Bibliographieren – Irrelevante Angaben.


Jedesmal wenn ich eine Hausarbeit schreiben muss, gibt es einen Punkt, an dem ich am liebsten den (Germanistik-)Reader an die Wand klatschen und mit einem mir hinterherlaufenden Mob von Bauern mit Forken und Fackeln im Gepäck zum Kármán würde. Warum?

Wegen bibliographischen Angaben. Nicht, dass ich da etwas gegen hätte, sie sind nützlich und sollen dem Leser und Prüfer der Arbeit zeigen, welche Bücher man benutzt hat. Gleichzeitig gibt man als Schreiber natürlich das Werkzeug in die Hand, diese Bücher schnell und einfach aufzufinden.
Das kann ich voll und ganz nachvollziehen und es gehört selbstverständlich zum wissenschaftlichen Arbeiten hinzu. Wenn ich mir dann aber vorstelle, dass dieses Zeug relevant für meine Note sein kann… dann denke ich mir, dass im Wissenschaftstandort Deutschland irgendetwas gewaltig schief läuft.

Nicht, weil es Vorschriften gibt, wie man sie aufbaut und das man sie anzugeben hat. Sondern wegen des „wie“ und des „was“.
Um ein Buch zu finden (ohne ISBN-Nummer versteht sich), benötigt es doch eigentlich nicht mehr als den Titel und den Autorennamen sowie das Jahr, vor allem, wenn es neuere Auflagen gibt. Verlagsangaben kann ich auch nachvollziehen, sind aber längst nicht überall von Nöten.

Gibt es keinen Autor, ist ein Herausgeber zu nennen und handelt es sich um einen Artikel aus einem Lexikon oder einer Sammelschrift, dann natürlich auch der Autor und die Seitenzahl des jeweiligen Unterkapitels.
Soweit, so gut, so einfach.

Haha, denke ich mir heute, als ich sehe, wie ich den Artikel zum literarischen Biedermeier aus dem Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte nachweisen muss.

Warum?

Schaut’s euch an:

Emrich, Berthold: Biedermeier, literarisches. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Begründet von Paul Merker und Wolfgang Stammler, hg. von Werner Kohlschmidt und Wolfgang Mohr, neu bearbeitet und unter redaktioneller Mitarbeit von Klaus Kanzog. Bd. 1: A-K. 2. Auflage. Berlin: de Gruyter 1958, S. 168-173.   

Was davon ist notwendig, um den Artikel zu finden?

1. Name des Autoren des Titels
2. Titel/Stichwort
3. Lexikon, in dem er erschienen ist (in diesem Falle)
4. Jahr
5. Band
6. Seitenzahl.

Mit diesen Angaben ließe sich das entsprechende Buch und der entsprechende Text prima finden. Gerade in einer germanistischen Bibliothek.
Was muss ich noch angeben?
Ich habe es mal fett markiert:

Emrich, Berthold: Biedermeier, literarisches. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Begründet von Paul Merker und Wolfgang Stammler, hg. von Werner Kohlschmidt und Wolfgang Mohr, neu bearbeitet und unter redaktioneller Mitarbeit von Klaus Kanzog. Bd. 1: A-K. 2. Auflage. Berlin: de Gruyter 1958, S. 168-173.

Ort, Verlag und Jahr hab ich unmarkiert gelassen, weil es schon hilfreich sein kann. Im Grunde kann man dennoch sagen, dass mehr als die Hälfte der Angabe eigentlich völlig irrelevant ist. Dass man den Herausgeber angibt, kann ich noch nachvollziehen, aber wer es begründet hat? Wer redaktioneller Mitarbeiter war? Klaus Kanzog? Nie gehört und suchen würde ich danach auch nicht. Aber so gibt es unser Reader vor und wehe man setzt mal einen Punkt oder ein Komma falsch…

Weitere Beispiele gefällig?

Kemper, Dirk: Biedermeier. In: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Begründet von Günther und Irmgard Schweikle. hg. von Dieter Burdorf, Christoph Fasbender und Burkhard Moennighoff, 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart et al.: Metzler 2007, S. 85-86.

Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Herausgegeben im Auftrag der Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, des Bischofs von Luxemburg, des Bischofs von Lüttich, des Bischofs von Bozen-Brixen. Freiburg, Basel, Wien: Herder 1980.

Heinzle, Joachim: Nibelungensage und >Nibelungenlied< im späten Mittelalter. In: Forschungen zur Literatur des Spätmittelalters. Festschrift für Johannes Jota, hg von Horst Brunner und Werner Williams-Krapp. Tübingen: Niemeyer 2003

Mir geht es nicht darum, dass manchmal die Herausgeberangaben durchaus sinnvoll sind. Das weiß ich auch. Ich denke mir nur, dass es eine ganze Menge unnötiger Arbeit und Beschwörung unnötiger und vor allem unwichtiger Fehler ist, Sachen anzugeben, die man tatsächlich – um das Buch zu finden – nie, nie, nie brauchen wird.

Als ich noch in der Bibliothek gearbeitet habe, hab ich den Studenten immer gesagt, sie sollten korrekt zitieren und korrekt bibliographieren, weil das sonst gerne mal ein paar Punkte kosten kann.
Und natürlich habe ich ihnen auch gesagt, warum man nicht gleich nur die ISBN angibt. (Bücher ohne ISBN, mit gleicher ISBN, schwierigere Suche in den Bibliotheken usw.).

Warum man aber redaktionelle Leitung mit angeben muss, warum die Begründer angegeben werden müssen und warum die Herausgeber (wenn man doch sonst alles hat), ist mir schleierhaft.

Ganz ehrlich.

PS: Ach ja, ich hätte es beinahe vergessen. In unserem Germanistikreader sind auch noch Fehler drin.

So sieht die Formel zum Nachweis für Lexikaartikel aus:

Nachname, Vorname des Verfassers: Stichwort/Artikel. In: Ggf. Ders./Dies.: Titel des Lexikons. Untertitel. ggf. hg. von Vorname[n] Nachname[n]. Ggf. BAnd x: Titel des Bandes, ggf. hg. von Vorname[n] Nachname[n]. Auflage. Ort: Verlag Jahr, Sp.[alte(n)] x-y oder S.[eite(n)] x-y.

Und so sieht die Beispielangabe dazu aus:

Rosenfeld, Hellmut: Plagiat. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Begründet von Paul Merker und Wolfgang Stammler, hg. von Werner Kohlschmidt und Wolfgang Mohr, neu bearbeitet und unter redaktioneller Mitarbeit von Klaus Kanzog. 2. Auflage. Bd. 3: P-Sk, hg. von Klaus Kanzog und Achim  Masser. Unveränderte Neuausgabe. Berlin, New York: de Gruyter 2001, S. 114-126.

Na, wem fällt der Fehler auf?

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14 Kommentare zu “Bibliographieren – Irrelevante Angaben.

  1. befilmt sagt:

    Die Auflage steht vor dem Band.
    Ich kann deinen Unmut verstehen und sehr gut nachvollziehen. Ich selbst greif mir oft an den Kopf wenn ich sowas einfügen muss. Bei manchen Sachen ist es jedoch nötig. Oft haben verschiedene Werke densekben Totel, und da muss man den Untertitel mitanfügen.
    Diese Neu überarbeitete Fassung von Klaus Herzog braucht es jedoch nicht…

  2. Evanesca Feuerblut sagt:

    Das ist genau der Grund, aus dem ich es hasse, in meinen drei Hauptfächern Hausarbeiten zu schreiben.
    In jedem dieser drei Fächer gelten andere Vorgaben – in Englisch muss dringend der Titel kursiv sein und noch irgendwas auch, etwas anderes muss unterstrichen werden. In Französisch gelten andere Regeln, in Bildungswissenschaften widerum dritte Regeln, die sich in Details von den Regeln in den anderen zwei Fächern unterscheiden…
    Noch dazu gibt es bei Englisch zwei Standards….

    Bei uns kommt aber noch hinzu, dass man auch noch jedes Mal wenn man den Hauch einer Idee irgendwo her hat, die Quelle mittels Sigilie noch zusätzlich im Text angeben darf…

  3. Naja sagt:

    Es ist generell nicht sinnvoll, die Studierenden ein starres Schema bloß kopieren zu lassen – es sei denn, im Fach existiert wirklich nur ein einziges, von allen strikt befolgtes System, was ich bezweifle. Es geht eher darum, den Sinn und die Funktion von Angaben zu durchschauen.
    Und dabei gilt: Manche Angaben sind auch ’sinnvoll‘, wenn man sie zum Auffinden des Buches nicht unbedingt braucht: Wenn etwa ein bestimmter Autor als Herausgeber oder gar Begründer auftaucht, der für eine ganz bestimmte theoretische Schule o.ä. steht, wenn der Leser erfährt, dass es sich um eine Festschrift handelt usw., dann können das durchaus relevante Angaben sein, die ihm zumindest eine Ahnung geben, was für ein Werk ihn da erwartet (Festschriftartikel sind manchmal eher randständig, Schüler folgen wohl ihren Lehrern, und wenn Klaus Kanzog im Fach als verrückter Hund bekannt ist, ist auch seine Überarbeitertätigkeit durchaus interessant mitzuteilen…).
    PS: Der Fehler liegt schon in der Formel bei ‚Vorna_h_men‘. Und bei Heinzel fehlt die Seitenangabe.

    • Die fehlende Seitenzahl ist mein Fehler, gebe ich auch zu 😉

      Ich kann ja verstehen, dass es sich manchmal lohnt, diese ewig langen Angaben zu machen. Nur finde ich es dann nicht okay, wenn den Studenten Punkte abgezogen werden, weil sie Kommas oder Punkte falsch setzten oder weil sie die Angaben „verdreht“ haben.
      Ich studiere im Zweitfach Politische Wissenschaft und hier haben wir das selbe Problem, wie Evanesca.
      Die Bibliographierregeln dort sind anders, als in der Literaturwissenschaft und erfordern andere Angaben. Da braucht man auch diesen ganzen „Festschrifts-“ und „Redaktionskram“ nicht.

      Ich kann ja einsehen, dass es vielleicht hilft, so etwas wie den Verweis auf Kanzog drin stehen zu haben – auch wenn ich vor der Arbeit noch nie von dem Mann gehört habe – aber im Grunde genommen finde ich es beim Reallexikon eher überflüssig.

      Da lob ich mir die Informatiker, die ihre ganzen Literaturverzeichnisse mit LaTex machen können und zum großen Teil „BibTex“-Einträge nehmen können. Da braucht man auf Punkte, Kommas und ähnliches nicht mehr achten und die ganze Bibliographiersache ist eindeutig 😉

  4. na ja sagt:

    Den Abzug gibt es ja vor allem deshalb, weil solche Verdrehungen und Zeichenfehler auf mangelnde Sorgfalt hinweisen – es ist ja meist reine Fleißarbeit, keine wirkliche intellektuelle Herausforderung, sie umzusetzen. Und dass ein wissenschaftlicher Text im Idealfall komplett fehlerfrei sein sollte, ist, glaube ich, klar. Wenn Ungenauigkeiten außerdem Überhand nehmen, ist die Belegfunktion stark beeinträchtigt (wenn der Titel fehlerhaft ist, ein Reihentitel als Untertitel angeben wird o.ä.), weil die Angabe dann eben nicht mehr eindeutig ist. Schließlich hat es auch etwas mit Höflichkeit zu tun: Als Autor will ich dem Leser ja nicht nur das Minimum an Information geben, um das entsprechende Werk zu finden (da würden u.U. Titel und Jahr reichen), sondern möglichst alles – es ist in gewissem Sinne eine ‚Serviceleistung‘ und die Einlösung des wissenschaftlichen Anspruches, das eigene Vorgehen möglichst transparent zu machen und dem Leser alle Möglichkeiten zu geben nachzuprüfen, ohne dass er lange suchen muss. Vielleicht ist dir auch schon mal der ein oder andere Text begegnet, der unvollständige oder ungenaue Belege hatte, wenn man denen dann nachgeht, kann man sich ganz schön ärgern.
    Und dass es in verschiedenen Fächern verschiedene Zitationsstile gibt, das ist nun einmal so, teils mit Grund, teils einfach ‚gewachsen‘. Diese zu vermitteln, ist auf jeden Fall aber auch Aufgabe der Universität – selbst wenn sie sich nicht wirklich begründen lassen sollten. Das (in manchen Fällen vielleicht fiktive, aber dennoch m.E. richtige) Ziel eines Studiums sollte ja die Befähigung sein, in dem jeweiligen Fach wissenschaftlich arbeiten zu können, dazu gehört auch eine Anpassung und Beherrschung des ‚Fachkulturellen‘, wenn man später veröffentlicht, muss man ohnehin sehr viele Zitierstile beherrschen und sich den Vorgaben des Verlags, der Zeitschrift etc. anpassen und anpassen können. Deshlab ist auch ein starres Schema als Fundamentalvorgabe im Studium m.E. nicht das beste.

    • Auch wenn du im Grunde genommen Recht hast, ist es m.E. in Zeiten, in denen in anderen Fächern Literaturverzeichnisse nur noch mit dem Computer gemacht werden, einfach nicht mehr nötig, zig verschiedene Bibliographierarten zu beherrschen. Und es zeugt für mich vielleicht von Fleiß und Sorgfalt, aber nicht von guter wissenschaftlicher Arbeit. Ich meine, es ist doch fast eine Sysiphusarbeit.
      Ich finde, es ist VÖLLIG irrelevant, ob ich (wie in der Literaturwissenschaft) hinter dem Untertitel einen Punkt, oder (wie in der Politischen Wissenschaft) ein Komma setzte.

      Dazu kommt, dass es – soweit mir das auffällt – keinen richtigen Standard gibt, nachdem übergreifend zitiert wird, in Büchern findet man da alle möglichen Bibliographiearten – und nach den allermeisten findet man das Buch auch.

      Es stört mich, dass ich für eine sehr gute Arbeit Punkte abgezogen bekomme, weil hinter der Seitenangabe ein Punkt fehlt. Es stört mich, dass ich Punkte abgezogen bekomme, weil ich die Angabe vom Band vor die Angabe des Herausgebers setzte. Es stört mich, dass ich Punkte abgezogen bekomme, weil ich (wie in PoWi üblich) solche Sachen wie Redaktionen weglasse.

      Es ist eine unnötige und stressige Aufgabe, da selbst dreifache Überprüfungen nicht dazu beitragen, dass man alle Fehler ausmerzen kann.
      Ein Rechtschreibfehler in einer Arbeit ist peinlich, ein Tippfehler auch, aber jeder, der schon mal mehr als 30 Seiten geschrieben und ausgedruckt hat, wird wohl ein Lied davon singen können, dass nur in den allerseltensten Fällen dann wirklich alle Fehler auftauchen.
      Und da finde ich es ehrlich gesagt eine absolute Gängelei, dann zu sagen, dass der vergessene Punkt im Literaturverzeichnis ein Hinweis auf mangelnden Fleiß wäre.

      Und ich finde, dass eine Universität (bzw. ein Lehrstuhl/Institut) mir sehr wohl begründen können sollte, warum ich in dem einen Fach so und in dem anderen so bibliographieren soll. Ich meine, ich bin ein erwachsener Mensch, ich habe das Recht, das zu hinterfragen und in meinen Augen auch das Recht, darauf keine „Friss-oder-stirb“-Antwort zu erhalten.

      Natürlich möchte ich meine Dozenten einen „Service“ bieten, aber wenn ich da ehrlich wäre, wäre es in Zeiten des Internets vermutlich einfacherer, den betreffenden Link zum Nationalbibliothekseintrag in einer E-Mail an ihn zu schicken. Oder eben nur die ISBN-Nummer zu schreiben.
      Natürlich gehört eine korrekte Angabe von Autor, Titel, Untertitel, Ort, Verlag und Jahr, bei Lexikas und Sammelwerken natürlich noch die übergeordneten Titel und die Herausgeber hinzu, aber alles, was darüber hinausgeht, ist in meinen Augen wirklich unnötig. Bzw. sollte dann nicht so starr gehandhabt werden, wie es uns beigebracht worden ist (und wir haben für alle möglichen Arten von Texten vorgaben, an die wir uns zu halten haben). Dann stehe ich da und frage mich, ob da jetzt die Redaktion nicht mit reingehört oder doch und welche „unter Mitarbeit von…“ Angaben wichtig sind, oder nicht und im Endeffekt nehme ich dann alles mit rein.
      Aber es ist eben jedes Mal das gleiche Spiel. Und das ist von mal zu mal nervig.

      • Evanesca Feuerblut sagt:

        Mal abgesehen davon, dass ich erhebliche Zweifel habe, dass die Dozenten tatsächlich in die Bibliothek pilgern und alle Bücher noch mal nachschlagen…

    • Evanesca Feuerblut sagt:

      Gerade Lehramtsstudenten bzw. heutzutage ist das ja „Bachelor of Education“ wie bei mir haben nichts davon zu lernen, wie sie wissenschaftlich arbeiten. Bei ihnen ist das nicht mal Sinn und Zweck des Studiums, sie studieren auf einen konkreten Beruf hin.
      Oft scheitern sie bei Hausarbeiten – einer für diese Studenten eben relativ sinnlosen Übung – unter anderem am Bibliografischen. Und das ist einfach nur… uuurgs

      • Naja sagt:

        da würde ich widersprechen: wesentlicher sinn der hausarbeit ist doch die eigenständige erschließung eines themas, um es dann verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten – was ist daran anders als ein unterrichtsentwurf? Reduktion komplexer Sachverhalte ist doch eine zentrale Herausforderung für einen Lehrer, ebenso die Adressatenanpassung (auch wenn das in der schule andere sind). außerdem beinhaltet das wissenschaftliche arbeiten wesentliche kompetenzen und fähigkeiten, die auch für lehrer sehr nützlich sein können: einübung und auseinandersetzung mit fachtermini und (schriftlicher) ausdruckfähigkeit, kritisches denken und hinterfragen von texten und behauptungen, argumentativ Diskussionen führen, mögliche Einwände erkennen und bedenken, schwer verständliches identifizieren und ausführlich erklären etc. Dazu kann man diskutieren, ob man als lehrer nicht doch in der lage sein sollte, auch über das schulbuch hinaus sein fach zu kennen und zu beherschen, ggf. fehler oder unsinn in schulbüchern erkennen zu kennen (und da gibt es viel!) und auch Nachfragen von Schülern beantworten zu können. Was denn sonst soll man im Studium lernen (neben der didaktischen und pädagogischen Kompetenz)? Faktenwissen? Dann ist man wirklich beim stumpfen Auswendiglernen, was mit Uni und guter Lehre nichts zu tun hat.
        Außerdem bin ich absolut nicht der Meinung, dass das Lehramt irgendwie weniger anspruchsvoll oder ‚leichter‘ sei als die Wissenschaft, eher im Gegenteil: Man muss nicht nur sein Fach beherrschen, sondern es auch an ggf. unmotivierte ‚Anfänger‘ vermitteln können.
        Und schließlich als Todschlagargument: Die Lehrerausbildung ist in NRW an der Universität angesiedelt. Das kann man beklagen (war ja nicht immer so, und in BaWü gibt es noch die PHs), aber solange es so ist, ist (auch) eine wissenschaftliche Ausbildung dabei.

      • Evanesca Feuerblut sagt:

        Vielleicht erwarte ich von meinen Komilitonen zu viel, aber ich gehe davon aus, dass man das selbstständige Erarbeiten und Argumentieren bereits können muss, um das Abitur zu schaffen. Die Uni muss das nicht erst beibringen. Was hat man da zu suchen, wenn man es nicht kann? Wir sind nicht an der Sonderschule… -.-
        Auffrischen ist nett. Über den Tellerrand zu schauen auch. Letztendlich sehe ich aber wenig Sinn darin, sämtliche Daten der britischen Geschichte von 50AD bis heute inklusive aller Namen der Premierminister pauken zu müssen.
        Außerdem kann man das alles auch mit Essays üben – von denen schreiben wir viel zu wenige, leider. Statt dessen aber üben wir wissenschaftliches Arbeiten und bekommen Vorschriften wie „mindestens drei Quellen in Buchform, mindestens drei Quellen aus wissenschaftlichen Zeitschriften“ und bitte im MLA-Bibliographie-Format, also Quellen nach Alphabet geordnet… Grrrrr…
        Ich darf mich damit herumplagen und… ich habe volles Recht, mich darüber sehr zu ärgern ;-).
        (BTW – was schert mich NRW? Dort bin ich nicht.)

  5. naja sagt:

    Ich geb dir in Teilen recht: Solange das Zitiersystem in sich schlüssig und hinreichend eindeutig ist, sollte es egal sein, wo und wie man Komma, Semikolon, Doppelpunkt oder Punkt nutzt. Die ’starren‘ Vorgaben sollen es ja eigentlich am Anfang nur ‚leichter‘ machen. Die meisten Dozenten, die ich kenne, handhaben das auch so; solange es sinnvoll ist, ist der Student frei (spätestens wenn man sie darauf anspricht). Man muss aber andererseits auch akzeptieren, dass man sich manchmal als Autor ein wenig auf die Rezipienten des Textes einstellen muss, und wenn die eine bestimmte Art gewohnt sind…
    Das Hinterfragen ist sinnvoll und sogar gewünscht (vielleicht ist das ja der tiefere Grund für die unterschiedlichen Standards…), manches liegt aber einfach auch am Fach, z.B. ist der Verlag in der Literaturwissenschaft viel wichtiger als in PoWi, weil die dort behandelten Werken sehr viel häufiger in verschiedenen Auflagen und Verlagen erscheinen, auch die Textredaktion hat eine größere Bedeutung etc.
    Zudem sollte ein einzelner fehlender Punkt auch keinen erkennbaren Abzug geben – aber ist ja auch nicht so; ich kenne zumindest keinen Dozenten, der wegen sowas eine erkennbare Minderung der Note sehen würde, solange es sich um solche Kleinigkeiten handelt. Wenn es sich aber häuft, das System in sich nicht einheitlich angewendet wird, oder wenn wer zum Beispiel keine Reihe von einem Untertitel unterscheiden kann, mehrere Buchtitel fehlerhaft oder unvollständig angibt, Verlag und Erscheinungsort verwechselt (Böhlau ist kein Ort), wird das zu einem gewissen Teil in der Benotung berücksichtigt (aber allein deswegen wird auch keiner durchfallen).
    ‚Service‘ meinte ich eher im übertragenen Sinne: Es geht um einen gewissen Ethos, durch die vollständige und zuverlässige Literaturangabe jede Herkunft fremder Gedanken klar, eindeutig und vollständig zu belegen und dem Leser jede Möglichkeit zur Überprüfung zu geben. Man macht dadurch sozusagen seinen Willen deutlich, den Leser zur Auseinandersetzung mit dem Text einzuladen und ihm dazu den Weg möglichst leicht zu machen. Und dann ist es sehr wohl ein wesentlicher Teil wissenschaftlichen Arbeitens, der auch die entsprechende Aufmerksamkeit finden sollte, und dann gehören u.U. auch Reihen, Redaktionen etc. dazu.
    Den schließlich würde ich dir auch widersprechen, dass du die Arbeit in erster Linie für den Dozenten schreibst (der benotet sie nur) und dass es dabei in erster Linie um gute Noten geht. Man studiert m.E. ja nicht nur, um gute Noten zu bekommen, sondern vor allem, um etwas zu lernen – dazu dienen auch wissenschaftliche Arbeiten; die Rückmeldung, die man dazu bekommt, ist ganz wesentlich und lässt sich kaum in einer Note komprimieren. Und man lernt viel mehr, wenn man erstmal etwas falsch macht und der Dozent einem erklären kann, warum das falsch ist und es einem einleuchtet (womit wir wieder bei der Forderung nach ‚Begründung‘ wären). Nur ist solches Lernen im Bachelorstudium nicht mehr wirklich vorgesehen, aber das ist eine andere Sache…

  6. Robin Urban sagt:

    Das ist wohl von Uni zu Uni (ich vermute sogar: von Dozent zu Dozent) verschieden. Ich gebe sowohl in Germanistik als auch in Geschichte immer nur haargenau das an, was deiner Meinung nach ausreicht und das war noch nie ein Problem! Allerdings bin ich auch noch kein Bachlor, Gott sei Dank. Vielleicht müssen die das ja auch bei uns so machen, aber es ist mir noch nicht untergekommen.

    Allgemein liebe ich es, am Ende eine Hausarbeit mit unzähligen Fußnoten in den Händen zu halten. Das ist so, hach… wissenschaftlich!

    • Alice Karén sagt:

      Das ist nicht von Uni zu Uni unterschiedlich, sondern (eigentlich) von Fach zu Fach, da es internationale Richtlinien gibt/geben sollte. (Das ist jedenfalls bei den Naturwissenschaften so; aber andere Fachrichtungen haben ja ohnehin einen schwafeligen Ruf zu verlieren, da kommen unsinnig lange Quellenangaben doch gerade Recht. 😉 )
      Im Idealfall wird man schon im Studium dazu angehalten, es so zu machen, wie man es ggf. später ohnehin machen muss. 🙂 Aber für „interne“ Arbeiten können die Dozenten letztlich fast alles verlangen, was sie wollen… Was mich auch immer wieder nervt. Aber nicht bei Literaturangaben.

      • Das mit den internationalen Richtlinien scheint aber bei weitem nicht in allen Fächern gegeben zu sein. In der Literatur im allgemeinen unterscheiden sich die Angaben doch schon deutlich, wenngleich es in manchen Fächern so scheint, als etabliere sich langsam ein passender Standard.

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