30 Sätze über… die Deutsche Bahn


Wenn man die Kommentarspalten zu Bahnartikeln liest, dann scheint es, als gehöre es zum guten Ton in Deutschland über die Bahn zu schimpfen. Es reihen sich Anekdoten zu Zugausfällen, Verspätungen und schlechtem Service aneinander, die Leute beschweren sich über die Tarifsysteme und kaputte Ticketautomaten – jeder hat sich schon mal über die Bahn geärgert. Sicherlich in vielen Fällen zurecht. Auch ich habe schon Probleme mit Ticketautomaten erlebt und unterirdischen Service bzw. schlechte Behandlungen von Reisenden durch Bahnpersonal mitbekommen. Dennoch möchte ich hier ein Plädoyer für die Bahn halten – und nein, bevor Leute das glauben, ich bin kein Mitarbeiter der Deutschen Bahn (das ist nämlich üblicherweise der Vorwurf, mit dem man in Foren/Kommentarspalten abgebügelt wird, wenn man mal etwas Positives über die Bahn sagt).

Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:DBAG_Class_644?uselang=de#/media/File:Class_644_on_Pfalzel_Moselle_bridge_2011.JPG

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Urheber: Cobatfor, Wikimedia Commons

Zuerst einmal eine klare Aussage meinerseits über Verspätungen: Die Bahn kann für viele Verspätungen nur indirekt etwas – oder auch überhaupt nichts

In den fünf Jahren, die ich nun mehr oder weniger regelmäßig mit der Bahn fahre, habe ich schon so viele Verspätungen mitbekommen, die auf das Fehlverhalten von Mitmenschen zurückzuführen waren, dass ich das gar nicht mehr zählen kann.

Und damit meine ich nicht unbedingt die Selbstmörder, die eine ganze Zugstrecke für mehrere Stunden lahm legen können, damit meine ich beispielsweise spielende Kinder im Gleis, Diebstahl von Kupferkabeln, Schlägereien oder auch – der Fall war etwas ganz besonderes – ein Auto, das anstatt auf eine asphaltierte Straße, auf die Schienen abgebogen war. Solche Sachen können für massive Verspätungen sorgen, ohne dass die Bahn etwas direkt dafür kann. Natürlich gibt es andere Fälle, beispielsweise die berühmten Signal-Fehlfunktionen oder auch Gleisarbeiten.

Gerade Gleisarbeiten sind jedoch etwas, über das man sich an allen betroffenen Bahnhöfen und im Internet informieren kann und die gleichzeitig, je größer sie sind, auch außerhalb der betroffenen Bereiche kommuniziert werden. Derzeit gibt es große Gleisarbeiten zwischen Düren und Aachen, weshalb eine Direktverbindung nach Köln derzeit von Aachen aus nicht existiert. Diese Gleisarbeiten waren lange und sehr deutlich – fast schon penetrant – angekündigt worden, ich habe Schilder in Düsseldorf, Köln, Aachen und den Bahnhöfen dazwischen gesehen, wenn ich mich richtig erinnere auch noch in Krefeld.

CC-by-SA-3.0 Urheber: Shizhao

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Urheber: Shizhao

Quasi am ersten Tag der Bauarbeiten, am 28.06.2015, stand in den Aachener Nachrichten ein Artikel darüber, dass sich Fahrgäste schlecht informiert gefühlt hätten und geradezu überrascht waren von den Bauarbeiten auf der Strecke. Eine der Frauen aus dem Artikel sagt, dass der Vermerk Schienenersatzverkehr auf ihrem Ticket aufgedruckt gewesen sei, sie aber nicht damit gerechnet habe, dass es mit dem Bus weitergehe. Nun gut, die Dame kam zwar aus Maastricht, aber in der Regel heißt Schienenersatzverkehr in Deutschland, dass man mit dem Bus fahren wird. Die Bahn hat im Internet – auch bei der Buchung von Tickets – und an den Automaten darauf hingewiesen, dass die Strecke von Bauarbeiten betroffen ist. Mehrfach. So groß, dass sogar ich, die diese Strecke fast nie fährt, das mitbekommen habe. Wieso schauen Menschen nicht nach, was die kleinen Dreiecke bedeuten, die beim Ticketkauf auftauchen? Wieso schauen die Leute nicht auf die Hinweisschilder der Bahn, die zum Teil Plakatgröße haben? Wieso beschweren sich die Leute dann über die Informationspolitik der Bahn?

Ich glaube, dass ist eine Art von persönlichem Ärger auf die Bahn, der sich bereits vor der Fahrt einstellt. Eine gute, gelungene, pünktliche Fahrt wird niemals in den eigenen Erfahrungsschatz mit aufgenommen, eine schlechte jedes Mal, selbst, wenn die Bahn informiert hat und die Verspätung hinreichend bekannt gewesen ist. [Die schlechte Ausschilderung des SEV lassen ich mal außen vor, weil ich die nicht beurteilen kann]

Stau auf der A66 Foto: Sebastian Wallroth

Stau auf der A66
Foto: Sebastian Wallroth

Ich glaube eine Feststellung gemacht zu haben, die das Verhältnis von „Verspätung im Auto“ und „Verspätung mit der Bahn“ betrifft: Es ist wesentlich schlimmer, wenn die Bahn Verspätung hat, als wenn man zwei Stunden mit dem Auto im Stau steht.
Ich kann verstehen, dass es ärgerlich ist, seinen Anschlusszug zu verpassen, das kann einen sehr viel Zeit kosten, den gebuchten Sitzplatz usw. Aber vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch an Baustellen, Staus und Umleitungen auf der Autobahn, Unfälle und Streckensperrungen und Autos, die keine Klimaanlage hatten – bei dreißig Grad im Schatten auf dem glühenden Asphalt.

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Ein Antrag – oder doch kein Antrag. Das ist die Frage


Kennt ihr das Lied „Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars“ von Reinhard Mey? Es beschreibt ironisch das, was wohl jeder kennt, der irgendwann mal einen komplizierteren bürokratischen Akt vornehmen musste. Das gilt bei manchen sicherlich wohl auch für die Einschreibung an der Universität. Und um etwas in der Art geht es auch im heutigen Blogpost.

CC some rights reserved Fotograf: Nima j72

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Fotograf: Nima j72

Wer sich schon einmal mit der Seite der RWTH Aachen auseinandersetzten musste, der wird sich sicherlich schon einmal über die Gestaltung aufgeregt haben. Nicht, weil sie hässlich ist – sondern schlicht wegen der Aufbereitung von Informationen, die ist in der Regel nicht so prickelnd. Eine neues Beispiel habe ich dafür in den letzten Tagen entdeckt.

Wer etwa herausfinden möchte, welche Formulare man benötigt, um sich für eine Promotion einzuschreiben, der hat einen langen Weg vor sich. Der obligatorische Weg – vermutlich – über Google führt zu folgender Seite:

http://www.rwth-aachen.de/cms/root/Studium/Nach-dem-Studium/~ejw/Promotion/

Hier findet sich zwar viele „wir-sind-toll“-Aussagen und „promovieren-Sie-hier“-Lobreden, aber was man dafür braucht wird nicht gesagt.

Stattdessen wird man weitergeleitet auf die Seite vom CDS (Center for Doctoral Studies), auf eine Mailingliste, unter dem Punkt „Promotionsordnung“ auf den Formularschrank (klick mich) mit einer Sammlung der Promotionsordnungen und auf die Promotionsbüros der Fakultäten sowie einen nicht mehr existenten Link auf den Paragraf 67 des Hochschulgesetzes des Landes NRW.

Die zur Verfügung stehenden Downloads sind: „Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ und „Anforderungen an die Qualitätssicherung der Promotion.“ Verwandte Themen? Stellenangebote….

Soviel zum Mittelteil der Seite.

Am linken Rand gibt es weitere Informationen:

1. Einschreiben zum Promotionsstudiengang

2. Internationale Promotionsinteressierte

3. Weiterbildung am CDS

4. Stipendien und Förderprogramme

5. Promotionssupplement

6. Forum für Doktorandinnen

CC some rights reserved Fotograf: LoKiLeCh

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Fotograf: LoKiLeCh

 

Wer hier auf „Einschreiben zum Promotionsstudiengang“ (den Rest lassen wir erst einmal weg) klickt, der landet hier:

http://www.rwth-aachen.de/cms/root/Studium/Nach-dem-Studium/Promotion/~ejz/Einschreiben-zum-Promotionsstudium/

Vorab: Auf dieser Seite findet sich auch der Antraf auf Einschreibung als .pdf. Das ist lobenswert. Ansonsten sind die Informationen rar gesät.

Es gibt wieder einiges Gerede um die Tatsache, dass man einen Betreuer braucht, der mit dem Promovierenden ein individuelles Promotionsprogramm ausarbeitet, das auch die Angebote des CDS (später) miteinbezieht. Das, was man dafür machen muss, ist wohl von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich

Es heißt dann weiter unten:

Ihre Erstbetreuerin oder Ihr Erstbetreuer bestätigt mit der Unterzeichnung des Anmeldeformulars für das Center for Doctoral Studies, dass sie oder er Sie während Ihrer Promotion betreut. Mit diesem Formular können Sie sich während der von der Hochschule festgelegten Einschreibefristen im Studierendensekretariat zum Promotionsstudium einschreiben. Alternativ können Sie sich auch mit einer Betreuungszusage Ihrer Fakultät oder Ihrer Betreuungsperson einschreiben. Die Einschreibung ist aber nicht verpflichtend.

Hier sind gleich mehrere Unklarheiten:

1. Es klingt, als wäre die Unterzeichnung des Anmeldeformulars für das CDS notwendig. Nach Rücksprache mit dem Promotionsbetreuer meiner Fakultät zeigt sich: nein, ist es nicht. Die RWTH interessiert das wohl für die Einschreibung nicht.

2. Nicht dieses Formular ist nötig für die Einschreibung, sondern der „Antrag auf Einschreibung“, der sich rechts auf der Seite finden lässt. Wer nur mit dem Formular des CDS zur Einschreibung kommt, der wird sich nicht einschreiben können.

3. Dann heißt es, dann man sich „alternativ“ auch mit der Betreuungszusage der Fakultät oder Betreuungsperson einschreiben kann. Das stimmt so auch nicht. Die Betreuungszusage braucht die RWTH nämlich in jedem Fall. Das sieht auch der Antrag auf Einschreibung so vor.

4. Es ist nicht klar, auf was sich der letzte Satz bezieht, obwohl meines Wissens nach die Einschreibung in einen Promotionsstudiengang für eine Promotion tatsächlich nicht notwendig ist und die Anmeldung zum CDS auch nicht.

5. Finally: Die Einschreibefristen stehen nicht hier auf der Seite, was ich sinnvoll fände. Nein, man muss dafür extra auf die Verlinkung klicken und landet auf der nächsten Seite. Das ist dieses unübersichtliche Ding:

http://www.rwth-aachen.de/go/id/egv

CC some rights reserved Fotograf: Trexer

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Fotograf: Trexer

Neben allgemeinen Semesterterminen und den Vorlesungszeiten für die nächsten vier Semester finden sich weiter unten tatsächlich die Einschreibefristen.

Es ist zwar relativ klar, dass ein Promotionsstudiengang ein zulassungsfreier Studiengang ist, dennoch fände ich hier eine gesonderte Angabe dazu gar nicht mal so schlecht.

Man musste also mindestens drei Seiten besuchen, um folgende Informationen zu bekommen:

– den Antrag auf Einschreibung

– die Fristen

Fehlende Informationen:

– braucht das ZPA noch etwas für die Einschreibung?

– was ist das CDS und was hat es mit der Einschreibung zu tun?

Manches davon habe ich mir mittlerweile zusammengesammelt: Die Anmeldung für das CDS ist meines Wissens nach (nach Telefonat mit der auf der Seite des CDS (macht +1 Klick) angegebenen Kontaktperson) nicht nötig für einen Einschreibung. Möchte man sich allerdings beim CDS anmelden, benötigt man die Betreuungszusage (ebenso für die Anmeldung bei der RWTH).

Das ZPA braucht (theoretisch, dazu im Anschluss noch etwas) natürlich die Sachen, die man bei jeder Einschreibung benötigt. Krankenversicherungsstatus, Abiturzeugnis (ja, auch nach abgeschlossenem Master), Kopie des Personalausweises usw. Dann die Betreuungszusage. Das war es.

Jetzt das aber:

Ich habe begonnen, den Antrag auf Einschreibung (siehe oben) auszufüllen. Weil ich dazu einen kleine Frage hatte, habe ich erst bei der Studienberatung angerufen, die mich weitergeleitet hat zum Sekretariat für Studentische Angelegenheiten, das mich weitergeleitet hat zu meiner Sachbearbeiterin, die mir auf folgende Aussage meinerseits: „Hallo, mein Name ist evasbuecherkiste, ich bin noch an der RWTH eingeschrieben, würde mich jetzt gerne im kommenden Semester in einen Promotionsstudiengang einschreiben und hätte zum Antrag auf Einschreibung noch eine Frage“ antwortete: „Vergessen Sie den Antrag, es reicht die Betreuungszusage und der ausgefüllte Antrag auf Änderung der Einschreibung (sehr simples Ding, das habe ich schon bei der Ummeldung des Bachelors auf den Master ausfüllen müssen). Frist ist der 02.03.“

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Fotograf: Rex

Ich habe gestanden wie der Ochs vorm Berg.

Warum? Weil die Nachricht für mich eigentlich positiv ist, es aber bei den ganzen verklausulierten und z.T. versteckten Infos KEINE einzige Anmerkung dazu gibt, dass sich Studierende der RWTH nicht neu einschreiben müssen.

Ich habe das mal bei der Websitenbetreuung angemerkt.

Ergänzung: Wie Kristina in den Kommentaren schon schrieb: eine Anmeldung am CDS muss in jedem Falle erfolgen. In fast allen Promotionsstudiengängen, meines Wissens nach. Allerdings ist diese für die Einschreibung nicht erforderlich, sie kann auch nachträglich erfolgen. Theoretisch kann man sich natürlich auch mit dem Formular vom CDS einschreiben, da – wie richtig festgestellt – da dann ja eine Unterschrift eines Betreuers drauf ist. Es ist aber wohl eher nicht der typische Weg.

Kritik am Artikel — Super-Mittwoch: „Online-Wahn: 10 Gründe für den Einkauf vor Ort“


CC some rights reserved Fotograf: Tim "Avatar" Bartel

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Fotograf: Tim „Avatar“ Bartel

So die Überschrift in der vorletzten „Super-Mittwoch„, manche würden sagen „der Werbebroschüre“, die hier jeden Mittwoch eintrifft. (Vermutlich wäre so etwas wie „Anzeigenblatt“ die bessere Wahl, Wochenblatt ginge vielleicht auch noch) Es ging darum, dass heute mehr und mehr im Internet gekauft wird und die Innenstädte deshalb unter Leerstand und zurückgehender Kundenzahl leiden.

So ein bisschen passt das zu der „Lieferverkehrthematik“ (die jetzt übrigens auch die Aachener Nachrichten aufgegriffen hat), die ich erst neulich in einem Artikel beschrieben habe.

Ein großer Teil dieser Ausgabe beschäftigt sich mit „Offline-Shopping“ – indirekt: der Rettung der guten alten Einkaufszone.

Aufgefallen sind mir die 10 Gründe, die die Redaktion pro „Offline-Shopping“, also dem Einkaufen vor Ort, nennt. Diese 10 Gründe würde ich hier gerne zerpflücken:

Grund Nr. 1: „Bummeln macht Spaß“

Als Mensch der gerne bummelt, muss ich dem zustimmen. Bummeln macht Spaß. Allerdings müssen wohl die meisten Menschen in ihrem Umfeld nicht lange suchen, um Leute zu finden, denen Bummeln aus diversen Gründen eben gerade keine Spaß macht. Zu voll, zu laut, nicht der gewünschte Artikel vorrätig, zu teuer, zeitraubend, keine guten Öffnungszeiten, keinen Sitzgelegenheiten, Frauen wollen 100 Paar Schuhe anprobieren.
Wie gesagt, ich gehe gerne Shoppen. Für andere ist es der Graus pur und deren Argumente kann ich sehr gut nachvollziehen. Bummeln macht auch nur dann Spaß, wenn man Zeit hat und vielleicht noch wichtiger: Geld. Sonst kann bummeln schnell frustrieren. Also ein subjektives Argument, das sich nicht auf jeden übertragen lässt.

Grund Nr. 2: „Eine persönliche und professionelle Beratung“

Geschenkt. Ja. Die kann man im Einzelhandel bekommen. Aber… will man die überhaupt? Bei vielen Einkäufen, die ich so tätige, brauche oder will ich keine Beratung, keine Verkäufer, die mich beim Betreten des Ladens beäugen und mich fragen, ob er mir helfen kann. Ich bin dann manchmal unangenehm berührt, wenn ich antworten muss: „Ich möchte mich nur mal umschauen“. Zudem: Ich überlege mir in der Regel vorher, was ich haben will, wenn ich nicht gerade wirklich wegen Punkt 1 unterwegs bin – zum Bummeln oder neudeutsch: Shoppen. Zudem halte ich „persönliche und professionelle Beratung“ in mindestens 70% der Fälle für eine Floskeln, die kaum wahr ist. Ich erinnere mich noch gut an die Male, als ich tatsächlich mal Beratung haben wollte und die meistens schlecht und wenig informativ war, bzw. auf meine Wünsche einfach nicht eingegangen wurde. Am schlimmsten ist das dann noch, wenn man sich vorab über ein Produkt informiert hat, der Verkäufer einen aber für blöd verkauft.

Symbolbild Shopping

Karin Beate Nøsterud/norden.org

Noch so eine Floskeln. Man kann exzellenten Service durchaus haben. Aber das gilt weder für alle, noch für einen Großteil der Geschäfte. Exzellenter Service bemisst sich zudem meines Erachtens nach daran, was der Kunde sich vorstellt. Und wenn ich auf amazon lediglich den Artikel heraussuchen muss, den ich haben möchte und ihn dann bestelle, er innerhalb von ein-zwei Tagen geliefert wird und ich über eine gute Möglichkeit des Rückversands verfüge, ist das oft der beste Service den ich mir vorstellen kann. Das letzte Mal, dass ich Service in Anspruch genommen habe, der vom Geschäft ausging, war der Kauf meiner/unserer Waschmaschine, für den wir den Lieferdienst des Händlers in Anspruch genommen haben. Inklusive Aufbau. Solche Anschaffungen sind aber eher selten und in vielen Geschäften ist exzellenter Service auch etwas Subjektives.

Grund Nr. 4: „Im Laden vor Ort ist der Mensch noch Mensch, keine Kundennummer“

Einfache Antwort: Floskel. Vor Ort ist der Mensch noch Mensch? Das Gefühl habe ich nicht. Da ist der Mensch ein Kunde, der etwas will, im Zweifelsfall noch von einem selbst. Da muss dann an der Kasse der Ausweis vorgezeigt werden, wenn man mit Karte zahlt – ja, eigentlich der Ausweis. Führerschein dürften eigentlich nicht gelten (Ausweismitführpflicht gibt es in Deutschland nicht). Wenn man übrigens in „Ketten“ einkaufen geht oder in großen Kaufhäusern ist man genauso eine „Nummer“ wie im Internet auch. Im Übrigen: Wenn ich bei Amazon anrufe, dann werde ich doch auch von der Nummer zum Menschen. Und ehrlich? Wenn ich schnell und einfach etwas einkaufen möchte und sei es ein Buch für ein Seminar, dann ist es mir egal, ob ich nun floskelhaft ein „Mensch“ bin oder eine Nummer. Hauptsache ich bekomme mein Buch schnell und leicht.

Grund Nr. 5: „Jeder Einkauf sichert Arbeitsplätze“

Ich kann dieses Argument nicht hören. Es ist in meinen Augen ein „Scheinargument“. Auch die Herstellung von Wagenrädern und das Anzünden von Gaslampen sichert Arbeitsplätze. Der Internethandel übrigens auch… Ich sage nicht, dass ich es für gut befinden würde, dass wegen fehlender Einkaufskraft in den Innenstädten die Leute ihre Jobs verlieren, aber persönlich glaube ich nicht, dass das nur am Internet liegt. Die Subventionierung und der Kauf von Print-Medien sichert übrigens auch Arbeitsplätze.

Grund Nr. 6: „Einkaufen vor Ort erhält unsere Gemeinden“

Nun ja. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, was damit gemeint ist. Ich sehe mich nicht als Teil der Aachener Gemeinde weil ich einkaufen gehe. Ich sehe mich auch nicht als Teil der Gemeinde, in der ich groß geworden bin, weil ich dort einkaufen gegangen bin. Wenn es dort so weiter geht, wie es derzeit der Fall ist, wird es dort demnächst nur noch Rollatoren und Alte-Damen-Kleidung zu kaufen geben. Ja, das erhält die Gemeinde. Aber nur die, die auch die angebotenen Produkte kaufen und die „Zeit“ haben, sich ewig mit Verkäufern und anderen Kunden zu unterhalten. Die man sonst nie sieht und nie spricht und eigentlich auch keine Interessen teilt. Ich weiß nicht, ob ich da von „Gemeindeerhalt“ reden würde. Das kommt für mich eher durch Vereine und „Stadtfeste“ zusammen. Ich glaube, dieses Gemeindegefühl kann nur dort entstehen, wo wir ohnehin sehr kleine Gemeinden haben, wo man also die Bäckereifachverkäuferin persönlich kennt und die Henriette Müller im Bekleidungsgeschäft jeden Sonntag in der Kirche trifft.

Grund Nr. 7: „Man kann die Ware anfassen, anprobieren und sofort mitnehmen“

Ja. Stimmt. Absoluter Grund für den Einkauf im Einzelhandel. Gerade bei Kleidungsstücken stimme ich da absolut zu. Dies ist wirklich ein Argument für den Einzelhandel. Auch wenn es Leute gibt, die ohnehin immer die gleichen T-Shirts und Socken vom gleichen Hersteller kaufen. Die können dann auch über das Internet bestellen.

Grund Nr. 8: „Vor Ort Einkaufen wirkt inspirierend“

Auch hier: Ja, durchaus. Aber das kann das Internet auch, vielleicht sogar noch besser. Ich muss aber zugeben, dass ich liebend gerne „inspirierend shoppen“ gehe, soll heißen: Ich schau mich um und sehe mir – gerade bei Kleidung – an, was es so Neues gibt und überlege, ob ich davon vielleicht doch noch etwas brauchen könnte.

Grund Nr. 9: „Ware kann problemlos umgetauscht werden.“

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Das ist ein Scheinargument, was häufig nicht stimmt. Umtausch nur in Orginalverpackung (witzig, wenn dann in der eingeschweißten CD-Doppelhülle eine CD fehlt). Umtausch nur gegen Gutschein. Umtausch nicht möglich. Alles Dinge, die ich im Einzelhandel schon erlebt habe. Bei Amazon habe ich bisher einmal etwas zurückgehen lassen müssen. Etwa ein Jahr nachdem ich es gekauft hatte (ein MP3-Player). Und das war gar kein Thema. Ich habe das Geld erstattet bekommen und dies ging schnell und zügig. Keine Nachfragen nach der Originalverpackung oder dem Grund des Kaputtgehens. Die meisten Leute, die zudem etwas im Internet zurückgegeben haben und mit denen ich gesprochen habe, bestätigen in Hinblick auf Amazon dieses Erleben. Die Rückgabe ist meist problemloser als im Einzelhandel. Sie kann nur in Ausnahmefällen etwas länger dauern.

Grund Nr. 10: „Schafft soziale Kontakte.“

Ehrlich? Das ist ein Argument? Welche sozialen Kontakte? Vielleicht in einer Kleinstadt, wo ohnehin fast jeder jeden kennt. Aber hier in Aachen? Soziale Kontakte habe ich im Einzelhandel noch nicht geschlossen und habe auch nicht das Bedürfnis danach. Leute, die mir an der Kasse ihre Lebensgeschichte erzählen, sind mir sehr suspekt und Verkäufer, die dies von mir wollen, finde ich auch merkwürdig.
Meine sozialen Kontakte pflege ich da eher noch bei Arztbesuchen, egal ob HNO, Neurologe oder Hausarzt.

alle Zitate stammen aus der Ausgabe „Super-Mittwoch“ vom 12.03.2014

Kleine Leerzeichen – große Ärgernisse


Wisst ihr… es gibt eine Sache, die mich wirklich, wirklich, wirklich aufregt, wenn ich im Internet Texte und Kommentare lese.

Sind es Tippfheler? Sind es Rechtschraibfeler? Ist es einen fehlende oder Falsche groß- und kleinschreibung? Sind es Zeichenfehler!

Nein!

Es sind die Leute, die immer noch nicht begriffen haben, wie man bei maschinell verfassten Texten (ob Computer oder Schreibmaschine), die Kommas setzt. Und dabei meine ich nicht die Kommasetzung allgemein.
Man setzt sie so:

Maria, die ihr langes, blondes Haar stets zu einem Zopf band, hüpfte, als sie die Nachricht von Benedikt las. 

Man schreibt nicht:

Maria , die ihr langes , blondes Haar stets zu einem Zopf band , hüpfte , als sie die Nachricht von Benedikt las.
(für die, die sich nicht entscheiden können, ob das Leerzeichen nun vor oder hinter das Komma kommt)

oder:

Maria die ihr langes blondes Haar stets zu einem Zopf band hüpfte als sie die Nachricht von Benedikt las.
(für die, die gar keine Kommas setzten und sich der Frage vollständig entziehen)

oder auch:

Maria,die ihr langes,blondes Haar stets zu einem Zopf band,hüpfte,als sie die Nachricht von Benedikt las. [Update]
(für die, die zwar Kommas setzten, aber keine Leerzeichen)

Und mein absolutes No-Go:

Maria ,die ihr langes ,blondes Haar stets zu einem Zopf band ,hüpfte ,als sie die Nachricht von Benedikt las.
(für die, die sich für eine Möglichkeit entschieden haben und die falsche gewählt haben)

Oh man.
Leute, so schwer kann das nicht sein. Gerade in Foren sind es übrigens häufig diejenigen, die über die Rechtschreibung und Tippfehler der anderen meckern und darüber lamentieren, dass die Jugend von heute ja so schlecht gebildet sei.

Also: Ein für alle mal merken: Das Leerzeichen gehört in nahezu allen Fällen HINTER das Komma.

PS: Übermäßige Tipp- und Rechtschreibfehler ärgern mich auch. Aber persönlich finde ich das nur halb so schlimm. Groß- und Kleinschreibung ist so eine Sache für sich. Texte, in denen man konsequent klein schreibt, sind häufig besser zu lesen als Texte, in denen es jemand zu 80% falsch macht.

Update 1: Neue grauenvolle Formatierung entdeckt.

Sehr geehrter Herr Klocke – Ein Brief an den verkehrspolitischen Sprecher der Landesregierung NRW


Unter CC some rights reserved  Fotograf: Stephan Kühn

Unter CC some rights reserved
Fotograf: Stephan Kühn

aus der Rheinischen Post habe ich heute erfahren, dass derzeit eine Diskussion zum Thema Lieferverkehr in deutschen Innenstädten im Landtag die Runde macht.
Ein verkehrspolitisch sicherlich wichtiges Thema, das möchte ich gar nicht bestreiten. Allerdings frage ich mich, ob der Internethandel wirklich das Problem ist – oder ob die Ursache für innerstädtische Staus nicht ganz wo anders liegt.

Zunächst einmal: Ich wohne selbst in einer Innenstadt. Verstopfungen aufgrund von gelben DHL-, braune UPS- oder blauen Hermes-Fahrzeugen habe ich noch nicht erlebt. Ja, die parken manchmal suboptimal, aber in der Regel nicht so, dass dadurch ein anderer Verkehrsteilnehmer so langsam wird, dass daraus quasi immer ein Stau entsteht. Eher ist es so, dass Privatpkw, die „kurz mal jemanden rauslassen“ möchten, ganz normale Lieferwagen, schlecht abgestellte Privatwagen, Busse usw. den Verkehr zum Erliegen bringen. Auch merkwürdige Ampelschaltungen tun ihren Dienst dazu. Hier allein auf den Lieferverkehr zu zeigen, finde ich etwas kurz gedacht.

Sicherlich bestellen heute viele Menschen – ich auch – Sachen im Internet. Doch das aus den unterschiedlichsten Gründen. Die meisten davon dürften aber schlicht und ergreifend keine Lust darauf haben in die Innenstädte zu müssen, die häufig ohnehin verstopft sind – und ich sehe da eher weniger Transportfahrzeuge als vielmehr Privatpkw, Busse, Straßenbahnen (gut, hier in Aachen keine Straßenbahn, dafür um so mehr Busse), Fußgänger, Radfahrer, schlechte Ampelschaltungen (oh ja, davon gibt es in Aachen eine Menge – daran können Sie aber nichts änder) und selbstverständlich auch die ganz normalen Lieferwagen, die Bekleidungsgeschäfte, Bäckereien, Dönerbuden, Restaurants, Kneipen, Buchläden usw. beliefern.
Die gelben Lieferwagen der DHL gehören da eher weniger zu den Störfaktoren.

Auch frage ich mich, wie sich die Diskussionsteilnehmer eine zentrale Abgabestelle vorstellen. Das kann nicht funktionieren.

Gemeinfrei

Gemeinfrei

1. Dann müssen die Leute, die jetzt zuhause sind, nämlich jeder einzeln dorthin, wo das Paket liegt. Entweder passiert das über einen Privatpkw – dann bräuchte man ein entsprechen großen Parkplatz vor dem Lagerhaus – oder über den ÖPVN. Das ist zwar tendenziell schon machbar, für den Verbraucher aber zeitlich wohl kaum machbar. Zudem führt es meines Erachtens nicht zu weniger, sondern zu mehr Verkehr, der vielleicht zunächst aus der Innenstadt raus fährt, aber eine halbe Stunde später auch wieder rein. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass Sie (ich meine hier die Regierung/die Diskussionsteilnehmer/den Landtag), diese Idee wirklich an den Wähler herantransportieren können, ohne dass der Ihnen den sprichwörtlichen Vogel zeigt.

2. Wenn ich mir vor Augen führe, wie das schon heute aussieht, wenn man ein Paket in der Post abholen muss – dann graut es mir. Ewig lange Schlangen, z.T. steht man dort mehr als 30 Minuten (dafür reicht die Mittagspause nicht aus), langsame Mitarbeiter, Leute, die nicht wissen, was sie abholen wollen, falsch gelieferte Pakete, falsch beschriftete Pakete, kein Zettel im Briefkasten usw.. Das in einem großen Versandzentrum? Besser kann es nicht werden, eher schlimmer.

3. Die Leute kaufen im Internet in der Regel deshalb ein, weil die Lage in den Innenstädten bereits katastrophal ist. Ich glaube nicht, dass hierfür eine kurzfristige Lösung seitens der Politik überhaupt machbar ist, denn vielfach liegt es am Sortiment des Einzelhandels oder an den Wünschen der Besteller. Auch ist die Lage gerade in kleineren Städten noch angespannter.
Ich – und ich glaube auch viele andere gerade in meinem Alter – habe keine Lust, vier mal in die Stadt zu fahren für einen Gegenstand, der vier mal nicht da ist. Oder auf einen Sache mehrere Tage zu warten, die mir das Internet (welche Händler auch immer) zum nächsten oder spätestens zum übernächsten Tag liefern können.
Erst kürzlich habe ich auf eine Grafikkarte für meinen Rechner fast eine Woche warten müssen. Das geht nicht, wenn man den Rechner dringend benötigt.
Weiter ist es so, dass die Leute auch Sachen bestellen, die eher „exotischer“ Natur sind, die man nur sehr schwer bekommt, und auf dem Land – wo ich geboren worden bin – gar nicht. Zumindest nicht, ohne wiederum wochenlang warten zu müssen.

CC some rights reserved  Fotograf: Horsch Quelle: Wikimedia Commons

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Fotograf: Horsch
Quelle: Wikimedia Commons

4. Es ist bereits viel zu spät, um eine solche Umstrukturierung zu machen. Bestellt und geliefert wird nicht erst seit vorgestern, sondern schon seit Zeiten von Quelle-, Otto- und Bofrostkatalogen. Die Leute sind es mittlerweile gewöhnt, zu Hause zu bleiben und von dort ihre Blurays, Schuhe (ich habe noch nie Schuhe im Internet bestellt), Katzenkratzbäume, und weiß der Himmel was noch zu bestellen. Das ist auch legitim. Ich habe oben schon gesagt, dass das Einkaufen im Handel nicht immer – vielleicht sogar in den seltensten Fällen – wirklich die Alternative ist. Außer, man weiß genau was man haben möchte und WOHNT günstig. Wenn ich erst eine halbe Stunde bis zum Laden brauche, wo ich das gewünschte Teil bestellen muss, dann überlege ich mir das zweimal. Wenn ich ohnehin am nächsten Tag wieder dorthin fahren müsste, um es abzuholen. (Das wären innerhalb von zwei Tagen auch zwei Stunden Fahrzeit). Und solche Leute gibt es, die sind gar nicht mal so selten.

Sollte es sich bei dieser Idee um eine Idee handeln, die die Innenstädte wiederbeleben soll – na ich weiß nicht. Der richtige Weg scheint mir das nicht zu sein, das Kind ist dafür im Brunnen mittlerweile ertrunken. Einfach auch, weil zwar alle drüber diskutiert haben, aber keiner mal rechtzeitig auf die Idee gekommen ist, ein Seil herunterzulassen.
Man belebt die Innenstadt nicht wieder, in dem man eine eigentlich für den Verbraucher attraktive Lösung meint einstampfen zu können. So sollte Politik auch nicht funktionieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Evas Sammelsurium

Ach ja. PS: Wen genau will man damit eigentlich einschränken? Geliefert werden auch Pizzen, Lebensmittel (aus Supermärkten, Bofrost usw.), Essen auf Rädern, Umzugswagen, usw.

Der Einzelhandel


Ich bin ein Liebhaber des Einzelhandels, zumindest in manchen Fällen. Ich gehe gerne durch Buchhandlungen und stöbere in den Büchern, ich gehe gerne in Bekleidungsgeschäfte und probiere Sachen an, ich kaufe sogar ab und an mal eine DVD in einer der bekannten Ladenketten. Auch versuche ich gerne, die kleinen Händler vor Ort zu unterstützen – Support your local dealer. Selbst mein neuestes Comicabo habe ich über eine Einzelhändler und nicht über Panini abgeschlossen.

So auch, als ich mir eine neue Hardware für meinen Rechner kaufen wollte, nachdem diese mir an einem Mittwochnachmittag/abend kaputt gegangen war. Nun ist diese Art von Hardware unerlässlich für das Betreiben meines Rechners (nein, das Motherboard war es nicht) und deshalb bestellte ich bei einem Händler vor Ort, den ich als schnell liefernd, zuverlässig und kompetent kennengelernt habe.

Und ich habe gelernt,wieso so viele Leute doch lieber online bestellen:

Ich habe also direkt am Morgen des nächsten Tages die neue Hardware bestellt. Mir wurde gesagt, es würde einige Tage dauern, bis sie eingetroffen sei. Ich rechnete demnach also mit Samstag. Da ich weiß, dass der Laden auch schon mal schneller liefert, habe ich bereits Freitagmorgen angerufen. Mir wurde gesagt, dass die Hardware als „versendet“ markiert worden ist und ich sie bereits am Nachmittag abholen gehen könnte. Ich bin also am Nachmittag voller Vorfreude dorthin. Dort wurde mir mitgeteilt: Nein, ist noch nicht da, entweder morgen oder spätestens Montag. Natürlich habe ich am Samstag angerufen. Die Hardware war noch nicht da.

Gut, ist zwar ärgerlich, das ganze Wochenende meinen Rechner nicht nutzen zu können – mein Laptop ist da keine echte Alternative – aber noch verkraftbar. Auch wenn mir bereits einmal das falsche Datum mitgeteilt worden war. Gut. Ich habe also am Montagmittag erst einmal eine E-Mail geschrieben (die nicht beantwortet wurde) und habe dann am Abend noch einmal angerufen. Antwort: Das Teil wäre immer noch nicht da. Der Lieferer habe sie als „versandt“ markiert, man wisse aber nicht, wo es sei. Ergo: Man weiß auch nicht genau, wann es kommt.

Ich habe dann gestern Abend die Bestellung storniert und mir das Teil per Morning-Express bei Amazon bestellt. Warum? Weil ich mir vorstellen könnte, dass das Ding auch heute noch nicht da ist. Und vielleicht morgen auch noch nicht.

Und ich habe keine Lust mehr, meinen Laptop zu benutzen.

Lieber Einzelhandel: Ich komme gerne wieder, aber wenn so etwas passiert, bin ich doch ziemlich angefressen. Dabei ist die Lieferzeit noch nicht einmal das Schlimme, sondern die Tatsache, dass ich gleich zweimal eine falsche Angabe über eine Lieferzeit bekommen hätte.
Hätte man mir schon am Donnerstag gesagt: Das Ding ist vor Dienstag nicht da, dann hätte ich gesagt: „Dann nehme ich das andere, das Sie anbieten“, oder aber: „Dann überlege ich es mir noch einmal.“

Wie hättet ihr gehandelt?

Murad


Die folgende Geschichte habe ich für einen Wettbewerb geschrieben – dummerweise aber das Abgabedatum total verschlafen.

Ich finde sie aber nicht so schlecht, weshalb ich sie ganz gerne hier publizieren würde:

Murad 

Krokus

Unter CC-Lizenz, Fotograf: Jörg Hempel

Die Blumen blühen. Es ist Frühling. In den schönsten Osterfarben leuchten die Blumen, die Häuser, die Menschen. Sogar das Blut, welches langsam in der Erde versickert. Sein Name ist Murad, 17 Jahre alt. Schüler der Realschule. Er hat nichts gemacht, davon abgesehen, dass er er selbst gewesen ist.
Zwei Jungen, nur wenig älter als er. Sie sind gekommen, sie haben seine Freundin angemacht. Fatema, das hübsche Mädchen vom Gymnasium, 15 Jahre alt ist sie, trägt ein Kopftuch. Dies hat die Jungen veranlasst, sie anzuspucken, sie am Arm zu greifen, sie festzuhalten und als „Türkenschlampe“ zu bezeichnen. Er hat nur das getan, was jeder getan hätte. Er hat ihnen gesagt, sie sollen aufhören. Einer trug einen Anzug. Kam von einer nur wenige Meter weiter stattfindenden Ansprache der örtlichen Rechtsextremen. Die Menschen haben ihm zugehört. Seriös war er schließlich. Im Anzug. Und mit einer so eloquenten Ausdrucksweise, so gebildet. Der muss recht haben, haben sie gedacht.

Murads Blut läuft an den gelben Krokussen vorbei, die im grünen Gras des Parks stehen.

Sie haben ihn zusammengeschlagen, einer hat ihm ein Messer in den Bauch gestochen. Hat gesagt, er hätte ihm seinen Arbeitsplatz weggenommen. Dabei ist Murad nicht einmal fertig mit der Schule, möchte aber noch dieses Jahr eine Ausbildung anfangen, zum Krankenpfleger. Die Aussichten sind gut, einen Ausbildungsplatz hat er schon. Was hat er getan…
Er hat seine Freundin schützen wollen, hat gesagt, sie sollen sie in Ruhe lassen.
Hat gesagt, er würde die Polizei rufen.
Und dann war da der Schmerz.

Schläge.
Tritte.
Ein Stich.
Dunkelheit

Wie eine große, goldene Kugel, die den Schatz des Lebens in sich trägt, scheint die Sonne vom Himmel herab. Taucht alles in helles Licht. Der blaue Himmel funkelt wie ein großer Edelstein. Glitzernd spiegelt sich das Blau des Krankenwagens und der Polizei.

Fatema ist weggelaufen, hat sich im Gebüsch hinter dem Kindergarten versteckt, sich ganz klein gemacht. Die jungen Männer haben sie nicht gesehen, obwohl sie sie gesucht haben. Sie sind weiter gegangen. Ein Mann hat ihnen nachgeblickt, er muss gesehen haben, dass sie Murad angegriffen haben. Er geht weiter. Fatema beginnt um Hilfe zu rufen. Ein Fenster wird zugeschlagen. Sie greift zu ihrem Handy, will eine Nummer wählen. Der Akku ist leer. Sie wirft das nutzlose Gerät zu Boden, läuft zu Murad.

Das Blut läuft an den Osterglocken vorbei. Fatema sieht die Wunde. Alles ist voller Blut.

Sie schreit, sie schreit, sie schreit.
Und nur wenige Meter entfernt redet ein Mann von der allgegenwärtigen Ausländerkriminalität und dass dies in den Genen und der Kultur läge.
Die wenigen direkten Zuhörer applaudieren. Einige gehen an dem Rasen vorbei, auf dem Murad liegt. Schnatternd schweigen sie.
Eine Frau kommt von links gelaufen. Sie zieht sofort ein Mobiltelefon aus der Tasche, als sie die Schreie hört. Sie sieht Murad. All das Blut.

Sie ruft die Polizei.
Sie ruft den Krankenwagen.
Sie sagen, dass sie nicht wissen, ob Murad überleben wird.
Sie sagen, er sei schwer verletzt worden.

Die Polizei nimmt die Beschreibung der Täter auf. Einen Tag später wird die Zeitung darüber berichten. Fatemas Hinweis auf die Rechtsextremen wird zur Kenntnis genommen.
In der Zeitung steht: Streit unter Jugendlichen.

Die Kommentare:

Wer hat wohl angefangen?
Immer diese Türken.

Und Murad hat einen deutschen Pass – seit seiner Geburt.
Noch piepst das EKG.