Jim Starlin/Jim Aparo – Ein Tod in der Familie


Heute mal wieder zu einem Comicklassiker der Extraklasse und wohl einer der tragischsten Geschichten der Batman-Historie. Aber auch einer derjenigen, die die Leser anhörte.

Titeldaten:

Autor: Jim Starlin

Zeichner: Jim Aparo

Erscheinungsjahr: 1988

Originaltitel: A death in the family

Inhalt:

Die Geschichte ist relativ einfach erzählt. Jason Todd hat einen gewaltigen Streit mit Bruce Wayne alias Batman, wegen seiner Art zu arbeiten. Jason verlässt wutentbrannt Wayne Manor und kehrt in das Haus zurück, indem er als Kind wohnte. Dort stellt er fest, dass die Frau, von der er glaubte, dass es sich um seine Mutter handelt, „nur“ seine Adoptivmutter war. Also macht er sich auf der Suche nach seiner echten Mutter. Drei kommen in die engere Auswahl, alle leben außerhalb von Amerika. Die erste wird im Libanon vermutet.

Gleichzeitig bricht der Joker – mal wieder – aus Arkham aus und versucht, seine Cruise Missile (bestückt mit Nuklearsprengstoff!) im Libanon an Terroristen zu verkaufen, was Batman auf den Plan ruft. So treffen sich Batman und Jason Todd im Libanon wieder und suchen – nachdem die Cruise Missile aus dem Weg geschafft ist – gemeinsam die wahre Mutter von Jason…. Doch der Joker ist nicht fern….

[Vorsicht! Spoiler]

Die ersten beiden Frauen, die Jason Todd und Bruce Wayne/Batman aufsuchen, stellen sich als Fehlschläge heraus. Bei der dritten Frau jedoch landen die beiden einen Volltreffer. Leider war der Joker schneller und droht der Frau mit der Bekanntgabe eines Behandlungsfehlers vor einigen Jahren. Er verlangt von ihr die Medikamente des Flüchtlingslagers, die sie verwaltet. Im Gegenzug möchte er sein gefährliches Lachgas in dem Lager verteilen.

Jason folgt seiner Mutter, obwohl Batman ihn warnt, in das Lagerhaus, wo er einen schrecklichen Tod erleidet.

Der geknickte Batman versucht mit aller Gewalt den Joker zu jagen, muss jedoch feststellen, dass dieser als Diplomat des Irans (!) Immunität genießt. Erst als Joker dann versucht, die UNO-Vollversammlung zu sabotieren und alle Mitgleider umzubringen, kann Batman ihn endlich wieder einsperren

[Ende Spoiler]

Kritik:

Das Heft ist ein Klassiker der Comicliteratur. Sowohl der Joker, wie auch Jason Todd haben hier große Auftritt. Letzterer wohl den besten seines relativ kurzen Comiclebens. Jason war zu Anfang ähnlich kreiert worden, wie Richard Grayson, symphatisch, Artist, Eltern ermordet. Man entschied sich dann jedoch, die Herkunfstgeschichte nochmal zu überarbeiten. Dabei schuf man eine weniger symphatische, aber individuellere Persönlichkeit. Jason war damals von Batman erwischt worden, wie er die Reifen des Batmobils klauen wollte. Bruce, der gerade Dick Grayson als Robin verloren hatte, entschied sich, den jungen Jason auszubilden und mit ihm einen zweiten Robin zu schaffen. Allerdings war Jason immer impulsiver und nicht so leicht zu beeinflussen, bzw. zu kontrollieren, wie sein Vorgänger, was von Anfang an zu großen Problemen führte. Die haben hier ihren absoluten Höhepunkt. Der Streit, der zwischen Bruce und Jason ausbricht, zeigt, dass Bruce einen zweiten Richard haben wollte und keinen Jungen, der eigenständig handelt und vielleicht weniger den Kampf gegen das „Böse“ als den Nervenkitzel, die Gefahr und die Gewalt sucht.

Als er das erkennt, ist es eigentlich schon zu spät, denn Jason ist nicht mehr zu bändigen.

[Spoiler]

Das merkt Batman schmerzhaft, als Jason das erste Mal abhaut und das zweite Mal innerhalb dieses Heftes, als Joker Jason Todd erst mit der Brechstange quasi zu Tode prügelt und dann das Lagerhaus, indem sich Jason und seine Mutter befinden, in die Luft jagt. Es ist wohl eine der brutalsten Sterbeszenen eines so jungen Helden wie Jason Todd.

Interessant ist daran, dass Jason Todd starb nicht, weil ein Autor es so wollte, oder der damalige Intendant, sondern weil die Fans es so wollten. Per Telefonabstimmung hatte man entschieden, ob Jason Todd sterben oder leben sollte. Knapp war das Ergebnis, etwa 400 Stimmen Unterschied. Da man nicht wusste, wie die Abstimmung ausging, zeichnete Jim Aparo direkt beide möglichen Enden. Als aber klar war, dass Jason Todd ins Nirvana geschickt werden sollte, veröffentliche man nur das traurige Bild. Jason Todd, tot in den Armen von seinem Mentor. Eins der beklemmensten Bilder – und für mich auch eins der traurigsten – in der gesamten Batmangeschichte.

Es zeigt das Scheitern eines großen Helden. Es zeigt die Unfähigkeit Batmans/Bruce Waynes, einen zweiten Jungen auszubilden, der Dick Grayson ersetzt kann – aber es zeigt auch das Batman als Superheld dafür geschaffen ist, dies zu überstehen.

Das zweite Bild, was Aparo zeichnete und den zweiten möglichen Ausgang, Jason Todd lebt, wurde erst viele Jahre später, etwa 2006, veröffentlicht, als man Jason Todd erneut überarbeitete. Doch fragt man sich spätestens an dieser Stelle ob das Überleben Jason Todds für die Comicwelt nicht noch viel mehr Probleme beschehrt hätte, als sein Tod. Und ob die Geschichte mit einer ähnlichen Brisanz und einer ähnlichen Emotion hätte gelesen und geschrieben werden können.

[/Spoiler]

Ein weiteres Highlight der Geschichte ist selbstverständlich Joker. Als Botschafter des Irans hat er die wohl wichtigste politische Rolle seines ganzen Leben. Die diplomatische Immunität macht es Batman unmöglich, Jasons Tod zu rächen. Zunächst würde es ihn nicht abhalten, aber nachdem Superman (alias Clark Kent) ihm offen droht, dass nicht zu dulden – er soll nämlich die UNO bewachen – lässt Batman davon ab. Sicher jedoch, dass Joker nicht untätig gegenüber der UN-Vollversammlung, kommt er als Zuhörer zur Veranstaltung und kann dort am eigenen Leib miterleben, wie Superman das Massaker verhindert.

Vielleicht steht Batman hier schon wieder an einem Punkt, an dem er erneut scheitert. Als Superheld kann er den Joker nicht aufhalten, vor der UNO zu sprechen, ohne einen internationalen Zwischenfall zu provozieren. Das Dilemma für Batman liegt auf der Hand. Superman – als einer seiner besten, wenn nicht der beste Freund – warnt ihn davor, offen einzugreifen und zeigt damit, dass er sich genau darum Sorgen macht. Und auch um den Geisteszustand von Batman.

Fazit:

Dieses Heft ist nicht nur was für eingefleischte Comicfans, sondern durchaus auch für Leute, die sich für gute, tragische Geschichten interessieren. Ein bisschen Vorwissen zu den Figuren kann aber nicht schaden. Zur Not reicht hier aber einmal das Lesen der entsprechenden Wikipedia Artikel.

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