Lieber Spiegel


Im heutigen Artikel zur Schließung der Seite „megaupload.com“ (in wie weit man das gut oder schlecht finden muss, will ich hier nicht erörtern), den ich gerne gelesen hätte, weil mich das Thema doch brennend interessiert, habe ich bereits nach einigen Abschnitten aufgehört zu lesen. Warum?

Ganz einfach. Eigentlich bin ich mit eurem Blatt sehr zufrieden, meistens gute Recherchen und  kontroverse Artikel. Aber der Abschnitt:

„Im Jahr 2000 gab es in Deutschland 170.000 DSL-Anschlüsse. Das war das Jahr, in dem die Dotcom-Blase platzte, das Internet also plötzlich nicht mehr ganz so sexy zu sein schien. Aber es war auch das Jahr, in dem die Ur-Tauschbörse Napster ihren großen Durchbruch feierte. Sie erwies sich als Killer-Anwendung für DSL-Zugänge. Bereits 2001 waren es hierzulande 1,9 Millionen Anschlüsse, die Anzahl hatte sich binnen eines einzigen Jahres verelffacht – dank der Möglichkeit, plötzlich kostenlos und in unbegrenzter Menge an Musikdateien zu kommen.“

(Quelle: Stöcker, Christian: Megaupload und Co. Die geheimen Gesetze des Raubkopierer-Untergrunds. Spiegel, 20.01.2012. Link: Hier. Ebenfalls Auszug aus dem Buch: „Nerd Attack. Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook. Ein Spiegel-Buch)

Hat mich wirklich gestört. Das unter dem Artikel stand, es handle sich um einen Auszug aus einem Buch, macht das Erscheinen im Spiegel vielleicht etwas harmloser. Aber der Punkt ist: Es bleibt doch trotzdem falsch.
Ich verweise nochmal auf die wirklich kritische Passage: Da wird doch glatt behauptet, dass die Zahl der DSL-Anschlüsse zugenommen hat, weil – Achtung – man die Möglichkeit sah, Daten im Internet herunter zu laden!

Was soll denn das? Das wäre doch, als würde man sagen, dass die Zahl der Autos zugenommen hat, weil man damit schneller vom Tatort eines Banküberfalls weg kommt. Man blicke mal in die 20er Jahre. Dillinger und Co…..

Bleibt noch zu sagen: Ich hätte schon bei der Überschrift aufhören sollen. Wer was raubt, der wendet Gewalt an und bewegt meistens etwas, das nicht wieder zurückgegeben werden kann – außer man schnapp den Täter. Bei „Raubkopien“ ist aber nur der zweite Teil des Wortes wichtig: Kopieren. Das „Original“ ist also noch da. Aber das ist nur Wortklauberei.

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Ein Kommentar zu “Lieber Spiegel

  1. Kristina sagt:

    „Was soll denn das? Das wäre doch, als würde man sagen, dass die Zahl der Autos zugenommen hat, weil man damit schneller vom Tatort eines Banküberfalls weg kommt.“ Jetzt fängst Du auch noch an, mir meine Welt kaputt zu machen. Erst die Philosophen („Es gibt keinen Weihnachtsmann.“) , dann die ÄDLer („Es gibt keine Drachen.“)… und jetzt DU („Autos sind nicht dafür da, schneller von einem Tatort wegzukommen.“)! Schämst Du Dich nicht? 😉
    Zum Wort „Raubkopie“… nunja… dafür kann der Verfasser des Artikels nicht wirklich etwas, da es sich nunmal wirlkich so eingebürgert hat und man da auch genügend Belege anführen könnte, wieso das schon seine Berechtigung hat. KÖNNTE man … will ich aber grad nicht.

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