Batman – Houdini


Erschienen ist das Heft auf Deutsch im Jahre 1997 im Carlsen-Verlag. Das amerikanische Copyright beläuft sich auf das Jahr 1993. Geschrieben von Howard Chaykin und John Francis Moore. Gezeichnet von Mark Chiarello.

Inhalt:

Die Geschichte spielt im Jahre 1907, eine Zeit, die ich persönlich künstlerisch schätze.
In Gotham City befindet sich der großartige Zauberer Houdini. Gleichzeitig verschwinden auf mysteriöse Weise in Gotham City Kinder.
Houdini möchte dem Verschwinden der Kinder nachgehen und trifft dabei auf den jungen, verwöhnten Bruce Wayne als auch auf eine riesige Fledermaus, der im Heft als „Bat-Man“ (!) bezeichnet wird. Gemeinsam machen sie sich auf, das Verschwinden der Kinder aufzuklären und nehmen es dabei mit einem ungewöhnlichen Gegner auf, der beide in ihren Überzeugungen und Grundfesten erschüttert.

Rezension/Kritik:

Der Anfang des Heftes macht es einem nicht gerade leicht. Dadurch, dass sich Bruce Wayne und Houdini durch den verwaschenen Zeichenstil sehr ähnlich sehen (beide dunkle Haare, keiner einen Bart), ist es nicht immer einfach, den jeweiligen Sprecher auseinander zu halten. Auch ist nicht von Anfang an klar, wer eigentlich der Erzähler des Hefts ist. Er später wird deutlich, dass es nur Houdini erzählt, obwohl zu Anfang auch Batman der Erzähler sein könnte.

Doch wenn man diese Hürde ersteinmal überwunden hat, kann man viel Freude an diesem Heft haben. Nicht nur die andere Zeit, in der Batman agiert, ist interessant, sondern auch das, womit er es letztenendes zu tun kommt.
Man trifft einerseits auf bekannte Gestalten, wie Vicky Vale (Victoria Vale wird sie im Heft genannt), Alfred (der in diesem Heft ein Dunkelhäutiger ist) und Jack Schadenfreude (Wer sich hinter letzterem verbirgt, brauch ich glaub ich nicht ausführen), auf der anderen Zeite aber auch auf ganz neue Figuren, wie etwa den undurchsichtigen „Rindfleischbaron“ und eine Opernsängerin.
Der Zeichenstil machte es mir einfacher, zu erkennen, in welcher Epoche man sich befindet. Denn auch wenn das Verwaschene, gemalt Wirkende, einem das Erkennen einzelner Figuren nicht leicht macht, hat man doch als Leser schnell das Gefühl, in einer anderen Epoche zu sein. Vielleicht, da der glatte Strich nicht existiert, den man heute so kennt. Damit wird der Eindruck erzeugt, dass man sich nicht in der heutigen Zeit/Moderne befindet, sondern eben in einem für uns etwas „verwaschenen“ Zeitalter (vielleicht etwas überinterpretiert).

Die allgemeine Örtlichkeiten im Heft sich überzeugend ausgesucht worden. Die Fleischfabrik ist ein unheimlicher Ort und wie man im Verlaufe des Hefts feststellt, natürlich nicht ganz koscher. All dies hat auch mit den Kindern zu tun…

Die Zusammenstellung der Protagonisten ist sicherlich interessant. Houdini wirkt für Batman/Bruce Wayne als eine Art Mentor. Vielleicht auch als „kluger Kopf“. Während des Heftes stellt Houdini Batman immer als einen Neuling dar, als jemanden, der lieber Sprengstoff benutzt als Dietriche, vorprescht und teils unüberlegt handelt. Dies ist ein interessanter Schachzug der Autoren, könnte man doch argumentieren, dass Houdini das Hirn/der Geist und Batman der Körper/der Kämpfer ist. Dies stimmt sicherlich nicht in allen Punkten, auch Batman zeigt, dass er Köpfchen besitzt, aber in gewisser Art und Weise scheint es doch so, als habe man den bekannte Batman in einen Bat-Man (!) und einen Houdini aufgetrennt. Interessante Sache in jedem Falle, die Batman nicht als absolut perfekt darstehen lässt.

Das Heft geht relativ schonungslos mit dem Leser um. Zwar werden die Taten von Jack Schadenfreude nicht offen gemalt gezeigt, sondern (meist durch diesen „Verwaschen“-Effekt) nur angedeutet oder angesprochen. Den Rest kann der Leser sich denken und das fand ich schon – sagen wir mal – sehr, sehr düster. Es handelt sich hierbei definitiv um ein Heft, dass für Erwachsene, vielleicht noch ältere Jugendliche gemacht ist. Nicht aber mehr für ein Kind. Dafür sind die Figuren zu skuril, der Zeichenstil zu düster, die Handlung psychisch zu brutal.
Gerade Jack Schadenfreude macht seinem Vorbild alle Ehre, vielleicht setzt er sogar noch einen oben drauf. Das weiß zu gefallen.

Die Geschichte ist gut durchdacht, auch wenn der Leser vielleicht schneller als die handelnden Figuren weiß, wie der Hase läuft. Dies macht aber nicht unbedingt die Geschichte weniger spannend. Als Manko muss man jedoch festhalten, dass die Autoren zwar unglaublich gut starten und eine unheimliche Atmosphäre aufbauen, ihre eigentlichen Antagonisten jedoch bis auf Jack Schadenfreude ein wenig farblos bleiben. Man hätte noch einiges mehr an Spannung rausholen können.
Victoria Vale jedoch weiß zu gefallen.


Fazit:

Persönlich halte ich „Batman – Houdini“ für eine sehr gelungene Elseworthgeschichte, die mit ihren fast 20 Jahren auf dem Buckel immer noch nichts von ihrer Spannung einbüßen konnte. Auch heute noch, wenn man mal überlegt, wie viele Geschichten in den 20 Jahren erzählt worden sind, stellt dieses Heft einen neue Herangehensweise an den Mythos Batman dar, den man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Es gibt Abstriche, dass habe ich bereits gesagt.
Herausheben (eventuell erneut) möchte ich:
– die Zeit. Batman an den Anfang des 20. Jahrhunderts zu versetzten hat was und zeigt, dass die Figur auch dort funktionieren könnte. Ja, sie tut es. Davon würde ich gerne mehr lesen.
– das Setting. Man hat das Gefühl, man befände sich wirklich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeichnungen, die Kleidung, das Auftreten der Figuren ist in sich stimmig.
– das Kostüm von Bat-Man. Ach, ich liebe Kutschermäntel
– der starke Start der Geschichte. Gute Idee, sehr guter Handlanger. Leider schwacher „Endgegner“.
– Houdinis Darstellung. Sie ist ziemlich gut gelunge, vor allem, da Houdini wirklich ein Gegner der Spiritismusbewegung war und maßgeblich daran beteiligt war, dass ein Geldpreis der Zeitschrift „Scientific American“ für den Nachweis von übernatürlichen Aktivitäten nie ausgezahlt werden musste
– der Bat-Man-Bezug. Für alle, die es nicht wissen: Batman sollte/hieß zuerst so.

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Batman – Das Geschäft des Bösen


Originaltitel: The Ultimate Evil

Erschienen bei Carlsen Comics im Jahr 1997, Originalcopyright 1995. Es ist nach einem Roman von Andrew Vacchs, die Comicumsetzung ist von Neal Barrett Jr., die Zeichnungen (Bleistift/Tusche) von Denys Cowan und Prentis Rollins

Inhalt:

Das Heft beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema. Während er eine Jugendamtsmitarbeiterin begleitet, stößt er eher zufällig auf einen Kinderporno- und Sexring, der sowohl . Als er diesem nachgeht, bekommt er von Alfred das Tagebuch seiner Mutter überreicht, in dem er etwas über seine Mutter herausfindet, was er nicht erwartet hätte….

Kritik:

Allgemein:

Die meisten alten Hefte, die ich im Laden kaufe, sind Spontankäufe. Daher bin ich Carlsen doch recht dankbar für ihre Klappentexte. Und dieser lies eine sehr spannende Geschichte erwarten.
Leider wurde ich enttäuscht. Ich möchte hier nicht viel näher auf die Darstellung der Pädophilie eingehen, es sei nur gesagt, dass ich, genauso wie die meisten anderen, deren Ausübung verabscheue, egal in welcher Form. Pädophile Handlungen jeglicher Art sollten jedoch mit der höchstmöglichen Strafe belegt werden, Aufklärung sollte besser werden und Opfer eine bessere Betreuung erfahren. Vacchs Tätigkeit als Anwalt für insbesondere missbrauchte Kinder- und Jugendliche sollte vor dem Hintergrund nicht unbeachtet bleiben.

Umgang mit der Figur:

Betrachtet man sich Vacchs Umgang mit Batman, merkt der geneigte Batman-Kenner schnell, dass er sich doch auf dem Terraine nicht so gut auskennt, als das man davon sprechen könnte, dass er ein stimmtes Charakterbild kreiert. Ich kenne viele Hefte, in denen Batman einwenig „out of character“ erscheint. Die meisten davon sind eher episodenhafte Darstellungen eines freundlichen Bruce Wayne, der mit unterpriviligierten Kindern zelten geht. Sie sind „out of character“ und die Autoren wissen das, vielleicht macht sie das so liebenswert. Bei Vacchs ist dies nicht der Fall. Nicht nur, dass Batman mit der Mitarbeiterin des Jugendamtes in die Wohnung kommt, sondern auch dass er zusieht, wie ein Mann einen anderen erschießt. Auch wenn es sich bei dem Erschossenen um den eigentlichen Bösewicht handelt, reicht es m.E. nicht, Batman nacher darüber sinieren zu lassen, dass er es hätte verhindern könne.
Auch ist es völlig unglaubwürdig, dass Batman, als der große Detektiv von Kindesmissbrauch nicht die geringste Ahnung zu haben scheint. Nein, es wirkt glatt so, als habe er sie all die Jahre vollständig ignoriert. Das wirkt fast so, als habe Vacchs niemals zuvor ein Batman Comic in der Hand gehabt.
Hier spricht glaube ich eher Vacchs eigener Selbstjustizwunsch – der sich laut Wikipedia wohl auch in vielen anderen Werken finden lässt – als eine koherente Gestaltung des Charakters innerhalb ihrer bekannten Grenzen. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem des Werks: Es ist völlig irrelevant, ob da nun Batman handelt, oder The Mighty Superhero XY oder ein kleiner Privatdetektiv. Es spielt keine Rolle. Es ist austauschbar. Sehr schade.
Auch die „Umgestaltung“ von Martha Wayne will mir nicht ganz gefallen. Auch wenn es rein theoretisch passt – viel ist über sie ja nicht bekannt – so scheint es doch unwahrscheinlich, dass sie ein Tagebuch über Kindersextourismus führt, und dann nicht dafür sorgt, dass es nach ihrem Tod an jemanden kommt, der handeln kann. Für eine angeblich so gegen Sextourismus und Kindesmissbrauch angehende Frau, scheint die wenig passend.

Batmans Gefasel

Auch Batmans Gefasel (entschuldigt dieses Wort, aber es fühlt sich für mich genauo so an) davon, er habe nicht gegen „das Verbrechen“, sondern gegen „Verbrecher“ gekämpft, ist letztenendes doch inhaltsleer. Würde Batman gegen „das Verbrechen“ kämpfen, dann würde er nicht so handeln, wie er es im Heft tut, sondern das Übel bei ihrer Wurzel packen. Und das ist nicht das Reisen in ein anderes, selbstverständlich asiatisches Land und das Aufmischen des dortigen Kindersexbarons. Man müsste die Ursachen, Leid, Elend, Armut, Arbeitslosigkeit bekämpfen. Und so ist doch Vacchs bei seinem Versuch, Batman das Verbrechen bekämpfen zu lassen, letztenendes beim „Verbrecher“ bekämpfen geblieben.
Dies wird erst recht deutlich, wenn er Batman nach Udon Khai (jenem ostasiatischen Land) reist, um den Sextourismus dort zu beenden. Er trifft auf Dorfbewohner, die Kinder aus ihrem Dorf an die entsprechenden Zuhälter in die Großstadt verkaufen. Er trifft dort auf einen Mann, der ihm erzählt, warum der Vater seine Tochter verkaufte: „Dieser Mann hat neun Kinder. Neun. Wie soll er sie ernähren? Der Mohn wächst hier nicht gut.“ Auf die Frage, was dieser Mann tun soll, um seine Familie zu ernähren, hat Batman die ungemein platteste Antwort, an die ich mich in einem ernstgemeinten Batman-Comic erinnern kann. „Ich würde meine Kinder nicht mit dem Blut ihrer Schwestern oder Brüder ernähren. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich stehlen.“ Wunderbar. Als ich diesen Satz las – er steht am Ende eine Seite und den Blick nach oben auf die nächste wandte, wusste ich schon, was der Dorfvorsteher antwortet. Hatte er doch darauf hingeweisen, dass die Gegend arm ist: „Krieger. Hier gibt es nichts zu stehlen.“ Und was macht Batman dann? Er ruft zu einem bewaffneten (!) Konflikt auf, er ruft quasi dazu auf, zu töten. Das passt nicht zu Batman. In keinster Art und Weise. Denn er nimmt den Tod vieler Leute in Kauf, auch derjenigen, die die eigentliche Bosse beschützen, vielleicht mit den Taten als solche gar nichts zu tun haben. An dieser Stelle habe ich mich gefragt: Ist Vacchs eigentlich daran interessiert, eine gute Geschichte zu schreiben, oder will er seinen eigenen, persönlichen Kampf auch in die Welt von Batman einbringen, obwohl sie dort gar nicht hinpasst?

Der Titel:

Der deutsche Titel ist okay. Keine wortwörtliche Übersetzung aber annehmbar und wie ich finde ausnahmsweise besser als das englische Original. Warum? Bei allem Ekel, den der Missbrauch von Kindern auslöst, kann ich nicht sagen, dass es das „ultimative Böse“ ist. Wie sieht es aus mit der Vergewaltigung und des Mordes an einer Frau? Wie sieht es aus mit einem Mord aus Habgier? Einem Mord an einem Kind? Ich möchte damit keinesfalls Kindesmissbrauch relativieren. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass es viele Dinge gibt, die als das „Ultimativ-Böse“ bezeichnet werden können. Ob Batman hier tatsächlich gegen das Ultimativ-Böse kämpft, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht auch deshalb weil Vacchs mir nicht ausdifferenziert genug arbeitet.

Fazit:

Die Zeichnungen sind okay (mehr aber auch nicht).
Aber der Rest? Ich kann nur noch mal sagen, dass ich enttäuscht bin. Ich hatte mir sehr viel mehr von dem Heft erhofft, ja ich hatte eine gute Auseinandersetzung erwartet, ein Packen des Übels bei der Wurzel und zwar auch in der Behebung der Probleme als solche. Was habe ich bekommen? Meines Erachtens nach die Wut eines us-amerikanischen Anwalts, der mit Hilfe des großen Namens Batman auf seinen eigenen Kampf aufmerksam machen will. Ich schätze Menschen, die sich für die Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzten und ich achte Menschen, die den Kampf gegen Kinderpornographie und Kindesmissbrauch aufnehmen. Ich habe kein Problem damit, dass solch ein Thema, auch in seinen vielen unschönen und erschreckenden Aspekten, in Batman-Comics seinen Platz findet. Aber die Machart gefällt mir nicht.
Es wäre vielleicht ein besserer Weg gewesen, den Kampf in Gotham zu belassen. Oder zumindest zu versuchen, das Elend zu lindern. Da Bruce Wayne im DCU zu den reichsten Männern der Welt gehört, wäre es möglich gewesen, genau dort anzusetzen. So hätte er dem Vater, der zu Anfang wegen seiner Aussichtslosigkeit dem Alkohol verfällt und seine eigenen Kinder schlägt, einen Arbeitsplatz vermitteln können (und damit mal was sinnvolles getan), er hätte den Menschen in Udon Khai helfen können – oder zumindest einen besseren Vorschlag als „Ihr könnt alles niederschießen“. Denn ploppt (auch wenn Vacchs auf diese Tatsache am Ende verzichtet) doch bei Vernichtung des einen Rings, an der nächsten Ecke ein neuer auf. Es reicht nicht, die „Händler“ auszuschalten. Wichtiger wäre es, die Konsumenten zu bekommen, den Eltern, die ihre eigenen Kinder verkaufen, eine Perspektive aufzuzeigen und dann schön „Batman-Like“ den Ring ordentlich aufzumischen. Ohne dabei auf bewaffnete Guerillas zurückgreifen zu müssen, auch wenn es auf den Blick episch wirkt.
Nein, danke. Schwieriges Thema – und in den Sand gesetzt.

Robin – Warum wurde Robin erschaffen?


Die Frage, wer Robin ist, habe ich schon (grob) beantwortet. Hier möchte ich die Frage besprechen, warum es Robin überhaupt gibt.
Als Batman 1939, ein Jahr nach Superman, geschaffen wurde, war er als dunkle Figur konzipiert. Als einzigen Menschen, mit dem er sprach, hatte er Jim Gordon, den Polizeichef.
Das war auf die Dauer – vor allem für die Zielgruppe der Kinder – etwas wenig. Da die Comics damals ein eher jüngeres Publikum hatten, fehlte für viele der Kinder eine richtige Identifikationsfigur. Batman war dafür zu düster.
Dazu kam die schon erwähnte Stille der Figur, Gedanken konnten nur in Erzählkästchen oder Gedankenblasen wiedergegeben werden. Das war auf die Dauer nichts, was man halten wollte. Alfred gab es damals noch nicht.
Man schlug zwei Fliegen mit einer Klappe, als man sich entschied, Robin zu schaffen. In der quirligen Figur fand Batman einen Partner zum Reden und die Kinder eine Identifikationsfigur. Batman und Robin erlebten gemeinsam die tollsten Abenteuer

Robin als psychischer Anker

Während Robin in der ersten Zeit in erster Linie wohl wirklich der Identifkation diente, entwickelte sich die Figur zu mehr als nur zu einem Gesprächspartner. Batman, der immer wieder in seiner eigenen Psyche zu versinken drohte, brauchte einen Anker, der ihn an die Realität band. Diesen fand er in Robin, einem Vertrauten und Anvertrauten. Robin war ein Haltepunkt, einen Konstante, jemand für den Batman die Sorge trug. Vermutlich rettete dieser Umstand die Figur Robin gleich mehrfach vor dem Ende.
Nach Jahren, in denen Batman vor allem bunt war – auch dank der Darstellung des dynamischen Duos durch Adam West und Burt Ward – entschieden sich Denny O’Neil als Autor und Neal Adams als Zeichner, für einen düsterern Batman. In vielen Heften der siebziger Jahre spielt Robin nur eine untergeordnete Rolle – selbstverständlich nicht in allen. Als Umbruch ging der jungen Dick Grayson auf das College und verließ Wayne Manor. Als weiteren Bruch kann man verzeichnen, dass Bruce Wayne aus Wayne Manor auszog und eine Penthouse-Wohnung in Gotham City bezog. Von dieser Wohnung aus arbeitete er auch als Batman. In den meisten seiner eigenen Fälle war er auch alleine unterwegs.
Womöglich ist es deshalb häufiger der Fall, dass sich Batman zusammenreißen musste, um nicht die Realität aus den Augen zu verlieren. Natürlich gibt das den Geschichten auch eine gewisse Spannung, die Figur Batman wird sehr genau ausgearbeitet und mehr und mehr auch eine Figur für Erwachsene.
Doch ganz verschwunden war Robin nie. Als Dick Grayson seine Robinkarriere aufgab, kam der junge Jason Todd ins Spiel, der seinerseits zwar eine neue Figur, im Großen und Ganzen jedoch ein Abziehbild von Dick Grayson war. Er kam aus dem Zirkus, seine Eltern wurden ermordet, sie nannten sich die Flying Todds…. na? Wem ist die Parallele nicht aufgefallen?
Der einzige Unterschied war im Prinzip die Haarfarbe, den Jason Todd war zu Anfang blond.

Als die Comicschreiber entdeckten, dass eine Abziehfigur nicht das Wahre sein konnte, entschied man sich innerhalb einer der großen Krisen des DC Universums, die Geschichte von Jason Todd umzugestalten. Diese Idee war für die Frage, warum Jason Todd erschaffen wurde – und damit auch, warum es Robin gibt – von großer Bedeutung. Den anders als der absolut unschuldige Dick Grayson, der ein reines Kind war, lernte Batman Jason Todd in der zweiten Version kennen, als dieser die Reifen des Batmobils klauen wollte. Diese Umänderung der Geschichte führte zu einem grauen Robin mit krimineller Vergangenheit und damit einer so gesehen nicht genau umrissenen Figur. Damit schuf man ein neues Spannungselement und auch ein neues Spannungsfeld. Denn auch wenn Dick und Bruce sich stritten, am Ende fanden sie immer gut wieder zusammen, beide sorgten sich umeinander und hätten nie eine längere Splittung zu gelassen. Jason war anders. Er war zwar auch auf Zusammenhalt bedacht, aber sein Handeln war viel impulsiver als das von Richard Grayson. Die Figur war nicht so berechenbar.

Jason Todd diente auch bei seinem Ableben als Paradebeispiel. Denn anhand seines Todes erhielt Batman nochmal eine genauere Charakterisierung. Denn Batman wird hier als weinender Mann gezeigt, vielleicht sogar gebrochen. Aber er rappelt sich auf, um sich dann auf richtige Weise am Joker zu rächen. Indem er die Grenzen, die er sich selbst setzte, nicht übertrat und Joker gefangen nahm.

An dieser Stelle spekuliere ich: Man ließ Robin nicht sterben, weil es der Wunsch der Redaktionsleitung oder eines Autors war. Man machte eine Telefonumfrage. Knapp war das Ergebnis, aber eindeutig. Jason Todd sollte sterben. Ich glaube nicht, dass das nur an der Figur an sich und an der Konzeption als „grauer“ Robin lag, sondern an der Figur allgemein. Robin stand für Buntes, für Farbe, für Spaß. Vielleicht war einfach nicht mehr die Zeit dafür. Vielleicht war ein düsterer Batman ohne Robin gewünscht. Ich könnte mir neben der Erklärung, Robin sei zu unsymphatisch gewesen auch diese Erklärung durchaus vorstellen.
Eine weitere mögliche Erkärung wäre, dass die Fans eine derartige Geschichte, die ja schon einen gigantischen Umbruch bedeutet, einfach lesen wollten. Ob man damals schon mit einer Rückkehr der Figur rechnete, ist fraglich.

Als Jason Todd nun starb, brach für Batman eine Welt zusammen (siehe den Blogartikel zu: „A death in the family“). Es war das erste Mal, das Batman jemanden verlor, der ihm so nah stand (ausgenommen mal der Tod der Eltern) und das auch endgültig. Robin hatte zwar schon vorher einiges durchmachen müssen, vieles davon entpuppte sich im Endeffekt jedoch als recht harmlos. Man hatte Batman von seinem psychologischen Anker getrennt. Ein mutiger Schritt und auch ein Schritt hin zu einem veränderten Robin.

Der ältere Robin

Tim Drake fand über Nightwings Geheimidentität heraus, wer sich hinter der Maske von Batman verbarg. Tim war eine kluge Figur, jemand, der unter allen Umständen Robin werden wollte, weil er Robin sein wollte. Nicht, weil ihn der Tod seiner Eltern dazu trieb. Ganz im Gegenteil, Robin lebte zusammen mit seiner Familie und nicht wie Robin I und II im Hause von Bruce Wayne.
Zudem war Tim Drake schon deutlich älter als seine acht- und zehnjährigen Vorgänger, die vielleicht für Kinder Identifikationsfiguren waren, aber ansonsten doch sehr unglaubwürdig.
Doch warum brauchte Batman wieder einen Robin, nachdem der alte abgetreten war?

Auch an dieser Stelle kann ich nur spekulieren: Ich glaube nicht, dass Robin noch als Identifikationsfigur dienen sollte. Ich nehme eher an, das die Figur Robin innerhalb der Geschichte eine so hohe Bedeutung als „normaler Mensch mit Maske“ bekommen hatte, dass Batman ohne ihn nicht arbeiten kann. (Häufig bezeichnet Batman auch Bruce Wayne als Maske, wohin gegen für Dick immer Robin/Nightwing die Maske war) Batman brauchte einen Partner, mit dem er reden kann, der aber auch nicht – wie Nightwing – bereits sein eigenes Leben führt. Da kam Tim Drake genau richtig. Dadurch, dass er schon älter war, löste sich die Figur meines Erachtens auch von der kindlichen Naivität und erhielt einen deutlich jugendlicheren und auch erwachseneren Touch. Tim Drake war vernünftig, hörte auf Batman, hatte aber seinen eigene Kopf – wobei dieser selten pubertär wirkte. So wurde Tim Drake zu einem Robin, den man anerkennen konnte, ohne über die Figur den Kopf zu schütteln oder ihn rechtfertigen zu müssen. Einem Jugendlichen von 15 oder 16 Jahren nimmt man die Rolle eines maskierten Verbrecherjägers eher ab, als einem zehnjährigen. Da bleibt auch die Realität in gewissem Sinne gewahrt, denn welcher 10-jährige ist schon tatsächlich in der Lage, es körperlich und geistig mit einem Erwachsenen aufzunehmen. Ich erinnere gerne an Ausrufe wie: „Vorsicht, das KIND“.
Tim Drake war jedoch kein Kind mehr, sondern ein junger Erwachsener, dies zeigte auch das Kostüm, dass nun weniger elfenhaft wirkte. Endlich bekam Robin richtige Schuhe und auch eine Hose. Das Kostüm wurde im späteren Verlauf auch „langärmig“.

Rückschritt

Comicautor Grant Morrison – von einigen vergöttert, von mir zwiespältig bedacht – wühlte in der Mottenkiste herum, und fand tatsächlich eine Figur, die viele andere wohl schon längst vergessen hatte. Damien Wayne, den Sohn von Talia al Ghul und Bruce Wayne.
Es vergingen ein paar Monate, in denen nicht ganz klar war, was mit Damien wohl geschehen sollte, aber schließlich war klar, er wird der neue Robin an Batmans Seite.
Nach dem „Tod“ von Bruce Wayne war das ziemlich eindeutig, da Tim Drake – fest im Glauben, dass sein alter Mentor noch lebt – seine eigenen Identität entwickelte, Red Robin, der sich im Kostüm noch einmal deutlicher von seinen Vorgängern unterschied.

Warum aber ist Damien Wayne für mich ein Rückschritt: Betrachet man sich Tim Drake haben die Comicautoren viel richtig gemacht. Eine Änderung des Kostüms war dringend nötig. Ebenso eine Änderung der Herkunftsgeschichte. Es war geboten, einen älteren Robin zu schaffen, vielleicht ein Stilbruch, aber der richtige Schritt.
Damien Wayne hingegen war wieder der zehnjährige Junge, der alles kann und alles weiß. Ein Konfliktpotential ist sicherlich da, da der Junge arrogant, sturrköpfig und eigensinnig ist. Dazu wirkt er vergleichsweise sehr kindisch (nicht kindlich). Damien mag zwar wegen seiner Mutter von der Mordliga ausgebildet worden sein, dennoch ist nicht zu vergessen, dass er immer noch „nur“ 10 Jahre alt ist. Das ist kein Alter, das wissen alle, die schon mal zehn waren. Der eigentliche Rückschritt liegt für mich auch im Alter. Damien Wayne ist ein Anachronismus. Tim Drake, der so herrlich gelungen war, eine Figur, mit der sich auch der ältere Leser noch identifizieren konnte, wird ersetzt durch einen Robin, wie wir ihn schon mal in Jason Todd hatten, vielleicht sogar extremer – und vielleicht teils auch trotziger und weinerlicher.
Sicherlich, dass kann man Morrison nicht vorwerfern, ist die Figur gut gezeichnet, es ist ein recht ausgefeilter Charakter, aber dennoch für mich zu sehr Klischee. Seine Sätze sind häufig vorhersehbar, er hat wenig, was ihn wirklich auszeichnet, außer. dass er ein zehnjähriges arrogantes Kind ist. Ich werde mit der Figur nicht so recht warm, wie sehr ich es auch versuche.

Ich sehe in der Figur einen Störenfried, der in dieser Hinsicht eigentlich keine der Aufgaben mehr so recht erfüllen mag, für die Robin einst gedacht war. Als Gesprächspartner ist er nur in bestimmten Situationen tauglich, als Identifikationsfigur wohl für viele gar nicht mehr. Eben weil das Alter von Zielpublikum und Figur nicht mehr übereinstimmt. Heute muss ich zugeben, hätte ich wieder Probleme einen derartigen Robin rechtfertigen zu können. Bei Tim Drake war das kein Problem.

Und selbst der „Zwischen-Robin“ Stephanie Brown war für mich eine leichtere Identifkiationsfigur – nicht nur, weil sie ein Mädchen ist – weil sie eben älter war.
Ich bin gespannt, wie sich Robin unter Damien Wayne weiter entwickelt – und wie lange sich die Figur tatsächlich im DC Universum halten wird.

Robin – Wer ist Robin?


Sicherlich haben viele schon mal etwas von dem dynamischen Duo gehört. Für die, die dies nicht getan haben:

Dabei handelt es sich um Batman – der in meinem Blog schon häufiger Platz fand – und seinen „Juniorpartner“, das „Boy Wonder“ oder zu deutsch: „der Wunderknabe“ Robin. Und um diesen soll es in einer kurzen Reihe hier gehen. Dabei gehe ich subjektiv und nicht genau wissenschaftlich vor.

Beginnen wir mit der offensichtlichsten Frage: Wer ist eigentlich Robin? 

Dick Grayson, Jason Todd, Tim Drake, Stephanie Brown, Damien Wayne und Carrie Kelly. Sie alle waren oder sind „Robin“. Der Bekannteste unter ihnen, auch außerhalb der Comicwelt dürfte Richard „Dick“ Grayson sein, der bereits im Jahre 1940 seinen ersten Auftritt als „Wunderknabe“ hatte. Er bleib es, bis Jason Todd ihn 1983 ablöste. 1989 wurde Tim Drake zu Robin, es folgte vor wenigen Jahren ein Kurzauftritt von Stephanie Brown – der ehemaligen Spoiler und in Deutschland mittlerweile Batgirl – als Robin. Nach der Erkenntnis, dass Bruce Wayne einen Sohn hat, Damien Wayne, ist dieser mittlerweile Robin. Zu diesem Verhältnis vielleicht an anderer Stelle mehr, da gibts genug zu meckern.
Carrie Kelly sei an dieser Stelle erwähnt, da sie in Frank Millers Meisterwerk „The Dark Knight Returns“ die Rolle des Robin übernimmt.

Es gibt also nicht den einen Robin, sondern direkt mehrere, die alle ihre eigenen Geschichten haben. Deshalb hier eine kurze Zusammenfassung:

Dick Grayson, der erste Robin, war der Sohn einer Artistenfamilie, die von einem Gangsterboss getötet wurde. Bruce Wayne, der im Zirkus zur Tatzeit zugegen war, nahm den jungen Richard bei sich auf und nachdem dieser festgestellt hatte, warum er Batman öfter sah, als seinen Wohltäter, wurde er zu seinem ersten Partner, Robin. Dick Grayson hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen und war alles in allem der „Sonnenschein“ der Erzählungen. Er war kindlich, aber nicht naiv, er war schlau und hatte hohe Ziele. Später verließ er Wayne Manor für das College und arbeitete einige Jahre in Gothams Nachbarstadt Blüdhaven als Polizist. Als er älter wurde und dem Robinkostüm entwuchs, entschied er sich für seine eigene Geheimidentität als Nightwing. Zur Zeit (August/September 2011) ist Richard Grayson der Ersatzmann für Bruce Wayne als Batman.

Eine andere Geschichte hat Jason Todd, der als Nachfolger von Dick Grayson auftrat. In der ersten Zeit war ihre Herkunftsgeschichte recht identisch, erst später bekam der Charakter eine deutlich negativere Herkunftsgeschichte. Batman begegnet Jason Todd erstmals, als dieser versucht die Reifen des Batmobils zu klauen. Batman nimmt sich auch diesem Weisenjungen an. Anders als Dick Grayson ist Jason Todd aufbrausend, jähzornig und handelte häufig unüberlegt. Dies führt letztlich auch zu seinem tragischen Ende. Auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter gerät er mit dem Joker aneinander, der den Jungen zu Tode prügelt. Eine der wohl erschreckensten Geschichten in der Batmanhistorie. Doch die Entscheidung wurde nicht über das Knie gebrochen. Man befragte die Comicleser in den USA ob Jason Todd leben oder sterben sollte. In einer knappen Telefonabstimmung wurde über Jason Todd das Todesurteil gesprochen. (Mittlerweile lebt auch dieser wieder, das ist aber eine andere Geschichte)

Tim Drake erkannte, dass Batman einen neuen Partner brauchte. Über Nightwings Geheimidentität fand er heraus, wer sich unter der Maske des dunklen Verbrecherjägers verbarg. Tim wurde Robin, weil er es werden wollte, nicht weil er seine Eltern verloren hatte oder weil er von Batman aufgenomen wurde. Zwar starb seine Mutter recht früh, aber er war nicht familienlos. Dies ergab sich erst in einer späteren Geschichte, als Tim bereits lange Jahre Robin war. Bis dahin musste er sich zusätzlich zu seiner Geheimidentität auch noch mit seinen Eltern und Schulkameraden herumschlagen. Vielleicht war es das, was Robin in Gestalt von Tim Drake zu einem sehr angenehmen Charakter werden ließ. Zudem musste er nicht mehr die Hotpans und die Elfenschuhe tragen, sondern bekam ein funktionales, sicheres Kostüm, von dem nur noch die Farben an „Robin“ erinnerten, aber nicht mehr so unbedingt die Aufmachung. Mittlerweile nennt er sich selbst Red Robin, in Abgrenzung zu Damien Wayne.

Stephanie Brown war nur für wenige Hefte Robin. Batman gab dem jungen Talent eine Chance, die sie fehlerhafte nutzte. Denn anstelle, sich Batman, wie er es gewohnt war, unterzuordnen, bot sie ihm die Stirn. Das und einige andere Verfehlungen brachten Batman letztenendlich dazu, sie als Robin aufzugeben. Stephanie erlebt derzeit ihre Renaissance als viertes (oder auch fünftes) Batgirl.

Damien Wayne… Zu der Figur komme ich später nochmal. Hier sei soviel gesagt: Damien Wayne ist knapp 10 Jahre alt, Sohn von Bruce Wayne und Talia al Ghul und derzeitiger Robin. Er ist hochnäsig, arrogant, egoistisch, von sich selbst überzeugt und hat lauter Fähigkeiten – nicht nur auf körperlichem, sondern auch auf geistigem Niveau, die nicht so ganz zu einem 10-Jährigen passen wollen. Er ist ein exzellenter Kämpfer, ausgebildet von der Mordliga und absolut fit in verschiedenen Kampfrichtung. Seine Halsstarrigkeit könnte zum Problem werden.

Zu Carrie Kelly muss nicht viel gesagt werden. Sie sollte nur erwähnt werden, um zu zeigen, dass es auch außerhalb der Kontinuität der Storys weitere „Robins“ gibt. Innerhalb von Frank Millers „The Dark Knight Returns“ ist sie ein weiblicher Robin, der einem gealterten Bruce Wayne zur Seite steht.

Kevin Smith/Walt Flanagan: Batman – Der Teufelskreis


Autor: Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält: The Widening Gyre 1-6

Inhalt:

In Gotham ist das Übliche los. Irgendjemand benutzt Baron Blitzkriegs Uniform, Poison Ivy übernimmt Arkham, der Dämon Etrigan frisst die halbe Belegschaft und ein Kinderschänder entführt Kinder in einem Freizeitpark. Batman – der mal wieder bis zum Hals in Blut und Poison Ivys Gift steckt – bekommt aber unerwarteterweise Hilfe von einem neuen Helden in Gotham, der sich selbst Baphomet nennt.
Doch nicht nur Baphomet ist in der Stadt, auch Silver St.Cloud ist zurückgekehrt. Nachdem ihr Verlobter verstorben ist, sehnte sie sich wieder zurück zu Bruce Wayne, dessen dunkles Geheimniss sie kennt. Es kommt zu einer heftigen – mehr als das – Affäre zwischen den beiden, die Batman  vor die Frage zu stellen scheint, wie lange er noch Batman sein will…. und wer ihn ersetzten kann.

Kritik:
Ähnlich wie in Kakofonie kann – und sollte – man dieses Heft außerhalb der klassischen Kontinuität lesen. So tritt Batman, ähnlich wie in Kakofonie, ungewöhnlich auf. Das ist sicherlich der Story zu schulden, die ab einem Drittel etwa ihre Konzentration auf das Verhältnis von Silver St. Cloud und Bruce Wayne legt. Das ist schön, würde das Herz erwärmen, wäre es etwas glaubwürdiger. Zwar kennen sich Silver und Bruce schon eine ganze Weile, Silver kennt das Geheimniss des Mitternachtdetektivs und schon in „The Dark Detective“ hat es heftig geknistert, aber es wirkt, als ginge die Beziehung in diesem Band nicht wirklch über mehr hinaus, als eine Menge Sex – den Aquaman auch noch belauscht. Mit Hilfe von Delphinen. Wortwörtlich sagt Bruce Wayne hier sogar – und das ist sicherlich sehr, sehr ungewöhnlich: „Wir waren weniger allein, als gedacht. Die Delfine hörten uns beim Sex und sagten es Aquaman.“ Der dann auch prompt im Liebesnest der beiden auftauchte.
Das Ganze wäre noch einigermaßen erträglich, würde Bruce Wayne seiner „Angebeteten“ nicht auf dem Satelliten der JLA einen Heiratsantrag machen….
Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand – soll das Heft doch eigentlich in der Kontinuität spielen – und am Ende wird man, wenn auch etwas blutiger, an „James Bond – Im Geheimdienst ihrer Majestät“ erinnert.

Anhand des Endes dieses Heftes erkennt man auch eine weitere große Schwäche desselbigen. Baphomet, der neuen Held in Gotham wirkt auf den Leser schon von Anfang an nicht ganz sauber. Es ist der Eindruck, der über das einfache – aber gruselige – Kostüm, die Auftrittsweise – er öffnet etwa seine Maske schon sehr früh – und das schnelle Anfreunden mit Batman, alles Sachen, die dem Leser schnell auffallen. Dabei ist es egal,ob man zum ersten Mal ein Batmanheft in den Fingern halten sollte, oder ob man schon länger Batmancomics liest. Letzteren wird der Umstand vermutlich schneller bewusst. Es ist übrigens auch den Figuren bewusst, dass Baphomet eher zu einem Schurken passt, als zu einem Helden. Vielleicht ist es deshalb noch befremdlicher, dass Batman die Distanz zu ihm aufgibt – und sogar noch mehr, ihm seine Geheimidentität verrät.
Smith verleiht diesem Moment noch ein bisschen mehr Dramatik – naja, es ist definitiv zu viel – indem er vorher Batman darauf aufmerksam machen lässt, dass er seine Maske noch nicht einmal vor Superman abgenommen hat („Ich kenne Superman seit Jahren un dnehme trotzdem meine Maske nicht vor ihm ab„). Ich kann das jetzt nicht bewerten, ob es stimmt oder nicht, aber da Superman der beste Freund von Batman ist, währe es allein dieser Freundschaft gegenüber nicht fair, Baphomet ohne genaue Überprüfung in die Höhle zu führen und dann auch noch das Gesicht zu zeigen.
Hier liegt mein Hauptkritikpunkt: Batman wäre niemals so unvorsichtig. Vor allem nicht, da noch ein Schurke herumläuft, der sich zum Ziel gemacht hat, ihn umzubringen. Nämlich Onomatopoeia.

[VORSICHT! DICKER SPOILER]

Wer es bis hierher noch nicht geahnt hat: Hinter dem so „gut“ handelnden Baphomet versteckt sich niemand anders, als der Schurke Onomatopeia, der bereits im Vorgänger „Batman-Kakofonie“ auftauchte. Und er sorgt auch, in dem einzigen Bild, in dem man seine Maske sieht, für einen großen Knall, in dem er Silver St. Cloud in der Bathöhle die Kehle aufschneidet. Tragisch, tragisch. (und wieder der Hinweis auf den Bond-Klassiker)
Aber leider wahr etwas Ähnliches spätestens ab dem Heiratsantrag zu erwarten….

Und HIER liegt der Hund begraben:

Batman ist zu naiv. Und das passt nicht zu der Figur. Batman mag manchmal in bestimmten Gedankengängen

festgefahren sein, aber die Figur ist nicht naiv. Planer, Denker, Stratege. Das ist kein Platz für Naivität. Sprüche wie „Bist du etwa ein Kiffer?“ mögen unkonventionnell sein und dem ein oder anderen unpassend erscheinen, aber Naivität ist etwas, was dieser Figur nicht passiert. Sprüche gab es auch schon in anderen Heften. Wer es nicht wagt, vor seinem besten Freund die Maske abzulegen, die ihn ausmacht, der macht das bestimmt nicht vor einem Fremden, der sich nach einem Dämon benennt – noch weniger, wenn er gerade erst von einem mordlüsternden Irren verfolgt worden ist.
Es fehlt diesem Heft an der batmantypischen Planung – und im Endeffekt daran, dass er den Gang der Dinge schon kennt, bevor sie passieren. Der Detektiv fehlt, der Batman auszeichnet.
Die Liebesgeschichte mit Silver St. Cloud kann schon Spaß machen, die Vorstellung, dass Bruce Wayne heiraten könnte, dass er ein normales Leben führen könnte, weg von Batman und der Dunkelheit der Nacht, hat eigentlich etwas Tröstliches. Aber dem Leser ist über weite Strecken klar, dass hinter Baphomet kein guter Mann steckt. Subtile Andeutungen, Gestiken, Mimiken, weißen darauf hin. Das ist nicht schlecht gemacht von Smith – nur fragwürdig, weil es Batman eben nicht auffällt. Und gerade IHM hätte es auffallen müssen.

Positiv vermerken möchte ich aber nochmals die Figur von Alfred, der zwar wieder nur kurz auftaucht, aber einen schönen, sarkastischen Moment hat, in dem er zeigen kann, dass er mehr ist als nur „der Butler“. Schade eigentich, dass man der Figur allgemein eher wenig Spielraum zu kommen lässt.
Ebenfalls positiv beleuchtet finde ich das Verhältnis von Catwoman zu Batman.Die Frage, ob Batman seine Geliebte mit Catwoman betrügen könnte – und ob dies eine falsche Annahme von Seiten Smith ist – ist diskutiert worden. Das Ergebnis ist merkwürdig: Trotzt der mittlerweile 72-jährigen Geschichte des Charakters – der sich natürlich auch von Generation zu Generation ändert – ist darüber keine genaue Aussage zu treffen. Smith wirft also hier eine Frage auf, die bisher so noch nicht gestellt – oder zumindest nicht beantwortet – worden ist. Eigentlich eine spannende Frage, die im Rest der Geschichte allerdings untergeht. Dass Catwoman mit der Ankündigung, dass Batman heiraten will, nicht glücklich ist, erklärt sich, wenn man die Beziehung dieser beiden Charaktere anschaut – und auch hier wirft sich eine Frage auf: Handelt Batman in seinem Verhältnis zu Silver St. Cloud eigentlich rational? Wenn er sie – kurz zuvor – noch mit Catwoman betrügt, steckt da nicht noch mehr hinter?

Interessante Fragen, die jedoch nicht einfach zu beantworten sind.

Fazit:

Definitiv kein Heft für Anfänger. Aber für Leute, die sich für die Materie interessieren, ein bisschen Spaß an Unterhaltung finden, gegen nackte Haut und eine Menge Blut nichts haben, könnte die Geschichte etwas sein.
Ich mag sie trotzt allem wegen ihrer vielen „Bruce-Wayne“-Szenen, da dieser in der letzten Zeit in den Comics meines Erachtens, etwas zu kurz gekommen sind und auch richtige Liebesgeschichten fehlten in letzter Zeit.
Ich würde mich auch freuen, würde Kevin Smith noch den letzten Teil fertig bekommen, damit der Cliffhanger am Schluss aufgelöst wird.

Kevin Smith/Walt Flanagan – Batman: Kakofonie


Autor:Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält:Batman Cacophony 1-3

Inhalt:

Als der bekannte Batmanschuke Deadshot im Arkham Asylum einbricht, um den Joker für einen Auftraggeber umzubringen, erscheint ein neuer Mann auf der Bildfläche, der dem Joker hilft, aus der Irrenanstalt zu entkommen – und schon gibt es in Gotham City einen neuen Schurken.
Onomatopoeia
(Onomatopoesie als Fachausdruck der Lautmalerei) ist der Name des unheimlichen Mannes. Er redet nicht und hat auch schon zwei andere Helden auf dem Gewissen, an Green Arrow ist er zuvor gescheitert. Onompatopeia scheint nun vor zu haben, Batman ein für alle mal aus dem Weg zu räumen, und schließt sich dem Joker an. Auch der alte Batman Gegner Maxie Zeus hat einen denkwürdigen Auftritt.

Kritik:

Das Heft ist ungewöhnlich, Kevin Smith Erzählstil ist sicherlich für ein Batmanheft mehr als außergewöhnlich. Ganz fest im Gedächtnis geblieben ist mir folgender Satz des Jokers, den er von sich gab, als er im Krankenhaus liegt und zuerst ein Gespräch mit Matches Malone (alias Batman) und später mit Batman führt: „Und da wir gerade so gnadenlos ehrlich sind, muss ich dir sagen, dass ich dein Gehänge gesehen hab, als du dich unmgezogen hast.“ Aber nicht nur Joker wartet mit ungewöhnlichen Aussagen auf, auch Batman trifft die ein oder andere Aussage, die ungewöhnlich ist: „Barucha Haba – DRECKSACK“ oder Sätzen „Halt bloß deine Fresse„.

Kevin Smith, der gerade für Filme wie Dogma, sowie Silent Bob und Jay bekannt ist, pflegt sicherlich keinen Umgang mit der Figur, die jedem gefällt. So viel sei schon mal gesagt. Die Storyidee als solche ist nicht einmal schlecht, das kann man ihm nicht vorwerfen, die Umsetzung teils aber schon grenzwertig. So ist es in amerikanischen Filmen häufig der Fall, dass Kinder nicht sterben. Hier stürzt Dank des Jokers gleich eine ganze Schule über den Köpfen von Kindern zusammen. Harter Tobak, wie ich finde. Wenngleich auch nicht direkt „nicht schon mal dagewesen.“ Das ist vielleicht auch gerade das Problem des Heftes.
Obwohl Kevin Smith mit Onomatopoeia jemand ganz Neuen für Leute einführt, die nur Batman lesen, gelingt es ihm nicht, ihn als den großen Schurken darzustellen, der er sein soll. Das könnte unterschiedliche Gründe haben. Meines Erachtens ist einer, dass er ihn zusammen mit dem Joker aufstellt. Joker ist eine Figur, die schnell alles andere erdrücken kann, wenn man ihn zu sehr herausstellt – und genau dies Smith passiert. Anstellte, Joker eher in den Hintergrund treten zu lassen – wenn er schon auftaucht – wird er zum eigentlichen Antagonisten stilisiert, nicht Onomatopoeia.
Dabei wäre Joker vielleicht gar nicht mal zwingend nötig gewesen, um Onomatopoeia zu charakterisieren. So benutzt dieser den Joker in erster Linie um an Batman heranzukommen. Ob Joker davon weiß, oder nicht, ist nicht ganz genau zu entnehmen, ich gehe davon aus, dass er es nicht weiß. Hier hätte es vermutlich auch jeder andere große Schurke getan, z.B Mr. Zsazas der einen Kurzauftritt in diesem Heft hat. Leider hat sich Smith an dieser Stelle seine Geschichte selbst verbaut, da Joker seinen eigenen Charakter wirklich in den Schatten stellt.

Das moralische Ende war mit der Klappentextankündigung leider in gewisser Weise absehbar und auch nichts neues mehr:
„Dabei gilt es für den Dunklen Ritter, eine schwere Entscheidung zu fällen, bei der einem seiner Feinde das Lachen im Halse stecken bleiben könnte….“
Auch hier muss ich Smith leider vorhalten, dass im Großen und Ganzen nichts neues erfunden hat. Jedem, der Batman über einen längeren Zeitraum gelesen hat – wie es die allermeisten wohl tun – weiß, dass Batman selbst den Joker nicht sterben lassen könnte. Das beweisen schon eindrucksvoll Hefte wie „A death in the family“, wo Batman trotzt allem den Joker nicht umbringen will. Dass Smith hier also Bezug darauf nimmt, und den Joker sogar fragen lässt, ob Batman ihn umbringen würde, birgt für den Leser keine große Überraschung, und die Tatsache, dass er sich nicht dafür entscheidet, Onomatopoeia zu verfolgen, sondern den Joker zu retten auch nicht.

Allein verblüffend ist, die Antwort des Jokers auf die Gegenfrage, die er sich aber auch eher selbst stellt. Joker meint: „Aber ich will dich töten“ und obwohl er nacher darlegt, warum er glaubt, dass sein Wahnsinn enden würde, wäre Batman tot (Sein Hass auf Batman ist der Grund, warum er irre ist. Ohne Batman würde er nicht mehr irre sein und kein Chaos mehr anrichten) scheint diese Antwort im Zusammenhang mit dem Verhalten von Joker in zahlreichen anderen Hefte nicht stringent. Wenn man längere Zeit Comics liest, könnte man auf die Idee kommen, dass die Figuren mehr von einander abhängig sind, als man auf den ersten Blick glauben mag: Der eine würde ohne den anderen nicht existieren. (Im Übrigen schon ein ziemlich altes Motiv, welches im Minnesang bereits Anwendung fand). Sie geben sich beiderseits eine Existenzberechtigung, sind vielleicht beide in gewisser Art und Weise der selbe, wahnsinnige Charakter – der sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Und wie Alfred durch die Blumen in diesem Heft treffend bemerkt: „Und ein normaler Mensch wie Sie Sir… und ich nenne Sie nur widerwillig normal […]“ ist Batman bestimmt selbst wahnsinnig. Diesen Zusammenhang deckt nicht erst Smith auf, sondern ist schon vielen anderen Autoren vorher bewusst gewesen.

Gerade deshalb ist Jokers Antwort vielleicht so verblüffend – weil es im Grunde genommen jeder besser weiß und intertextuell könnte man vielleicht sogar schlussfolgern, dass er es selbst besser weiß (man nehmen die neueren Batmanhefte, wo Joker so lange verschwunden war, bis es einen neuen Batman gab) und sich selbst vorlügt, er könne Batman töten. Durch dieses Gespräch, wenngleich es erst gegen Ende erfolgt, macht Smith eindeutig, dass auf dem Joker das Hauptaugenmerk liegt  – und nicht auf Onomatopoeia. Wollte er dies, dann hätte er sich den neuen Schurken schenken können, wollte er es nicht, hat er einen Fehler gemacht, den schon andere gemacht haben und sicherlich immer wieder machen werden. Dennoch hält das Ende die ein oder andere Überraschung für den geneigten Leser bereit, die ich hier jetzt nicht vorweg nehmen will.

Schön gelungen finde ich – um das Heft nicht nur zu kritisieren – die Darstellung Alfreds. Er ist sarkastisch, direkt, aber dabei immer höflich. Zwar ist auch das nicht neu, aber wird hier konsequent durchgeführt. Dabei geht Smith auch an einer Stelle deutlich über den Text hinaus. Auf die Aussage, von Batman, dass der Joker sein „Gehänge“ gesehen habe, antwortet Alfred:
Kein Wunder, dass er Ihre Männlichkeit erspähte, da sie doch Ihre Unterhose über Ihren Kleidern tragen.“

Fazit:

Kein schlechtes Heft. Aber vermutlich hätte ich es bereut, hätte ich es zum Vollpreis gekauft. Wer sich allerdings für „abgeschlossene“ Batmangeschichte, ohne die verwirrenden Erzählstränge von Grant Morrison interessiert, liegt hier vielleicht gar nicht so falsch. Und wer sich einen „menschlicheren“ Batman wünscht, vielleicht auch nicht. Denn so manch ein kleiner Wortwitz, der Batman in anderen Hefte nicht über die Lippen käme, lässt ihn hier menschlich erscheinen.
Wie ich einleitend schon sagte: Wer das Heft außerhalb der Kontinuität lesen kann, kann Spaß haben. Für andere könnte es schwierig werden.

Der Nachfolger hat übrigens noch einige Eckpunkte mehr. Dazu später.

Batman 52: Der mexikanische Zug/Der Garten des Todes


Autor: Grant Morrison

Zeichner: Andy Clarke/ Fraizer Irving

Enthält: Batman&Robin 12/13

Inhalt:

Auf der Suche nach Bruce Wayne machen Batman (Richard Grayson) und Robin (Damien Wayne) große Fortschritte. Doch zunächst einmal muss Damiens Mutter Talia aus dem Weg geräumt werden, die ihren Sohn durch ein elektrisches Implantat körperlich kontrollierbar machte und ihn auf Batman loslässt. So beginnt der erste Teil des Heftes schon mit einem Kampf zwischen Batman und Robin, die sich danach aufmachen, Damien aus den Klauen seiner Mutter zu befreien. Damien sagt ihr dabei ein für alle mal die Meinung.
Der andere Teil des Hefts beschäftigt sich mit dem mysteriösen Oberon Sexton, dessen Identität hier vielleicht ein wenig überraschend gelüftet wird und auch mit dem Geheimnis um den wiederauferstandenen Thomas Wayne. Was hat es mit diesem auf sich?

Kritik:

Wie die Nummer 51 auch, legt Grant Morrison ein Heft vor, welches sich gut lesen lässt und eine spannende Geschichte vorzuweisen hat, leider aber auch einigen Grund zur Kritik bietet.

Zunächst einmal hätten wir da wieder Damien Wayne:

Zwar wirkt Damien hier nicht so überdurchschnittlich intelligent – er ist schließlich erst 10 Jahre alt – aber es gibt etwas anderes, was dem Leser auffallen kann. Denn Morrison weicht ihr stark von seinem eigenen Charakterkonzept ab. Damien, der zuvor ein nerviges, kleines, verwöhntes Balg war, wird hier plötzlich zum Retter von Moral und Ehre, als er seiner moralisch völlig verkommenen Mutter gegenüber tritt.
Im Heft 52 gab es schon eine charakterlichen Wandel, der die Figur zumindest für mich erträglicher machte, allerdings ist es vielleicht doch zu drastisch um zu sagen, dass Morrison hier nicht hinten herum versucht, Damien symphatisch werden zu lassen. Man kann gespannt sein, was er letztenendes aus der Figur machen will. Ich prophezeihe vom momentanen Standpunkt in einigen Jahren ein Ende alla Jason Todd (vor seiner Zeit als Red Hood).

Der nächst Kritikpunkt betrifft Damiens Mutter Talia al Ghul. Auch wenn ich sie im vorhergegangen Post schon mal kritisiert habe, muss ich sagen, dass sie sich hier meiner Meinung nach zu sehr aus ihrem eigenen Charakterkonzept herausbewegt hat. Natürlich erfindet jeder größere Autor die Figuren der Geschichten neu, was so einen gewissen Reiz aus macht, aber alles, was geschah einfach zu übergehen, ist eine andere Geschichte. Denn trotzt der Tatsache, dass Talia sicherlich keine reine Weste hat und noch weniger moralisch vollkommen ist, bleibt sie eine der Geliebten von Batman, den sie auch immer noch liebt. Dass sie Dick Grayson, den Bruce adoptierte, nicht mag und ihn vielleicht sogar umbringen will, kann ich mit dem Charakterkonzept noch in Einklang bringen, die Tatsache, dass sie ihren Sohn quasi verstößt um einen neuen zu züchten, halte ich aber für zu weit hergeholt und zu wenig an den Charakter angepasst. Das würde sie, würde man den mir bekannten Bildern folgend, nicht tun.

[Vorsicht SPOILER]

Oberon Sextons Demaskierung.

Auch dies betrifft eine Sache, die meiner Meinung nach „Out of character ist“. Die Demaskierung von Oberon Sexton ist durchaus überraschend und die Tatsache, dass sich Joker darunter befindet, scheint ein typischer Kunstgriff von Morrison sein, doch hier muss ich – im Gegensatz zu einigen anderen Lesern – sagen, dass mir die Wendung gar nicht gefällt.
Man kann sagen, dass Joker ohne den original Batman nicht existieren kann, aber dennoch wird aus einem genialen Wahnsinnigen nicht plötzlich ein wahnsinniges Genie. Denn Oberon Sexton erscheint im vorgehenden Heft eher wie ein vernünftiger Mann, nicht nur in seinem Auftreten gegenüber Dick und Damien, sondern auch gegenüber den Gegnern der drei. Auch dass er gleichzeit der Dominokiller ist, passt mir nicht ganz ins Bild. Denn die Pointen, die Dick im Heft erwähnt, sehe ich nicht und konnte ich auch im Nachhinein nicht nachvollziehen. Da hat sich Morrison nicht genügend Zeit genommen und zu wenig direkte Hinweise gestreut, damit der Leser nicht das Gefühl hat, einem – wenn auch etwas aus der Art geschlagenen – Deux ex machina gegenüber zu stehen.

Figur des Thomas Wayne

Noch erschließt sich mir der Nutzen dieser Figur nicht ganz. Klar, Thomas Wayne, da denkt man immer zuerst an den Vater von Bruce Wayne. Sollte DC aber wirklich auf die Idee kommen, diesen wiederauferstehen zu lassen, dann überlege ich ernsthaft, ob sie die Figur in den Grundfesten nicht nur erschüttern, sondern zerlegen wollen. Das ist ein Schritt, der wohl  überlegt sein will. Sollte es sich tatsächlich um den einen westenlich älteren Thomas Wayne handeln, bin ich gespannt, wie er sich entwickelt, auch wenn ich der Black Glove Sache immer noch mehr als skeptisch gegenüberstehe.

Aber es gibt auch einiges Positives an diesem Heft. So sind die Clarke-Zeichnungen sehr ansehnlich und machen Lust auf mehr, auch die Beziehung zwischen Dick und Damien entwickelt sich in eine durchaus positive Richtung. Macht Spaß auf mehr, auch wenn Bruce Wayne – wie zu erwarten ist – zurückkehren sollte.
Die Suche nach dem selbigen gestaltet sich auch sehr spaßig, die Suche nach versteckten Spuren und Hinweisen ist auch sehr gut gelungen und lässt ein wenig klassisches Batman-Feeling aufkommen.

Auch wenn ich die negativen Punkte hier viel breiter ausgeführt hat, sind in meinen Augen die positiven Fakten auch stark zu werten.

Fazit:

Alles in Allem vergebe ich für dieses Heft 7/10 Punkten, wegen den beiden Geschichte, die mir zu sehr „out of character“ sind.