30 Sätze über… die Deutsche Bahn


Wenn man die Kommentarspalten zu Bahnartikeln liest, dann scheint es, als gehöre es zum guten Ton in Deutschland über die Bahn zu schimpfen. Es reihen sich Anekdoten zu Zugausfällen, Verspätungen und schlechtem Service aneinander, die Leute beschweren sich über die Tarifsysteme und kaputte Ticketautomaten – jeder hat sich schon mal über die Bahn geärgert. Sicherlich in vielen Fällen zurecht. Auch ich habe schon Probleme mit Ticketautomaten erlebt und unterirdischen Service bzw. schlechte Behandlungen von Reisenden durch Bahnpersonal mitbekommen. Dennoch möchte ich hier ein Plädoyer für die Bahn halten – und nein, bevor Leute das glauben, ich bin kein Mitarbeiter der Deutschen Bahn (das ist nämlich üblicherweise der Vorwurf, mit dem man in Foren/Kommentarspalten abgebügelt wird, wenn man mal etwas Positives über die Bahn sagt).

Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:DBAG_Class_644?uselang=de#/media/File:Class_644_on_Pfalzel_Moselle_bridge_2011.JPG

CC-by-SA 3.0
Urheber: Cobatfor, Wikimedia Commons

Zuerst einmal eine klare Aussage meinerseits über Verspätungen: Die Bahn kann für viele Verspätungen nur indirekt etwas – oder auch überhaupt nichts

In den fünf Jahren, die ich nun mehr oder weniger regelmäßig mit der Bahn fahre, habe ich schon so viele Verspätungen mitbekommen, die auf das Fehlverhalten von Mitmenschen zurückzuführen waren, dass ich das gar nicht mehr zählen kann.

Und damit meine ich nicht unbedingt die Selbstmörder, die eine ganze Zugstrecke für mehrere Stunden lahm legen können, damit meine ich beispielsweise spielende Kinder im Gleis, Diebstahl von Kupferkabeln, Schlägereien oder auch – der Fall war etwas ganz besonderes – ein Auto, das anstatt auf eine asphaltierte Straße, auf die Schienen abgebogen war. Solche Sachen können für massive Verspätungen sorgen, ohne dass die Bahn etwas direkt dafür kann. Natürlich gibt es andere Fälle, beispielsweise die berühmten Signal-Fehlfunktionen oder auch Gleisarbeiten.

Gerade Gleisarbeiten sind jedoch etwas, über das man sich an allen betroffenen Bahnhöfen und im Internet informieren kann und die gleichzeitig, je größer sie sind, auch außerhalb der betroffenen Bereiche kommuniziert werden. Derzeit gibt es große Gleisarbeiten zwischen Düren und Aachen, weshalb eine Direktverbindung nach Köln derzeit von Aachen aus nicht existiert. Diese Gleisarbeiten waren lange und sehr deutlich – fast schon penetrant – angekündigt worden, ich habe Schilder in Düsseldorf, Köln, Aachen und den Bahnhöfen dazwischen gesehen, wenn ich mich richtig erinnere auch noch in Krefeld.

CC-by-SA-3.0 Urheber: Shizhao

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Urheber: Shizhao

Quasi am ersten Tag der Bauarbeiten, am 28.06.2015, stand in den Aachener Nachrichten ein Artikel darüber, dass sich Fahrgäste schlecht informiert gefühlt hätten und geradezu überrascht waren von den Bauarbeiten auf der Strecke. Eine der Frauen aus dem Artikel sagt, dass der Vermerk Schienenersatzverkehr auf ihrem Ticket aufgedruckt gewesen sei, sie aber nicht damit gerechnet habe, dass es mit dem Bus weitergehe. Nun gut, die Dame kam zwar aus Maastricht, aber in der Regel heißt Schienenersatzverkehr in Deutschland, dass man mit dem Bus fahren wird. Die Bahn hat im Internet – auch bei der Buchung von Tickets – und an den Automaten darauf hingewiesen, dass die Strecke von Bauarbeiten betroffen ist. Mehrfach. So groß, dass sogar ich, die diese Strecke fast nie fährt, das mitbekommen habe. Wieso schauen Menschen nicht nach, was die kleinen Dreiecke bedeuten, die beim Ticketkauf auftauchen? Wieso schauen die Leute nicht auf die Hinweisschilder der Bahn, die zum Teil Plakatgröße haben? Wieso beschweren sich die Leute dann über die Informationspolitik der Bahn?

Ich glaube, dass ist eine Art von persönlichem Ärger auf die Bahn, der sich bereits vor der Fahrt einstellt. Eine gute, gelungene, pünktliche Fahrt wird niemals in den eigenen Erfahrungsschatz mit aufgenommen, eine schlechte jedes Mal, selbst, wenn die Bahn informiert hat und die Verspätung hinreichend bekannt gewesen ist. [Die schlechte Ausschilderung des SEV lassen ich mal außen vor, weil ich die nicht beurteilen kann]

Stau auf der A66 Foto: Sebastian Wallroth

Stau auf der A66
Foto: Sebastian Wallroth

Ich glaube eine Feststellung gemacht zu haben, die das Verhältnis von „Verspätung im Auto“ und „Verspätung mit der Bahn“ betrifft: Es ist wesentlich schlimmer, wenn die Bahn Verspätung hat, als wenn man zwei Stunden mit dem Auto im Stau steht.
Ich kann verstehen, dass es ärgerlich ist, seinen Anschlusszug zu verpassen, das kann einen sehr viel Zeit kosten, den gebuchten Sitzplatz usw. Aber vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch an Baustellen, Staus und Umleitungen auf der Autobahn, Unfälle und Streckensperrungen und Autos, die keine Klimaanlage hatten – bei dreißig Grad im Schatten auf dem glühenden Asphalt.

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Kritik am Artikel — Super-Mittwoch: „Online-Wahn: 10 Gründe für den Einkauf vor Ort“


CC some rights reserved Fotograf: Tim "Avatar" Bartel

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Fotograf: Tim „Avatar“ Bartel

So die Überschrift in der vorletzten „Super-Mittwoch„, manche würden sagen „der Werbebroschüre“, die hier jeden Mittwoch eintrifft. (Vermutlich wäre so etwas wie „Anzeigenblatt“ die bessere Wahl, Wochenblatt ginge vielleicht auch noch) Es ging darum, dass heute mehr und mehr im Internet gekauft wird und die Innenstädte deshalb unter Leerstand und zurückgehender Kundenzahl leiden.

So ein bisschen passt das zu der „Lieferverkehrthematik“ (die jetzt übrigens auch die Aachener Nachrichten aufgegriffen hat), die ich erst neulich in einem Artikel beschrieben habe.

Ein großer Teil dieser Ausgabe beschäftigt sich mit „Offline-Shopping“ – indirekt: der Rettung der guten alten Einkaufszone.

Aufgefallen sind mir die 10 Gründe, die die Redaktion pro „Offline-Shopping“, also dem Einkaufen vor Ort, nennt. Diese 10 Gründe würde ich hier gerne zerpflücken:

Grund Nr. 1: „Bummeln macht Spaß“

Als Mensch der gerne bummelt, muss ich dem zustimmen. Bummeln macht Spaß. Allerdings müssen wohl die meisten Menschen in ihrem Umfeld nicht lange suchen, um Leute zu finden, denen Bummeln aus diversen Gründen eben gerade keine Spaß macht. Zu voll, zu laut, nicht der gewünschte Artikel vorrätig, zu teuer, zeitraubend, keine guten Öffnungszeiten, keinen Sitzgelegenheiten, Frauen wollen 100 Paar Schuhe anprobieren.
Wie gesagt, ich gehe gerne Shoppen. Für andere ist es der Graus pur und deren Argumente kann ich sehr gut nachvollziehen. Bummeln macht auch nur dann Spaß, wenn man Zeit hat und vielleicht noch wichtiger: Geld. Sonst kann bummeln schnell frustrieren. Also ein subjektives Argument, das sich nicht auf jeden übertragen lässt.

Grund Nr. 2: „Eine persönliche und professionelle Beratung“

Geschenkt. Ja. Die kann man im Einzelhandel bekommen. Aber… will man die überhaupt? Bei vielen Einkäufen, die ich so tätige, brauche oder will ich keine Beratung, keine Verkäufer, die mich beim Betreten des Ladens beäugen und mich fragen, ob er mir helfen kann. Ich bin dann manchmal unangenehm berührt, wenn ich antworten muss: „Ich möchte mich nur mal umschauen“. Zudem: Ich überlege mir in der Regel vorher, was ich haben will, wenn ich nicht gerade wirklich wegen Punkt 1 unterwegs bin – zum Bummeln oder neudeutsch: Shoppen. Zudem halte ich „persönliche und professionelle Beratung“ in mindestens 70% der Fälle für eine Floskeln, die kaum wahr ist. Ich erinnere mich noch gut an die Male, als ich tatsächlich mal Beratung haben wollte und die meistens schlecht und wenig informativ war, bzw. auf meine Wünsche einfach nicht eingegangen wurde. Am schlimmsten ist das dann noch, wenn man sich vorab über ein Produkt informiert hat, der Verkäufer einen aber für blöd verkauft.

Symbolbild Shopping

Karin Beate Nøsterud/norden.org

Noch so eine Floskeln. Man kann exzellenten Service durchaus haben. Aber das gilt weder für alle, noch für einen Großteil der Geschäfte. Exzellenter Service bemisst sich zudem meines Erachtens nach daran, was der Kunde sich vorstellt. Und wenn ich auf amazon lediglich den Artikel heraussuchen muss, den ich haben möchte und ihn dann bestelle, er innerhalb von ein-zwei Tagen geliefert wird und ich über eine gute Möglichkeit des Rückversands verfüge, ist das oft der beste Service den ich mir vorstellen kann. Das letzte Mal, dass ich Service in Anspruch genommen habe, der vom Geschäft ausging, war der Kauf meiner/unserer Waschmaschine, für den wir den Lieferdienst des Händlers in Anspruch genommen haben. Inklusive Aufbau. Solche Anschaffungen sind aber eher selten und in vielen Geschäften ist exzellenter Service auch etwas Subjektives.

Grund Nr. 4: „Im Laden vor Ort ist der Mensch noch Mensch, keine Kundennummer“

Einfache Antwort: Floskel. Vor Ort ist der Mensch noch Mensch? Das Gefühl habe ich nicht. Da ist der Mensch ein Kunde, der etwas will, im Zweifelsfall noch von einem selbst. Da muss dann an der Kasse der Ausweis vorgezeigt werden, wenn man mit Karte zahlt – ja, eigentlich der Ausweis. Führerschein dürften eigentlich nicht gelten (Ausweismitführpflicht gibt es in Deutschland nicht). Wenn man übrigens in „Ketten“ einkaufen geht oder in großen Kaufhäusern ist man genauso eine „Nummer“ wie im Internet auch. Im Übrigen: Wenn ich bei Amazon anrufe, dann werde ich doch auch von der Nummer zum Menschen. Und ehrlich? Wenn ich schnell und einfach etwas einkaufen möchte und sei es ein Buch für ein Seminar, dann ist es mir egal, ob ich nun floskelhaft ein „Mensch“ bin oder eine Nummer. Hauptsache ich bekomme mein Buch schnell und leicht.

Grund Nr. 5: „Jeder Einkauf sichert Arbeitsplätze“

Ich kann dieses Argument nicht hören. Es ist in meinen Augen ein „Scheinargument“. Auch die Herstellung von Wagenrädern und das Anzünden von Gaslampen sichert Arbeitsplätze. Der Internethandel übrigens auch… Ich sage nicht, dass ich es für gut befinden würde, dass wegen fehlender Einkaufskraft in den Innenstädten die Leute ihre Jobs verlieren, aber persönlich glaube ich nicht, dass das nur am Internet liegt. Die Subventionierung und der Kauf von Print-Medien sichert übrigens auch Arbeitsplätze.

Grund Nr. 6: „Einkaufen vor Ort erhält unsere Gemeinden“

Nun ja. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, was damit gemeint ist. Ich sehe mich nicht als Teil der Aachener Gemeinde weil ich einkaufen gehe. Ich sehe mich auch nicht als Teil der Gemeinde, in der ich groß geworden bin, weil ich dort einkaufen gegangen bin. Wenn es dort so weiter geht, wie es derzeit der Fall ist, wird es dort demnächst nur noch Rollatoren und Alte-Damen-Kleidung zu kaufen geben. Ja, das erhält die Gemeinde. Aber nur die, die auch die angebotenen Produkte kaufen und die „Zeit“ haben, sich ewig mit Verkäufern und anderen Kunden zu unterhalten. Die man sonst nie sieht und nie spricht und eigentlich auch keine Interessen teilt. Ich weiß nicht, ob ich da von „Gemeindeerhalt“ reden würde. Das kommt für mich eher durch Vereine und „Stadtfeste“ zusammen. Ich glaube, dieses Gemeindegefühl kann nur dort entstehen, wo wir ohnehin sehr kleine Gemeinden haben, wo man also die Bäckereifachverkäuferin persönlich kennt und die Henriette Müller im Bekleidungsgeschäft jeden Sonntag in der Kirche trifft.

Grund Nr. 7: „Man kann die Ware anfassen, anprobieren und sofort mitnehmen“

Ja. Stimmt. Absoluter Grund für den Einkauf im Einzelhandel. Gerade bei Kleidungsstücken stimme ich da absolut zu. Dies ist wirklich ein Argument für den Einzelhandel. Auch wenn es Leute gibt, die ohnehin immer die gleichen T-Shirts und Socken vom gleichen Hersteller kaufen. Die können dann auch über das Internet bestellen.

Grund Nr. 8: „Vor Ort Einkaufen wirkt inspirierend“

Auch hier: Ja, durchaus. Aber das kann das Internet auch, vielleicht sogar noch besser. Ich muss aber zugeben, dass ich liebend gerne „inspirierend shoppen“ gehe, soll heißen: Ich schau mich um und sehe mir – gerade bei Kleidung – an, was es so Neues gibt und überlege, ob ich davon vielleicht doch noch etwas brauchen könnte.

Grund Nr. 9: „Ware kann problemlos umgetauscht werden.“

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Das ist ein Scheinargument, was häufig nicht stimmt. Umtausch nur in Orginalverpackung (witzig, wenn dann in der eingeschweißten CD-Doppelhülle eine CD fehlt). Umtausch nur gegen Gutschein. Umtausch nicht möglich. Alles Dinge, die ich im Einzelhandel schon erlebt habe. Bei Amazon habe ich bisher einmal etwas zurückgehen lassen müssen. Etwa ein Jahr nachdem ich es gekauft hatte (ein MP3-Player). Und das war gar kein Thema. Ich habe das Geld erstattet bekommen und dies ging schnell und zügig. Keine Nachfragen nach der Originalverpackung oder dem Grund des Kaputtgehens. Die meisten Leute, die zudem etwas im Internet zurückgegeben haben und mit denen ich gesprochen habe, bestätigen in Hinblick auf Amazon dieses Erleben. Die Rückgabe ist meist problemloser als im Einzelhandel. Sie kann nur in Ausnahmefällen etwas länger dauern.

Grund Nr. 10: „Schafft soziale Kontakte.“

Ehrlich? Das ist ein Argument? Welche sozialen Kontakte? Vielleicht in einer Kleinstadt, wo ohnehin fast jeder jeden kennt. Aber hier in Aachen? Soziale Kontakte habe ich im Einzelhandel noch nicht geschlossen und habe auch nicht das Bedürfnis danach. Leute, die mir an der Kasse ihre Lebensgeschichte erzählen, sind mir sehr suspekt und Verkäufer, die dies von mir wollen, finde ich auch merkwürdig.
Meine sozialen Kontakte pflege ich da eher noch bei Arztbesuchen, egal ob HNO, Neurologe oder Hausarzt.

alle Zitate stammen aus der Ausgabe „Super-Mittwoch“ vom 12.03.2014

Kleine Leerzeichen – große Ärgernisse


Wisst ihr… es gibt eine Sache, die mich wirklich, wirklich, wirklich aufregt, wenn ich im Internet Texte und Kommentare lese.

Sind es Tippfheler? Sind es Rechtschraibfeler? Ist es einen fehlende oder Falsche groß- und kleinschreibung? Sind es Zeichenfehler!

Nein!

Es sind die Leute, die immer noch nicht begriffen haben, wie man bei maschinell verfassten Texten (ob Computer oder Schreibmaschine), die Kommas setzt. Und dabei meine ich nicht die Kommasetzung allgemein.
Man setzt sie so:

Maria, die ihr langes, blondes Haar stets zu einem Zopf band, hüpfte, als sie die Nachricht von Benedikt las. 

Man schreibt nicht:

Maria , die ihr langes , blondes Haar stets zu einem Zopf band , hüpfte , als sie die Nachricht von Benedikt las.
(für die, die sich nicht entscheiden können, ob das Leerzeichen nun vor oder hinter das Komma kommt)

oder:

Maria die ihr langes blondes Haar stets zu einem Zopf band hüpfte als sie die Nachricht von Benedikt las.
(für die, die gar keine Kommas setzten und sich der Frage vollständig entziehen)

oder auch:

Maria,die ihr langes,blondes Haar stets zu einem Zopf band,hüpfte,als sie die Nachricht von Benedikt las. [Update]
(für die, die zwar Kommas setzten, aber keine Leerzeichen)

Und mein absolutes No-Go:

Maria ,die ihr langes ,blondes Haar stets zu einem Zopf band ,hüpfte ,als sie die Nachricht von Benedikt las.
(für die, die sich für eine Möglichkeit entschieden haben und die falsche gewählt haben)

Oh man.
Leute, so schwer kann das nicht sein. Gerade in Foren sind es übrigens häufig diejenigen, die über die Rechtschreibung und Tippfehler der anderen meckern und darüber lamentieren, dass die Jugend von heute ja so schlecht gebildet sei.

Also: Ein für alle mal merken: Das Leerzeichen gehört in nahezu allen Fällen HINTER das Komma.

PS: Übermäßige Tipp- und Rechtschreibfehler ärgern mich auch. Aber persönlich finde ich das nur halb so schlimm. Groß- und Kleinschreibung ist so eine Sache für sich. Texte, in denen man konsequent klein schreibt, sind häufig besser zu lesen als Texte, in denen es jemand zu 80% falsch macht.

Update 1: Neue grauenvolle Formatierung entdeckt.

Sehr geehrter Herr Klocke – Ein Brief an den verkehrspolitischen Sprecher der Landesregierung NRW


Unter CC some rights reserved  Fotograf: Stephan Kühn

Unter CC some rights reserved
Fotograf: Stephan Kühn

aus der Rheinischen Post habe ich heute erfahren, dass derzeit eine Diskussion zum Thema Lieferverkehr in deutschen Innenstädten im Landtag die Runde macht.
Ein verkehrspolitisch sicherlich wichtiges Thema, das möchte ich gar nicht bestreiten. Allerdings frage ich mich, ob der Internethandel wirklich das Problem ist – oder ob die Ursache für innerstädtische Staus nicht ganz wo anders liegt.

Zunächst einmal: Ich wohne selbst in einer Innenstadt. Verstopfungen aufgrund von gelben DHL-, braune UPS- oder blauen Hermes-Fahrzeugen habe ich noch nicht erlebt. Ja, die parken manchmal suboptimal, aber in der Regel nicht so, dass dadurch ein anderer Verkehrsteilnehmer so langsam wird, dass daraus quasi immer ein Stau entsteht. Eher ist es so, dass Privatpkw, die „kurz mal jemanden rauslassen“ möchten, ganz normale Lieferwagen, schlecht abgestellte Privatwagen, Busse usw. den Verkehr zum Erliegen bringen. Auch merkwürdige Ampelschaltungen tun ihren Dienst dazu. Hier allein auf den Lieferverkehr zu zeigen, finde ich etwas kurz gedacht.

Sicherlich bestellen heute viele Menschen – ich auch – Sachen im Internet. Doch das aus den unterschiedlichsten Gründen. Die meisten davon dürften aber schlicht und ergreifend keine Lust darauf haben in die Innenstädte zu müssen, die häufig ohnehin verstopft sind – und ich sehe da eher weniger Transportfahrzeuge als vielmehr Privatpkw, Busse, Straßenbahnen (gut, hier in Aachen keine Straßenbahn, dafür um so mehr Busse), Fußgänger, Radfahrer, schlechte Ampelschaltungen (oh ja, davon gibt es in Aachen eine Menge – daran können Sie aber nichts änder) und selbstverständlich auch die ganz normalen Lieferwagen, die Bekleidungsgeschäfte, Bäckereien, Dönerbuden, Restaurants, Kneipen, Buchläden usw. beliefern.
Die gelben Lieferwagen der DHL gehören da eher weniger zu den Störfaktoren.

Auch frage ich mich, wie sich die Diskussionsteilnehmer eine zentrale Abgabestelle vorstellen. Das kann nicht funktionieren.

Gemeinfrei

Gemeinfrei

1. Dann müssen die Leute, die jetzt zuhause sind, nämlich jeder einzeln dorthin, wo das Paket liegt. Entweder passiert das über einen Privatpkw – dann bräuchte man ein entsprechen großen Parkplatz vor dem Lagerhaus – oder über den ÖPVN. Das ist zwar tendenziell schon machbar, für den Verbraucher aber zeitlich wohl kaum machbar. Zudem führt es meines Erachtens nicht zu weniger, sondern zu mehr Verkehr, der vielleicht zunächst aus der Innenstadt raus fährt, aber eine halbe Stunde später auch wieder rein. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass Sie (ich meine hier die Regierung/die Diskussionsteilnehmer/den Landtag), diese Idee wirklich an den Wähler herantransportieren können, ohne dass der Ihnen den sprichwörtlichen Vogel zeigt.

2. Wenn ich mir vor Augen führe, wie das schon heute aussieht, wenn man ein Paket in der Post abholen muss – dann graut es mir. Ewig lange Schlangen, z.T. steht man dort mehr als 30 Minuten (dafür reicht die Mittagspause nicht aus), langsame Mitarbeiter, Leute, die nicht wissen, was sie abholen wollen, falsch gelieferte Pakete, falsch beschriftete Pakete, kein Zettel im Briefkasten usw.. Das in einem großen Versandzentrum? Besser kann es nicht werden, eher schlimmer.

3. Die Leute kaufen im Internet in der Regel deshalb ein, weil die Lage in den Innenstädten bereits katastrophal ist. Ich glaube nicht, dass hierfür eine kurzfristige Lösung seitens der Politik überhaupt machbar ist, denn vielfach liegt es am Sortiment des Einzelhandels oder an den Wünschen der Besteller. Auch ist die Lage gerade in kleineren Städten noch angespannter.
Ich – und ich glaube auch viele andere gerade in meinem Alter – habe keine Lust, vier mal in die Stadt zu fahren für einen Gegenstand, der vier mal nicht da ist. Oder auf einen Sache mehrere Tage zu warten, die mir das Internet (welche Händler auch immer) zum nächsten oder spätestens zum übernächsten Tag liefern können.
Erst kürzlich habe ich auf eine Grafikkarte für meinen Rechner fast eine Woche warten müssen. Das geht nicht, wenn man den Rechner dringend benötigt.
Weiter ist es so, dass die Leute auch Sachen bestellen, die eher „exotischer“ Natur sind, die man nur sehr schwer bekommt, und auf dem Land – wo ich geboren worden bin – gar nicht. Zumindest nicht, ohne wiederum wochenlang warten zu müssen.

CC some rights reserved  Fotograf: Horsch Quelle: Wikimedia Commons

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Fotograf: Horsch
Quelle: Wikimedia Commons

4. Es ist bereits viel zu spät, um eine solche Umstrukturierung zu machen. Bestellt und geliefert wird nicht erst seit vorgestern, sondern schon seit Zeiten von Quelle-, Otto- und Bofrostkatalogen. Die Leute sind es mittlerweile gewöhnt, zu Hause zu bleiben und von dort ihre Blurays, Schuhe (ich habe noch nie Schuhe im Internet bestellt), Katzenkratzbäume, und weiß der Himmel was noch zu bestellen. Das ist auch legitim. Ich habe oben schon gesagt, dass das Einkaufen im Handel nicht immer – vielleicht sogar in den seltensten Fällen – wirklich die Alternative ist. Außer, man weiß genau was man haben möchte und WOHNT günstig. Wenn ich erst eine halbe Stunde bis zum Laden brauche, wo ich das gewünschte Teil bestellen muss, dann überlege ich mir das zweimal. Wenn ich ohnehin am nächsten Tag wieder dorthin fahren müsste, um es abzuholen. (Das wären innerhalb von zwei Tagen auch zwei Stunden Fahrzeit). Und solche Leute gibt es, die sind gar nicht mal so selten.

Sollte es sich bei dieser Idee um eine Idee handeln, die die Innenstädte wiederbeleben soll – na ich weiß nicht. Der richtige Weg scheint mir das nicht zu sein, das Kind ist dafür im Brunnen mittlerweile ertrunken. Einfach auch, weil zwar alle drüber diskutiert haben, aber keiner mal rechtzeitig auf die Idee gekommen ist, ein Seil herunterzulassen.
Man belebt die Innenstadt nicht wieder, in dem man eine eigentlich für den Verbraucher attraktive Lösung meint einstampfen zu können. So sollte Politik auch nicht funktionieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Evas Sammelsurium

Ach ja. PS: Wen genau will man damit eigentlich einschränken? Geliefert werden auch Pizzen, Lebensmittel (aus Supermärkten, Bofrost usw.), Essen auf Rädern, Umzugswagen, usw.

Der Einzelhandel


Ich bin ein Liebhaber des Einzelhandels, zumindest in manchen Fällen. Ich gehe gerne durch Buchhandlungen und stöbere in den Büchern, ich gehe gerne in Bekleidungsgeschäfte und probiere Sachen an, ich kaufe sogar ab und an mal eine DVD in einer der bekannten Ladenketten. Auch versuche ich gerne, die kleinen Händler vor Ort zu unterstützen – Support your local dealer. Selbst mein neuestes Comicabo habe ich über eine Einzelhändler und nicht über Panini abgeschlossen.

So auch, als ich mir eine neue Hardware für meinen Rechner kaufen wollte, nachdem diese mir an einem Mittwochnachmittag/abend kaputt gegangen war. Nun ist diese Art von Hardware unerlässlich für das Betreiben meines Rechners (nein, das Motherboard war es nicht) und deshalb bestellte ich bei einem Händler vor Ort, den ich als schnell liefernd, zuverlässig und kompetent kennengelernt habe.

Und ich habe gelernt,wieso so viele Leute doch lieber online bestellen:

Ich habe also direkt am Morgen des nächsten Tages die neue Hardware bestellt. Mir wurde gesagt, es würde einige Tage dauern, bis sie eingetroffen sei. Ich rechnete demnach also mit Samstag. Da ich weiß, dass der Laden auch schon mal schneller liefert, habe ich bereits Freitagmorgen angerufen. Mir wurde gesagt, dass die Hardware als „versendet“ markiert worden ist und ich sie bereits am Nachmittag abholen gehen könnte. Ich bin also am Nachmittag voller Vorfreude dorthin. Dort wurde mir mitgeteilt: Nein, ist noch nicht da, entweder morgen oder spätestens Montag. Natürlich habe ich am Samstag angerufen. Die Hardware war noch nicht da.

Gut, ist zwar ärgerlich, das ganze Wochenende meinen Rechner nicht nutzen zu können – mein Laptop ist da keine echte Alternative – aber noch verkraftbar. Auch wenn mir bereits einmal das falsche Datum mitgeteilt worden war. Gut. Ich habe also am Montagmittag erst einmal eine E-Mail geschrieben (die nicht beantwortet wurde) und habe dann am Abend noch einmal angerufen. Antwort: Das Teil wäre immer noch nicht da. Der Lieferer habe sie als „versandt“ markiert, man wisse aber nicht, wo es sei. Ergo: Man weiß auch nicht genau, wann es kommt.

Ich habe dann gestern Abend die Bestellung storniert und mir das Teil per Morning-Express bei Amazon bestellt. Warum? Weil ich mir vorstellen könnte, dass das Ding auch heute noch nicht da ist. Und vielleicht morgen auch noch nicht.

Und ich habe keine Lust mehr, meinen Laptop zu benutzen.

Lieber Einzelhandel: Ich komme gerne wieder, aber wenn so etwas passiert, bin ich doch ziemlich angefressen. Dabei ist die Lieferzeit noch nicht einmal das Schlimme, sondern die Tatsache, dass ich gleich zweimal eine falsche Angabe über eine Lieferzeit bekommen hätte.
Hätte man mir schon am Donnerstag gesagt: Das Ding ist vor Dienstag nicht da, dann hätte ich gesagt: „Dann nehme ich das andere, das Sie anbieten“, oder aber: „Dann überlege ich es mir noch einmal.“

Wie hättet ihr gehandelt?

Neues aus der Bibliothek


Gemeinfreies Bild

Gemeinfreies Bild

Als langjähriger Freund und Mithelfer von diversen Bibliotheken bin ich wirklich nicht der Typ Mensch, der sich schnell aufregt, wenn in einer Bibliothek einmal etwas nicht ganz so läuft, wie ich mir das vorstelle und ich weiß auch, dass Fehler durchaus passieren können, das Bücher mal verschwinden oder nicht aufzufinden sind.

Aus dem Grund war ich auch nicht gerade besonders wütend darüber, dass der von mir bestellte Artikel neulich nicht aufzufinden war. Das kann passieren. Ich hatte zwar die E-Mail erhalten, in der mir mitgeteilt wurde, der Artikel wäre da und konnte auch die Nummer nennen; der Artikel war jedoch nicht aufzutreiben. Gut, eine Tag länger gewartet, Text neu ausgedruckt. Sache erledigt. Kein Grund für einen Blogeintrag – vor allem nicht den ersten seit langer, langer Zeit.

Mich ärgert eine andere Sache. Der Grund dafür ist mir nicht erklärt worden, daher sträube ich mich dagegen, es zu begreifen. Es geht um folgende Sache:

Für eine schriftliche Prüfung Anfang März brauche ich ein bestimmtes Buch von Florian Kragl. Meine Professorin hielt es für unwahrscheinlich, dass es dieses Buch überhaupt in der Hochschulbibliothek gibt. Nun gut, für so etwas gibt es die Fernleihe. Buch bestellen, Sache erledigt. Von wegen…
Zunächst einmal sei soviel gesagt: Per Fernleihe kann man Bücher in der Hochschulbibliothek nur leihen, wenn sie nicht in der Bibliothek „vorhanden“ sind. Soweit so gut, eigentlich eine klare Regel, die in der Regel (verzeiht mir das Wortspiel) wohl auch gut funktioniert.

Ich habe das Buch wider Erwarten im Katalog gefunden. Es ist also vor Ort. Soweit, so gut. Leider bis zum 13. Februar ausgeliehen. Per Fernleihe bestellen? Fehlanzeige. Buch ist ja vorhanden.

In meinen Augen ist das Unsinn. Ein Buch, welches ausgeliehen ist, ist in der Bibliothek höchstens theoretisch vorhanden. Und theoretisch ist nicht genug. Und ausgeliehen heißt: nicht da.
Ich habe extra noch einmal nachgefragt: Nein, das Buch ist vorhanden, daher nicht bestellbar. Ich müsse wohl darauf warten oder mich bei einer anderen Bibliothek anmelden und es dort versuchen. Ob ich das Buch jetzt möglichst zeitnah brauche oder es erst in zwei Wochen bekomme, ist dabei völlig egal. Eine andere Option bietet mir die Hochschulbibliothek nicht – auch wenn ich natürlich einen Anschaffungsvorschlag machen könnte – der aber in der Regel auch zwei Wochen benötigt. Also quasi kein Zeitgewinn und auch in meinen Augen für die Hochschulbibliothek herausgeworfenes Geld, so oft wird das Buch sicherlich nicht benötigt. (recht spezielles Thema).

Meine Option: Ich melde mich bei der Stadtbibliothek an und hoffe, dass sie es mir da beschaffen können.

Was ich daran kritisiere, ist denke ich ziemlich offensichtlich: Wieso gilt ein Buch als vorhanden, wenn es ausgeliehen ist? Und vor allem: Warum lässt es sich nicht dennoch bestellen, aus einer anderen Bibliothek, in der das Buch nicht ausgeliehen ist? Gibt es ein Gesetz, welches das verbietet? Oder ist es der Hochschulbibliothek zu teuer? Für mich ist es vor allem eines: Ein Ärgernis.

Die Fragen sind übrigens durchaus ernst gemeint. Wer Antwort weiß: Bitte kommentieren.

PS: Ich habe das Buch dann durch Glück doch etwas früher bekommen, der Ausleiher hatte es etwas früher zurückgegeben. Bei einer Nachfrage in der Stadtbibliothek im Übrigen kam heraus: Dort hätte ich das Buch auch nicht bestellen können, weil es in der Hochschulbibliothek „vorhanden“ ist. Auch dies gibt der im Kommentar schon angegebene „Ministeriumserlass“ vor. Nur erschließt sich mir der Sinn dahinter absolut nicht.

Praktikum und billige Arbeitskräfte


Ein leidiges Thema, diese Praktika. Da soll man als Geisteswissenschaftler bloß schön viele davon machen – und wenn man sie dann machen möchte, werden einem Steine in den Weg gelegt.
Einige davon möchte ich hier einmal darlegen.

Zunächst einige Grundlagen:

1. Ich habe bereits journalistische Erfahrung, genau genommen arbeite ich seit 2007 für eine Zeitung, seit 2012 für eine zweite.

2. Ich habe Praktika bei Zeitung und Radio gemacht.

3. Ich habe Erfahrungen im Bereich der Verlagsarbeit und der Publizistik.

Eigentlich ganz gute Voraussetzungen für ein Praktikum, auch bei wichtigeren Stellen als dem Lokalblättchen von Kleinsthausen. Jetzt habe ich mir überlegt, dass ein Praktikum beim Landtag, in der Pressestelle, doch eine gute Sache wäre, ich bin engagiert und frage in solchen Fällen auch gerne nach, ob das denn möglich ist. Und damit kommen wir gleich zur Sache. Praktika und warum sie nicht möglich sind, obwohl man die Qualifikation im Grunde erfüllt.

a) das Pflichtpraktikum 

Unter CC-Lizenz. Fotograf: Wolfgang Sauber

Unter CC-Lizenz. Fotograf: Wolfgang Sauber

Wir müssen im Bachelor ein Pflichtpraktikum von vier Wochen machen. Im Master nicht mehr. Dieses Praktikum machen viele Studenten noch im eher regionalen Bereich, auch wenn es hiervon relativ viele Ausnahmen gibt. Schließlich sind mit einem Praktikum in Berlin, München, Frankfurt, Dresden usw. auch Kosten verbunden, vor allem Wohnungskosten. Ich habe mein Praktikum damals bei einem lokalen Radiosender in Kleve gemacht, nicht der kleinste, aber auch nicht der größte Sender. War ein gutes – wenngleich aufgrund von vielen Praktikanten – nicht überragendes Praktikum.
Nun habe ich mich entschieden, noch ein oder zwei weitere Praktika machen zu wollen – um den sprichwörtlichen „Fuß in die Tür“ zu bekommen. Zuerst habe ich beim Landtag in der Pressestelle angefragt. Da habe ich erstmal eineinhalb Wochen auf eine Antwort per Mail (!) gewartet und dann leider die Nachricht bekommen, dass aus versicherungstechnischen Gründen nur Pflichtpraktikanten im Bereich der Verwaltung genommen werden. Herzlichen Glückwunsch – wie gesagt, im Master gibt es das ja nicht mehr.

Gut, habe ich mir gedacht, lässt du dich nicht entmutigen, ruf mal beim ZDF an. Eigentlich wollte ich wissen, wie das mit Praktika im Landesstudio aussieht, schließlich sind es von hier (Aachen) bis Mainz doch einige Kilometer ohne Studententicket. Und noch ehe ich meine Frage äußern kann: Nur wenn es ein Pflichtpraktikum ist. Ich möchte jetzt nicht ausfallend wirken, aber: Was soll denn der Mist? Da verlangt man für ein Volontariat ein Praktikum bei einem Fernsehsender und kann dann keines machen, weil man nur Pflichtpraktikanten nimmt? Irgendwie finde ich das sehr ärgerlich.

Ich möchte an dieser Stelle nicht die Uni dafür verantwortlich machen. Eigentlich ist es gut, dass wir mit den Leuten vom „Praktikumsbüro“ nichts mehr zu tun haben. Aber es ist doch ärgerlich, wenn ich überlege, dass andere Leute da mehr Chancen haben, weil sie im Master noch ein Pflichtpraktikum machen müssen. Da finde ich, werden interessierten Leute mehr „Beinchen“ gestellt, als nötig wäre.

Bundesarchiv, Bild 183-29837-0009 / CC-BY-SA- Arbeitskräfte -

Bundesarchiv, Bild 183-29837-0009 / CC-BY-SA
– Arbeitskräfte –

b) Das 6-Monats-Praktikum

Wie ich bereits schon schrieb, habe ich wegen meines HiWi-Jobs und einiger veröffentlichter und einer noch zu veröffentlichen Kurzgeschichten auch schon Erfahrungen im Bereich von Verlagsarbeit und Publizistik sammeln können. Also habe ich mir gedacht: Wie wäre es denn mit einem Praktikum bei einem Verlag? Habe mich umgesehen und resigniert feststellen müssen: Die Wenigsten wollen Praktikanten, die dort ein paar erste Eindrücke sammeln und feststellen, ob der Beruf etwas für sie ist, sondern solche, die billig als Arbeitskräfte dabei sind und direkt sechs Monate bleiben.Was das Problem an sechsmonatigen Praktika ist, liegt eigentlich klar auf der Hand. Ich werde nicht mit 25 Jahren fertig mit meinem Studium, sondern erst mit 26. Und eigentlich möchte ich nicht wegen eines Praktikums mein Studium um ein Jahr verzögern. Und da ich kurz nach dem sogenannten „Stichtag“ geboren worden bin (Schule betreffend) bin ich dann bereits ein Jahr älter als meine Kommilitonen.Auch möchte ich ungern mein Studium „opfern“ für ein Praktikum, was mir nachher vielleicht gar nichts bringt, weil es mir nicht genügend Spaß gemacht hat. Und von Bezahlung wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden. Sechs Wochen finde ich okay, auch wenn das eine lange Zeit der Semesterferien ist, die dafür drauf geht und im Falle von Klausuren natürlich Schwierigkeiten mit sich bringt. Aber es ist immerhin machbar.

c) Der Aufbaustudiengang

Deutsche Fotothek‎

Deutsche Fotothek‎
– Das Fernsehen zieht an –

Ich habe mich letztes Jahr – kurz vor knapp – für ein Praktikum beim WDR beworben. Kurz vor knapp deshalb, weil der WDR Praktikanten nur zulässt, solange diese noch kein abgeschlossenes Studium haben, bzw. nur dann, wenn sie sich in einem journalistischen Aufbaustudiengang befinden.
Ich persönlich halte diese Regelung für nicht besonders gelungen. Warum? Weil der WDR gleichzeitig möchte, dass man mindestens zwei Semester studiert hat. Zwei Semester, das heißt, man hat insgesamt „nur“ vier „Semesterferien“ die man für das Praktikum nutzen kann. Eines davon dürfte für die meisten wegfallen, weil dann die Bachelorarbeit geschrieben wird, viele machen sich nicht gerade im dritten Semester bereits Gedanken um ein Praktikum beim WDR (O-Ton der Praktikumsdame: Man muss ja nicht gleich in der Königsdisziplin anfangen…) und dann gibt es auch noch solche, die während der Semesterferien arbeiten. Was ich sagen möchte: Die Zeit ist da doch recht knapp bemessen. Und unfair ist es auch noch, da Magisterstudenten – die theoretisch nach drei Jahren zwar keinen Abschluss haben, aber genauso weit sind – sich noch länger bewerben können.

Fazit: 

Ich weiß, dass das Meckern auf hohem Niveau ist. Aber ich persönlich finde es sehr, sehr schade, dass einem, selbst wenn man Praktika machen will (und ich mag diese Tretmühle nicht und die damit verbundene Generation Praktikum ist für mich eine Generation der verlorenen Zeit), solche „Steine“ in den Weg gelegt werden, die man gar nicht aus dem Weg räumen kann, weil es dem Individuum unmöglich ist. Da scheitert das Praktikum nicht an Qualifikation und Anstrengung, an Zeugnissen oder Erfahrung, sondern schlicht und ergreifend an starren Vorschriften. Und das halte ich für meinen Teil für traurig. Für alle, die gerne ein Praktikum an bestimmten Stellen machen würden.