Graham Nolen / Chuck Dixon – Des Teufels Advokat


Der Erwerb dieses Heftes ist zwar schon was länger her, allerdings habe ich mir gedacht, dass es doch einen Blogartikel wert ist. Also auf gehts.

Eine kurze Einführung zur Hauptfigur des Batman gibt es auch  hier wieder, für diejenigen, die nicht wissen, wer den „Batman“ ist. Acht Jahre war der junge Bruce Wayne alt, als in einer dunklen Gasse nach einem Kinobesuch seine Eltern von einem Ganoven erschossen wurden. Er überlebte und schwor sich, dass kein Kind und kein Mensch ein ähnliches Schicksal erleiden sollte. Jahre später wählte er als Zeichen die Fledermaus und wurde zu Gotham Citys gefürchtetem und geachteten Helden, Batman.

Titeldaten:

Autor: Chuck Dixon

Zeichner: Graham Nolan

Titel: Des Teufels Advokat/The devil’s advocat

Rezension:

Inhalt:

Dass da, wo ein Superheld auftaucht, schnell auch ein Superschurke zur Hand ist, ist hinlänlich aus zahlreichen Filmen bekannt. Das dieser Superschurke in 99% (keine Garantie, da keine Statistik ;)) der Fällen vom Superhelden eingebuchtet wird oder eben den Tod findet, ist auch bekannt.

Es ist nie der Fall, dass der Superheld mal für seinen Superschurken-Erzfeind kämpft. Dachte ich bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich dieses Comic in den Händen hielt. Es geht um Batmans Erzfeind, den Joker. Dieser wird verdächtigt, dass er Briefmarken mit berühmten Komikern als Motiv vergiftet hat um damit Angst und Schrecken in Gotham zu sähen. Überraschenderweise kommt es zu einer Anklage gegen Joker, der eigentlich gedacht hatte, er würde wegen Unzurechnungsfähigkeit wieder nach Arkham gesteckt werden. Aber es kommt anders.

Als Joker schließlich vor Gericht steht und wegen den Briefmarkenmorden zum Tode verurteilt wird, streitet dieser die Tat ab. Bezeichnet sie als stümper- und amateurhaft, lacht sie aus. Batman wird klar: Joker ist dafür nicht verantwortlich.

Er sucht den wahren Täter, während die Uhr gegen den Joker zu laufen  beginnt.

Kritik:

Dieses Heft bietet eine wirklich sehr spannende Geschichte, die den Leser das ein um das andere Mal dazu bringt, sich zu fragen, wie kalkuliert und berechnend, wie dreist und wie irre der Joker tatsächlich ist. Man kann sich sehr lange nicht ganz sicher sein, wer hinter der Tat steckt und lange ist auch nicht eindeutig festzustellen, dass der Joker es nicht ist.

Aber das ist nicht das wahrhaft Interessante und Spannende an diesem Heft, sondern eher die Frage nach dem Wort „Gerechtigkeit“. Was ist gerecht? So fragt Commissioner Gorden indirekt, ob es nicht besser wäre, wenn man den Joker auf den elektrischen Stuhl setzten würde, obwohl er die Briefmarken nicht vergiftet hat. Batman macht deutlich: das ist nicht die Gerechtigkeit, die er sucht.

Gerechtigkeit ist ein schwieriger Begriff und das wird hier in dem Heft deutlich. In wie weit man als Leser diese Auffassung teilen kann, ist ein Entschluss, den wohl jeder selbst treffen wird. Aber es macht dieses Heft außergewöhnlich. Dass gerade Batman, der Jason Todd an den Joker verlor, der soviele Schlachten gegen ihn schlug, und die Schlachten gewann, nie aber den Krieg, sagt, dass Joker den Tod nicht verdient hat, zeigt, wie sich sein Gerechtigkeitsbegriff von dem vieler anderer Menschen unterscheidet.

Es geht ihm zwar um Gerechtigkeit, nicht aber um unbedingte Gerechtigkeit. Er will nicht Taten und Untaten gegeneinander aufwiegen. Es ist schwierig zu sagen, warum Batman Joker nicht auf dem Stuhl sehen will und es gibt dazu sicherlich unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten. Meine ist: Batman würde Joker nur dann auf dem Stuhl sehen wollen, wenn er rechtmäßig vor einem Gericht verurteilt werden würde. Für eine Tat, die er auch begangen hat. Und zwar genau für diese Tat, nicht für etwas, was er vorher getan hatte. Deshalb betrachtet wohl sowohl der Leser, wie auch die verschiedenen Charaktere im  Comic Batmans Einstellung als seltsam. Es ist wohl auch ein fragwürdiges Motiv, einen schwerkriminellen Irren, den man wohl nie mehr vor ein vernünftiges Gericht stellen kann, dem entgültigen Ende zu entziehen, weil man seine eigene merkwürdige Auffassung von Gerechtigkeit durchsetzten will.

Aber genau das ist es, was die Figur Batmans in diesem Heft ausmacht. Die Frage, was Gerechtigkeit ist und wie sie umgesetzt werden soll. Und gerade, wie sie hier umgesetzt werden soll. Joker ist kein Heiliger und wohl innerhalb der Comics derjenige, der die meisten Leute auf dem Gewissen hat.

Doch, wie Batman schön zu Gordon sagt, er wisse ja, warum das nicht geht. Das ist sicherlich keine Antwort, die den Leser oder den P0lizeichef in dieser Situation zufrieden stellen würde, allerdings lässt sich gewissen Interpretationsspielraum über die Figur Batman und seinen „Codex“. Ob dieser Codex dann tatsächlich der Gerechtigkeit dient, kann jeder – und muss jeder – Leser für sich beantworten

Fazit:

Sicherlich interessant, wenn man sich dafür interessiert, wie man Recht, Gerechtigkeit und Gesetz interpretieren kann. Natürlich sollte ein bisschen Spaß am Comic lesen nicht fehlen. Positiv ist hier allerdings (im Gegenteil zu „A death in the familie“ (ein Tod in der Familie) dass man quasi kein Vorwissen über Charaktere und deren Gestaltung wissen muss, um die Geschichte zu verstehen. Man kann hier wirklich genug erfahren. Also hier muss ich sagen: Nicht nur was für Comicfans

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