Filmrezension – Doctor Strange (Film)


Inhalt: 

Stephen Strange ist ein begnadeter Chirurg, allerdings ein menschlicher Totalausfall: Egozentrisch, narzisstisch, eingebildet, hochnäsig und alles in Allem ziemlich unausstehlich. Doch nach einem schweren Autounfall verliert er die Fähigkeit als Chirurg zu praktizieren, sein Leben liegt in den Trümmern seines teuren Wagens begraben. Voller Verzweiflung und Zorn über den Verlust, gibt er sein ganzes Vermögen für sinnlose Operationen aus, schlägt Warnungen und Vorschläge von Freunden und Kollegen in den Wind, nur um am Ende feststellen zu müssen, dass ihm die Medizin nicht helfen kann. Von einem Therapeuten erfährt er, dass dieser vor einigen Jahren einen Patienten hatte, der wider aller Wahrscheinlichkeit nach einer schweren Rückenverletzung doch wieder laufen konnte. Strange nimmt Kontakt zu diesem Mann auf und erfährt, dass dieser in Nepal Heilung gefunden haben. Von seinem letzten Geld finanziert sich Strange, der sich in seiner letzten Hoffnung an jeden Strohhalm klammert, einen Flug nach Nepal, um dort an einem Ort namens Kamar-Taj zu erfahren, wie er geheilt werden kann. Doch statt Heilung entdeckt er dort eine Welt jenseits seiner Vorstellungskraft. Magie, Zauberei, alte Wesenheiten, andere Dimensionen. Nach anfänglicher Skepsis möchte Strange mehr über diese Welt erfahren und bald muss er sich die Frage stellen, ob er sein altes Leben überhaupt wiederhaben möchte. Dann überschlagen sich die Ereignisse…

Kritik (enthält eventuell Spoiler):

Doctor Strange ist ein erfrischend „anderer“ Marvel-Superheldenfilm. Weniger aufgrund der Struktur, die erinnert doch sehr an andere Produktionen des Genres, als vielmehr aufgrund der Charakterdarstellung und der endlich mal nicht technisierten und entmystifizierenden Erklärungen unerklärbarer Phänomene – selbst Lokis Stab entpuppte sich ja als künstliche Intelligenz. Magie existiert einfach und die Charaktere, allen voran Strange, haben dies zu akzeptieren. Das unterscheidet den Film deutlich von allen Marvelfilmen der letzten zehn Jahre, in denen selbst im mystischen Asgard alles technologisch erklärbar sein musste. In „Doctor Strange“ funktioniert das nicht – und der Zuschauer sollte eine Erklärung für diese magische Welt weder suchen noch erwarten.
Sich fallen lassen ist das Motto des rund zweistündigen Films, sich fallen lassen und genießen, wie Strange und all die anderen Zauberer die Grenzen der Physik aufheben, magische Waffen und Schilde erschaffen und aufgrund ihrer Fähigkeiten die Realität im wahrsten Sinne des Wortes ins Rutschen und Wanken bringen.

Dazu kommen eine für Marvelverhältnisse ausgesprochen gut ausgearbeitete Reihe von Charaktere. Allen voran Dr. Strange selbst, großartig gespielt von Benedict Cumberbatch. Mögen kann man den Chirurgen zu Anfang kaum, in seiner Arroganz und seinem Egozentrismus verschreckt er nicht nur alle Personen um sich herum, sondern auch die Zuschauer im Kinosaal. Der Unfall ändert ihn in Bezug auf diese Charaktereigenschaften zunächst nur wenig – anders als beispielsweise Tony Stark, der nach seinem Aufenthalt in Afghanistan gleich seine ganze Firma umkrempelt und selbst zu einem Mann wird, der das bekämpft, wovon er vorher lebte. Die erste Feststellung, die Strange nach seiner OP trifft, als er seine Hände in den Fixateuren sieht, ist, dass er es besser gekonnt hätte als seine Kollegen. Seine Hände hätte retten können. Selten ist ein menschlicher Absturz so glaubwürdig in einem Marvelfilm thematisiert worden. Der Zorn, der Strange antreibt, seine pure Verzweiflung aber auch seine Weigerung, einen neuen Weg einzuschlagen, passen nicht nur zum Charakter, sondern sind eine typisch menschliche Eigenart. Sturheit. Kaum Reue durchzieht den Charakter auch nach dem Unfall. Dies ändert sich erst während des Aufenthaltes in Kamar-Taj, und auch hier nur sehr langsam. Erst die Einführung in die Welt der Magie durch die Älteste/The ancient one (Tilda Swinton), kann etwas an Stranges Einstellung ändern und dies mit einer Wucht, die den Zuschauer durch geschickt gewählte, gigantische Bilder aus dem Kinosessel zu reißen vermag.
Vor allem an Strange selbst, aber auch an anderen Figuren, kann man ablesen, was diesen Film noch von vielen bisher dagewesenen Marvelfilmen unterscheidet: eine subtile, glaubwürdige Charakterentwicklung. Den Drehbuchautoren ist hier etwas gelungen, was sehr häufig misslingt oder gar nicht erst versucht wird: Strange entwickelt sich so, wie sich ein Mensch entwickeln würde. Er wird nicht plötzlich zum guten Menschen und strahlenden Helden. Die Entwicklung zum Helden passiert langsam, in Teilen ungewollt seitens des Hauptcharakters und bis kurz vor Schluss sieht man, dass Strange daran zweifelt, was er eigentlich mit seinem neugewonnenen Wissen machen möchte, ob er die Aufgabe, die ihm Kamar-Taj zuweisen möchte annimmt oder die Magie wie viele andere auch, nur als Mittel zum Zweck einsetzt um sich selbst ein besseres Leben zu verschaffen.

Doch nicht nur der Protagonist ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass auch Comiccharaktere glaubwürdig sein können: Auch der Antagonist, gespielt von Mads Mikkelsen, ist definitiv einer besten Marvelantagonisten und neben Loki und vielleicht Ivan Vanko (Whiplash/Iron Man 2) einer der, wenn nicht sogar „DER“ glaubwürdigste Antagonist. Dies liegt nicht an einer komplizierten Herkunftsgeschichte oder an einer besonders herausragenden Bösartigkeit. Ganz im Gegenteil: Verblendet, aber aus seiner Position heraus in sich logisch, schlüssig, nachvollziehbar und gut durchdacht arbeitet sich Kaecilius durch den Plot. Bisher fehlte es gerade im Marveluniversum an glaubwürdigen, in sich schlüssigen Schurken. Diese müssen keinen vollständig durchdachten Plan haben – erkennt man besonders gut (auch streitbar) am Joker aus „The Dark Knight“ – aber sie müssen in sich schlüssig handeln.

Man darf sich nichts vormachen: Doctor Strange ist deutlich dunkler als viele andere Marvelfilme (wenngleich auch nicht „Batman-Dunkle“) und weißt deutlich weniger Humor und Slapstick auf. Das tut dem Film aber ganz gut, sorgt für ordentlich Spannung und so ganz kurz kommt der Witz dann doch nicht. Wenn Stranges Umhang beispielsweise einen der Schläger des Antagonisten in Schach hält, fühlt man sich unweigerlich an den Teppich aus Disneys Aladdin erinnert, Stranges arrogante Art kann im Kontext durchaus auch zum Lachen animieren. Inbesondere hervorzuheben sind auch die Bibliotheksszenen mit dem trockenen Bibliothekar „Wong“. Zugeben muss man aber, dass sich all diese „Witze“ auf einer anderen Ebene befinden als in den bisherigen Marvelfilmen.

Eine Bemerkung sollte auch noch gemacht werden zum leidigen Thema „die Wahrheit sagen.“ So wie auch Strange die Magie als gegeben akzeptieren muss – und sie natürlich im Laufe des Films zu nutzen weiß – so muss auch seine Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams) dies tun und das auf unkonventionelle, spannende und gleichzeitig amüsante Weise. Strange hält mit dem, was er ist und was er kann, nicht hinter dem Berg oder versteckt sich hinter einer mittemäßig guten Maske.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass der Film auch visuell alles bisher Dagewesene von Marvel übertrifft, zwar sicherlich an der ein oder anderen Stelle Ideen aufgreift, die man in Inception (2010) schon gesehen hat, diese aber weiterführt und derart visuell aufbereitet und in den Film eingliedert, dass es sich allein schon wegen dieses CGI-Kunstwerks lohnt, den Film zu sehen.
Die Musik von Michael Giacchino (Star Trek) bereichert den Film zusätzlich und bleibt wie durch Zauberkraft im Gehirn hängen.

Alles in Allem ein rundum gelungener Film, der von mir 9/10 Punkten bekommt. Der Abzug resultiert aus der „B-Note“, da der Film doch strukturell sehr ähnlich zu anderen Marvelfilmen bleibt und mit wenig erzählerischen Überraschungen aufwarten kann.

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Comic – Shazam


Nach vielen Drei-Fragezeichen-Rezensionen mal wieder etwas zu einem Comic:

Einige Daten: 

Autor: Geoff Johns
Zeichner: Gary Frank
Farben: Brad Anderson
Übersetzer: Christian Heiss
Erschienen bei: Panini
Jahr: 2014
Reihe: DC remium 85

Inhalt: 

Der 15 Jahre alte Billy Batson ist kein einfacher Junge. Er wurde von Waisenhaus zu Waisenhaus gereicht, hat einen sehr schwierigen Charakter und möchte eigentlich nur weg von Leuten, die ihm etwas sagen wollen. Seine einzige „Familie“ ist ein Tiger im örtlichen Zoo.
Doch hinter Billy Batson verbirgt sich mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat, denn eines Tages wird er, nachdem er von Zuhause ausgerissen ist, von einem uralten Magier in den „Felsen der Ewigkeit“ entführt. Dort stellt sich heraus, dass Billy Batson der „Wirt“ für Shazam ist, jenen großen Magier, dessen Kräfte Blitz und Donner beeinflussen und der der einzige ist, der der bösartigen Magie Einhalt geben kann. Gleichzeitig ist von einem zwielichtigen Mann, der Hilfe für seine Familie sucht, auch der tyrannische „Black Adam“ befreit worden, der den alten Magier – später Shazam – finden möchte, um sich dessen Macht einzuverleiben.

Billy muss erst erkennen, was Familie bedeutet um die Welt von der Bedrohung durch Black Adam befreien zu können.

 

Kritik: 

Dieses DC-Premium-Heft ist meine erste „richtige“ Begegnung mit Shazam, ehemals Captain Marvel, der für mich bisher maximal eine Randfigur gewesen ist. Vom Autor Geoff Johns hatte ich jedoch schon einige andere Hefte gelesen (Secret Origins: Green Lantern; Secret Origins: Superman; Batman: Erde Eins), die mir ausnahmslos alle sehr gut gefallen haben. Auch die Zeichnungen sagten mir auf den ersten Blick zu, so dass ich zugegriffen habe. Shazam präsentiert sich hier – auch wenn ich natürlich wenig bis gar kein Vorwissen über diese Figur habe – im Rahmen der New52 und hat somit vermutlich wie alle anderen Figuren auch eine Generalüberholung bekommen.
Man kann durchaus sagen, dass dieses Heft gelungen ist. Eine spannende Geschichte, die sich sehr auf den Ursprung Shazams als auch auf die Herkunft von Billy Batson bezieht.
Schnell wird klar, dass das Hauptmotiv hinter der Geschichte hier die „Familie“ ist. Dies hervorzuheben ohne, dass es wie mit dem Holzhammer eingeprügelt wirkst, schafft Johns gut, auch wenn sich zumindest der Wink mit dem Zaunpfahl von Anfang an nicht abstreiten lässt. Überall ist die Familie zu finden, die neue Pflegefamilie von Billy Batson, die Familie von Black Adam, die Familie des ersten Shazam, die familiäre Beziehung, die der Protagonist zu dem Tiger Tawny aufgebaut hat. Und schließlich endet das Heft auch mit der Erkenntnis, was „Familie“ eigentlich bedeutet.
Wie in den anderen Heften von Johns auch, konzentriert sich Shazam stark auf die Entwicklung der Figuren, weshalb es relativ wenig Actionszenen in dem doch sehr langen Heft gibt. Es ist natürlich nicht so, dass diese gar nicht existieren, das wäre dem Genre auch nicht angemessen, aber sie sind doch eher auf den hinteren Teil des Heftes konzentriert, in dem es mit Black Adam so richtig zur Sache geht. Hier fliegen dann Helden durch die Luft und Autos werden hochgehoben. Ganz in alter Superheldenmanier, so wie es sich gehört, würde man sagen.

Es gibt in dem Heft eine ganze Menge Antagonisten. So ist eigentlich recht früh klar, dass der „Gegner“ Shazams in diesem Heft wohl Black Adam sein wird, die Wurzel allen Übels ist er aber nicht. Vielleicht bleibt er deshalb im Gesamten gesehen etwas „farblos“. Man erfährt zwar etwas über seine Vergangenheit und auch über die Motivation, aber mir fehlt da etwas. Der Drahtzieher wird sicherlich für spätere Geschichten wieder relevant, vermutlich ist er auch ein Hauptgegner Shazams. Zudem ist auch für ihn die Familie ein Motivator. Dann gibt es natürlich noch den menschlichen Antagonisten, der nicht nur Billy, sondern auch seiner Familie das Leben schwer macht. Dieser ist vielleicht die Figur, die den Leser am ehesten saturiert, denn er bekommt, gefühlt, am Schluss seine gerechte Strafe, in dem er von allen denen ausgelacht wird, über die er bisher gelacht hat. Der Leser bleibt mit süffisantem Lächeln auf dem Gesicht zurück.

Auch die Zeichnungen dürfen natürlich bei einem Comicheft nicht unberücksichtigt bleiben, schließlich sind sie ein wesentliches Merkmal.
Frank arbeitet öfter mit Geoff Johns zusammen, beispielsweise auch bei Superman: Origins oder Batman: Erde Eins, und er ist ein Zeichner, dessen Bilder meistens sehr ansprechend sind. Zwar sehen sich Black Adam und Shazam bisweilen im Gesicht sehr ähnlich, aber ich persönlich glaube, dass das nicht unabsichtlich geschieht. Ansonsten muss man sagen, dass es Frank gelingt, unterschiedliche Gesichter zu zeichnen, die auch „naturalistisch“ aussehen. Da gibt es ganz andere Kaliber im DCU. Vor allem gelingt es auch, sich nicht an Vorlagen zu orientieren, Shazam sieht weder aus wie Clark Kent noch wie Bruce Wayne was wirklich nicht jedem Zeichner gelingt.

Fazit:

Ein schönes Heft mit einigen Abzüge in der B-Note. So ist das Finale zwischen Black Adam und Shazam zwar ausführlich beschrieben, bleibt aber im Vergleich zum Rest des Heftes und zu anderen Comics etwas „unspektakulär“, auch wenn es durchaus seine Momente hat. Man könnte durchaus daraus einen Film (Animation) machen, die Musik würde vermutlich in einigen Szenen Akzente setzten können, die sich im Heft nicht setzten lassen. Schön ist die Konzentration auf die Figur Billy Batson, die man hier kennenlernt, sowie die humoristischen Anspielungen nach der ersten Verwandlung in Shazam. Zudem gelingt es gut, einen Wandel in der Figur von Billy Batson darzustellen.

Dieses Heft ist sicherlich für Neueinsteiger sehr gut geeignet, nur muss man sich schon darüber im Klaren sein, dass wir uns in einem Superheldencomic befinden. Da kann es mit der Logik (nicht der Internen, die ist gut gelungen) schon mal etwas – schwierig werden. Und natürlich sehr fantastisch.

 

Alles in Allem ein lohnenswerter Kauf: 9/10 Punkten

Eine Rezension in 10 Sätzen – Batman Bauwerk des Todes


Alle Rechte liegen beim Urheber bzw. bei DC-Comics

Alle Rechte liegen beim Urheber bzw. bei DC-Comics

Inhalt 

In Gotham kommt es bei einer Kundgebung zum geplanten Neubau der Wayne Central Station zu einem Kranunfall, der nur auf den ersten Blick ein solcher zu sein scheint. Die neugebaute Terrasse eines Klubs bricht zusammen und nur Batman kann verhindern, dass es Tote gibt – etwas geht im Baugewerbe in Gotham nicht mit rechten Dingen zu. Außerdem mischt noch eine bezaubernd schöne Schützerin des alten Bahnhofes mit und ein verschwundener Architekt…

Kritik

Was an diesem Heft wirklich großartig ist, ist nicht unbedingt die Story, die einem relativ einfachen Muster folgt, sondern der – ich würde sagen – einzigartige Zeichenstil. Schwarz-weiß würde man auf den ersten Blick denken, aber in die einzelnen Panels mischen sich immer einige wenige Farben ein: vom Rot-Orange der Sonne oder der Explosion über das zarte Lila eines Damenkleides bis hin zu den pastellgrünen Haaren des Jokers. Jedes Bild in diesem Heft kann man genießen und sollte man auch genießen. Dabei kann man auch sagen, dass Zeichner Dave Taylor ein gutes Hänchen für Gesichter hat; sein Bruce Wayne gefällt mir, auch wenn sich Gesichter ab und an ändern, das stört aber kaum, da sie so unique sind, dass man eigentlich keine Figuren verwechselt (was schon mal häufiger bei anderen Zeichnern passiert). Dazu kommt die Vermischung von Stilelementen aus unterschiedlichen Epochen. Dies gilt sowohl für die Architektur, die in diesem Heft auch zeichnerisch ein ganz wichtiger Aspekt ist, aber auch für technische Gerätschaften, die teils wirken, als entstammten sie den 60er Jahren, teils aber eine futuristischen Anstrich bekommen – wie etwa ein schützendes Stasefeld oder eine Enterhaken mit Ionenantrieb.

Fazit: 9/10 Punkten mit einem Extrapunkt für die Zeichnungen: 10/10

Die „Avengers“ – oder: Warum ich ein Ende der konventionellen Comicverfilmungen befürchte


Wie Interessierte bestimmt schon mitbekommen haben, ist vor einigen Wochen hier in Deutschland (und etwas später in den USA) der Film „The Avengers“ angelaufen, Marvels Mammutprojekt, könnte man so sagen, deutete doch spätestens sei Iron Man alles darauf hin, dass mit so einem Film zu rechnen ist. Und der Film (Iron Man) erschien bereits 2008. Es folgte Iron Man 2, Thor und Captain America, alles hoch unterhaltsame Filme und alle für sich genommen ein kleiner Anlauf auf „The Avengers“.

Ist das Mammutprojekt geglückt? 

Ja. Der Film ist von den Einnahmen her die Comicverfilmung die zum Startwochenende die höchsten Einspielergebnis einfuhr. In den USA spielte er 18,7 Millionen US-Dollar in der ersten Nacht ein, „The Dark Knight“ bis dato der Film mit dem höchsten Einspielergebnis lag bei 18,5 Millionen US-Dollar. (wobei man beachten muss, dass „The Avengers“ in 3D auch in den USA höhere Ticketpreise mit sich bringt, in manchen Kinos bis zu 5 (!) Dollar — Aber darum gehts nicht 😉 )

Ja. Der Film macht wahnsinnig Spaß. Marvel hat es in der Beziehung richtig gemacht. Sie haben auf sympathische, gute Schauspieler gesetzt, Figuren genommen, die bis dahin im Kino recht gut angekommen sind und haben auf Witz und Charm in ihrem Film gesetzt.

Das hat alles wunderbar funktioniert und macht einen Heidenspaß.

Woher dann der merkwürdige „oder-“ Titel des Blogartikels?

Ich persönlich hatte etwas mehr von dem Film erwartet. Nicht falsch verstehen, ich halte den Film für uneingeschränkt sehenswert.
Aber die Story ist so geradlinig, als hätte man ein Linear auf ein Blatt Papier gelegt und einen Strich gezogen.
Ich hatte nicht angenommen, es gäbe eine Story wie in „The Dark Knight“. Und genauso wie es naiv gewesen wäre, bei „The Expendables“ mehr Dialog und eine Handlung, die über „Wir-töten-alle-Bösen“ hinaus geht zu erwarten, wäre es gerade zu vermessen gewesen, eine „The-Dark-Knight-Handlung“ bei „The Avengers“ zu erwarten.
Aber ich kenne ja die anderen Marvel-Verfilmungen (mit Ausnahme von Hulk) und ich hatte zumindest einen Story erwartet, die sich auf einem Niveau mit Iron Man (dem ersten) befindet. Dort ist zwar auch recht früh klar, dass Obadiah Stane nicht ganz sauber ist, in wie weit dies aber der Fall ist und was er eigentlich vor hat, lässt sich nicht so leicht bestätigen. Seine Zusammenarbeit mit den Terroristen hatte ich damals nicht erwartet.
Ich hatte vielmehr erwartet, dass es Raza (der Araber) ist, der später ebenfalls einen Iron Man Anzug trägt.

[SPOILER]

Die einzige Stelle, bei der ich bei den Avengers hingegen nicht wusste (aus narrativer Hinsicht), wie man weiter verfährt, war, als Tony Stark zu sterben drohte. Heute kann ich sagen, dass es aufgrund des Franchises eine sicherlich eher dumme Entscheidung gewesen wäre, aber aus narrativer Hinsicht war sie mehr als möglich. Sie hätte sogar noch für eine „schöne“, wenngleich traurige Wendung im Film gesorgt. Aber sei’s drum, ich mag Tony Stark und sein Überleben finde ich natürlich auch großartig.
Nur: Es war eben das einzige Mal, bei dem ich mir im Kino bei der Filmstory kurzzeitig nicht sicher war, wie die Handlung „grob“ fortgeführt wird.
Andere Szenen hingegen haben beim späteren Nachdenken darüber keinen Sinn mehr gemacht. (dazu gehört für mich immer noch die Frage, warum Loki unbedingt auf das Schiff von S.H.I.E.L.D will. Es macht eigentlich handlungstechnisch keinen Sinn und wirkt fast so, als hätte man vergessen dort etwas einzuführen oder als hätte man unbedingt einen epischen Kampf auf diesem Schiff gewollt, aber nicht gewusst, wie man ihn in die Story einfügen kann).

[SPOILER ENDE] 

Für eine Empfehlung für Menschen, die sich (auch nur) leicht, für Comics interessieren, kann man darüber hinweg sehen und sagen: „Ja, geh ins Kino und zieh dir den neuen Avengersfilm (wenn möglich nicht in 3D – das ist nämlich überflüssig) rein. Der macht sau Spaß und wir haben viel gelacht.“ Ich würde aber noch anfügen: „Aber erwarte keine komplexe(re) Handlung.“

Dann kann man sich nämlich mit „The Avengers“: Ganz prächtig amüsieren – und die Besucherzahlen zeigen auch, dass viele Menschen den Film gerne sehen wollen. Die Einspielergebnisse sind bombastisch, ein zweiter Teil steht fast außer Frage. Und Iron Man 3 steht auch schon in den Startlöchern, Thor 2 ist geplant.

Bilder und Kämpfe sind im Übrigen auch sehr gut gelungen, die Sprüche sind herrlich. Ich betone: Ich finde Tony Stark klasse und Chris Hemsworth ist ein attraktives Kerlchen.

Und warum befürchtest du dann ein Ende der konventionellen Comicverfilmungen? 

Mit konventionell meine ich ganz bewusst Superheldenverfilmungen und explizit nicht so Sachen wie „Watchmen“, „V wie Vendetta“, „Sin City“, „Kick-Ass“ oder auch „Scott Pilgrim vs. the World“, sondern unsere geliebten Superhelden, wie Superman, Captain America, Green Lantern, Thor, Spider-Man, X-Men und selbstverständlich Iron Man.

Es ist wohl kaum zu leugnen, dass in letzter Zeit gerade Marvel sehr viele Comicverfilmungen auf den Markt/ins Kino gebracht haben, die unglaublich Spaß gemacht haben und alle recht erfolgreich waren (lassen wir Ghostrider außen vor). Iron Man ist herrlich, ich sehe ihn immer wieder gerne und könnte Tony Stark (Robert Downey Jr.) stundenlang beim Selbstfeiern zu schauen, Captain America nimmt den eigenen Patriotismus auf die Schippe und ist Gott sei Dank weniger militaristisch als befürchtet und Thor ist „der Hammer“ (haha, der Wortwitz musste sein), hier überzeugte mich vor allem die Verbindung von Asgard-Szene und Erd-Szenen und bis dato wusste ich auch nicht, dass Loki der Sohn der Eisriesen ist.
Aber in ihrer zugrunde liegenden Struktur waren sie doch alle recht ähnlich. Vielleicht waren sie sich sogar zu ähnlich.

Ich mache diese „Befürchtung“ nicht konkret an den Avengers fest. Das wäre auch nicht gerecht, denn immerhin muss man sagen, dass die Avengers ein lange geplantes Filmprojekt waren, dessen Ausläufer sich auf andere Filme erstreckten und somit die Grenzen zwischen Filmen, die nicht der selben Trilogie zugehören (wie es etwa bei Star Wars der Fall ist) aufzulösen. Das ist vielleicht ein Schritt in Richtung von Filmen, in denen sich „Universen“ überkreuzen.

Ich denke aber, dass der Kinozuschauer sich in absehbarer Zeit an konventionellen Comicverfilmungen satt gesehen haben wird. Die immer gleichen Strukturen, Aufbauten und Abläufe könnten das Ende der Verfilmungen von Comics – vorläufig – bedeuten. Um das aufzuhalten benötigt es meines Erachtens eine kurze Pause und dann, in nicht allzuferner Zukunft einen – wie man im Comicbereich so gerne sagt – Reboot.

Und dann bleibt die Frage, welcher Film tatsächlich einer der Filme sein wird, die auch noch in 20 Jahren als „gute und großartige“ Filme des ausgehenden ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts gelten werden. Ich möchte darüber keine genauen Prognosen treffen. Aber ich glaube, dass es von den Comicverfilmungen, die in den letzten Jahren auf den Markt kamen, nur wenige sein werden, von denen auch noch unsere Kinder sagen können, dass sie großartig waren.

Batman – Houdini


Erschienen ist das Heft auf Deutsch im Jahre 1997 im Carlsen-Verlag. Das amerikanische Copyright beläuft sich auf das Jahr 1993. Geschrieben von Howard Chaykin und John Francis Moore. Gezeichnet von Mark Chiarello.

Inhalt:

Die Geschichte spielt im Jahre 1907, eine Zeit, die ich persönlich künstlerisch schätze.
In Gotham City befindet sich der großartige Zauberer Houdini. Gleichzeitig verschwinden auf mysteriöse Weise in Gotham City Kinder.
Houdini möchte dem Verschwinden der Kinder nachgehen und trifft dabei auf den jungen, verwöhnten Bruce Wayne als auch auf eine riesige Fledermaus, der im Heft als „Bat-Man“ (!) bezeichnet wird. Gemeinsam machen sie sich auf, das Verschwinden der Kinder aufzuklären und nehmen es dabei mit einem ungewöhnlichen Gegner auf, der beide in ihren Überzeugungen und Grundfesten erschüttert.

Rezension/Kritik:

Der Anfang des Heftes macht es einem nicht gerade leicht. Dadurch, dass sich Bruce Wayne und Houdini durch den verwaschenen Zeichenstil sehr ähnlich sehen (beide dunkle Haare, keiner einen Bart), ist es nicht immer einfach, den jeweiligen Sprecher auseinander zu halten. Auch ist nicht von Anfang an klar, wer eigentlich der Erzähler des Hefts ist. Er später wird deutlich, dass es nur Houdini erzählt, obwohl zu Anfang auch Batman der Erzähler sein könnte.

Doch wenn man diese Hürde ersteinmal überwunden hat, kann man viel Freude an diesem Heft haben. Nicht nur die andere Zeit, in der Batman agiert, ist interessant, sondern auch das, womit er es letztenendes zu tun kommt.
Man trifft einerseits auf bekannte Gestalten, wie Vicky Vale (Victoria Vale wird sie im Heft genannt), Alfred (der in diesem Heft ein Dunkelhäutiger ist) und Jack Schadenfreude (Wer sich hinter letzterem verbirgt, brauch ich glaub ich nicht ausführen), auf der anderen Zeite aber auch auf ganz neue Figuren, wie etwa den undurchsichtigen „Rindfleischbaron“ und eine Opernsängerin.
Der Zeichenstil machte es mir einfacher, zu erkennen, in welcher Epoche man sich befindet. Denn auch wenn das Verwaschene, gemalt Wirkende, einem das Erkennen einzelner Figuren nicht leicht macht, hat man doch als Leser schnell das Gefühl, in einer anderen Epoche zu sein. Vielleicht, da der glatte Strich nicht existiert, den man heute so kennt. Damit wird der Eindruck erzeugt, dass man sich nicht in der heutigen Zeit/Moderne befindet, sondern eben in einem für uns etwas „verwaschenen“ Zeitalter (vielleicht etwas überinterpretiert).

Die allgemeine Örtlichkeiten im Heft sich überzeugend ausgesucht worden. Die Fleischfabrik ist ein unheimlicher Ort und wie man im Verlaufe des Hefts feststellt, natürlich nicht ganz koscher. All dies hat auch mit den Kindern zu tun…

Die Zusammenstellung der Protagonisten ist sicherlich interessant. Houdini wirkt für Batman/Bruce Wayne als eine Art Mentor. Vielleicht auch als „kluger Kopf“. Während des Heftes stellt Houdini Batman immer als einen Neuling dar, als jemanden, der lieber Sprengstoff benutzt als Dietriche, vorprescht und teils unüberlegt handelt. Dies ist ein interessanter Schachzug der Autoren, könnte man doch argumentieren, dass Houdini das Hirn/der Geist und Batman der Körper/der Kämpfer ist. Dies stimmt sicherlich nicht in allen Punkten, auch Batman zeigt, dass er Köpfchen besitzt, aber in gewisser Art und Weise scheint es doch so, als habe man den bekannte Batman in einen Bat-Man (!) und einen Houdini aufgetrennt. Interessante Sache in jedem Falle, die Batman nicht als absolut perfekt darstehen lässt.

Das Heft geht relativ schonungslos mit dem Leser um. Zwar werden die Taten von Jack Schadenfreude nicht offen gemalt gezeigt, sondern (meist durch diesen „Verwaschen“-Effekt) nur angedeutet oder angesprochen. Den Rest kann der Leser sich denken und das fand ich schon – sagen wir mal – sehr, sehr düster. Es handelt sich hierbei definitiv um ein Heft, dass für Erwachsene, vielleicht noch ältere Jugendliche gemacht ist. Nicht aber mehr für ein Kind. Dafür sind die Figuren zu skuril, der Zeichenstil zu düster, die Handlung psychisch zu brutal.
Gerade Jack Schadenfreude macht seinem Vorbild alle Ehre, vielleicht setzt er sogar noch einen oben drauf. Das weiß zu gefallen.

Die Geschichte ist gut durchdacht, auch wenn der Leser vielleicht schneller als die handelnden Figuren weiß, wie der Hase läuft. Dies macht aber nicht unbedingt die Geschichte weniger spannend. Als Manko muss man jedoch festhalten, dass die Autoren zwar unglaublich gut starten und eine unheimliche Atmosphäre aufbauen, ihre eigentlichen Antagonisten jedoch bis auf Jack Schadenfreude ein wenig farblos bleiben. Man hätte noch einiges mehr an Spannung rausholen können.
Victoria Vale jedoch weiß zu gefallen.


Fazit:

Persönlich halte ich „Batman – Houdini“ für eine sehr gelungene Elseworthgeschichte, die mit ihren fast 20 Jahren auf dem Buckel immer noch nichts von ihrer Spannung einbüßen konnte. Auch heute noch, wenn man mal überlegt, wie viele Geschichten in den 20 Jahren erzählt worden sind, stellt dieses Heft einen neue Herangehensweise an den Mythos Batman dar, den man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Es gibt Abstriche, dass habe ich bereits gesagt.
Herausheben (eventuell erneut) möchte ich:
– die Zeit. Batman an den Anfang des 20. Jahrhunderts zu versetzten hat was und zeigt, dass die Figur auch dort funktionieren könnte. Ja, sie tut es. Davon würde ich gerne mehr lesen.
– das Setting. Man hat das Gefühl, man befände sich wirklich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeichnungen, die Kleidung, das Auftreten der Figuren ist in sich stimmig.
– das Kostüm von Bat-Man. Ach, ich liebe Kutschermäntel
– der starke Start der Geschichte. Gute Idee, sehr guter Handlanger. Leider schwacher „Endgegner“.
– Houdinis Darstellung. Sie ist ziemlich gut gelunge, vor allem, da Houdini wirklich ein Gegner der Spiritismusbewegung war und maßgeblich daran beteiligt war, dass ein Geldpreis der Zeitschrift „Scientific American“ für den Nachweis von übernatürlichen Aktivitäten nie ausgezahlt werden musste
– der Bat-Man-Bezug. Für alle, die es nicht wissen: Batman sollte/hieß zuerst so.

Batman – Das Geschäft des Bösen


Originaltitel: The Ultimate Evil

Erschienen bei Carlsen Comics im Jahr 1997, Originalcopyright 1995. Es ist nach einem Roman von Andrew Vacchs, die Comicumsetzung ist von Neal Barrett Jr., die Zeichnungen (Bleistift/Tusche) von Denys Cowan und Prentis Rollins

Inhalt:

Das Heft beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema. Während er eine Jugendamtsmitarbeiterin begleitet, stößt er eher zufällig auf einen Kinderporno- und Sexring, der sowohl . Als er diesem nachgeht, bekommt er von Alfred das Tagebuch seiner Mutter überreicht, in dem er etwas über seine Mutter herausfindet, was er nicht erwartet hätte….

Kritik:

Allgemein:

Die meisten alten Hefte, die ich im Laden kaufe, sind Spontankäufe. Daher bin ich Carlsen doch recht dankbar für ihre Klappentexte. Und dieser lies eine sehr spannende Geschichte erwarten.
Leider wurde ich enttäuscht. Ich möchte hier nicht viel näher auf die Darstellung der Pädophilie eingehen, es sei nur gesagt, dass ich, genauso wie die meisten anderen, deren Ausübung verabscheue, egal in welcher Form. Pädophile Handlungen jeglicher Art sollten jedoch mit der höchstmöglichen Strafe belegt werden, Aufklärung sollte besser werden und Opfer eine bessere Betreuung erfahren. Vacchs Tätigkeit als Anwalt für insbesondere missbrauchte Kinder- und Jugendliche sollte vor dem Hintergrund nicht unbeachtet bleiben.

Umgang mit der Figur:

Betrachtet man sich Vacchs Umgang mit Batman, merkt der geneigte Batman-Kenner schnell, dass er sich doch auf dem Terraine nicht so gut auskennt, als das man davon sprechen könnte, dass er ein stimmtes Charakterbild kreiert. Ich kenne viele Hefte, in denen Batman einwenig „out of character“ erscheint. Die meisten davon sind eher episodenhafte Darstellungen eines freundlichen Bruce Wayne, der mit unterpriviligierten Kindern zelten geht. Sie sind „out of character“ und die Autoren wissen das, vielleicht macht sie das so liebenswert. Bei Vacchs ist dies nicht der Fall. Nicht nur, dass Batman mit der Mitarbeiterin des Jugendamtes in die Wohnung kommt, sondern auch dass er zusieht, wie ein Mann einen anderen erschießt. Auch wenn es sich bei dem Erschossenen um den eigentlichen Bösewicht handelt, reicht es m.E. nicht, Batman nacher darüber sinieren zu lassen, dass er es hätte verhindern könne.
Auch ist es völlig unglaubwürdig, dass Batman, als der große Detektiv von Kindesmissbrauch nicht die geringste Ahnung zu haben scheint. Nein, es wirkt glatt so, als habe er sie all die Jahre vollständig ignoriert. Das wirkt fast so, als habe Vacchs niemals zuvor ein Batman Comic in der Hand gehabt.
Hier spricht glaube ich eher Vacchs eigener Selbstjustizwunsch – der sich laut Wikipedia wohl auch in vielen anderen Werken finden lässt – als eine koherente Gestaltung des Charakters innerhalb ihrer bekannten Grenzen. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem des Werks: Es ist völlig irrelevant, ob da nun Batman handelt, oder The Mighty Superhero XY oder ein kleiner Privatdetektiv. Es spielt keine Rolle. Es ist austauschbar. Sehr schade.
Auch die „Umgestaltung“ von Martha Wayne will mir nicht ganz gefallen. Auch wenn es rein theoretisch passt – viel ist über sie ja nicht bekannt – so scheint es doch unwahrscheinlich, dass sie ein Tagebuch über Kindersextourismus führt, und dann nicht dafür sorgt, dass es nach ihrem Tod an jemanden kommt, der handeln kann. Für eine angeblich so gegen Sextourismus und Kindesmissbrauch angehende Frau, scheint die wenig passend.

Batmans Gefasel

Auch Batmans Gefasel (entschuldigt dieses Wort, aber es fühlt sich für mich genauo so an) davon, er habe nicht gegen „das Verbrechen“, sondern gegen „Verbrecher“ gekämpft, ist letztenendes doch inhaltsleer. Würde Batman gegen „das Verbrechen“ kämpfen, dann würde er nicht so handeln, wie er es im Heft tut, sondern das Übel bei ihrer Wurzel packen. Und das ist nicht das Reisen in ein anderes, selbstverständlich asiatisches Land und das Aufmischen des dortigen Kindersexbarons. Man müsste die Ursachen, Leid, Elend, Armut, Arbeitslosigkeit bekämpfen. Und so ist doch Vacchs bei seinem Versuch, Batman das Verbrechen bekämpfen zu lassen, letztenendes beim „Verbrecher“ bekämpfen geblieben.
Dies wird erst recht deutlich, wenn er Batman nach Udon Khai (jenem ostasiatischen Land) reist, um den Sextourismus dort zu beenden. Er trifft auf Dorfbewohner, die Kinder aus ihrem Dorf an die entsprechenden Zuhälter in die Großstadt verkaufen. Er trifft dort auf einen Mann, der ihm erzählt, warum der Vater seine Tochter verkaufte: „Dieser Mann hat neun Kinder. Neun. Wie soll er sie ernähren? Der Mohn wächst hier nicht gut.“ Auf die Frage, was dieser Mann tun soll, um seine Familie zu ernähren, hat Batman die ungemein platteste Antwort, an die ich mich in einem ernstgemeinten Batman-Comic erinnern kann. „Ich würde meine Kinder nicht mit dem Blut ihrer Schwestern oder Brüder ernähren. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich stehlen.“ Wunderbar. Als ich diesen Satz las – er steht am Ende eine Seite und den Blick nach oben auf die nächste wandte, wusste ich schon, was der Dorfvorsteher antwortet. Hatte er doch darauf hingeweisen, dass die Gegend arm ist: „Krieger. Hier gibt es nichts zu stehlen.“ Und was macht Batman dann? Er ruft zu einem bewaffneten (!) Konflikt auf, er ruft quasi dazu auf, zu töten. Das passt nicht zu Batman. In keinster Art und Weise. Denn er nimmt den Tod vieler Leute in Kauf, auch derjenigen, die die eigentliche Bosse beschützen, vielleicht mit den Taten als solche gar nichts zu tun haben. An dieser Stelle habe ich mich gefragt: Ist Vacchs eigentlich daran interessiert, eine gute Geschichte zu schreiben, oder will er seinen eigenen, persönlichen Kampf auch in die Welt von Batman einbringen, obwohl sie dort gar nicht hinpasst?

Der Titel:

Der deutsche Titel ist okay. Keine wortwörtliche Übersetzung aber annehmbar und wie ich finde ausnahmsweise besser als das englische Original. Warum? Bei allem Ekel, den der Missbrauch von Kindern auslöst, kann ich nicht sagen, dass es das „ultimative Böse“ ist. Wie sieht es aus mit der Vergewaltigung und des Mordes an einer Frau? Wie sieht es aus mit einem Mord aus Habgier? Einem Mord an einem Kind? Ich möchte damit keinesfalls Kindesmissbrauch relativieren. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass es viele Dinge gibt, die als das „Ultimativ-Böse“ bezeichnet werden können. Ob Batman hier tatsächlich gegen das Ultimativ-Böse kämpft, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht auch deshalb weil Vacchs mir nicht ausdifferenziert genug arbeitet.

Fazit:

Die Zeichnungen sind okay (mehr aber auch nicht).
Aber der Rest? Ich kann nur noch mal sagen, dass ich enttäuscht bin. Ich hatte mir sehr viel mehr von dem Heft erhofft, ja ich hatte eine gute Auseinandersetzung erwartet, ein Packen des Übels bei der Wurzel und zwar auch in der Behebung der Probleme als solche. Was habe ich bekommen? Meines Erachtens nach die Wut eines us-amerikanischen Anwalts, der mit Hilfe des großen Namens Batman auf seinen eigenen Kampf aufmerksam machen will. Ich schätze Menschen, die sich für die Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzten und ich achte Menschen, die den Kampf gegen Kinderpornographie und Kindesmissbrauch aufnehmen. Ich habe kein Problem damit, dass solch ein Thema, auch in seinen vielen unschönen und erschreckenden Aspekten, in Batman-Comics seinen Platz findet. Aber die Machart gefällt mir nicht.
Es wäre vielleicht ein besserer Weg gewesen, den Kampf in Gotham zu belassen. Oder zumindest zu versuchen, das Elend zu lindern. Da Bruce Wayne im DCU zu den reichsten Männern der Welt gehört, wäre es möglich gewesen, genau dort anzusetzen. So hätte er dem Vater, der zu Anfang wegen seiner Aussichtslosigkeit dem Alkohol verfällt und seine eigenen Kinder schlägt, einen Arbeitsplatz vermitteln können (und damit mal was sinnvolles getan), er hätte den Menschen in Udon Khai helfen können – oder zumindest einen besseren Vorschlag als „Ihr könnt alles niederschießen“. Denn ploppt (auch wenn Vacchs auf diese Tatsache am Ende verzichtet) doch bei Vernichtung des einen Rings, an der nächsten Ecke ein neuer auf. Es reicht nicht, die „Händler“ auszuschalten. Wichtiger wäre es, die Konsumenten zu bekommen, den Eltern, die ihre eigenen Kinder verkaufen, eine Perspektive aufzuzeigen und dann schön „Batman-Like“ den Ring ordentlich aufzumischen. Ohne dabei auf bewaffnete Guerillas zurückgreifen zu müssen, auch wenn es auf den Blick episch wirkt.
Nein, danke. Schwieriges Thema – und in den Sand gesetzt.

Robin – Warum wurde Robin erschaffen?


Die Frage, wer Robin ist, habe ich schon (grob) beantwortet. Hier möchte ich die Frage besprechen, warum es Robin überhaupt gibt.
Als Batman 1939, ein Jahr nach Superman, geschaffen wurde, war er als dunkle Figur konzipiert. Als einzigen Menschen, mit dem er sprach, hatte er Jim Gordon, den Polizeichef.
Das war auf die Dauer – vor allem für die Zielgruppe der Kinder – etwas wenig. Da die Comics damals ein eher jüngeres Publikum hatten, fehlte für viele der Kinder eine richtige Identifikationsfigur. Batman war dafür zu düster.
Dazu kam die schon erwähnte Stille der Figur, Gedanken konnten nur in Erzählkästchen oder Gedankenblasen wiedergegeben werden. Das war auf die Dauer nichts, was man halten wollte. Alfred gab es damals noch nicht.
Man schlug zwei Fliegen mit einer Klappe, als man sich entschied, Robin zu schaffen. In der quirligen Figur fand Batman einen Partner zum Reden und die Kinder eine Identifikationsfigur. Batman und Robin erlebten gemeinsam die tollsten Abenteuer

Robin als psychischer Anker

Während Robin in der ersten Zeit in erster Linie wohl wirklich der Identifkation diente, entwickelte sich die Figur zu mehr als nur zu einem Gesprächspartner. Batman, der immer wieder in seiner eigenen Psyche zu versinken drohte, brauchte einen Anker, der ihn an die Realität band. Diesen fand er in Robin, einem Vertrauten und Anvertrauten. Robin war ein Haltepunkt, einen Konstante, jemand für den Batman die Sorge trug. Vermutlich rettete dieser Umstand die Figur Robin gleich mehrfach vor dem Ende.
Nach Jahren, in denen Batman vor allem bunt war – auch dank der Darstellung des dynamischen Duos durch Adam West und Burt Ward – entschieden sich Denny O’Neil als Autor und Neal Adams als Zeichner, für einen düsterern Batman. In vielen Heften der siebziger Jahre spielt Robin nur eine untergeordnete Rolle – selbstverständlich nicht in allen. Als Umbruch ging der jungen Dick Grayson auf das College und verließ Wayne Manor. Als weiteren Bruch kann man verzeichnen, dass Bruce Wayne aus Wayne Manor auszog und eine Penthouse-Wohnung in Gotham City bezog. Von dieser Wohnung aus arbeitete er auch als Batman. In den meisten seiner eigenen Fälle war er auch alleine unterwegs.
Womöglich ist es deshalb häufiger der Fall, dass sich Batman zusammenreißen musste, um nicht die Realität aus den Augen zu verlieren. Natürlich gibt das den Geschichten auch eine gewisse Spannung, die Figur Batman wird sehr genau ausgearbeitet und mehr und mehr auch eine Figur für Erwachsene.
Doch ganz verschwunden war Robin nie. Als Dick Grayson seine Robinkarriere aufgab, kam der junge Jason Todd ins Spiel, der seinerseits zwar eine neue Figur, im Großen und Ganzen jedoch ein Abziehbild von Dick Grayson war. Er kam aus dem Zirkus, seine Eltern wurden ermordet, sie nannten sich die Flying Todds…. na? Wem ist die Parallele nicht aufgefallen?
Der einzige Unterschied war im Prinzip die Haarfarbe, den Jason Todd war zu Anfang blond.

Als die Comicschreiber entdeckten, dass eine Abziehfigur nicht das Wahre sein konnte, entschied man sich innerhalb einer der großen Krisen des DC Universums, die Geschichte von Jason Todd umzugestalten. Diese Idee war für die Frage, warum Jason Todd erschaffen wurde – und damit auch, warum es Robin gibt – von großer Bedeutung. Den anders als der absolut unschuldige Dick Grayson, der ein reines Kind war, lernte Batman Jason Todd in der zweiten Version kennen, als dieser die Reifen des Batmobils klauen wollte. Diese Umänderung der Geschichte führte zu einem grauen Robin mit krimineller Vergangenheit und damit einer so gesehen nicht genau umrissenen Figur. Damit schuf man ein neues Spannungselement und auch ein neues Spannungsfeld. Denn auch wenn Dick und Bruce sich stritten, am Ende fanden sie immer gut wieder zusammen, beide sorgten sich umeinander und hätten nie eine längere Splittung zu gelassen. Jason war anders. Er war zwar auch auf Zusammenhalt bedacht, aber sein Handeln war viel impulsiver als das von Richard Grayson. Die Figur war nicht so berechenbar.

Jason Todd diente auch bei seinem Ableben als Paradebeispiel. Denn anhand seines Todes erhielt Batman nochmal eine genauere Charakterisierung. Denn Batman wird hier als weinender Mann gezeigt, vielleicht sogar gebrochen. Aber er rappelt sich auf, um sich dann auf richtige Weise am Joker zu rächen. Indem er die Grenzen, die er sich selbst setzte, nicht übertrat und Joker gefangen nahm.

An dieser Stelle spekuliere ich: Man ließ Robin nicht sterben, weil es der Wunsch der Redaktionsleitung oder eines Autors war. Man machte eine Telefonumfrage. Knapp war das Ergebnis, aber eindeutig. Jason Todd sollte sterben. Ich glaube nicht, dass das nur an der Figur an sich und an der Konzeption als „grauer“ Robin lag, sondern an der Figur allgemein. Robin stand für Buntes, für Farbe, für Spaß. Vielleicht war einfach nicht mehr die Zeit dafür. Vielleicht war ein düsterer Batman ohne Robin gewünscht. Ich könnte mir neben der Erklärung, Robin sei zu unsymphatisch gewesen auch diese Erklärung durchaus vorstellen.
Eine weitere mögliche Erkärung wäre, dass die Fans eine derartige Geschichte, die ja schon einen gigantischen Umbruch bedeutet, einfach lesen wollten. Ob man damals schon mit einer Rückkehr der Figur rechnete, ist fraglich.

Als Jason Todd nun starb, brach für Batman eine Welt zusammen (siehe den Blogartikel zu: „A death in the family“). Es war das erste Mal, das Batman jemanden verlor, der ihm so nah stand (ausgenommen mal der Tod der Eltern) und das auch endgültig. Robin hatte zwar schon vorher einiges durchmachen müssen, vieles davon entpuppte sich im Endeffekt jedoch als recht harmlos. Man hatte Batman von seinem psychologischen Anker getrennt. Ein mutiger Schritt und auch ein Schritt hin zu einem veränderten Robin.

Der ältere Robin

Tim Drake fand über Nightwings Geheimidentität heraus, wer sich hinter der Maske von Batman verbarg. Tim war eine kluge Figur, jemand, der unter allen Umständen Robin werden wollte, weil er Robin sein wollte. Nicht, weil ihn der Tod seiner Eltern dazu trieb. Ganz im Gegenteil, Robin lebte zusammen mit seiner Familie und nicht wie Robin I und II im Hause von Bruce Wayne.
Zudem war Tim Drake schon deutlich älter als seine acht- und zehnjährigen Vorgänger, die vielleicht für Kinder Identifikationsfiguren waren, aber ansonsten doch sehr unglaubwürdig.
Doch warum brauchte Batman wieder einen Robin, nachdem der alte abgetreten war?

Auch an dieser Stelle kann ich nur spekulieren: Ich glaube nicht, dass Robin noch als Identifikationsfigur dienen sollte. Ich nehme eher an, das die Figur Robin innerhalb der Geschichte eine so hohe Bedeutung als „normaler Mensch mit Maske“ bekommen hatte, dass Batman ohne ihn nicht arbeiten kann. (Häufig bezeichnet Batman auch Bruce Wayne als Maske, wohin gegen für Dick immer Robin/Nightwing die Maske war) Batman brauchte einen Partner, mit dem er reden kann, der aber auch nicht – wie Nightwing – bereits sein eigenes Leben führt. Da kam Tim Drake genau richtig. Dadurch, dass er schon älter war, löste sich die Figur meines Erachtens auch von der kindlichen Naivität und erhielt einen deutlich jugendlicheren und auch erwachseneren Touch. Tim Drake war vernünftig, hörte auf Batman, hatte aber seinen eigene Kopf – wobei dieser selten pubertär wirkte. So wurde Tim Drake zu einem Robin, den man anerkennen konnte, ohne über die Figur den Kopf zu schütteln oder ihn rechtfertigen zu müssen. Einem Jugendlichen von 15 oder 16 Jahren nimmt man die Rolle eines maskierten Verbrecherjägers eher ab, als einem zehnjährigen. Da bleibt auch die Realität in gewissem Sinne gewahrt, denn welcher 10-jährige ist schon tatsächlich in der Lage, es körperlich und geistig mit einem Erwachsenen aufzunehmen. Ich erinnere gerne an Ausrufe wie: „Vorsicht, das KIND“.
Tim Drake war jedoch kein Kind mehr, sondern ein junger Erwachsener, dies zeigte auch das Kostüm, dass nun weniger elfenhaft wirkte. Endlich bekam Robin richtige Schuhe und auch eine Hose. Das Kostüm wurde im späteren Verlauf auch „langärmig“.

Rückschritt

Comicautor Grant Morrison – von einigen vergöttert, von mir zwiespältig bedacht – wühlte in der Mottenkiste herum, und fand tatsächlich eine Figur, die viele andere wohl schon längst vergessen hatte. Damien Wayne, den Sohn von Talia al Ghul und Bruce Wayne.
Es vergingen ein paar Monate, in denen nicht ganz klar war, was mit Damien wohl geschehen sollte, aber schließlich war klar, er wird der neue Robin an Batmans Seite.
Nach dem „Tod“ von Bruce Wayne war das ziemlich eindeutig, da Tim Drake – fest im Glauben, dass sein alter Mentor noch lebt – seine eigenen Identität entwickelte, Red Robin, der sich im Kostüm noch einmal deutlicher von seinen Vorgängern unterschied.

Warum aber ist Damien Wayne für mich ein Rückschritt: Betrachet man sich Tim Drake haben die Comicautoren viel richtig gemacht. Eine Änderung des Kostüms war dringend nötig. Ebenso eine Änderung der Herkunftsgeschichte. Es war geboten, einen älteren Robin zu schaffen, vielleicht ein Stilbruch, aber der richtige Schritt.
Damien Wayne hingegen war wieder der zehnjährige Junge, der alles kann und alles weiß. Ein Konfliktpotential ist sicherlich da, da der Junge arrogant, sturrköpfig und eigensinnig ist. Dazu wirkt er vergleichsweise sehr kindisch (nicht kindlich). Damien mag zwar wegen seiner Mutter von der Mordliga ausgebildet worden sein, dennoch ist nicht zu vergessen, dass er immer noch „nur“ 10 Jahre alt ist. Das ist kein Alter, das wissen alle, die schon mal zehn waren. Der eigentliche Rückschritt liegt für mich auch im Alter. Damien Wayne ist ein Anachronismus. Tim Drake, der so herrlich gelungen war, eine Figur, mit der sich auch der ältere Leser noch identifizieren konnte, wird ersetzt durch einen Robin, wie wir ihn schon mal in Jason Todd hatten, vielleicht sogar extremer – und vielleicht teils auch trotziger und weinerlicher.
Sicherlich, dass kann man Morrison nicht vorwerfern, ist die Figur gut gezeichnet, es ist ein recht ausgefeilter Charakter, aber dennoch für mich zu sehr Klischee. Seine Sätze sind häufig vorhersehbar, er hat wenig, was ihn wirklich auszeichnet, außer. dass er ein zehnjähriges arrogantes Kind ist. Ich werde mit der Figur nicht so recht warm, wie sehr ich es auch versuche.

Ich sehe in der Figur einen Störenfried, der in dieser Hinsicht eigentlich keine der Aufgaben mehr so recht erfüllen mag, für die Robin einst gedacht war. Als Gesprächspartner ist er nur in bestimmten Situationen tauglich, als Identifikationsfigur wohl für viele gar nicht mehr. Eben weil das Alter von Zielpublikum und Figur nicht mehr übereinstimmt. Heute muss ich zugeben, hätte ich wieder Probleme einen derartigen Robin rechtfertigen zu können. Bei Tim Drake war das kein Problem.

Und selbst der „Zwischen-Robin“ Stephanie Brown war für mich eine leichtere Identifkiationsfigur – nicht nur, weil sie ein Mädchen ist – weil sie eben älter war.
Ich bin gespannt, wie sich Robin unter Damien Wayne weiter entwickelt – und wie lange sich die Figur tatsächlich im DC Universum halten wird.