Neil Gaiman – American Gods


Nachdem ich von dem Roman „Niemalsland“ von Neil Gaiman schon ganz angetan war, habe ich mir dann das Buch „American Gods“ geholt. Der interessante Titel und der Klappentext haben mich überzeugt.

Errst dann las ich, dass Gaiman für dieses Buch den renomiertesten und wichtigsten Science-Fiction und Fantasypreis bekommen hat (wobei ersteres doch deutlich überwiegt), nämlich den sogenannten Hugo-Award.

Hat das Buch diese Auszeichnung verdient?

Titeldaten

Titel: American Gods

Autor: Neal Gaiman

Erscheinungsjahr: 2001

Rezension:

Das der Protagonist, der direkt auf den ersten Seiten eingeführt ist, ein Sträfling ist, macht schon deutlich, dass bei Gaiman in keime Falle ein einfacher 08/15-Bürger die Hauptrolle spielt sondern im Gegenteil ein Mann, dem man eher mit negativen Gefühlen gegenüberstehen würde.

Dennoch bekommt man schnell Mitleid mit dem armen Kerl, denn als er gerade aus dem Knast entlassen werden soll, muss er erfahren, dass seine Frau zusammen mit seinem besten Freund einen heftigen Unfall hatte. Auf ihrer Beerdigung muss er auch noch erfahren, dass die beiden eine Affäre hatten.

Gleichzeitig lernt Shadow (seinen wahren Namen erfährt man im Buch nicht) den etwas skurillen Mr. Wednesday kennen, der ihm einen Job und Geld anbietet. Shadow willigt nach einigen Runden Met ein.

[vorsicht Spoiler]

Das es sich bei Wednesday und seine Begleiter um keine gewöhnlichen Menschen handelt, wird spätestens bei dem Met klar. Dazu das seltsame Verhalten dieser Männer. Schnell wird klar, bei Wednesday handelt es sich um eine Inkarnation des nordischen Gottes Odin, der die anderen Götter (aus zahlreichen Ländern) in eine Schlacht gegen die modernen Götter der Technik, der Autos, Computer und Banken führen möchte. Shadow scheint ihm dabei etwas zu helfen – auch wenn dieser zu Anfang nicht ganz genau weiß, was er eigentlich zu tun hat. Während seiner Arbeit für Mr. Wednesday stößt Shadow allerdings auf ein nicht ganz unerhebliches Geheimnis.

[Spoiler zuende]


Kritik:

Manche „amazon“-Kritiker bezeichnen das Buch als langatmig und langweilig. Ich muss sagen, sie haben das Werk wohl nicht verstanden, bzw. absolut das falsche erwartet. „American Gods“ ist wohl am ehesten mit einem Roadmovie zu vergleichen, dass zwar ein Ziel verfolgt, allerdings weder dem Protagonisten noch dem Leser klar ist, wohin dieser Weg geht. Dennoch ist immer ein gewisser Drang vorhanden, die letzten Geheimnisse zu erfahren und am Ende dann endlich zu wissen, was es mit Shadows Arbeit für Mr. Wednesday eigentlich auf sich hat.

Und man wird dahingehend nicht enttäuscht.

Ich berufe mich hier jetzt noch mal auf eine amazon-Kritik, die besagte, er habe das Buch 100 Seiten vor Schluss beiseite gelegt.

Ich muss sagen: Das ist ein großer Fehler. Bis knapp 100-150 Seiten vor Schluss befindet sich Shadow in dem kleinen Städtchen Lakeside. Man könnte jetzt sagen, dass die ganze Idylle dort etwas von einem romantischen oder realistischen Roman hat, wenn man jedoch genauer ließt, fällt schnell auf, dass in Lakeside nicht alles so rosig ist, wie es scheint. Und das macht Gaiman wirklich ganz fantastisch.

Er lässt den Leser glauben, Shadow würde dort die Ruhe genießen und die Harmonie und, der Glückseeligkeit dieser Gemeinschaft sie vollkommen. Allerdings ist dieses kleine Dorf für Shadow, der sich dort Mike Ainsel nennt, ein Erholungspunkt. Ein Ort, wo er sein eigenes Leben führen kann. Denn stets, wenn er mit Wednesday unterwegs ist, muss er damit rechnen, auf eine skurrile Gestalt zu treffen, die ihn umbringen oder sonst etwas von ihm will. Da das Buch gerade an diesen Stellen teilweise etwas konfus und schwieriger (nicht schwierig!) zu lesen ist, bilden die kleinen Ausflüge in das beschauliche Lakeside Oasen der Ruhe, gerade für den Leser.

Das dies nicht bis zum Schluss so bleibt, war schon zu erwarten.

Gaiman legt auch eine große Kenntnis verschiedener alter Religionen und Glaubensrichtungen vor. Odin/Wotan und Loki repräsentieren den einen Teil, aber auch Horus, Thoth und Anubis, sowie die Katzengöttin Baset spielen eine wichtige Rolle. Allerdings tauchen auch Götter aus der afrikanischen Mythologie auf, wie etwa der Voodoo-Baron Samdi. All diese Figuren haben ihren ganz eigenen Stellenwert und ihre ganz eigene Rolle innerhalb von Gaimans Roman. Das kleine Götterglossar am Schluss hilft, den Überblick über die einzelnen Figuren zu behalten, auch wenn leider nicht alle aufgeführt sind und manch einer wohl etwas traurig darüber sein wird, dass einige Götter nur so kurz beleuchtet werden.

Allerdings verrät Wednesday Shadow nicht jeden Gott.

Fazit:

Gaimans Schreibstil ist wirklich nicht ganz einfach. Das kann man nicht sagen. Aber die Geschichte, die er erzählt, ist einzigartig und lässt den Leser auch zum Grübeln über die eigenen kreierten Götter unserer modernen Welt kommen. Das alles wird eingebettet in die Geschichte von Shadow, mit dem man sich zu Beginn nur schwer identifizieren kann. Und zum Schluss bietet Gaiman nochmal ein furioses, überraschendes, aber zufriedenstellendes Ende.

Jeder, der sich nicht von etwas anspruchsvollerer Literatur verscheuchen lässt, sollte hier definitiv zugreifen und sich „American Gods“ mal vor Augen führen.

Dieses Buch hat den Hugo denke ich, voll und ganz verdient.

Wenn ich ein weiteres Hugo-prämiertes Buch lese, werde ich dazu hier noch mal was anbringen.

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