Eine Rezension in 10 Sätzen – Batman Bauwerk des Todes


Alle Rechte liegen beim Urheber bzw. bei DC-Comics

Alle Rechte liegen beim Urheber bzw. bei DC-Comics

Inhalt 

In Gotham kommt es bei einer Kundgebung zum geplanten Neubau der Wayne Central Station zu einem Kranunfall, der nur auf den ersten Blick ein solcher zu sein scheint. Die neugebaute Terrasse eines Klubs bricht zusammen und nur Batman kann verhindern, dass es Tote gibt – etwas geht im Baugewerbe in Gotham nicht mit rechten Dingen zu. Außerdem mischt noch eine bezaubernd schöne Schützerin des alten Bahnhofes mit und ein verschwundener Architekt…

Kritik

Was an diesem Heft wirklich großartig ist, ist nicht unbedingt die Story, die einem relativ einfachen Muster folgt, sondern der – ich würde sagen – einzigartige Zeichenstil. Schwarz-weiß würde man auf den ersten Blick denken, aber in die einzelnen Panels mischen sich immer einige wenige Farben ein: vom Rot-Orange der Sonne oder der Explosion über das zarte Lila eines Damenkleides bis hin zu den pastellgrünen Haaren des Jokers. Jedes Bild in diesem Heft kann man genießen und sollte man auch genießen. Dabei kann man auch sagen, dass Zeichner Dave Taylor ein gutes Hänchen für Gesichter hat; sein Bruce Wayne gefällt mir, auch wenn sich Gesichter ab und an ändern, das stört aber kaum, da sie so unique sind, dass man eigentlich keine Figuren verwechselt (was schon mal häufiger bei anderen Zeichnern passiert). Dazu kommt die Vermischung von Stilelementen aus unterschiedlichen Epochen. Dies gilt sowohl für die Architektur, die in diesem Heft auch zeichnerisch ein ganz wichtiger Aspekt ist, aber auch für technische Gerätschaften, die teils wirken, als entstammten sie den 60er Jahren, teils aber eine futuristischen Anstrich bekommen – wie etwa ein schützendes Stasefeld oder eine Enterhaken mit Ionenantrieb.

Fazit: 9/10 Punkten mit einem Extrapunkt für die Zeichnungen: 10/10

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Batman – Houdini


Erschienen ist das Heft auf Deutsch im Jahre 1997 im Carlsen-Verlag. Das amerikanische Copyright beläuft sich auf das Jahr 1993. Geschrieben von Howard Chaykin und John Francis Moore. Gezeichnet von Mark Chiarello.

Inhalt:

Die Geschichte spielt im Jahre 1907, eine Zeit, die ich persönlich künstlerisch schätze.
In Gotham City befindet sich der großartige Zauberer Houdini. Gleichzeitig verschwinden auf mysteriöse Weise in Gotham City Kinder.
Houdini möchte dem Verschwinden der Kinder nachgehen und trifft dabei auf den jungen, verwöhnten Bruce Wayne als auch auf eine riesige Fledermaus, der im Heft als „Bat-Man“ (!) bezeichnet wird. Gemeinsam machen sie sich auf, das Verschwinden der Kinder aufzuklären und nehmen es dabei mit einem ungewöhnlichen Gegner auf, der beide in ihren Überzeugungen und Grundfesten erschüttert.

Rezension/Kritik:

Der Anfang des Heftes macht es einem nicht gerade leicht. Dadurch, dass sich Bruce Wayne und Houdini durch den verwaschenen Zeichenstil sehr ähnlich sehen (beide dunkle Haare, keiner einen Bart), ist es nicht immer einfach, den jeweiligen Sprecher auseinander zu halten. Auch ist nicht von Anfang an klar, wer eigentlich der Erzähler des Hefts ist. Er später wird deutlich, dass es nur Houdini erzählt, obwohl zu Anfang auch Batman der Erzähler sein könnte.

Doch wenn man diese Hürde ersteinmal überwunden hat, kann man viel Freude an diesem Heft haben. Nicht nur die andere Zeit, in der Batman agiert, ist interessant, sondern auch das, womit er es letztenendes zu tun kommt.
Man trifft einerseits auf bekannte Gestalten, wie Vicky Vale (Victoria Vale wird sie im Heft genannt), Alfred (der in diesem Heft ein Dunkelhäutiger ist) und Jack Schadenfreude (Wer sich hinter letzterem verbirgt, brauch ich glaub ich nicht ausführen), auf der anderen Zeite aber auch auf ganz neue Figuren, wie etwa den undurchsichtigen „Rindfleischbaron“ und eine Opernsängerin.
Der Zeichenstil machte es mir einfacher, zu erkennen, in welcher Epoche man sich befindet. Denn auch wenn das Verwaschene, gemalt Wirkende, einem das Erkennen einzelner Figuren nicht leicht macht, hat man doch als Leser schnell das Gefühl, in einer anderen Epoche zu sein. Vielleicht, da der glatte Strich nicht existiert, den man heute so kennt. Damit wird der Eindruck erzeugt, dass man sich nicht in der heutigen Zeit/Moderne befindet, sondern eben in einem für uns etwas „verwaschenen“ Zeitalter (vielleicht etwas überinterpretiert).

Die allgemeine Örtlichkeiten im Heft sich überzeugend ausgesucht worden. Die Fleischfabrik ist ein unheimlicher Ort und wie man im Verlaufe des Hefts feststellt, natürlich nicht ganz koscher. All dies hat auch mit den Kindern zu tun…

Die Zusammenstellung der Protagonisten ist sicherlich interessant. Houdini wirkt für Batman/Bruce Wayne als eine Art Mentor. Vielleicht auch als „kluger Kopf“. Während des Heftes stellt Houdini Batman immer als einen Neuling dar, als jemanden, der lieber Sprengstoff benutzt als Dietriche, vorprescht und teils unüberlegt handelt. Dies ist ein interessanter Schachzug der Autoren, könnte man doch argumentieren, dass Houdini das Hirn/der Geist und Batman der Körper/der Kämpfer ist. Dies stimmt sicherlich nicht in allen Punkten, auch Batman zeigt, dass er Köpfchen besitzt, aber in gewisser Art und Weise scheint es doch so, als habe man den bekannte Batman in einen Bat-Man (!) und einen Houdini aufgetrennt. Interessante Sache in jedem Falle, die Batman nicht als absolut perfekt darstehen lässt.

Das Heft geht relativ schonungslos mit dem Leser um. Zwar werden die Taten von Jack Schadenfreude nicht offen gemalt gezeigt, sondern (meist durch diesen „Verwaschen“-Effekt) nur angedeutet oder angesprochen. Den Rest kann der Leser sich denken und das fand ich schon – sagen wir mal – sehr, sehr düster. Es handelt sich hierbei definitiv um ein Heft, dass für Erwachsene, vielleicht noch ältere Jugendliche gemacht ist. Nicht aber mehr für ein Kind. Dafür sind die Figuren zu skuril, der Zeichenstil zu düster, die Handlung psychisch zu brutal.
Gerade Jack Schadenfreude macht seinem Vorbild alle Ehre, vielleicht setzt er sogar noch einen oben drauf. Das weiß zu gefallen.

Die Geschichte ist gut durchdacht, auch wenn der Leser vielleicht schneller als die handelnden Figuren weiß, wie der Hase läuft. Dies macht aber nicht unbedingt die Geschichte weniger spannend. Als Manko muss man jedoch festhalten, dass die Autoren zwar unglaublich gut starten und eine unheimliche Atmosphäre aufbauen, ihre eigentlichen Antagonisten jedoch bis auf Jack Schadenfreude ein wenig farblos bleiben. Man hätte noch einiges mehr an Spannung rausholen können.
Victoria Vale jedoch weiß zu gefallen.


Fazit:

Persönlich halte ich „Batman – Houdini“ für eine sehr gelungene Elseworthgeschichte, die mit ihren fast 20 Jahren auf dem Buckel immer noch nichts von ihrer Spannung einbüßen konnte. Auch heute noch, wenn man mal überlegt, wie viele Geschichten in den 20 Jahren erzählt worden sind, stellt dieses Heft einen neue Herangehensweise an den Mythos Batman dar, den man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Es gibt Abstriche, dass habe ich bereits gesagt.
Herausheben (eventuell erneut) möchte ich:
– die Zeit. Batman an den Anfang des 20. Jahrhunderts zu versetzten hat was und zeigt, dass die Figur auch dort funktionieren könnte. Ja, sie tut es. Davon würde ich gerne mehr lesen.
– das Setting. Man hat das Gefühl, man befände sich wirklich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeichnungen, die Kleidung, das Auftreten der Figuren ist in sich stimmig.
– das Kostüm von Bat-Man. Ach, ich liebe Kutschermäntel
– der starke Start der Geschichte. Gute Idee, sehr guter Handlanger. Leider schwacher „Endgegner“.
– Houdinis Darstellung. Sie ist ziemlich gut gelunge, vor allem, da Houdini wirklich ein Gegner der Spiritismusbewegung war und maßgeblich daran beteiligt war, dass ein Geldpreis der Zeitschrift „Scientific American“ für den Nachweis von übernatürlichen Aktivitäten nie ausgezahlt werden musste
– der Bat-Man-Bezug. Für alle, die es nicht wissen: Batman sollte/hieß zuerst so.

Batman – Das Geschäft des Bösen


Originaltitel: The Ultimate Evil

Erschienen bei Carlsen Comics im Jahr 1997, Originalcopyright 1995. Es ist nach einem Roman von Andrew Vacchs, die Comicumsetzung ist von Neal Barrett Jr., die Zeichnungen (Bleistift/Tusche) von Denys Cowan und Prentis Rollins

Inhalt:

Das Heft beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema. Während er eine Jugendamtsmitarbeiterin begleitet, stößt er eher zufällig auf einen Kinderporno- und Sexring, der sowohl . Als er diesem nachgeht, bekommt er von Alfred das Tagebuch seiner Mutter überreicht, in dem er etwas über seine Mutter herausfindet, was er nicht erwartet hätte….

Kritik:

Allgemein:

Die meisten alten Hefte, die ich im Laden kaufe, sind Spontankäufe. Daher bin ich Carlsen doch recht dankbar für ihre Klappentexte. Und dieser lies eine sehr spannende Geschichte erwarten.
Leider wurde ich enttäuscht. Ich möchte hier nicht viel näher auf die Darstellung der Pädophilie eingehen, es sei nur gesagt, dass ich, genauso wie die meisten anderen, deren Ausübung verabscheue, egal in welcher Form. Pädophile Handlungen jeglicher Art sollten jedoch mit der höchstmöglichen Strafe belegt werden, Aufklärung sollte besser werden und Opfer eine bessere Betreuung erfahren. Vacchs Tätigkeit als Anwalt für insbesondere missbrauchte Kinder- und Jugendliche sollte vor dem Hintergrund nicht unbeachtet bleiben.

Umgang mit der Figur:

Betrachtet man sich Vacchs Umgang mit Batman, merkt der geneigte Batman-Kenner schnell, dass er sich doch auf dem Terraine nicht so gut auskennt, als das man davon sprechen könnte, dass er ein stimmtes Charakterbild kreiert. Ich kenne viele Hefte, in denen Batman einwenig „out of character“ erscheint. Die meisten davon sind eher episodenhafte Darstellungen eines freundlichen Bruce Wayne, der mit unterpriviligierten Kindern zelten geht. Sie sind „out of character“ und die Autoren wissen das, vielleicht macht sie das so liebenswert. Bei Vacchs ist dies nicht der Fall. Nicht nur, dass Batman mit der Mitarbeiterin des Jugendamtes in die Wohnung kommt, sondern auch dass er zusieht, wie ein Mann einen anderen erschießt. Auch wenn es sich bei dem Erschossenen um den eigentlichen Bösewicht handelt, reicht es m.E. nicht, Batman nacher darüber sinieren zu lassen, dass er es hätte verhindern könne.
Auch ist es völlig unglaubwürdig, dass Batman, als der große Detektiv von Kindesmissbrauch nicht die geringste Ahnung zu haben scheint. Nein, es wirkt glatt so, als habe er sie all die Jahre vollständig ignoriert. Das wirkt fast so, als habe Vacchs niemals zuvor ein Batman Comic in der Hand gehabt.
Hier spricht glaube ich eher Vacchs eigener Selbstjustizwunsch – der sich laut Wikipedia wohl auch in vielen anderen Werken finden lässt – als eine koherente Gestaltung des Charakters innerhalb ihrer bekannten Grenzen. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem des Werks: Es ist völlig irrelevant, ob da nun Batman handelt, oder The Mighty Superhero XY oder ein kleiner Privatdetektiv. Es spielt keine Rolle. Es ist austauschbar. Sehr schade.
Auch die „Umgestaltung“ von Martha Wayne will mir nicht ganz gefallen. Auch wenn es rein theoretisch passt – viel ist über sie ja nicht bekannt – so scheint es doch unwahrscheinlich, dass sie ein Tagebuch über Kindersextourismus führt, und dann nicht dafür sorgt, dass es nach ihrem Tod an jemanden kommt, der handeln kann. Für eine angeblich so gegen Sextourismus und Kindesmissbrauch angehende Frau, scheint die wenig passend.

Batmans Gefasel

Auch Batmans Gefasel (entschuldigt dieses Wort, aber es fühlt sich für mich genauo so an) davon, er habe nicht gegen „das Verbrechen“, sondern gegen „Verbrecher“ gekämpft, ist letztenendes doch inhaltsleer. Würde Batman gegen „das Verbrechen“ kämpfen, dann würde er nicht so handeln, wie er es im Heft tut, sondern das Übel bei ihrer Wurzel packen. Und das ist nicht das Reisen in ein anderes, selbstverständlich asiatisches Land und das Aufmischen des dortigen Kindersexbarons. Man müsste die Ursachen, Leid, Elend, Armut, Arbeitslosigkeit bekämpfen. Und so ist doch Vacchs bei seinem Versuch, Batman das Verbrechen bekämpfen zu lassen, letztenendes beim „Verbrecher“ bekämpfen geblieben.
Dies wird erst recht deutlich, wenn er Batman nach Udon Khai (jenem ostasiatischen Land) reist, um den Sextourismus dort zu beenden. Er trifft auf Dorfbewohner, die Kinder aus ihrem Dorf an die entsprechenden Zuhälter in die Großstadt verkaufen. Er trifft dort auf einen Mann, der ihm erzählt, warum der Vater seine Tochter verkaufte: „Dieser Mann hat neun Kinder. Neun. Wie soll er sie ernähren? Der Mohn wächst hier nicht gut.“ Auf die Frage, was dieser Mann tun soll, um seine Familie zu ernähren, hat Batman die ungemein platteste Antwort, an die ich mich in einem ernstgemeinten Batman-Comic erinnern kann. „Ich würde meine Kinder nicht mit dem Blut ihrer Schwestern oder Brüder ernähren. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich stehlen.“ Wunderbar. Als ich diesen Satz las – er steht am Ende eine Seite und den Blick nach oben auf die nächste wandte, wusste ich schon, was der Dorfvorsteher antwortet. Hatte er doch darauf hingeweisen, dass die Gegend arm ist: „Krieger. Hier gibt es nichts zu stehlen.“ Und was macht Batman dann? Er ruft zu einem bewaffneten (!) Konflikt auf, er ruft quasi dazu auf, zu töten. Das passt nicht zu Batman. In keinster Art und Weise. Denn er nimmt den Tod vieler Leute in Kauf, auch derjenigen, die die eigentliche Bosse beschützen, vielleicht mit den Taten als solche gar nichts zu tun haben. An dieser Stelle habe ich mich gefragt: Ist Vacchs eigentlich daran interessiert, eine gute Geschichte zu schreiben, oder will er seinen eigenen, persönlichen Kampf auch in die Welt von Batman einbringen, obwohl sie dort gar nicht hinpasst?

Der Titel:

Der deutsche Titel ist okay. Keine wortwörtliche Übersetzung aber annehmbar und wie ich finde ausnahmsweise besser als das englische Original. Warum? Bei allem Ekel, den der Missbrauch von Kindern auslöst, kann ich nicht sagen, dass es das „ultimative Böse“ ist. Wie sieht es aus mit der Vergewaltigung und des Mordes an einer Frau? Wie sieht es aus mit einem Mord aus Habgier? Einem Mord an einem Kind? Ich möchte damit keinesfalls Kindesmissbrauch relativieren. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass es viele Dinge gibt, die als das „Ultimativ-Böse“ bezeichnet werden können. Ob Batman hier tatsächlich gegen das Ultimativ-Böse kämpft, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht auch deshalb weil Vacchs mir nicht ausdifferenziert genug arbeitet.

Fazit:

Die Zeichnungen sind okay (mehr aber auch nicht).
Aber der Rest? Ich kann nur noch mal sagen, dass ich enttäuscht bin. Ich hatte mir sehr viel mehr von dem Heft erhofft, ja ich hatte eine gute Auseinandersetzung erwartet, ein Packen des Übels bei der Wurzel und zwar auch in der Behebung der Probleme als solche. Was habe ich bekommen? Meines Erachtens nach die Wut eines us-amerikanischen Anwalts, der mit Hilfe des großen Namens Batman auf seinen eigenen Kampf aufmerksam machen will. Ich schätze Menschen, die sich für die Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzten und ich achte Menschen, die den Kampf gegen Kinderpornographie und Kindesmissbrauch aufnehmen. Ich habe kein Problem damit, dass solch ein Thema, auch in seinen vielen unschönen und erschreckenden Aspekten, in Batman-Comics seinen Platz findet. Aber die Machart gefällt mir nicht.
Es wäre vielleicht ein besserer Weg gewesen, den Kampf in Gotham zu belassen. Oder zumindest zu versuchen, das Elend zu lindern. Da Bruce Wayne im DCU zu den reichsten Männern der Welt gehört, wäre es möglich gewesen, genau dort anzusetzen. So hätte er dem Vater, der zu Anfang wegen seiner Aussichtslosigkeit dem Alkohol verfällt und seine eigenen Kinder schlägt, einen Arbeitsplatz vermitteln können (und damit mal was sinnvolles getan), er hätte den Menschen in Udon Khai helfen können – oder zumindest einen besseren Vorschlag als „Ihr könnt alles niederschießen“. Denn ploppt (auch wenn Vacchs auf diese Tatsache am Ende verzichtet) doch bei Vernichtung des einen Rings, an der nächsten Ecke ein neuer auf. Es reicht nicht, die „Händler“ auszuschalten. Wichtiger wäre es, die Konsumenten zu bekommen, den Eltern, die ihre eigenen Kinder verkaufen, eine Perspektive aufzuzeigen und dann schön „Batman-Like“ den Ring ordentlich aufzumischen. Ohne dabei auf bewaffnete Guerillas zurückgreifen zu müssen, auch wenn es auf den Blick episch wirkt.
Nein, danke. Schwieriges Thema – und in den Sand gesetzt.

Eine Rezension in 10 Sätzen – Seth Grahame-Smith: Abraham Lincoln – Vampirjäger


Inhalt:

Abraham Lincoln, 16.Präsident der USA, hat ein Geheimnis, welches sich in keiner Biographie über ihn finden lässt. Denn seine politische Tätigkeit war bedingtu durch einen lebenslangen Hass auf die, die seine Eltern auf dem Gewissen hatten, Vampire. Diese jagd Abraham mit seiner Axt und seinem Verstand – damit auch der letzte von ihnen ausgelöscht wird….

Kritik:

So abstrus der Plot auch klingen mag, Seth Grahame-Smith schafft es, ein hochinteressantes Buch zu schreiben. Denn neben dem eigentlichen Handlungsplot rund um die Vampirjagd, werden viele interessante Fakten aus dem Leben von Abraham Lincoln beschrieben, die einem Nicht-Kenner der amerikanischen Geschichte und Kultur (wo Lincoln vermutlich eine deutlich höhere Rolle spielt, als bei uns) einen faszinierenden Einblick in das Leben dieses besonderen amerikanischen Präsidenten aus dem Nichts geben.
Das ganze Buch ist in einem Misch aus Tagebucheinträgen und zusammenhängenden Textpassagen, die offensichtlich von einer weiteren Erzählinstanz im Buch erzählt werden. Gerade die Tagebucheinträge geben dem ganzen Buch eine gewissen, echt-biographischen Ton, was das Lesen – wenn man diese Art Text denn mag – zu einem wahren Genuss macht.Es gibt jedoch einige Passagen im Buch, die sich ziehen und in denen aufgebaute Spannung massiv abgebaut wird.

Wichtig ist jedoch, dass man dem Inhalt des Buches nicht grundsätzlich misstrauisch gegenüber steht. Für Leute, die eine Biographie erwarten, ist es ganz sicher nicht das richtige und es ist auch kein reiner Fantasyroman, sondern steht dazwischen.

Mein Fazit: 8/10 Punkten

Wucherpreise in Bibliotheken


Quelle: Wikimedia Commons Urheber: SteKrueBe Lizenz: CC some rights reserved

Tja, ich bezeichne mich selbst in Bezug auf Bücher immer gerne als sehr gewissenhaften Menschen. Ich arbeite selbst in einer Institusbibliothek. In geliehenen Büchern – ob aus der Bibliothek oder von Privatpersonen – male ich nicht rum, mache keine Eselsohren rein und versuche, sie auch pünklich abzugeben.

Das will mir nicht immer gelingen. In der Hochschulbibliothek ist das ärgerlich, es kann sich auch mal summieren, aber was sich die Bibliothek für Politische Wissenschaft an der RWTH leistet, grenzt wirklich an Wucher. Denn im Gegensatz zur Hochschulbibliothek, die auch in den Semesterferien jeden Tag auf hat, hat die Bibliothek der PoWi ab August nur noch an Donnerstagen auf! Nicht allein, dass das schon Grund genug wäre, sich zu beschweren, es kommt noch besser. Bis in die Nacht des 02.08 habe ich an meinen Hausarbeiten gesessen, unter anderem auch in Politik. Dienstagmorgen habe ich dann meine Hausarbeiten abgegeben, im Sekretariat, die Bibliothek hatte ja zu. Dann war ich einen Donnerstag nicht da – war auf dem Conquest of Mythodea.Hatte ja auch noch Leihfrist und dachte mir, gibst du die Bücher dann demnächst mal ab. Der Donnerstag drauf war für mich auch schlecht, ich kam nicht weg. Warum genau, weiß ich nicht mehr. Am kommenden Montag, also dem 15.08. bekam ich eine automatisch generierte E-Mail darüber, dass meine Leihfrist am 17.08 (das war ein Mittwoch) abläuft. Haha. Jetzt durfte ich auch schon Strafe zahlen, weil die BIBLIOTHEK NICHT AUF HAT, wenn ich das Buch an einem regulären Wochentag abgeben muss. In der Hoffnung, die Bibliothek würde vielleicht dennoch irgendwie mehr als einmal in der Woche (nämlich am Öffnungstag DONNERSTAG) ihre E-Mails abrufen, schrieb ich also eine E-Mail, dass ich am Donnerstag ganz sicher nicht in Aachen wäre und ob eine andere Möglichkeit der Rückgabe der Bücher bestünde. Wann bekam ich die Antwort? Richtig, Donnerstag morgen, als ich zwei Zugstunden entfernt von Aachen war. Und lange hat die Bibliothek natürlich auch nicht auf….

Und in dieser E-Mail stand drin, dass ich die Bücher auch im Sekretariat abgeben könnte, das DIENSTAGS und MITTWOCHS geöffnet hat. Die Strafe müsste ich aber trotzdem zahlen, da die Tatsache, dass die Bibliothek im August und September nur (mit zwei Ausnahmen) nur Donnerstags aufhabe ja hinlänglich bekannt gewesen wäre. Tolle Wurst, wie mein Vater zu sagen pflegt.
Ach ja, das Sekretariat hat natürlich nur zwischen 9.00 Uhr und 13.00 Uhr auf.

Jetzt berechnet die Bibliothek aber nicht pro Öffnungstag – wie es eigentlich sinnig wäre – sondern pro KALENDERTAG. Also Feiertage, Wochenende und Tage eingerechnet, wo die Bibliothek überhaupt nicht aufhat.
Das empfinde ich als eine bodenlose Frechheit. Ich kann verstehen, dass die Bibliothek ihre Bücher zurückhaben möchte. Da habe ich vollstes Verständnis für. Aber mir jetzt eine Strafe aufzubrummen, die sich für die fünf Bücher die ich hier habe schon auf 10 Euro beläuft, finde ich wirklich sehr dreist. Wartet man länger, darf man auch schon 25 Euro bezahlen.
Nehmen wir mal an, ich wäre am Donnerstag in Urlaub gefahren? Dürfte ich dann 25 Euro für Bücher bezahlen, weil die Bibliothek mir a) nicht rechtzeitig bescheid gibt – nämlich vor dem nächstmöglichen Rückgabetermin vor Ablauf der Frist und b) weil sie nur Donnerstags und das Sekretariat (von dem ich gar nicht wusste, dass ich die Bücher dort zurückgeben kann) nur Dienstags und Mittwochs auf hat? Ach ja, und laut Insitutshomepage im August auch nur Donnerstags? Ergo: Ich muss die Bücher Donnerstag zurückgeben. Eine andere Alternative bleibt nicht.

Was mich ganz konkret stört: Das ich zahlen muss, obwohl ich sie eigentlich a) gerne pünklich zurückgegeben hätte und b) ich sie nur und ausschließlich an einem Donnerstag zurückgeben kann, sollte das Sekretariat – wie zu erwarten – doch nur Donnerstags aufhaben.

Vielleicht sollten da noch mal ein paar Leute drüber nachdenken…..

Eine Rezension in 10 Sätzen – Jim C. Heines: Drei Engel für Armand


Inhalt:

Im Märchenland hat Aschenputtel (eigentlich Danielle) ihren Prinzen geheiratet und ist nun Prinzessin Whiteshore. Doch die Abenteuer sind noch nicht ausgestanden. Die Stiefschwestern haben einen bösartigen Plan geschmiedet, das junge Glück Danielles zu zerstören und entführen Prinz Armand, ihren Mann. Gemeinsam mit Talia und Schnee macht sie sich auf, um ihn zu retten – und erfährt, dass so manch ein Märchen nicht so lief, wie in den Märchen erzählt…..

Kritik:

„Drei Engel für Armand“ ist nicht direkt ein Fantasybuch, sondern wirklich eher dass, was man als Märchen bezeichnet, allerdings wohl kaum für Kinder, sondern für Ältere. Zwar spritzt das Blut nicht literweise, aber gerade die Geschichte von Dornröschen ist beklemmend – und wirft in gewisser Art auch ein anderes Licht auf die grimm’schen Märchen.  Die Handlung bleibt stetig auf einem konstant spannenden Niveau, die Abwandlung der allseits bekannten Märchen trägt auch dazu bei.
Ebenso schafft es Hines, symphatische Charaktere zu kreiren, die alle ihren eigenen Wert in der Geschichte haben und deren unterschiedliche Fähigkeiten sich sehr gut ergänzen. Auch die Antagonisten sind sehr gut gelungen, man kann nicht allen im gleichen Maße Antipathie engegen bringen, sondern kann dies schön ausdifferenzieren.

Daher: 10/10 Punkten

Kevin Smith/Walt Flanagan – Batman: Kakofonie


Autor:Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält:Batman Cacophony 1-3

Inhalt:

Als der bekannte Batmanschuke Deadshot im Arkham Asylum einbricht, um den Joker für einen Auftraggeber umzubringen, erscheint ein neuer Mann auf der Bildfläche, der dem Joker hilft, aus der Irrenanstalt zu entkommen – und schon gibt es in Gotham City einen neuen Schurken.
Onomatopoeia
(Onomatopoesie als Fachausdruck der Lautmalerei) ist der Name des unheimlichen Mannes. Er redet nicht und hat auch schon zwei andere Helden auf dem Gewissen, an Green Arrow ist er zuvor gescheitert. Onompatopeia scheint nun vor zu haben, Batman ein für alle mal aus dem Weg zu räumen, und schließt sich dem Joker an. Auch der alte Batman Gegner Maxie Zeus hat einen denkwürdigen Auftritt.

Kritik:

Das Heft ist ungewöhnlich, Kevin Smith Erzählstil ist sicherlich für ein Batmanheft mehr als außergewöhnlich. Ganz fest im Gedächtnis geblieben ist mir folgender Satz des Jokers, den er von sich gab, als er im Krankenhaus liegt und zuerst ein Gespräch mit Matches Malone (alias Batman) und später mit Batman führt: „Und da wir gerade so gnadenlos ehrlich sind, muss ich dir sagen, dass ich dein Gehänge gesehen hab, als du dich unmgezogen hast.“ Aber nicht nur Joker wartet mit ungewöhnlichen Aussagen auf, auch Batman trifft die ein oder andere Aussage, die ungewöhnlich ist: „Barucha Haba – DRECKSACK“ oder Sätzen „Halt bloß deine Fresse„.

Kevin Smith, der gerade für Filme wie Dogma, sowie Silent Bob und Jay bekannt ist, pflegt sicherlich keinen Umgang mit der Figur, die jedem gefällt. So viel sei schon mal gesagt. Die Storyidee als solche ist nicht einmal schlecht, das kann man ihm nicht vorwerfen, die Umsetzung teils aber schon grenzwertig. So ist es in amerikanischen Filmen häufig der Fall, dass Kinder nicht sterben. Hier stürzt Dank des Jokers gleich eine ganze Schule über den Köpfen von Kindern zusammen. Harter Tobak, wie ich finde. Wenngleich auch nicht direkt „nicht schon mal dagewesen.“ Das ist vielleicht auch gerade das Problem des Heftes.
Obwohl Kevin Smith mit Onomatopoeia jemand ganz Neuen für Leute einführt, die nur Batman lesen, gelingt es ihm nicht, ihn als den großen Schurken darzustellen, der er sein soll. Das könnte unterschiedliche Gründe haben. Meines Erachtens ist einer, dass er ihn zusammen mit dem Joker aufstellt. Joker ist eine Figur, die schnell alles andere erdrücken kann, wenn man ihn zu sehr herausstellt – und genau dies Smith passiert. Anstellte, Joker eher in den Hintergrund treten zu lassen – wenn er schon auftaucht – wird er zum eigentlichen Antagonisten stilisiert, nicht Onomatopoeia.
Dabei wäre Joker vielleicht gar nicht mal zwingend nötig gewesen, um Onomatopoeia zu charakterisieren. So benutzt dieser den Joker in erster Linie um an Batman heranzukommen. Ob Joker davon weiß, oder nicht, ist nicht ganz genau zu entnehmen, ich gehe davon aus, dass er es nicht weiß. Hier hätte es vermutlich auch jeder andere große Schurke getan, z.B Mr. Zsazas der einen Kurzauftritt in diesem Heft hat. Leider hat sich Smith an dieser Stelle seine Geschichte selbst verbaut, da Joker seinen eigenen Charakter wirklich in den Schatten stellt.

Das moralische Ende war mit der Klappentextankündigung leider in gewisser Weise absehbar und auch nichts neues mehr:
„Dabei gilt es für den Dunklen Ritter, eine schwere Entscheidung zu fällen, bei der einem seiner Feinde das Lachen im Halse stecken bleiben könnte….“
Auch hier muss ich Smith leider vorhalten, dass im Großen und Ganzen nichts neues erfunden hat. Jedem, der Batman über einen längeren Zeitraum gelesen hat – wie es die allermeisten wohl tun – weiß, dass Batman selbst den Joker nicht sterben lassen könnte. Das beweisen schon eindrucksvoll Hefte wie „A death in the family“, wo Batman trotzt allem den Joker nicht umbringen will. Dass Smith hier also Bezug darauf nimmt, und den Joker sogar fragen lässt, ob Batman ihn umbringen würde, birgt für den Leser keine große Überraschung, und die Tatsache, dass er sich nicht dafür entscheidet, Onomatopoeia zu verfolgen, sondern den Joker zu retten auch nicht.

Allein verblüffend ist, die Antwort des Jokers auf die Gegenfrage, die er sich aber auch eher selbst stellt. Joker meint: „Aber ich will dich töten“ und obwohl er nacher darlegt, warum er glaubt, dass sein Wahnsinn enden würde, wäre Batman tot (Sein Hass auf Batman ist der Grund, warum er irre ist. Ohne Batman würde er nicht mehr irre sein und kein Chaos mehr anrichten) scheint diese Antwort im Zusammenhang mit dem Verhalten von Joker in zahlreichen anderen Hefte nicht stringent. Wenn man längere Zeit Comics liest, könnte man auf die Idee kommen, dass die Figuren mehr von einander abhängig sind, als man auf den ersten Blick glauben mag: Der eine würde ohne den anderen nicht existieren. (Im Übrigen schon ein ziemlich altes Motiv, welches im Minnesang bereits Anwendung fand). Sie geben sich beiderseits eine Existenzberechtigung, sind vielleicht beide in gewisser Art und Weise der selbe, wahnsinnige Charakter – der sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Und wie Alfred durch die Blumen in diesem Heft treffend bemerkt: „Und ein normaler Mensch wie Sie Sir… und ich nenne Sie nur widerwillig normal […]“ ist Batman bestimmt selbst wahnsinnig. Diesen Zusammenhang deckt nicht erst Smith auf, sondern ist schon vielen anderen Autoren vorher bewusst gewesen.

Gerade deshalb ist Jokers Antwort vielleicht so verblüffend – weil es im Grunde genommen jeder besser weiß und intertextuell könnte man vielleicht sogar schlussfolgern, dass er es selbst besser weiß (man nehmen die neueren Batmanhefte, wo Joker so lange verschwunden war, bis es einen neuen Batman gab) und sich selbst vorlügt, er könne Batman töten. Durch dieses Gespräch, wenngleich es erst gegen Ende erfolgt, macht Smith eindeutig, dass auf dem Joker das Hauptaugenmerk liegt  – und nicht auf Onomatopoeia. Wollte er dies, dann hätte er sich den neuen Schurken schenken können, wollte er es nicht, hat er einen Fehler gemacht, den schon andere gemacht haben und sicherlich immer wieder machen werden. Dennoch hält das Ende die ein oder andere Überraschung für den geneigten Leser bereit, die ich hier jetzt nicht vorweg nehmen will.

Schön gelungen finde ich – um das Heft nicht nur zu kritisieren – die Darstellung Alfreds. Er ist sarkastisch, direkt, aber dabei immer höflich. Zwar ist auch das nicht neu, aber wird hier konsequent durchgeführt. Dabei geht Smith auch an einer Stelle deutlich über den Text hinaus. Auf die Aussage, von Batman, dass der Joker sein „Gehänge“ gesehen habe, antwortet Alfred:
Kein Wunder, dass er Ihre Männlichkeit erspähte, da sie doch Ihre Unterhose über Ihren Kleidern tragen.“

Fazit:

Kein schlechtes Heft. Aber vermutlich hätte ich es bereut, hätte ich es zum Vollpreis gekauft. Wer sich allerdings für „abgeschlossene“ Batmangeschichte, ohne die verwirrenden Erzählstränge von Grant Morrison interessiert, liegt hier vielleicht gar nicht so falsch. Und wer sich einen „menschlicheren“ Batman wünscht, vielleicht auch nicht. Denn so manch ein kleiner Wortwitz, der Batman in anderen Hefte nicht über die Lippen käme, lässt ihn hier menschlich erscheinen.
Wie ich einleitend schon sagte: Wer das Heft außerhalb der Kontinuität lesen kann, kann Spaß haben. Für andere könnte es schwierig werden.

Der Nachfolger hat übrigens noch einige Eckpunkte mehr. Dazu später.