Kevin Smith/Walt Flanagan: Batman – Der Teufelskreis


Autor: Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält: The Widening Gyre 1-6

Inhalt:

In Gotham ist das Übliche los. Irgendjemand benutzt Baron Blitzkriegs Uniform, Poison Ivy übernimmt Arkham, der Dämon Etrigan frisst die halbe Belegschaft und ein Kinderschänder entführt Kinder in einem Freizeitpark. Batman – der mal wieder bis zum Hals in Blut und Poison Ivys Gift steckt – bekommt aber unerwarteterweise Hilfe von einem neuen Helden in Gotham, der sich selbst Baphomet nennt.
Doch nicht nur Baphomet ist in der Stadt, auch Silver St.Cloud ist zurückgekehrt. Nachdem ihr Verlobter verstorben ist, sehnte sie sich wieder zurück zu Bruce Wayne, dessen dunkles Geheimniss sie kennt. Es kommt zu einer heftigen – mehr als das – Affäre zwischen den beiden, die Batman  vor die Frage zu stellen scheint, wie lange er noch Batman sein will…. und wer ihn ersetzten kann.

Kritik:
Ähnlich wie in Kakofonie kann – und sollte – man dieses Heft außerhalb der klassischen Kontinuität lesen. So tritt Batman, ähnlich wie in Kakofonie, ungewöhnlich auf. Das ist sicherlich der Story zu schulden, die ab einem Drittel etwa ihre Konzentration auf das Verhältnis von Silver St. Cloud und Bruce Wayne legt. Das ist schön, würde das Herz erwärmen, wäre es etwas glaubwürdiger. Zwar kennen sich Silver und Bruce schon eine ganze Weile, Silver kennt das Geheimniss des Mitternachtdetektivs und schon in „The Dark Detective“ hat es heftig geknistert, aber es wirkt, als ginge die Beziehung in diesem Band nicht wirklch über mehr hinaus, als eine Menge Sex – den Aquaman auch noch belauscht. Mit Hilfe von Delphinen. Wortwörtlich sagt Bruce Wayne hier sogar – und das ist sicherlich sehr, sehr ungewöhnlich: „Wir waren weniger allein, als gedacht. Die Delfine hörten uns beim Sex und sagten es Aquaman.“ Der dann auch prompt im Liebesnest der beiden auftauchte.
Das Ganze wäre noch einigermaßen erträglich, würde Bruce Wayne seiner „Angebeteten“ nicht auf dem Satelliten der JLA einen Heiratsantrag machen….
Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand – soll das Heft doch eigentlich in der Kontinuität spielen – und am Ende wird man, wenn auch etwas blutiger, an „James Bond – Im Geheimdienst ihrer Majestät“ erinnert.

Anhand des Endes dieses Heftes erkennt man auch eine weitere große Schwäche desselbigen. Baphomet, der neuen Held in Gotham wirkt auf den Leser schon von Anfang an nicht ganz sauber. Es ist der Eindruck, der über das einfache – aber gruselige – Kostüm, die Auftrittsweise – er öffnet etwa seine Maske schon sehr früh – und das schnelle Anfreunden mit Batman, alles Sachen, die dem Leser schnell auffallen. Dabei ist es egal,ob man zum ersten Mal ein Batmanheft in den Fingern halten sollte, oder ob man schon länger Batmancomics liest. Letzteren wird der Umstand vermutlich schneller bewusst. Es ist übrigens auch den Figuren bewusst, dass Baphomet eher zu einem Schurken passt, als zu einem Helden. Vielleicht ist es deshalb noch befremdlicher, dass Batman die Distanz zu ihm aufgibt – und sogar noch mehr, ihm seine Geheimidentität verrät.
Smith verleiht diesem Moment noch ein bisschen mehr Dramatik – naja, es ist definitiv zu viel – indem er vorher Batman darauf aufmerksam machen lässt, dass er seine Maske noch nicht einmal vor Superman abgenommen hat („Ich kenne Superman seit Jahren un dnehme trotzdem meine Maske nicht vor ihm ab„). Ich kann das jetzt nicht bewerten, ob es stimmt oder nicht, aber da Superman der beste Freund von Batman ist, währe es allein dieser Freundschaft gegenüber nicht fair, Baphomet ohne genaue Überprüfung in die Höhle zu führen und dann auch noch das Gesicht zu zeigen.
Hier liegt mein Hauptkritikpunkt: Batman wäre niemals so unvorsichtig. Vor allem nicht, da noch ein Schurke herumläuft, der sich zum Ziel gemacht hat, ihn umzubringen. Nämlich Onomatopoeia.

[VORSICHT! DICKER SPOILER]

Wer es bis hierher noch nicht geahnt hat: Hinter dem so „gut“ handelnden Baphomet versteckt sich niemand anders, als der Schurke Onomatopeia, der bereits im Vorgänger „Batman-Kakofonie“ auftauchte. Und er sorgt auch, in dem einzigen Bild, in dem man seine Maske sieht, für einen großen Knall, in dem er Silver St. Cloud in der Bathöhle die Kehle aufschneidet. Tragisch, tragisch. (und wieder der Hinweis auf den Bond-Klassiker)
Aber leider wahr etwas Ähnliches spätestens ab dem Heiratsantrag zu erwarten….

Und HIER liegt der Hund begraben:

Batman ist zu naiv. Und das passt nicht zu der Figur. Batman mag manchmal in bestimmten Gedankengängen

festgefahren sein, aber die Figur ist nicht naiv. Planer, Denker, Stratege. Das ist kein Platz für Naivität. Sprüche wie „Bist du etwa ein Kiffer?“ mögen unkonventionnell sein und dem ein oder anderen unpassend erscheinen, aber Naivität ist etwas, was dieser Figur nicht passiert. Sprüche gab es auch schon in anderen Heften. Wer es nicht wagt, vor seinem besten Freund die Maske abzulegen, die ihn ausmacht, der macht das bestimmt nicht vor einem Fremden, der sich nach einem Dämon benennt – noch weniger, wenn er gerade erst von einem mordlüsternden Irren verfolgt worden ist.
Es fehlt diesem Heft an der batmantypischen Planung – und im Endeffekt daran, dass er den Gang der Dinge schon kennt, bevor sie passieren. Der Detektiv fehlt, der Batman auszeichnet.
Die Liebesgeschichte mit Silver St. Cloud kann schon Spaß machen, die Vorstellung, dass Bruce Wayne heiraten könnte, dass er ein normales Leben führen könnte, weg von Batman und der Dunkelheit der Nacht, hat eigentlich etwas Tröstliches. Aber dem Leser ist über weite Strecken klar, dass hinter Baphomet kein guter Mann steckt. Subtile Andeutungen, Gestiken, Mimiken, weißen darauf hin. Das ist nicht schlecht gemacht von Smith – nur fragwürdig, weil es Batman eben nicht auffällt. Und gerade IHM hätte es auffallen müssen.

Positiv vermerken möchte ich aber nochmals die Figur von Alfred, der zwar wieder nur kurz auftaucht, aber einen schönen, sarkastischen Moment hat, in dem er zeigen kann, dass er mehr ist als nur „der Butler“. Schade eigentich, dass man der Figur allgemein eher wenig Spielraum zu kommen lässt.
Ebenfalls positiv beleuchtet finde ich das Verhältnis von Catwoman zu Batman.Die Frage, ob Batman seine Geliebte mit Catwoman betrügen könnte – und ob dies eine falsche Annahme von Seiten Smith ist – ist diskutiert worden. Das Ergebnis ist merkwürdig: Trotzt der mittlerweile 72-jährigen Geschichte des Charakters – der sich natürlich auch von Generation zu Generation ändert – ist darüber keine genaue Aussage zu treffen. Smith wirft also hier eine Frage auf, die bisher so noch nicht gestellt – oder zumindest nicht beantwortet – worden ist. Eigentlich eine spannende Frage, die im Rest der Geschichte allerdings untergeht. Dass Catwoman mit der Ankündigung, dass Batman heiraten will, nicht glücklich ist, erklärt sich, wenn man die Beziehung dieser beiden Charaktere anschaut – und auch hier wirft sich eine Frage auf: Handelt Batman in seinem Verhältnis zu Silver St. Cloud eigentlich rational? Wenn er sie – kurz zuvor – noch mit Catwoman betrügt, steckt da nicht noch mehr hinter?

Interessante Fragen, die jedoch nicht einfach zu beantworten sind.

Fazit:

Definitiv kein Heft für Anfänger. Aber für Leute, die sich für die Materie interessieren, ein bisschen Spaß an Unterhaltung finden, gegen nackte Haut und eine Menge Blut nichts haben, könnte die Geschichte etwas sein.
Ich mag sie trotzt allem wegen ihrer vielen „Bruce-Wayne“-Szenen, da dieser in der letzten Zeit in den Comics meines Erachtens, etwas zu kurz gekommen sind und auch richtige Liebesgeschichten fehlten in letzter Zeit.
Ich würde mich auch freuen, würde Kevin Smith noch den letzten Teil fertig bekommen, damit der Cliffhanger am Schluss aufgelöst wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s