Eine Randnotiz


Eigenes BildNur eine Randnotiz zu etwas, was mir heute auffiel.

Ich habe vergessen, einen Text zu lesen. Ich gebe es ganz unumwunden zu. Und ich habe, nachdem ich vor drei Monaten davon laß, auch vergessen, dass wir über diesen Text in der ersten Stunde des Semesters einen Test schreiben – unbenotet. Zunächst hab ich mich nur geärgert, dass ich es vergessen habe. Dann habe ich nachgedacht, wo eigentlich der Sinn und Zweck eines solchen Tests liegt. Und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

Wenn der Text für die jeweilige Seminarsitzung irrelevant ist, hat er gar keinen Sinn, außer den Studenten unnötigt Zeit zu kosten. Genug lesen dürfen wir sowieso. Wenn wir da ein Gedicht mal vergessen, ist das äußerst ärgerlich für den Dozent und eigentlich auch ärgerlich für uns.
Klar, der Test war jetzt nicht wirklich besonders schwer – ohne Frage. Aber muss das wirklich sein? Ich meine, in einem Seminar, in dem wir zwar zu 90% „nur“ einen Teilnahmenachweis brauchen, kann ich verstehen, dass die entsprechende Dozentin ganz froh ist, wenn wir Textkenntnis beweisen. Doch dann bitte – wie es im zweiten Semester der Fall war – auch zum aktuellen Text und nicht zu einem, den wir in mehr als vier Wochen behandeln werden. Das ist nämlich in meinen Augen wenig sinnvoll in einem Seminar, in dem eh nur 9 Leute angemeldet sind. Da fällt die mangelnde Textkenntnis oder gar mangelnde Teilnahme nämlich doch auf.
Es ärgert mich immens, dass ich mich an der Uni noch solchen Testen zu unterziehen habe – und die dazugehörigen Texte quasi auswendig lerne, bloß um alle Fragen beantworten zu können. Ärgerlich vielleicht auch deshalb, weil ich es tatsächlich vergessen habe, ihn zu lesen. Aber das letzte Mal „Textkenntnis überprüft“ – wie man es so schön nennen kann – wurde vor der Universität in der achten Klasse, als wir Wilhelm Tell laßen und es war schon damals ziemlich sinnlos.

Bei allem Verständnis, dass ich für enttäuschte Dozenten aufbringen kann, weil die Studenten mal wieder nicht gelesen haben, ist bei mir doch mittlerweile bei solchen Testen der Bogen ein klein wenig überspannt. Mir kam die darauf folgende, zwar lehrreiche Sitzung eher wie eine Schulstunde vor, in der der Lehrer vorn sitzt und am Ende Hausaufgaben aufgibt, als ein kritisches und informatives Seminar an der Universität.

Zum Ende möchte ich noch einmal betonen: Ich finde solche im Prinzip Textkenntnisüberprüfungstests schon nicht so ganz verwerflich. Aber man sollte sie sinnvoll einsetzen und nicht gerade dann, wenn mangelnde Textkenntnis schon allein aufgrund der Gruppengröße auffällt.

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