Wilhelm Busch


Ich war auf einer Ausstellung zu Wilhelm Busch. Nicht weil ich wollte, sondern weil ich dort etwas zu erledigen hatte. Und während ich der Ausstellungseröffnung lausche und mir die gezeigten Beispielbilder ansehe, ist mir etwas aufgefallen:

Wieso vergötterte man zu meiner Kindheit Wilhelm Busch? Wieso lasen Eltern ihren Kindern daraus vor? Hat man mich ernsthaft mal gefragt, was ich von Wilhelm Busch halte?

Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich „Max und Moriz“ und Co. schon früh abstoßend fand. Ja, gar ekelig.
Warum? Weil sie ungeheuer brutal sind. Die beiden Jungs, die zwar allen Leuten streiche spielen, die bisweilen auch gefährlich sind, finden am Ende den Tod in einer Mühle. Das finde ich selbst aus heutiger Sicht sehr abstoßend. Wieso wurde und wird den Kindern dies immer noch vorgelesen?
Ich bin hier vielleicht etwas polemisch, das gebe ich gerne zu, aber ich würde heute keinem Kind mehr Busch vorlesen. Warum? Weil mir der pädagogische Gedanke dahinter fehlt. Mir fehlt die Aussöhnung. Mir fehlt die Einsicht. In den meisten Wilhelm Busch Geschichten, die ich so kenne, findet der Protagonist/die Protagonisten ein ziemlich grausames Ende (verbrannt, von Schirmen erstochen usw.). Braucht das ein Kind?
Da regt man sich über die Darstellung von Gewalt in Fernsehen und Computerspielen auf und ließt seinen Kindern Erzählungen von Menschen vor, die sich zu Tode hungern? Die von Mühlsteinen zerquetscht, aufgehangen und von Kisten den Kopf abgetrennt bekommen?
In der Ausstellung sagte jemand, dass man über die Qual der Menschen lachen kann.

Ich kann das nicht. Und ich konnte es nicht. Ich finde Wihelm Busch nicht lustig. Morbide – vielleicht. Abschreckend? Ganz sicher. Aber das nicht im positiven Sinne. Es passt heute nicht mehr in das pädagogische Konzept hinein. Kindern Wilhelm Busch vorzulesen, halte ich für eine ungünstige Methode.

Ja. Viele Märchen der Gebrüder Grimm enthalten auch einen brutalen Teil. Das schöne an ihnen ist aber, dass man ihn rauslassen kann. Bei Aschenputtel ist das schwieriger, aber ich finde, ein abgehackter Zeh und eine schwer verletzte Ferse sind besser, als von einem Mühlstein zerquetscht zu werden. Die Abschlussszene von Aschenputtel, in der Tauben der Stiefmutter und den Stiefschwestern die Augen ausstechen, kann man weglassen. In Dornröschen wird die tiefere, brutalere Seite erst sichtbar, wenn man interpretiert. Und das tut ein Kind nicht auf diese Art und Weise.Rotkäppchen fand ich schon als Kind nicht besonders dolle, ebenfalls die Sieben Geißlein nicht. Schneewittchen ist sehr spannend – aber auch hier kann man getrost den Tod der Hexe weglassen. Hänsel und Gretel finde ich bis heute eigentlich zu brutal für Kinder.
Von mir bekommt ein Kind eher einen netten Disneyfilm geschenkt, in dem der heldenhafte Prinz eine Hexe in Gestalt eines Drachens tötet, als ein Buch von Wilhelm Busch. Denn ich möchte nicht, dass Kinder, ähnlich wie ich, sich diese Geschichten antun müssen, obwohl sie sie nicht gut finden
Ich kann über dies Darstellung der Qual und des Todes nicht lachen. Nein. Das kann ich nicht.

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