Kevin Smith/Walt Flanagan – Batman: Kakofonie


Autor:Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält:Batman Cacophony 1-3

Inhalt:

Als der bekannte Batmanschuke Deadshot im Arkham Asylum einbricht, um den Joker für einen Auftraggeber umzubringen, erscheint ein neuer Mann auf der Bildfläche, der dem Joker hilft, aus der Irrenanstalt zu entkommen – und schon gibt es in Gotham City einen neuen Schurken.
Onomatopoeia
(Onomatopoesie als Fachausdruck der Lautmalerei) ist der Name des unheimlichen Mannes. Er redet nicht und hat auch schon zwei andere Helden auf dem Gewissen, an Green Arrow ist er zuvor gescheitert. Onompatopeia scheint nun vor zu haben, Batman ein für alle mal aus dem Weg zu räumen, und schließt sich dem Joker an. Auch der alte Batman Gegner Maxie Zeus hat einen denkwürdigen Auftritt.

Kritik:

Das Heft ist ungewöhnlich, Kevin Smith Erzählstil ist sicherlich für ein Batmanheft mehr als außergewöhnlich. Ganz fest im Gedächtnis geblieben ist mir folgender Satz des Jokers, den er von sich gab, als er im Krankenhaus liegt und zuerst ein Gespräch mit Matches Malone (alias Batman) und später mit Batman führt: „Und da wir gerade so gnadenlos ehrlich sind, muss ich dir sagen, dass ich dein Gehänge gesehen hab, als du dich unmgezogen hast.“ Aber nicht nur Joker wartet mit ungewöhnlichen Aussagen auf, auch Batman trifft die ein oder andere Aussage, die ungewöhnlich ist: „Barucha Haba – DRECKSACK“ oder Sätzen „Halt bloß deine Fresse„.

Kevin Smith, der gerade für Filme wie Dogma, sowie Silent Bob und Jay bekannt ist, pflegt sicherlich keinen Umgang mit der Figur, die jedem gefällt. So viel sei schon mal gesagt. Die Storyidee als solche ist nicht einmal schlecht, das kann man ihm nicht vorwerfen, die Umsetzung teils aber schon grenzwertig. So ist es in amerikanischen Filmen häufig der Fall, dass Kinder nicht sterben. Hier stürzt Dank des Jokers gleich eine ganze Schule über den Köpfen von Kindern zusammen. Harter Tobak, wie ich finde. Wenngleich auch nicht direkt „nicht schon mal dagewesen.“ Das ist vielleicht auch gerade das Problem des Heftes.
Obwohl Kevin Smith mit Onomatopoeia jemand ganz Neuen für Leute einführt, die nur Batman lesen, gelingt es ihm nicht, ihn als den großen Schurken darzustellen, der er sein soll. Das könnte unterschiedliche Gründe haben. Meines Erachtens ist einer, dass er ihn zusammen mit dem Joker aufstellt. Joker ist eine Figur, die schnell alles andere erdrücken kann, wenn man ihn zu sehr herausstellt – und genau dies Smith passiert. Anstellte, Joker eher in den Hintergrund treten zu lassen – wenn er schon auftaucht – wird er zum eigentlichen Antagonisten stilisiert, nicht Onomatopoeia.
Dabei wäre Joker vielleicht gar nicht mal zwingend nötig gewesen, um Onomatopoeia zu charakterisieren. So benutzt dieser den Joker in erster Linie um an Batman heranzukommen. Ob Joker davon weiß, oder nicht, ist nicht ganz genau zu entnehmen, ich gehe davon aus, dass er es nicht weiß. Hier hätte es vermutlich auch jeder andere große Schurke getan, z.B Mr. Zsazas der einen Kurzauftritt in diesem Heft hat. Leider hat sich Smith an dieser Stelle seine Geschichte selbst verbaut, da Joker seinen eigenen Charakter wirklich in den Schatten stellt.

Das moralische Ende war mit der Klappentextankündigung leider in gewisser Weise absehbar und auch nichts neues mehr:
„Dabei gilt es für den Dunklen Ritter, eine schwere Entscheidung zu fällen, bei der einem seiner Feinde das Lachen im Halse stecken bleiben könnte….“
Auch hier muss ich Smith leider vorhalten, dass im Großen und Ganzen nichts neues erfunden hat. Jedem, der Batman über einen längeren Zeitraum gelesen hat – wie es die allermeisten wohl tun – weiß, dass Batman selbst den Joker nicht sterben lassen könnte. Das beweisen schon eindrucksvoll Hefte wie „A death in the family“, wo Batman trotzt allem den Joker nicht umbringen will. Dass Smith hier also Bezug darauf nimmt, und den Joker sogar fragen lässt, ob Batman ihn umbringen würde, birgt für den Leser keine große Überraschung, und die Tatsache, dass er sich nicht dafür entscheidet, Onomatopoeia zu verfolgen, sondern den Joker zu retten auch nicht.

Allein verblüffend ist, die Antwort des Jokers auf die Gegenfrage, die er sich aber auch eher selbst stellt. Joker meint: „Aber ich will dich töten“ und obwohl er nacher darlegt, warum er glaubt, dass sein Wahnsinn enden würde, wäre Batman tot (Sein Hass auf Batman ist der Grund, warum er irre ist. Ohne Batman würde er nicht mehr irre sein und kein Chaos mehr anrichten) scheint diese Antwort im Zusammenhang mit dem Verhalten von Joker in zahlreichen anderen Hefte nicht stringent. Wenn man längere Zeit Comics liest, könnte man auf die Idee kommen, dass die Figuren mehr von einander abhängig sind, als man auf den ersten Blick glauben mag: Der eine würde ohne den anderen nicht existieren. (Im Übrigen schon ein ziemlich altes Motiv, welches im Minnesang bereits Anwendung fand). Sie geben sich beiderseits eine Existenzberechtigung, sind vielleicht beide in gewisser Art und Weise der selbe, wahnsinnige Charakter – der sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Und wie Alfred durch die Blumen in diesem Heft treffend bemerkt: „Und ein normaler Mensch wie Sie Sir… und ich nenne Sie nur widerwillig normal […]“ ist Batman bestimmt selbst wahnsinnig. Diesen Zusammenhang deckt nicht erst Smith auf, sondern ist schon vielen anderen Autoren vorher bewusst gewesen.

Gerade deshalb ist Jokers Antwort vielleicht so verblüffend – weil es im Grunde genommen jeder besser weiß und intertextuell könnte man vielleicht sogar schlussfolgern, dass er es selbst besser weiß (man nehmen die neueren Batmanhefte, wo Joker so lange verschwunden war, bis es einen neuen Batman gab) und sich selbst vorlügt, er könne Batman töten. Durch dieses Gespräch, wenngleich es erst gegen Ende erfolgt, macht Smith eindeutig, dass auf dem Joker das Hauptaugenmerk liegt  – und nicht auf Onomatopoeia. Wollte er dies, dann hätte er sich den neuen Schurken schenken können, wollte er es nicht, hat er einen Fehler gemacht, den schon andere gemacht haben und sicherlich immer wieder machen werden. Dennoch hält das Ende die ein oder andere Überraschung für den geneigten Leser bereit, die ich hier jetzt nicht vorweg nehmen will.

Schön gelungen finde ich – um das Heft nicht nur zu kritisieren – die Darstellung Alfreds. Er ist sarkastisch, direkt, aber dabei immer höflich. Zwar ist auch das nicht neu, aber wird hier konsequent durchgeführt. Dabei geht Smith auch an einer Stelle deutlich über den Text hinaus. Auf die Aussage, von Batman, dass der Joker sein „Gehänge“ gesehen habe, antwortet Alfred:
Kein Wunder, dass er Ihre Männlichkeit erspähte, da sie doch Ihre Unterhose über Ihren Kleidern tragen.“

Fazit:

Kein schlechtes Heft. Aber vermutlich hätte ich es bereut, hätte ich es zum Vollpreis gekauft. Wer sich allerdings für „abgeschlossene“ Batmangeschichte, ohne die verwirrenden Erzählstränge von Grant Morrison interessiert, liegt hier vielleicht gar nicht so falsch. Und wer sich einen „menschlicheren“ Batman wünscht, vielleicht auch nicht. Denn so manch ein kleiner Wortwitz, der Batman in anderen Hefte nicht über die Lippen käme, lässt ihn hier menschlich erscheinen.
Wie ich einleitend schon sagte: Wer das Heft außerhalb der Kontinuität lesen kann, kann Spaß haben. Für andere könnte es schwierig werden.

Der Nachfolger hat übrigens noch einige Eckpunkte mehr. Dazu später.

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Ein Kommentar zu “Kevin Smith/Walt Flanagan – Batman: Kakofonie

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