30 Sätze über… die Deutsche Bahn


Wenn man die Kommentarspalten zu Bahnartikeln liest, dann scheint es, als gehöre es zum guten Ton in Deutschland über die Bahn zu schimpfen. Es reihen sich Anekdoten zu Zugausfällen, Verspätungen und schlechtem Service aneinander, die Leute beschweren sich über die Tarifsysteme und kaputte Ticketautomaten – jeder hat sich schon mal über die Bahn geärgert. Sicherlich in vielen Fällen zurecht. Auch ich habe schon Probleme mit Ticketautomaten erlebt und unterirdischen Service bzw. schlechte Behandlungen von Reisenden durch Bahnpersonal mitbekommen. Dennoch möchte ich hier ein Plädoyer für die Bahn halten – und nein, bevor Leute das glauben, ich bin kein Mitarbeiter der Deutschen Bahn (das ist nämlich üblicherweise der Vorwurf, mit dem man in Foren/Kommentarspalten abgebügelt wird, wenn man mal etwas Positives über die Bahn sagt).

Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:DBAG_Class_644?uselang=de#/media/File:Class_644_on_Pfalzel_Moselle_bridge_2011.JPG

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Urheber: Cobatfor, Wikimedia Commons

Zuerst einmal eine klare Aussage meinerseits über Verspätungen: Die Bahn kann für viele Verspätungen nur indirekt etwas – oder auch überhaupt nichts

In den fünf Jahren, die ich nun mehr oder weniger regelmäßig mit der Bahn fahre, habe ich schon so viele Verspätungen mitbekommen, die auf das Fehlverhalten von Mitmenschen zurückzuführen waren, dass ich das gar nicht mehr zählen kann.

Und damit meine ich nicht unbedingt die Selbstmörder, die eine ganze Zugstrecke für mehrere Stunden lahm legen können, damit meine ich beispielsweise spielende Kinder im Gleis, Diebstahl von Kupferkabeln, Schlägereien oder auch – der Fall war etwas ganz besonderes – ein Auto, das anstatt auf eine asphaltierte Straße, auf die Schienen abgebogen war. Solche Sachen können für massive Verspätungen sorgen, ohne dass die Bahn etwas direkt dafür kann. Natürlich gibt es andere Fälle, beispielsweise die berühmten Signal-Fehlfunktionen oder auch Gleisarbeiten.

Gerade Gleisarbeiten sind jedoch etwas, über das man sich an allen betroffenen Bahnhöfen und im Internet informieren kann und die gleichzeitig, je größer sie sind, auch außerhalb der betroffenen Bereiche kommuniziert werden. Derzeit gibt es große Gleisarbeiten zwischen Düren und Aachen, weshalb eine Direktverbindung nach Köln derzeit von Aachen aus nicht existiert. Diese Gleisarbeiten waren lange und sehr deutlich – fast schon penetrant – angekündigt worden, ich habe Schilder in Düsseldorf, Köln, Aachen und den Bahnhöfen dazwischen gesehen, wenn ich mich richtig erinnere auch noch in Krefeld.

CC-by-SA-3.0 Urheber: Shizhao

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Urheber: Shizhao

Quasi am ersten Tag der Bauarbeiten, am 28.06.2015, stand in den Aachener Nachrichten ein Artikel darüber, dass sich Fahrgäste schlecht informiert gefühlt hätten und geradezu überrascht waren von den Bauarbeiten auf der Strecke. Eine der Frauen aus dem Artikel sagt, dass der Vermerk Schienenersatzverkehr auf ihrem Ticket aufgedruckt gewesen sei, sie aber nicht damit gerechnet habe, dass es mit dem Bus weitergehe. Nun gut, die Dame kam zwar aus Maastricht, aber in der Regel heißt Schienenersatzverkehr in Deutschland, dass man mit dem Bus fahren wird. Die Bahn hat im Internet – auch bei der Buchung von Tickets – und an den Automaten darauf hingewiesen, dass die Strecke von Bauarbeiten betroffen ist. Mehrfach. So groß, dass sogar ich, die diese Strecke fast nie fährt, das mitbekommen habe. Wieso schauen Menschen nicht nach, was die kleinen Dreiecke bedeuten, die beim Ticketkauf auftauchen? Wieso schauen die Leute nicht auf die Hinweisschilder der Bahn, die zum Teil Plakatgröße haben? Wieso beschweren sich die Leute dann über die Informationspolitik der Bahn?

Ich glaube, dass ist eine Art von persönlichem Ärger auf die Bahn, der sich bereits vor der Fahrt einstellt. Eine gute, gelungene, pünktliche Fahrt wird niemals in den eigenen Erfahrungsschatz mit aufgenommen, eine schlechte jedes Mal, selbst, wenn die Bahn informiert hat und die Verspätung hinreichend bekannt gewesen ist. [Die schlechte Ausschilderung des SEV lassen ich mal außen vor, weil ich die nicht beurteilen kann]

Stau auf der A66 Foto: Sebastian Wallroth

Stau auf der A66
Foto: Sebastian Wallroth

Ich glaube eine Feststellung gemacht zu haben, die das Verhältnis von „Verspätung im Auto“ und „Verspätung mit der Bahn“ betrifft: Es ist wesentlich schlimmer, wenn die Bahn Verspätung hat, als wenn man zwei Stunden mit dem Auto im Stau steht.
Ich kann verstehen, dass es ärgerlich ist, seinen Anschlusszug zu verpassen, das kann einen sehr viel Zeit kosten, den gebuchten Sitzplatz usw. Aber vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch an Baustellen, Staus und Umleitungen auf der Autobahn, Unfälle und Streckensperrungen und Autos, die keine Klimaanlage hatten – bei dreißig Grad im Schatten auf dem glühenden Asphalt.

Kritik am Artikel — Super-Mittwoch: „Online-Wahn: 10 Gründe für den Einkauf vor Ort“


CC some rights reserved Fotograf: Tim "Avatar" Bartel

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Fotograf: Tim „Avatar“ Bartel

So die Überschrift in der vorletzten „Super-Mittwoch„, manche würden sagen „der Werbebroschüre“, die hier jeden Mittwoch eintrifft. (Vermutlich wäre so etwas wie „Anzeigenblatt“ die bessere Wahl, Wochenblatt ginge vielleicht auch noch) Es ging darum, dass heute mehr und mehr im Internet gekauft wird und die Innenstädte deshalb unter Leerstand und zurückgehender Kundenzahl leiden.

So ein bisschen passt das zu der „Lieferverkehrthematik“ (die jetzt übrigens auch die Aachener Nachrichten aufgegriffen hat), die ich erst neulich in einem Artikel beschrieben habe.

Ein großer Teil dieser Ausgabe beschäftigt sich mit „Offline-Shopping“ – indirekt: der Rettung der guten alten Einkaufszone.

Aufgefallen sind mir die 10 Gründe, die die Redaktion pro „Offline-Shopping“, also dem Einkaufen vor Ort, nennt. Diese 10 Gründe würde ich hier gerne zerpflücken:

Grund Nr. 1: „Bummeln macht Spaß“

Als Mensch der gerne bummelt, muss ich dem zustimmen. Bummeln macht Spaß. Allerdings müssen wohl die meisten Menschen in ihrem Umfeld nicht lange suchen, um Leute zu finden, denen Bummeln aus diversen Gründen eben gerade keine Spaß macht. Zu voll, zu laut, nicht der gewünschte Artikel vorrätig, zu teuer, zeitraubend, keine guten Öffnungszeiten, keinen Sitzgelegenheiten, Frauen wollen 100 Paar Schuhe anprobieren.
Wie gesagt, ich gehe gerne Shoppen. Für andere ist es der Graus pur und deren Argumente kann ich sehr gut nachvollziehen. Bummeln macht auch nur dann Spaß, wenn man Zeit hat und vielleicht noch wichtiger: Geld. Sonst kann bummeln schnell frustrieren. Also ein subjektives Argument, das sich nicht auf jeden übertragen lässt.

Grund Nr. 2: „Eine persönliche und professionelle Beratung“

Geschenkt. Ja. Die kann man im Einzelhandel bekommen. Aber… will man die überhaupt? Bei vielen Einkäufen, die ich so tätige, brauche oder will ich keine Beratung, keine Verkäufer, die mich beim Betreten des Ladens beäugen und mich fragen, ob er mir helfen kann. Ich bin dann manchmal unangenehm berührt, wenn ich antworten muss: „Ich möchte mich nur mal umschauen“. Zudem: Ich überlege mir in der Regel vorher, was ich haben will, wenn ich nicht gerade wirklich wegen Punkt 1 unterwegs bin – zum Bummeln oder neudeutsch: Shoppen. Zudem halte ich „persönliche und professionelle Beratung“ in mindestens 70% der Fälle für eine Floskeln, die kaum wahr ist. Ich erinnere mich noch gut an die Male, als ich tatsächlich mal Beratung haben wollte und die meistens schlecht und wenig informativ war, bzw. auf meine Wünsche einfach nicht eingegangen wurde. Am schlimmsten ist das dann noch, wenn man sich vorab über ein Produkt informiert hat, der Verkäufer einen aber für blöd verkauft.

Symbolbild Shopping

Karin Beate Nøsterud/norden.org

Noch so eine Floskeln. Man kann exzellenten Service durchaus haben. Aber das gilt weder für alle, noch für einen Großteil der Geschäfte. Exzellenter Service bemisst sich zudem meines Erachtens nach daran, was der Kunde sich vorstellt. Und wenn ich auf amazon lediglich den Artikel heraussuchen muss, den ich haben möchte und ihn dann bestelle, er innerhalb von ein-zwei Tagen geliefert wird und ich über eine gute Möglichkeit des Rückversands verfüge, ist das oft der beste Service den ich mir vorstellen kann. Das letzte Mal, dass ich Service in Anspruch genommen habe, der vom Geschäft ausging, war der Kauf meiner/unserer Waschmaschine, für den wir den Lieferdienst des Händlers in Anspruch genommen haben. Inklusive Aufbau. Solche Anschaffungen sind aber eher selten und in vielen Geschäften ist exzellenter Service auch etwas Subjektives.

Grund Nr. 4: „Im Laden vor Ort ist der Mensch noch Mensch, keine Kundennummer“

Einfache Antwort: Floskel. Vor Ort ist der Mensch noch Mensch? Das Gefühl habe ich nicht. Da ist der Mensch ein Kunde, der etwas will, im Zweifelsfall noch von einem selbst. Da muss dann an der Kasse der Ausweis vorgezeigt werden, wenn man mit Karte zahlt – ja, eigentlich der Ausweis. Führerschein dürften eigentlich nicht gelten (Ausweismitführpflicht gibt es in Deutschland nicht). Wenn man übrigens in „Ketten“ einkaufen geht oder in großen Kaufhäusern ist man genauso eine „Nummer“ wie im Internet auch. Im Übrigen: Wenn ich bei Amazon anrufe, dann werde ich doch auch von der Nummer zum Menschen. Und ehrlich? Wenn ich schnell und einfach etwas einkaufen möchte und sei es ein Buch für ein Seminar, dann ist es mir egal, ob ich nun floskelhaft ein „Mensch“ bin oder eine Nummer. Hauptsache ich bekomme mein Buch schnell und leicht.

Grund Nr. 5: „Jeder Einkauf sichert Arbeitsplätze“

Ich kann dieses Argument nicht hören. Es ist in meinen Augen ein „Scheinargument“. Auch die Herstellung von Wagenrädern und das Anzünden von Gaslampen sichert Arbeitsplätze. Der Internethandel übrigens auch… Ich sage nicht, dass ich es für gut befinden würde, dass wegen fehlender Einkaufskraft in den Innenstädten die Leute ihre Jobs verlieren, aber persönlich glaube ich nicht, dass das nur am Internet liegt. Die Subventionierung und der Kauf von Print-Medien sichert übrigens auch Arbeitsplätze.

Grund Nr. 6: „Einkaufen vor Ort erhält unsere Gemeinden“

Nun ja. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, was damit gemeint ist. Ich sehe mich nicht als Teil der Aachener Gemeinde weil ich einkaufen gehe. Ich sehe mich auch nicht als Teil der Gemeinde, in der ich groß geworden bin, weil ich dort einkaufen gegangen bin. Wenn es dort so weiter geht, wie es derzeit der Fall ist, wird es dort demnächst nur noch Rollatoren und Alte-Damen-Kleidung zu kaufen geben. Ja, das erhält die Gemeinde. Aber nur die, die auch die angebotenen Produkte kaufen und die „Zeit“ haben, sich ewig mit Verkäufern und anderen Kunden zu unterhalten. Die man sonst nie sieht und nie spricht und eigentlich auch keine Interessen teilt. Ich weiß nicht, ob ich da von „Gemeindeerhalt“ reden würde. Das kommt für mich eher durch Vereine und „Stadtfeste“ zusammen. Ich glaube, dieses Gemeindegefühl kann nur dort entstehen, wo wir ohnehin sehr kleine Gemeinden haben, wo man also die Bäckereifachverkäuferin persönlich kennt und die Henriette Müller im Bekleidungsgeschäft jeden Sonntag in der Kirche trifft.

Grund Nr. 7: „Man kann die Ware anfassen, anprobieren und sofort mitnehmen“

Ja. Stimmt. Absoluter Grund für den Einkauf im Einzelhandel. Gerade bei Kleidungsstücken stimme ich da absolut zu. Dies ist wirklich ein Argument für den Einzelhandel. Auch wenn es Leute gibt, die ohnehin immer die gleichen T-Shirts und Socken vom gleichen Hersteller kaufen. Die können dann auch über das Internet bestellen.

Grund Nr. 8: „Vor Ort Einkaufen wirkt inspirierend“

Auch hier: Ja, durchaus. Aber das kann das Internet auch, vielleicht sogar noch besser. Ich muss aber zugeben, dass ich liebend gerne „inspirierend shoppen“ gehe, soll heißen: Ich schau mich um und sehe mir – gerade bei Kleidung – an, was es so Neues gibt und überlege, ob ich davon vielleicht doch noch etwas brauchen könnte.

Grund Nr. 9: „Ware kann problemlos umgetauscht werden.“

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Das ist ein Scheinargument, was häufig nicht stimmt. Umtausch nur in Orginalverpackung (witzig, wenn dann in der eingeschweißten CD-Doppelhülle eine CD fehlt). Umtausch nur gegen Gutschein. Umtausch nicht möglich. Alles Dinge, die ich im Einzelhandel schon erlebt habe. Bei Amazon habe ich bisher einmal etwas zurückgehen lassen müssen. Etwa ein Jahr nachdem ich es gekauft hatte (ein MP3-Player). Und das war gar kein Thema. Ich habe das Geld erstattet bekommen und dies ging schnell und zügig. Keine Nachfragen nach der Originalverpackung oder dem Grund des Kaputtgehens. Die meisten Leute, die zudem etwas im Internet zurückgegeben haben und mit denen ich gesprochen habe, bestätigen in Hinblick auf Amazon dieses Erleben. Die Rückgabe ist meist problemloser als im Einzelhandel. Sie kann nur in Ausnahmefällen etwas länger dauern.

Grund Nr. 10: „Schafft soziale Kontakte.“

Ehrlich? Das ist ein Argument? Welche sozialen Kontakte? Vielleicht in einer Kleinstadt, wo ohnehin fast jeder jeden kennt. Aber hier in Aachen? Soziale Kontakte habe ich im Einzelhandel noch nicht geschlossen und habe auch nicht das Bedürfnis danach. Leute, die mir an der Kasse ihre Lebensgeschichte erzählen, sind mir sehr suspekt und Verkäufer, die dies von mir wollen, finde ich auch merkwürdig.
Meine sozialen Kontakte pflege ich da eher noch bei Arztbesuchen, egal ob HNO, Neurologe oder Hausarzt.

alle Zitate stammen aus der Ausgabe „Super-Mittwoch“ vom 12.03.2014

Der Einzelhandel


Ich bin ein Liebhaber des Einzelhandels, zumindest in manchen Fällen. Ich gehe gerne durch Buchhandlungen und stöbere in den Büchern, ich gehe gerne in Bekleidungsgeschäfte und probiere Sachen an, ich kaufe sogar ab und an mal eine DVD in einer der bekannten Ladenketten. Auch versuche ich gerne, die kleinen Händler vor Ort zu unterstützen – Support your local dealer. Selbst mein neuestes Comicabo habe ich über eine Einzelhändler und nicht über Panini abgeschlossen.

So auch, als ich mir eine neue Hardware für meinen Rechner kaufen wollte, nachdem diese mir an einem Mittwochnachmittag/abend kaputt gegangen war. Nun ist diese Art von Hardware unerlässlich für das Betreiben meines Rechners (nein, das Motherboard war es nicht) und deshalb bestellte ich bei einem Händler vor Ort, den ich als schnell liefernd, zuverlässig und kompetent kennengelernt habe.

Und ich habe gelernt,wieso so viele Leute doch lieber online bestellen:

Ich habe also direkt am Morgen des nächsten Tages die neue Hardware bestellt. Mir wurde gesagt, es würde einige Tage dauern, bis sie eingetroffen sei. Ich rechnete demnach also mit Samstag. Da ich weiß, dass der Laden auch schon mal schneller liefert, habe ich bereits Freitagmorgen angerufen. Mir wurde gesagt, dass die Hardware als „versendet“ markiert worden ist und ich sie bereits am Nachmittag abholen gehen könnte. Ich bin also am Nachmittag voller Vorfreude dorthin. Dort wurde mir mitgeteilt: Nein, ist noch nicht da, entweder morgen oder spätestens Montag. Natürlich habe ich am Samstag angerufen. Die Hardware war noch nicht da.

Gut, ist zwar ärgerlich, das ganze Wochenende meinen Rechner nicht nutzen zu können – mein Laptop ist da keine echte Alternative – aber noch verkraftbar. Auch wenn mir bereits einmal das falsche Datum mitgeteilt worden war. Gut. Ich habe also am Montagmittag erst einmal eine E-Mail geschrieben (die nicht beantwortet wurde) und habe dann am Abend noch einmal angerufen. Antwort: Das Teil wäre immer noch nicht da. Der Lieferer habe sie als „versandt“ markiert, man wisse aber nicht, wo es sei. Ergo: Man weiß auch nicht genau, wann es kommt.

Ich habe dann gestern Abend die Bestellung storniert und mir das Teil per Morning-Express bei Amazon bestellt. Warum? Weil ich mir vorstellen könnte, dass das Ding auch heute noch nicht da ist. Und vielleicht morgen auch noch nicht.

Und ich habe keine Lust mehr, meinen Laptop zu benutzen.

Lieber Einzelhandel: Ich komme gerne wieder, aber wenn so etwas passiert, bin ich doch ziemlich angefressen. Dabei ist die Lieferzeit noch nicht einmal das Schlimme, sondern die Tatsache, dass ich gleich zweimal eine falsche Angabe über eine Lieferzeit bekommen hätte.
Hätte man mir schon am Donnerstag gesagt: Das Ding ist vor Dienstag nicht da, dann hätte ich gesagt: „Dann nehme ich das andere, das Sie anbieten“, oder aber: „Dann überlege ich es mir noch einmal.“

Wie hättet ihr gehandelt?

Neues aus der Bibliothek


Gemeinfreies Bild

Gemeinfreies Bild

Als langjähriger Freund und Mithelfer von diversen Bibliotheken bin ich wirklich nicht der Typ Mensch, der sich schnell aufregt, wenn in einer Bibliothek einmal etwas nicht ganz so läuft, wie ich mir das vorstelle und ich weiß auch, dass Fehler durchaus passieren können, das Bücher mal verschwinden oder nicht aufzufinden sind.

Aus dem Grund war ich auch nicht gerade besonders wütend darüber, dass der von mir bestellte Artikel neulich nicht aufzufinden war. Das kann passieren. Ich hatte zwar die E-Mail erhalten, in der mir mitgeteilt wurde, der Artikel wäre da und konnte auch die Nummer nennen; der Artikel war jedoch nicht aufzutreiben. Gut, eine Tag länger gewartet, Text neu ausgedruckt. Sache erledigt. Kein Grund für einen Blogeintrag – vor allem nicht den ersten seit langer, langer Zeit.

Mich ärgert eine andere Sache. Der Grund dafür ist mir nicht erklärt worden, daher sträube ich mich dagegen, es zu begreifen. Es geht um folgende Sache:

Für eine schriftliche Prüfung Anfang März brauche ich ein bestimmtes Buch von Florian Kragl. Meine Professorin hielt es für unwahrscheinlich, dass es dieses Buch überhaupt in der Hochschulbibliothek gibt. Nun gut, für so etwas gibt es die Fernleihe. Buch bestellen, Sache erledigt. Von wegen…
Zunächst einmal sei soviel gesagt: Per Fernleihe kann man Bücher in der Hochschulbibliothek nur leihen, wenn sie nicht in der Bibliothek „vorhanden“ sind. Soweit so gut, eigentlich eine klare Regel, die in der Regel (verzeiht mir das Wortspiel) wohl auch gut funktioniert.

Ich habe das Buch wider Erwarten im Katalog gefunden. Es ist also vor Ort. Soweit, so gut. Leider bis zum 13. Februar ausgeliehen. Per Fernleihe bestellen? Fehlanzeige. Buch ist ja vorhanden.

In meinen Augen ist das Unsinn. Ein Buch, welches ausgeliehen ist, ist in der Bibliothek höchstens theoretisch vorhanden. Und theoretisch ist nicht genug. Und ausgeliehen heißt: nicht da.
Ich habe extra noch einmal nachgefragt: Nein, das Buch ist vorhanden, daher nicht bestellbar. Ich müsse wohl darauf warten oder mich bei einer anderen Bibliothek anmelden und es dort versuchen. Ob ich das Buch jetzt möglichst zeitnah brauche oder es erst in zwei Wochen bekomme, ist dabei völlig egal. Eine andere Option bietet mir die Hochschulbibliothek nicht – auch wenn ich natürlich einen Anschaffungsvorschlag machen könnte – der aber in der Regel auch zwei Wochen benötigt. Also quasi kein Zeitgewinn und auch in meinen Augen für die Hochschulbibliothek herausgeworfenes Geld, so oft wird das Buch sicherlich nicht benötigt. (recht spezielles Thema).

Meine Option: Ich melde mich bei der Stadtbibliothek an und hoffe, dass sie es mir da beschaffen können.

Was ich daran kritisiere, ist denke ich ziemlich offensichtlich: Wieso gilt ein Buch als vorhanden, wenn es ausgeliehen ist? Und vor allem: Warum lässt es sich nicht dennoch bestellen, aus einer anderen Bibliothek, in der das Buch nicht ausgeliehen ist? Gibt es ein Gesetz, welches das verbietet? Oder ist es der Hochschulbibliothek zu teuer? Für mich ist es vor allem eines: Ein Ärgernis.

Die Fragen sind übrigens durchaus ernst gemeint. Wer Antwort weiß: Bitte kommentieren.

PS: Ich habe das Buch dann durch Glück doch etwas früher bekommen, der Ausleiher hatte es etwas früher zurückgegeben. Bei einer Nachfrage in der Stadtbibliothek im Übrigen kam heraus: Dort hätte ich das Buch auch nicht bestellen können, weil es in der Hochschulbibliothek „vorhanden“ ist. Auch dies gibt der im Kommentar schon angegebene „Ministeriumserlass“ vor. Nur erschließt sich mir der Sinn dahinter absolut nicht.

Campusbahn – Wieso man das „Nein“ nicht als Ende der Modernisierung sehen sollte


CC-by-SAUrheber: Jener13

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Urheber: Jener13

In Aachen sollte – für alle die, die es nicht wissen – eine Straßenbahn gebaut werden, so war die Idee der Politik. Es gab von Anfang an Kritik an der Planung, die Kosten, der Weg, die Zahlen, alles war irgendwie sehr verworren und zum Teil wirkte es auch unausgegoren.
Als absehbar war, dass die erforderlichen Stimmen für einen Bürgerentscheid zusammen kommen, hat die Stadt beschlossen einen solchen auch zu machen. Sprich: Die Aachener Bürger durften selbst darüber abstimmen, ob sie das 240 Millionen Euro teure Projekt (ja, es hätte eine Teilförderung gegeben) wollen – oder eben auch nicht. Auf die Pro- und Contraargumente möchte ich hier nur peripher eingehen, da es sonst zu lang werden würde. Die Bürger der Stadt Aachen haben in jedem Falle abgestimmt – mit 43% Wahlbeteiligung für einen Bürgerentscheid eine respektable Summe – und überraschenderweise war das Ergebnis nicht so spannend wie gedacht. Rund 66% der Stimmen waren negativ, 33% dafür. Da die Umfragen im Vorfeld deutlich knapper waren und auch mal die eine, mal die andere Seite überwog, war ich mir eigentlich sicher, dass das Ergebnis auch enger werden würde und eigentlich rechnete ich persönlich sogar mit einem Ergebnis zu Gunsten der Bahn. Nur um an dieser Stelle noch einmal zu verdeutlichen: Ich bin kein Gegner einer generellen Straßenbahnidee – nur dieses Konzept sagte mir in Teilen nicht zu – und dabei wohne ich in der Nähe einer der am meisten frequentierten Haltestellen in Aachen.

Um nun aber zur Überschrift zu kommen: Als die ersten Ergebnisse eintrudelten, war die Bestürzung bei den Befürwortern nicht nur bei Twitter zu merken, auch die Kommentare auf der Homepage der Aachener Nachrichten zeigten deutlich, dass man mit einem anderen Ergebnis gerechnet hatte. Ich möchte hier jetzt nicht auf einzelne Kommentare eingehen, auch wenn das sicherlich spannend wäre. Einige der Kommentare äußerten sich auch äußerst negativ über den Bürgerentscheid selbst, auch wenn die selben vielleicht noch vor einer Woche für eine Abstimmung waren. Nun funktioniert Demokratie aber leider nicht so, dass man ein solches Ergebnis einfach ignorieren kann. Die Campusbahn ist vom Tisch.

Allerdings sind damit die Verkehrsprobleme in Aachen nicht gelöst.

Schienenbus

CC-by-SA
Urheber: Patrick.tielke

Die Straßen sind tatsächlich voll von Individualverkehr und viele der  Busse sind auch nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Man sollte das „Nein“ zur Campusbahn jedoch keineswegs als Ende eines „modernen“ (wie Armin Laschet es bei Twitter bezeichnete, Verkehrskonzeptes werten. Viele derjenigen, mit denen ich über das Konzept gesprochen habe, haben sich grundsätzlich nicht negativ über eine Modernisierung geäußert, sondern vor allem über die Frage von Finanzierung und Argumentation. So war an einigen Stellen das Argument des doppelten Abiturjahrgangs zu hören. Dieser kommt – zur Erinnerung – in diesem Sommer, also zum Wintersemester 2013/2014. Die Campusbahn sollte fertig werden 2019. Gehen wir davon aus – weil einfacher zu rechnen – dass es sich dabei um das Wintersemester 2019/2020 handelt. Das ist sechs Jahre nach dem doppelten Abiturjahrgang –  und meine Wenigkeit ist dann seit etwa fünf Jahren mit dem Studium fertig – und auch der wird zu dem Zeitpunkt zumindest in Teilen (bei den Durchfallquoten der RWTH) fertig sein oder kurz vor dem Abschluss stehen. Das heißt: Man braucht nicht 2019 ein neues Verkehrskonzept, sondern am Besten schon in diesem Sommer.

Wie schon angesprochen war ein weiterer Punkt der Individualverkehr. Ja, Aachen ist in der unschönen Situation, dass die Luft zu stickig ist, da wäre eine Lösung über die ÖPNV sicherlich eine gute Idee. Ob dafür aber eine Campusbahn die Lösung ist, die mit einem nie getesteten System fahren soll und die zudem nur über eine Trasse fährt, die richtige Lösung ist, wage ich persönlich zu bezweifeln. Ich wäre in der „glücklichen“ Lage (heute, 2019 vermutlich nicht mehr) direkt an der Trasse zu wohne und überall wo ich (heute) hin muss, auch hinzukommen, ohne Umsteigen zu müssen. Gleiches gilt aber nicht für die Leute, die weiter abseits der Trasse wohnen oder gar in den Randgebieten, die nicht „Brand“ heißen. Denn Buslinien hätten dafür wegfallen sollen und die Leute hätten umsteigen müssen – vermutlich öfter als jetzt. Ob dann noch viele auf die Campusbahn gewechselt wären oder nicht doch lieber zum Auto greifen würden, ist nicht ermittelt worden.

Dies sind nur zwei Punkte, die Anlass zur Kritik gegeben, was ich mit ihnen zeigen möchte, ist, dass die Campusbahn nicht „DIE“ Lösung war, als die sie präsentiert worden ist. Das heißt nicht, dass ein innovatives Verkehrskonzept für Aachen nicht nötig sei oder das eine Straßenbahn an sich das Problem ist.

Modernität vor 170 Jahren

Modernität vor 170 Jahren

Wie bereits gesagt: Ich stelle mir die Frage danach, ob die Finanzierung des Projektes überhaupt in Relation zum Nutzen steht oder ob nicht eine Trasse einfach zu wenig ist. Ob nicht mehr Busse und Elektrobusse eine flexiblere (hätte die Campusbahn einmal z.B. an der Scheibenstraße mit einer Panne gestanden, dann stünde ein Großteil der Strecke einfach still) Lösung sein können, die vielleicht sogar billiger ist oder ob das Projekt besser angenommen worden wäre, wenn man nicht nur eine Trasse sondern gleich mehrere geplant hätte, wäre interessant zu ermitteln gewesen. Natürlich lässt sich das nicht über eine Wahl machen.

Ich persönlich gehe davon aus, dass die Menschen in Aachen viele verschiedene Gründe hatten, gegen das Projekt zu stimmen (und Gleiches gilt für die Menschen, die dafür stimmten). Die Stadt muss sich mit dem Ergebnis ebenso anfreunden, wie die Befürworter des Projektes – aber nicht die gesamten Arbeit in dem Bereich einstellen, denn Aachen braucht ein neues Verkehrskonzept und ja, auch ein modernes und innovatives. Aber keines, was sie in den Ruin treibt.

Weitere Gründe für „Nein-Stimmen“ hat im Übrigen Twitteruser „mrtopf“ in seinem Blog erläutert. Schöner Bericht.