Garry Kilworth – Die Engel


Es ist momentan in Mode, Bücher „Die Zwerge“, „Die Elfen“, „Die Zombies“, „Die Dunkelelfen“ oder „Die Vampire“ zu nennen. Ein weiteres Beispiel dafür ist das Buch „Die Engel“. Geschrieben im Jahr 1993/1994. Verdammt lang her, wenn man das so überlegt. Damals war ich vier, bzw. fünf. Hätte nie dran gedacht, mal ein Buch mit über 600 Seiten zu lesen. Nun, wir sind jetzt sechzehn Jahre weiter in der Zukunft und Heyne hat es wirklich geschafft, dass Buch zu veröffentlichen. Wäre es schlimm gewesen, es nicht zu tun?

Titeldaten:

Titel: Die Engel

Autor: Garry Kilworth

Erscheinungsdatum: 1994


Rezension:

„Die Engel“ hab ich mir spontan gekauft.  Ich mag Geschichten, in denen Engel auftauchen. Erst zuhause bemerkte ich, dass das Buch ja schon etwas älter war – wenngleich erstmalig in Deutschland zu lesen. Davon war im Werk selbst nicht viel zu spüren. Handys und Computer spielen zwar noch nicht so eine wichtige Rolle wie in vielen Werken der heutigen Zeit, aber das tut gerade der Sympathie der beiden Protagonisten, dem Polizisten Dave (den man Mutter Teresa nennt), sowie des knuddeligen Sergant Danny (Bruder Tuck – der so gar nicht ist wie der Mönch) gar keinen Abbruch – und man vermisst auch nicht den übermäßigen Technikgebrauch ;).

Die Arbeit der beiden Polizeibeamten läuft eigentlich recht gewöhnlich ab. Doch dann werden sie gemeinsam auf einen Brandstifter angesetzt, der in San Francisco schon etliche Feuer entzündet hat, die keinen direkte natürliche Ursache haben und als „weiße Feuer“ bezeichnet werden. Im Laufe der Geschichte stellt sich dann heraus, dass dahinter ein Engel steckt, der Dämonen töten soll. Als der Engel schließlich selbst zum Dämonen wird, wird es für die beiden Cops richtig gefährlich.

Hier musste ich zum ersten Mal stutzen. Nach nicht einmal der Hälfte des Buches fragte ich mich, wie der Autor es schaffen will, auch noch die letzten 300 Seiten zu füllen, denn dem Leser waren eigentlich alle wichtigen Fakten bekannt. Ein wenig überrascht stellte ich dann fest, dass das Buch ja aus zwei Teilen besteht. Der erste Teil, „Angel“ oder „Feuerengel“, gestalt sich dabei meines Erachtens nach etwas liebloser und einfacher als der zweite Teil „Archangle“ oder auch „Erzengel“.

Hier bekommt das Handeln der Engel und Dämonen plötzlich einen ganz anderen Zusammenhang und ist nicht nur lose mit dem Schicksal der Cops verbunden. Figuren, die schon im ersten Teil eine wichtige Rolle spielten, haben auch hier wieder Auftritte und werden teils zu bedeutenden Figuren.
Der zweite Teil ist unheimlicher und auch bedrohlicher als der erste. Das der Diener des Teufels hier maßgeblich die neun Plagen auf die Welt loslässt (dies ist schon nach den ersten zwei Kapiteln klar), macht eine wirkliche Bedrohung deutlich, die Anpassung der Plagen auf die moderne Welt ist Kilworth wirklich gut gelungen.

Auffällig an Kilworth sind seine doch recht häufigen Sexszenen, die sich nicht nur auf eine Figur des Buches beschränken, sondern gleich auf mehrere. Quasi jede Figur hat sein eigene Szene. Etwas seltsam mutete die beschriebene Vergewaltigung eines Mannes an, ist für mich aber literarisch auch Neuland gewesen. Ob hier eine Beschreibung jedoch notwendig gewesen wäre, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall wird hier die Grausamkeit des Antagonisten deutlich – wenn nicht vielleicht sogar überdeutlich.

Letztendendes ist auch zu bemerken, das Buch dafür, dass es den Titel „Engel“ nicht nur im Deutschen, sondern auch im Englischen trägt, relativ wenig mit Engeln zu tun hat, sondern die Rollen der Polizisten und der Dämonen sehr viel stärker im Vordergrund stehen. So taucht der Erzengel, der dem zweiten Teil des Buches den Namen gibt, nur an einer Stelle auf – bzw. der Leser erfährt in etwa, wie man ihn sich vorzustellen hat. Ich habe diese Tatsache deshalb schade gefunden, weil ich ein Buch erwartete, in dem Engel auch die Hauptrolle spielen. Die Idee, die ganze Geschichte über die Polizisten aufzuziehen war gut, ohne Zweifel, die Frage ist nur, ob dann nicht der Titel einfach irreführend ist.

Ich hätte mehr Engel erwartet.

Fazit:

Es ist ein nettes Buch für zwischendurch, die Übersetzung auf jeden Fall wert. Man sollte allerdings nicht zu viel erwarten. Wer hofft, es mit Engeln mit Flügeln zu tun zu bekommen, wird schnell enttäuscht. Ich würde Leuten zum Kauf raten, die eine Mischung aus Kriminal- und Fantasyroman nicht abschrecken würde. Wer nur eins von beiden wirklich gut findet, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Dazu ist es auch einfach zu teuer.

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