Kein Cocktail-to-go


Ich bin heute mal wieder durch die Ponstraße gegangen, nachdem ich längere Zeit nicht dort gewesen bin.
Nach einem Besuch auf dem Öcher Bend bei den derzeit doch sehr warmen Temperaturen war mir aber unbedingt nach etwas zu trinken zu mute.

Wir entschieden uns, auch da wir mit Freunden unterwegs waren, die zum Teil am kommenden Tag arbeiten mussten, einen Cocktail-to-go zu nehmen. Zugegebenermaßen, wir hatten schon 23.15, waren aber dennoch sehr überrascht, als wir gesagt bekamen, dass es wohl „nirgendwo“ mehr einen Cocktail-to-go gibt.
Auch das alt bekannte Schild stand nicht mehr vor dem Restaurant.

Was ist passiert, liebe Betreiber? Waren wir einfach zu spät – obwohl wir neulich erst um eine ähnliche Uhrzeit noch ein Getränk bekamen? Wir entschieden uns dann, bei einem anderen Lokal zu schauen, doch wie wir mit erstaunen feststellten, machten immer mehr Läden wohl schon die Schotten dicht. Das nächste Restaurant erzählte uns, dass sie um 23.30 mindestens die Terrasse schließen.

Ich meine, es ist nicht auszuschließen, dass wir einfach einen Tag erwischt haben, an dem die Kneipen und Gaststätten früher Schluss machen, aber in Aachen ist es dank der immer wieder aufkeimenden Alkoholverbotsrufe in der Pontstraße durchaus auch denkbar, dass man ein „Verbot“ der Cocktails-to-Go oder der langen Öffnungszeiten durchgesetzt hat – vielleicht klamm heimlich, denn leider lässt sich darüber nichts im Internet finden.

Nehmen wir mal rein hypothetisch an, es gäbe tatsächlich keine Cocktails-to-Go mehr auf der Pontstraße.

Müsste man dann nicht mal überlegen, was da eigentlich schief gelaufen ist?

Auf der einen Seite gab es immer wieder Schlägereien auf der Pontstraße (aber pssst, die gibt es auch in kleineren Städten regelmäßiger) auf der anderen Seite beschwerten sich Anwohner über den Dreck (leere Becher) und den Lärm.
Doch man muss beachten, dass Aachen eigentlich nur noch so lebt, wie es lebt, weil die RWTH, die FH und die Tausenden von Studenten existieren. Das kurbelt ganz schön das Geschäft an. Nicht nur in der Pontstraße, sondern in ganz Aachen. Und ja, Studenten sind junge Leute und ja, die können Lärm machen. Aber wenn ich – und so dreist bin ich jetzt mal das zu sagen – keine Lärm möchte, dann ziehe ich nicht in die Pontstraße, bekanntermaßen Partymeile in Aachen. Dieses Argument ist in mancherlei Hinsicht – die Pontstraße gibt es immerhin so wie sie jetzt ist auch schon „etwas“ länger – genauso wie das der Flughafengegner, die erst in die Nähe des Flughafens ziehen und sich dann über den Lärm beschweren.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Nehmen wir etwa das Müllproblem. Ja, es gibt sicherlich die Art von Menschen, die ihren Müll einfach auf die Straße werfen. Aber einerseits hab ich das in meiner Cocktail-to-Go-Zeit weder einmal erlebt, noch massenweise Pappbecher gesehen (dafür aber ausgespuckte Kaugummis, kaputte Flaschen und ähnliches). Allerdings fehlen meines Erachtens in der Pontstraße auch Mülleimer.
Die wenigsten Leute werfen wirklich gerne Sachen einfach auf den Boden. Im Gegenteil. Aber manchmal glaube ich, dass man eine Sache lieber zu Boden wirft, als 10 Minuten nach einem Mülleimer zu suchen (ich weiß, an der Bushaltestelle ist einer, aber den muss man auch nicht kennen). Ich kann solche Sachen gut längere Zeit in der Hand halten, kann aber das Bedürfnis des „Loswerdens“ gut verstehen.

Desweiteren wurde massiv über leere und kaputte Flaschen geklagt. Ja, die hab ich auch gesehen. Aber die stammen nicht aus den Kneipen, sondern eher vom Kiosk und von Zuhause. Bringt es was, dagegen zu intervenieren, in dem man die Wirte ran nimmt, oder alle Studenten oder gar ein Alkoholverbot in der Pontstraße fordert?

Wer letzteres fordert hat übrigens meiner Meinung nach vor, Aachen in meine alte Heimat zu verwandeln. 30.000 Einwohner mit hochgeklappten Bürgersteigen nach 20.00 Uhr und einer Kneipe, die gute Cocktails macht. Aber Aachen ist kein „Dorf“ in dem Sinne, Aachen ist eine Stadt, die von und mit ihren Studenten leben muss und sollte und dafür auch hinnehmen sollte, dass es eben eine „Partymeile“ gibt. Wie in jeder anderen Stadt auch. Neben der Tatsache, dass sich ein Alkoholverbot nicht durchsetzten kann, wäre es im Übrigen meines Erachtens ein Schritt in die falsche Richtung. Das andere Bedürfnis, eine Art Sperrstunde zu etablieren, mag vielleicht in einigen Teilen Deutschlands gut ankommen, aber ich glaube, Aachen würde davon nicht profitieren.
Sperrstunden sind meiner Meinung nach nur dann nützlich, wenn man wirklich eine Gefahr hat, die damit entschärft wird.

In den drei Jahren, die ich jetzt in Aachen wohne und in denen ich doch häufig in der Pontstraße war, habe ich dort einmal mitbekommen, dass die Polizei dort stand und jemanden „verhaftet“ hat.
Was ich nicht genug finde – auch von den Artikeln, die man in der Zeitung liest – um gleich eine Sperre verhängen zu wollen. Vor allem, da sie zu nichts führt.

Mein Freund und ich sind übrigens dann zum Cafè Extrablatt auf den Markt gegangen. Was zwar im Großen und Ganzen teurer ist, als die Kneipen auf der Pontstraße, ab 17.00 Uhr jedoch eine Happy Hour für Cocktails bis Ende-offen anbietet.

Im Übrigen ist mir schleierhaft, was das „Cocktail-to-Go“-Verbot (sollte es so eines geben) denn eigentlich an der Gesamtsituation auf der Pontstraße ändern soll. Ich habe noch niemanden erlebt, der sich an einem Abend bei einer Kneipe gleich mehrere davon geholt hat und die dann beim Auf- und Abgehen austrinke. Dafür sind die eigentlich auch noch zu teuer.

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Ein Kommentar zu “Kein Cocktail-to-go

  1. A. L. sagt:

    Leute, die erst in eine Gegend ziehen und sich dann beschweren, gibts auch in Berlin. Deswegen sind so viele Diskos von Schließungen bedroht.
    In Potsdam ist auch einer in die Nähe eines Fußballstadions gezogen und hat dann wegen des Lärms geklagt.

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