Figurenkritik – Tim aus TKKG


In dieser Rubrik möchte ich gerne bekannte oder auch weniger bekannte Figuren aus Hörspielen, Bücher und Ähnlichem kritisieren und ihnen auch ein bisschen Raum geben, sich vorzustellen. Die erste Figur ist schon kontrovers, denn Tim aus TKKG spaltet, wie der Zwist zwischen TKKG und den Drei ???, die Hörspielszene.

 

Wer ist Tim?

Tim, ehemals Tarzan (bis zur Folge: „Die weiße Schmugglerjacht“), ist eigentlich alles, was ein Mädchen bis 14 oder ein Junge im selben Alter vergöttert, oder zumindest das Bild, welches sich die Autoren der Serie TKKG vorstellen. Er ist groß, sportlich, gut aussehend, gut in der Schule, hat das tollste Mädchen der Schule als Freundin, ist gerecht, fair, stark und ein Ass in Judo. Prinzipiell scheint er gar keine schlechten Eigenschaften zu haben. Sein Vater ist verstorben, seine Mutter lebt nicht in der gleichen Stadt, weshalb Tim sich im Internat mit Klößchen (Vorstellung kommt später) ein Zimmer – das Adlernest – teilt. Hier bricht er häufig und gerne draus aus, um kriminellen Machenschaften nachzugehen.

Kritik:

Tim ist zu perfekt. Schaut man sich die Attribute an, die ihm zugeschrieben werden, findet man zwar einiges, was die Figur symphatisch erscheinen lässt, schnell drängt sich dem älteren Leser aber auf, dass er gar keine Schwäche zu besitzen scheint, über die andere ihn direkt oder indirekt aufklären. Alles – oder das meiste – was Tim tut, wird als gut und richtig erachtet, egal, welche Grenzen er dafür eigentlich überschreitet. Wendet Tim einen seiner meisterhaften Judotricks an oder fährt er mal wieder Gaib über den Mund, ist das okay. Niemals trifft Tim den Falschen und Gabi sagt nie ernsthaft ihre Meinung. Tim behält in vielen Lebenslagen recht und seine Kombinationsgabe ist in der Regel auch die richtige. Ich muss zugeben, dass mir dies als Kind sehr gut gefallen hat, heute fällt mir allerdings auf, wie unglaublich fixiert die Serie, die eigentlich eine „Jugendbande“ beschreibt, doch auf ihren Anführer ist. Karl, Klößchen und Gabi verkommen häufig zu Hintergrundfiguren ohne tieferen charakterlichen Sinn.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Figur ist die Auffassung Minderheiten gegenüber. Man kann Tim und TKKG nicht generell vorwerfen, dass sie gegen Minderheiten sind, häufig helfen sie gerade auch den ärmeren Menschen der Gesellschaft oder jenen, die nicht in gleichem Maße anerkannt werden. Gerade Tim ist sehr schnell mit Vorurteilen, seien es Ausländer (früher häufig Italiener, heute auch Türken), ältere Jugendliche (rauchen, trinken, Lederkleidung), Obdachlose (Penner), Leute die verdächtig aussehen, Arbeitslose, Ex-Knackis usw. Quasi jede Randgruppe der Gesellschaft scheint in TKKG in der Regel nur dem Zweck der kriminellen Aktivitäten zu dienen. Das gerade Tim, der sich häufig als gerecht und fair darstellt, hier vorurteilsbeladen ist, zeigt die Ambivalent von Charaktereigenschaft und Charakterhandlung.

Tim wirkt – meiner Meinung nach gerade in den neueren Hörspielen – zudem übermächtig. Egal, ob der Gegner älter, größer und stärker ist, in allen mir bekannten Fällen gewinnt Tim den Kampf gegen den Gegner. Dies kann einem Kind toll vorkommen und Tim wird zum größten Helden, allerdings fällt dem älteren Leser/Höhrer auf, dass diese Häufung unrealistisch ist. Man bringt kein Messer mit zu einer Schießerei. Tim hat nie das Problem, in einem Kampf zu verlieren, egal, was der Gegenüber auch mitbring. Im Zweifelsfall zieht Klößchen dem entsprechenden Bösewicht eben eine Bratpfanne über den Kopf.

Fazit:

 

Wenn ich ehrlich bin – und man könnte hier noch mehr schreiben – muss ich sagen, dass mir Tim viel zu einseitig ist. Erinnere ich mich an meine Kindheit zurück, fand ich ihn zwar immer toll, aber auch damals schon unglaubwürdig, da er wirklich jeden Gegner schaffte. Das wird nach dem dritten oder vierten Buch/Hörspiel auch für ein Kind lächerlich. Ein Held, der immer nur gewinnt, wird auf die Dauer schnell langweilig. Deshalb tut es vielleicht bei den Drei ??? ganz gut, dass sie ab und an mal eingesperrt werden und dann i.d.R auf die Hilfe von Erwachsenen und nicht auf die brachiale Gewalt eines Judokämpfers, angewiesen sind.

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4 Kommentare zu “Figurenkritik – Tim aus TKKG

  1. […] ← Figurenkritik – Tim aus TKKG Eine Rezension in 10 Sätzen – Die drei Fragezeichen und der unheimliche Drache […]

  2. S.R. sagt:

    Also was Tims Übermächtigkeit angeht, muss ich doch einmal Beispiele anführen, wo das nicht der Fall ist:
    1. In Folge 30 (Die Mafia kommt zur Geisterstunde) gibt es einen Schurken namens Dieter Manowski, den Tim (zu diesem Zeitpunkt noch Tarzan) nicht besiegen kann. Weiterhin ist da noch die Unterhaltung mit dem ehemaligen Sportlehrer „Strong“, der Tarzan ebenfalls besiegen kann.
    2. Nicht immer löst Tim alleine das Problem. Ich entsinne mich, dass TKKG in einer Folge (123, Bei Anruf Angst) eingesperrt wird und Hilfe von jemandem braucht.

    An und für sich ist Tim tatsächlich übermächtig, nur: Das ist Justus Jonas auch, um auf das „Pingback“ zurückzukommen. Ohne Justus könnte man beispielsweise keine Fragezeichenfolge machen. In den meisten Fällen (zumindest ist das bei den „neueren Folgen so, damit meine ich jetzt 100-143) ist es Justus, der am Schluss die Lösung parat hat. Das bisschen Recherche, das Bob macht, könnte Justus auch machen. Peter ist das, was Klößchen für TKKG ist: Der Running Gag; statt Schokolade zu essen und dumme Sprüche zu machen (schön, manchmal macht Peter das auch) treibt Peter halt Sport und wird leicht mit Angst erfüllt. Natürlich könnte man in beiden Serien jeweils beide rausnehmen, doch dann würde nun einmal etwas fehlen. Gäbe es dann TKG und die zwei Fragezeichen?

    An und für sich sind sowohl TKKG als auch die Drei ??? in einem gewissen Grad trashig. TKKG ist halt (zumindest in meinen Augen) trashiger als die Fragezeichen. Sind sie deswegen schlechter? Ich mag (bzw. mochte) beide Serien, weil sie einerseits Teil meiner Kindheit sind, andererseits, weil sie unterhaltsam sind.

    Bei dem, was sich Marco Sonnleitner mit den Satzzeichen erlaubt, bekomme ich allerdings den Eindruck, dass er die beiden Serien in Sachen Trash-Faktor angleichen will.

    • Hi. Danke für den Kommentar, du hast natürlich in einigen Punkten recht.
      Aber:
      1. Manowski ist eine Ausnahme, korrekt – aber dann in meinen Augen auch noch eine ziemlich, wie soll ich sagen, lächerliche. Das kommt (ich kenne mit einigen Ausnahmen fast nur die Hörspiele von TKKG) einerseits durch den sehr, sehr einfachen Dialog:
      Tim: „Den Manow nehm ich auseinander. Der hat den Kopf doch nur auf den Schultern damit es nicht reinregnet“
      Herr Strong [über den Namen sag ich an der Stelle gar nichts]: „Manow und auseinandernehmen? Tarzan, ich weiß, dass du ein ganz hervorragender Judokämpfer bist, aber mit Manow wirst du nicht fertig. Das schaffe ich nicht einmal.“
      Gabi: „Wirklich nicht, Herr Strong? Sie sind der Einzige, der Tarzan besiegen kann. Jedenfalls der Einzige, den ich kenne.“
      Strong: „Nein. Manow kann nicht nur Judo, sondern auch Karate. Dieser Mensch ist ein Ungeheuer. Ihr wisst, dass ich kein Feigling bin, aber ich würde mich nie auf einen Kampf mit Manowski einlassen. Der Kerl würde mir glatt die Knochen brechen“.

      Mal abgesehen von den ganzen anderen Kampfsportarten, die es noch so gibt (von Mixed-Matial-Arts mal ganz abgesehen) ist Manowski ein Ungeheuer, weil er gleich Judo und Karate kann? Naja, das ist mir reichlich übertrieben…. Zudem der in meinen Augen schon fast peinliche Satz: „Sie sind der Einzige, der Tarzan besiegen kann“ (der nicht dadurch besser wird, das Gabi ein: „… den ich kenne“ einfügt) die ganze Sache nicht besser macht.
      Außerdem ist es so, dass das die einzige Folge ist, die ich kenne (ich möchte nicht behaupten, dass ich alle kenne, aber doch gute 140) und die mir spontan einfällt, in der ein ähnlicher Dialog vorkommt.[Im Übrigen: Warum nimmt Tarzan/Tim nicht schon längst an Deutschlandmeisterschaften teil, wenn er so gut ist?] Und natürlich schaffen es Herr Strong und Tarzan doch am Schluss, Manowski ohne Blessuren zu überstehen…

      2. Nein, das stimmt auch. Tim löst nicht jeden Fall alleine, das habe ich auch nicht behauptet. Allerdings muss ich sagen, dass mir da gerade die etwas späteren Folgen eher negativ im Gedächtnis geblieben sind.
      Was ich schrieb war, dass die anderen Figuren zu Randfiguren werden, zu Nebendarstellern. Das lässt sich (auch hier wieder: auf die Hörspiele bezogen) ganz gut am Sprecheranteil bestimmen und auch an den Ereignissen und Handlungen, die die Geschichte tragen. Es mag davon Ausnahmen geben – die von dir genannte ist mir nicht so präsent im Kopf – aber es ist eben nicht die Regel oder um es noch deutlicher zu sagen: Es ist so selten, das es – wie man in der Statistik so schön sagt – nicht signifikant ist gemessen am Rest.

      Was deine Referenz zu Justus angeht:
      Du hast auch hier wiederum recht. Ohne Justus funktionieren die Drei Fragezeichen nicht, genauso wenig wie TKKG ohne Tim funktioniert. Da ist auch gar nichts schlimmes dran, das gibt es in vielen Geschichten. Nur finde ich es subjektiv so, dass gerade bei TKKG Karl, Klößchen und in Teilen auch Gabi zu „Sidekicks“ eines Hauptdarsteller werden und somit selbst den Hautdarstellerpart entzogen bekommen. Bei TKKG finde ich das persönlich sehr viel ausgeprägter als das bei den Drei Fragezeichen der Fall ist.
      So ist es von Anfang an bei den drei Fragezeichen so gewesen, dass Justus sozusagen im „Endmonolog“ den Fall löst. In den allerwenigsten Fällen hätte das aber ohne Bob (Recherche) und ohne Peter (Sport, Wissen über Sport, doch z.T. wagemutige Unternehmungen, er ist ein guter Fahrer [wird deutlich in: „… und der giftige Gockel“ und auch „…die Musikpiraten“], kennt sich mit Autos sehr gut aus, usw.]. Ich muss auch hier sagen, dass ich die ganz neuen Folgen nicht so gut kenne wie die alten, die vor allem aus meiner Kindheit stammen, aber ich kann mich spontan nicht an eine Folge erinnern, die Justus ohne Hilfe von Peter und Bob, oder zumindest deren Zutun zur Handlung gelöst hätte. Auch verkommen beide nicht zu derartigen Nebenfiguren. Man kann sowohl über Bob wie auch über Peter eine Menge zusammentragen und sie haben (zumindest in den Folgen, die ich kenne) einen größeren Sprechanteil als Gabi, Klößchen und Karl in TKKG.

      Ein schönes Beispiel zu TKKG fällt mir da noch in „… Hinterhalt im Eulenforst“ ein: Hier kann ich mich nicht wirklich an eine Stelle erinnern, in der Klößchen, Karl oder Gabi etwas wirklich Tragendes zur Handlung beitragen. Gabi verteidigt Dario Moggiaterrefregoso (KEIN Italiener heißt so) und seine Familie und geht gegen den Förster vor, Klößchen entdeckt die Sau im Baum und welchen Anteil Karl hat weiß ich schon gar nicht mehr. Die Sau hätte auch von Gabi und Tim entdeckt werden können und Gabis großer Verdienst (das meine ich ernst) ist, dass sie gegen die Vorurteile von Tim angeht. Ansonsten ist da nichts.

      Bitte verstehe ich mich auch in einer Hinsicht nicht falsch: Ich mag Die drei Fragezeichen zwar lieber als TKKG (weil ich sie auch heute noch deutlich weniger trashig finde), das soll aber nicht heißen, dass ich TKKG nicht leiden kann. Da gibt es meines Erachtens schöne (wenngleich dennoch kritikwürdige) Folgen, wie etwa: „… und die Millionendiebe“, „… Todesfracht im Jaguar“, „… Verrat im Höllental“ und mein persönliches Highlight (weil endlich auch der lange versteckte Karl mal wieder einen Auftritt hat) „Teddy Talers Höllenfahrt“, die ich mir gerne anhöre, aber alles in allem geht mir Tim bei jedem Hören mehr auf den Zeiger. Und das, obwohl ich die Figur als Kind sehr gut leiden konnte.

      • S.R. sagt:

        Hallo,

        danke für die Antwort. Es hat leider etwas gedauert, aber jetzt kann ich antworten.

        Ja, bei Manowski habe ich die Tatsache, dass er eine lächerliche Ausnahme ist, doch galant unter den Teppich gekehrt. Du hast Recht, es ist relativ lächerlich, dass er als Monster gilt, weil er Judo und Karate kann.
        Tja, warum Tarzan/Tim nicht an Meisterschaften teilnimmt? Ich würde sagen, dass es am Zeitgeist hängt, in denen die Bücher und Hörspiele entstanden sind. Stefan Wolf wollte vielleicht heimatnah schreiben und hat sich bei den Kampfsportarten an das gehalten, was in seinem Wohnort vielleicht angeboten wurde. Jedenfalls sind Judo und Karate das gängigste, was einem Otto-Normal-Bürger unter dem Begriff Kampfsport einfällt.

        Aber es ist so, dass sich dahingehend schon viel geändert hat, vor allem wenn ich die ersten Folgen mit den neuesten Folgen vergleich:

        Ich habe bei den neueren TKKG-Hörspielen einen Wandel erkennen können.

        Als Beispiel nehme ich Folge 181 Der vertauschte Koffer:
        Klößchen und eine alte Dame im Zug vertauschen versehentlich das, was im Titel steht, und neben alter Damenunterwäsche findet TKKG im Koffer Geld, das die alte Dame wohl aus der Schweiz von einem Nummernkonto geholt haben muss.
        In dieser Folge ist Tim primär Dummschwätzer (er triezt Klößchen, wird von ihm aber in den Senkel gestellt), hilfsbereit (den nächsten Vokabeltest packen wir: Believe me, my friend!“ K: „Are you really sure?“ „Ja, entirely sure, aber sowas von sure“), und als später drei Schurken den Koffer klauen wollen, hat er nur den schwarzen Gurt im Judo, hat aber enorm viel Mühe, um auch nur einen in Schach zu halten. In dieser Folge ist er bei weitem nicht so mächtig wie in den früheren Folgen.

        Dasselbe konnte ich auch in einer anderen Folge feststellen:
        179: TKKG stellt die Schurken am Schluss, doch wenn die Polizei nicht rechtzeitig gekommen wäre, hätten die Finsterlinge (vier an der Zahl) sie aus dem Weg geschafft.

        Die Autoren scheinen Tims Übermächtigkeit gemerkt zu haben und TKKG für die heutige Zeit anzupassen.

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