  sei jedem selbst überlassen.

Das Buch spielt in einer Stadt, unterhalb von London. Ich würde es eher als Zwischenwelt bezeichnen, da im Londoner Untergrund selbstverständlich keine Stadt zu finden ist. Die Szenerie ist absturs, aber spannend. Vieles, von dem, was Gaiman beschreibt, wirkt sehr realistisch, obwohl dem Leser immer die etwas merkwürdige Szenerie bewusst ist, genauso, wie auch der Hauptfigur Richard.

Durch einen dummen Zufall landet dieser nämlich in der Londoner „Unterwelt“, da er einem kleinen Mädchen helfen will.  Das er dafür sein ganzes bisheriges Leben opfert, ist ihm zunächst natürlich nicht klar, doch dann stellt er fest, dass er in „Oberlondon“ quasi nicht mehr existiert. Daraufhin beginnt seine abenteuerliche Reise durch das sehr skurrile „Unterlondon“, wo er auf Leute spricht, die Türen öffnen können (das kleine Mädchen Door), wo keine sind, sowie Personen, die mit Ratten sprechen. Er lernt Personen kennen, die wirken wie aus einem Albtraum, andere wirken, wie aus der Irrenanstalt entkommen – und über allem liegt doch der Touche des Wahnsinns. Die einzige Möglichkeit für Richard zurück nach „Oberwelt“ zu kommen, ist der Engel Islington, dem auch Door vertraut. Um zu ihm zu gelangen, müssen einige Abenteuer durchlebt werden, die durch die teils verstörende Welt führen und eine Menge Figuren mit sich bringen, die man nicht direkt einschätzen kann. Das natürlich nicht alles so einfach läuft, wie Richard sich das zu Anfang wünscht,  ist wohl abzusehen. Bis zum Ende fragt man sich, ob Richard wohl wirklich zurück an die Oberfläche kommt – und wenn ja, ob er nach all dem, was er erlebt hat, noch weiter dort leben will und leben kann.

Während des Lesens kann allerdings auch an der ein oder anderen Stelle die Frage auftauchen, was eigentlich Realität ist und was man sich wohlmöglich nur vorstellt. Vielleicht ist es Überinterpretation zu behaupten, Gaiman würde hier auch mit dem Unterschied zwischen Leben und Tod spielen, an einigen Stellen dieses Buches lässt sich diese Behauptung jedoch gut aufstellen. Dann bleibt beim Leser auch stets die Frage präsent, inwiefern Richard eigentlich noch Teil seiner eigenen Welt ist, oder ob er sich diese in der Unterwelt, so ohne Strom und fließendes Wasser, nur schön vorstellt.

Eine Fantasy, die eben so bestechend, wie beunruhigend ist.

[Vorsicht: Spoiler!]

Gerade im Hinblick auf das Ende muss man sagen, dass der Eindruck nicht täuscht. Hatte ich zunächst beim Lesen nur zwischendurch das Gefühl, dass Richard Fieberfantasien durchlebt, wurde mir am Ende bewusst, dass es keine Beweis außer den Erfahrungen, die Richard macht, gibt, dass das, was die Erzählerfigur hier erzählt auch wahr ist. Nach einigen Überlegungen zu der Geschichte fragte ich mich, ob es sich vielleicht bei dem, was Richard erlebt hat, tatsächlich, wie sein Freund Garry sagt, nur um die Fantasien eines Wahnsinnigen handet. Die Frage, ob dies tatsächlich zutrifft, kann sich jeder Leser selbst beantworten – und wird wohl auch jeder sich selbst beantworten müssen.

[Spoiler zuende]

Das Buch ist in jedem Falle lesenswert. Neil Gaiman weißt einen fantastischen Schreibstil auf, der den Leser von der ersten Seite ab gefangen nimmt. Man kann leicht folgen, wenngleich auch manche Wortwahl und mache Satzkonstruktion auf den ersten Blick überstrapaziert wird. Schnell gewöhnt man sich aber daran und kann dann mit diesem Buch eine Menge Spaß haben.

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