Sehr geehrter Herr Klocke – Ein Brief an den verkehrspolitischen Sprecher der Landesregierung NRW


Unter CC some rights reserved  Fotograf: Stephan Kühn

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aus der Rheinischen Post habe ich heute erfahren, dass derzeit eine Diskussion zum Thema Lieferverkehr in deutschen Innenstädten im Landtag die Runde macht.
Ein verkehrspolitisch sicherlich wichtiges Thema, das möchte ich gar nicht bestreiten. Allerdings frage ich mich, ob der Internethandel wirklich das Problem ist – oder ob die Ursache für innerstädtische Staus nicht ganz wo anders liegt.

Zunächst einmal: Ich wohne selbst in einer Innenstadt. Verstopfungen aufgrund von gelben DHL-, braune UPS- oder blauen Hermes-Fahrzeugen habe ich noch nicht erlebt. Ja, die parken manchmal suboptimal, aber in der Regel nicht so, dass dadurch ein anderer Verkehrsteilnehmer so langsam wird, dass daraus quasi immer ein Stau entsteht. Eher ist es so, dass Privatpkw, die „kurz mal jemanden rauslassen“ möchten, ganz normale Lieferwagen, schlecht abgestellte Privatwagen, Busse usw. den Verkehr zum Erliegen bringen. Auch merkwürdige Ampelschaltungen tun ihren Dienst dazu. Hier allein auf den Lieferverkehr zu zeigen, finde ich etwas kurz gedacht.

Sicherlich bestellen heute viele Menschen – ich auch – Sachen im Internet. Doch das aus den unterschiedlichsten Gründen. Die meisten davon dürften aber schlicht und ergreifend keine Lust darauf haben in die Innenstädte zu müssen, die häufig ohnehin verstopft sind – und ich sehe da eher weniger Transportfahrzeuge als vielmehr Privatpkw, Busse, Straßenbahnen (gut, hier in Aachen keine Straßenbahn, dafür um so mehr Busse), Fußgänger, Radfahrer, schlechte Ampelschaltungen (oh ja, davon gibt es in Aachen eine Menge – daran können Sie aber nichts änder) und selbstverständlich auch die ganz normalen Lieferwagen, die Bekleidungsgeschäfte, Bäckereien, Dönerbuden, Restaurants, Kneipen, Buchläden usw. beliefern.
Die gelben Lieferwagen der DHL gehören da eher weniger zu den Störfaktoren.

Auch frage ich mich, wie sich die Diskussionsteilnehmer eine zentrale Abgabestelle vorstellen. Das kann nicht funktionieren.

Gemeinfrei

Gemeinfrei

1. Dann müssen die Leute, die jetzt zuhause sind, nämlich jeder einzeln dorthin, wo das Paket liegt. Entweder passiert das über einen Privatpkw – dann bräuchte man ein entsprechen großen Parkplatz vor dem Lagerhaus – oder über den ÖPVN. Das ist zwar tendenziell schon machbar, für den Verbraucher aber zeitlich wohl kaum machbar. Zudem führt es meines Erachtens nicht zu weniger, sondern zu mehr Verkehr, der vielleicht zunächst aus der Innenstadt raus fährt, aber eine halbe Stunde später auch wieder rein. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass Sie (ich meine hier die Regierung/die Diskussionsteilnehmer/den Landtag), diese Idee wirklich an den Wähler herantransportieren können, ohne dass der Ihnen den sprichwörtlichen Vogel zeigt.

2. Wenn ich mir vor Augen führe, wie das schon heute aussieht, wenn man ein Paket in der Post abholen muss – dann graut es mir. Ewig lange Schlangen, z.T. steht man dort mehr als 30 Minuten (dafür reicht die Mittagspause nicht aus), langsame Mitarbeiter, Leute, die nicht wissen, was sie abholen wollen, falsch gelieferte Pakete, falsch beschriftete Pakete, kein Zettel im Briefkasten usw.. Das in einem großen Versandzentrum? Besser kann es nicht werden, eher schlimmer.

3. Die Leute kaufen im Internet in der Regel deshalb ein, weil die Lage in den Innenstädten bereits katastrophal ist. Ich glaube nicht, dass hierfür eine kurzfristige Lösung seitens der Politik überhaupt machbar ist, denn vielfach liegt es am Sortiment des Einzelhandels oder an den Wünschen der Besteller. Auch ist die Lage gerade in kleineren Städten noch angespannter.
Ich – und ich glaube auch viele andere gerade in meinem Alter – habe keine Lust, vier mal in die Stadt zu fahren für einen Gegenstand, der vier mal nicht da ist. Oder auf einen Sache mehrere Tage zu warten, die mir das Internet (welche Händler auch immer) zum nächsten oder spätestens zum übernächsten Tag liefern können.
Erst kürzlich habe ich auf eine Grafikkarte für meinen Rechner fast eine Woche warten müssen. Das geht nicht, wenn man den Rechner dringend benötigt.
Weiter ist es so, dass die Leute auch Sachen bestellen, die eher „exotischer“ Natur sind, die man nur sehr schwer bekommt, und auf dem Land – wo ich geboren worden bin – gar nicht. Zumindest nicht, ohne wiederum wochenlang warten zu müssen.

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4. Es ist bereits viel zu spät, um eine solche Umstrukturierung zu machen. Bestellt und geliefert wird nicht erst seit vorgestern, sondern schon seit Zeiten von Quelle-, Otto- und Bofrostkatalogen. Die Leute sind es mittlerweile gewöhnt, zu Hause zu bleiben und von dort ihre Blurays, Schuhe (ich habe noch nie Schuhe im Internet bestellt), Katzenkratzbäume, und weiß der Himmel was noch zu bestellen. Das ist auch legitim. Ich habe oben schon gesagt, dass das Einkaufen im Handel nicht immer – vielleicht sogar in den seltensten Fällen – wirklich die Alternative ist. Außer, man weiß genau was man haben möchte und WOHNT günstig. Wenn ich erst eine halbe Stunde bis zum Laden brauche, wo ich das gewünschte Teil bestellen muss, dann überlege ich mir das zweimal. Wenn ich ohnehin am nächsten Tag wieder dorthin fahren müsste, um es abzuholen. (Das wären innerhalb von zwei Tagen auch zwei Stunden Fahrzeit). Und solche Leute gibt es, die sind gar nicht mal so selten.

Sollte es sich bei dieser Idee um eine Idee handeln, die die Innenstädte wiederbeleben soll – na ich weiß nicht. Der richtige Weg scheint mir das nicht zu sein, das Kind ist dafür im Brunnen mittlerweile ertrunken. Einfach auch, weil zwar alle drüber diskutiert haben, aber keiner mal rechtzeitig auf die Idee gekommen ist, ein Seil herunterzulassen.
Man belebt die Innenstadt nicht wieder, in dem man eine eigentlich für den Verbraucher attraktive Lösung meint einstampfen zu können. So sollte Politik auch nicht funktionieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Evas Sammelsurium

Ach ja. PS: Wen genau will man damit eigentlich einschränken? Geliefert werden auch Pizzen, Lebensmittel (aus Supermärkten, Bofrost usw.), Essen auf Rädern, Umzugswagen, usw.

Bürokratie – Wie ich mehr Zeit mit meinem Praktikumsbericht verschwendete, als mit meiner Bachelorarbeit


Liebes Dekanat – nein falsch, das kann im Zweifel nichts dafür – liebe Praktikumsbeauftragten, Assistenten und alle, die mit den Formalia zu tun haben:

Wie kann es sein, dass ich mich seit drei Tagen mit meinem Praktikumsbericht herumschlage und zwar nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des beschissenen Zeilenabstands? Wie kann es sein, dass ich mir – und ich finde das auf mich bezogen beleidigend – anhören muss, ich könne mit meinem Textverarbeitungsprogramm nicht umgehen, weil Sie so eine merkwürdige Angabe auf ihrer Homepage machen?
Ich habe gestern sogar eine Kommilitonin gefragt, welchen Abstand sie für ihren 5-seitigen Praktikumsbericht genommen hat und sie sagte: eineinhalb Zeilen. Wie in ALLEN wissenschaftlichen Arbeiten, die wir schreiben.

Soweit so gut, hab ich mir gedacht, und die gleiche Einstellung genommen. Diesen Bericht habe ich dann ins Büro der Praktikumsbeauftragten geschickt und siehe da: Es ist immer noch falsch. Ich bin weder zu blöd ihre Homepage zu lesen, noch bin ich zu dumm, mein Textprogramm zu benutzen, mir einen Kurs anzuraten halte ich sogar für extrem unhöflich, auch wenn die Leute mich nicht kennen.

Ich werde doch wohl nach drei Jahren an der RWTH in der Lage sein, mit meinem Textprogramm so umgehen zu können, dass ich einen Bericht schreiben kann, der die Menschen dort ruhig stellt, oder? Und kompliziert ist das wirklich nicht.

Aber nein, auf Ihrer Homepage muss ja stehen: Zeilenabstand: 1,2. Wie mein alter Mathematiklehrer jetzt fragen würde: „Kartoffeln?“ Ja, was denn nun? Cm? Inch? Zoll? Mm? Marmelade?
Nun wird MIR vorgeworfen, ich könne mit der Textverarbeitung nicht umgehen. Vielen Dank, liebes Büro. DAS kann ich jetzt gerade gar nicht brauchen. Warum nicht einfach – ganz einfach – die Formalia an all die schönen anderen Formalia der Fakultät anpassen (Seitenränder, EINEINHALBZEILIGER Abstand, Times New Roman usw.)? Wäre das zu einfach? Wäre das zu wenig Bürokratie?
Ich habe es ehrlich gesagt, einfach satt, mich mit sowas zu beschäftigen. Ich habe versucht, einen vernünftigen Bericht einzureichen, der einen schönen Sprachstil und eine lesbare Struktur aufweist, und Sie können mir immer noch keine vernünftige Antwort zu den Formalia geben. Das finde ich unhöflich!

Schließlich sind Sie für uns Studenten da, nicht wir für Sie. Und da finde ich es nicht verkehrt, wenn Sie sich mal fünf Minuten Zeit nehmen, mir als Student einen vernünftige, plausible Antwort zu geben, die wohl davon ausgeht, dass ich mich mit einem Standard-Textverarbeitungsprogramm auskenne.

DANKE SEHR.

PS: Nach einem langen Suchen im Internet bin ich übrigens darauf gestoßen, WARUM das Ganze so ein Palaver war: Früher – noch vor meiner Zeit – gab es Word für RWTH-Studenten kostenlos. Neben der Einstellung für den eineinhalbfachen Zeilenabstand (1,5) gab es DORT auch einen für einen 1,2- und 1,3-fachen.
Da Word nicht mehr kostenlos ist, nutzen einige Studenten, die dieses teure Programm nicht haben, Ausweichprogramme wie OpenOffice oder in meinem Falle LibreOffice. Die Programm sind (mindestens) genauso gut wie Word, aber haben diese Einstellung nicht.

Ich habe nach einem Telefonat der zuständigen Damen mitgeteilt, dass eine Angabe dort über 16pt, bzw. 18pt deutlich hilfreicher wäre, weil es für alle Programme einstellbar ist. Leider hat sich an der Seite bis heute nichts getan. Es sind immer noch – wie mein alter Mathelehrer zu sagen pflegte – Kartoffeln.

Bibliographieren – Irrelevante Angaben.


Jedesmal wenn ich eine Hausarbeit schreiben muss, gibt es einen Punkt, an dem ich am liebsten den (Germanistik-)Reader an die Wand klatschen und mit einem mir hinterherlaufenden Mob von Bauern mit Forken und Fackeln im Gepäck zum Kármán würde. Warum?

Wegen bibliographischen Angaben. Nicht, dass ich da etwas gegen hätte, sie sind nützlich und sollen dem Leser und Prüfer der Arbeit zeigen, welche Bücher man benutzt hat. Gleichzeitig gibt man als Schreiber natürlich das Werkzeug in die Hand, diese Bücher schnell und einfach aufzufinden.
Das kann ich voll und ganz nachvollziehen und es gehört selbstverständlich zum wissenschaftlichen Arbeiten hinzu. Wenn ich mir dann aber vorstelle, dass dieses Zeug relevant für meine Note sein kann… dann denke ich mir, dass im Wissenschaftstandort Deutschland irgendetwas gewaltig schief läuft.

Nicht, weil es Vorschriften gibt, wie man sie aufbaut und das man sie anzugeben hat. Sondern wegen des „wie“ und des „was“.
Um ein Buch zu finden (ohne ISBN-Nummer versteht sich), benötigt es doch eigentlich nicht mehr als den Titel und den Autorennamen sowie das Jahr, vor allem, wenn es neuere Auflagen gibt. Verlagsangaben kann ich auch nachvollziehen, sind aber längst nicht überall von Nöten.

Gibt es keinen Autor, ist ein Herausgeber zu nennen und handelt es sich um einen Artikel aus einem Lexikon oder einer Sammelschrift, dann natürlich auch der Autor und die Seitenzahl des jeweiligen Unterkapitels.
Soweit, so gut, so einfach.

Haha, denke ich mir heute, als ich sehe, wie ich den Artikel zum literarischen Biedermeier aus dem Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte nachweisen muss.

Warum?

Schaut’s euch an:

Emrich, Berthold: Biedermeier, literarisches. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Begründet von Paul Merker und Wolfgang Stammler, hg. von Werner Kohlschmidt und Wolfgang Mohr, neu bearbeitet und unter redaktioneller Mitarbeit von Klaus Kanzog. Bd. 1: A-K. 2. Auflage. Berlin: de Gruyter 1958, S. 168-173.   

Was davon ist notwendig, um den Artikel zu finden?

1. Name des Autoren des Titels
2. Titel/Stichwort
3. Lexikon, in dem er erschienen ist (in diesem Falle)
4. Jahr
5. Band
6. Seitenzahl.

Mit diesen Angaben ließe sich das entsprechende Buch und der entsprechende Text prima finden. Gerade in einer germanistischen Bibliothek.
Was muss ich noch angeben?
Ich habe es mal fett markiert:

Emrich, Berthold: Biedermeier, literarisches. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Begründet von Paul Merker und Wolfgang Stammler, hg. von Werner Kohlschmidt und Wolfgang Mohr, neu bearbeitet und unter redaktioneller Mitarbeit von Klaus Kanzog. Bd. 1: A-K. 2. Auflage. Berlin: de Gruyter 1958, S. 168-173.

Ort, Verlag und Jahr hab ich unmarkiert gelassen, weil es schon hilfreich sein kann. Im Grunde kann man dennoch sagen, dass mehr als die Hälfte der Angabe eigentlich völlig irrelevant ist. Dass man den Herausgeber angibt, kann ich noch nachvollziehen, aber wer es begründet hat? Wer redaktioneller Mitarbeiter war? Klaus Kanzog? Nie gehört und suchen würde ich danach auch nicht. Aber so gibt es unser Reader vor und wehe man setzt mal einen Punkt oder ein Komma falsch…

Weitere Beispiele gefällig?

Kemper, Dirk: Biedermeier. In: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Begründet von Günther und Irmgard Schweikle. hg. von Dieter Burdorf, Christoph Fasbender und Burkhard Moennighoff, 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart et al.: Metzler 2007, S. 85-86.

Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Herausgegeben im Auftrag der Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, des Bischofs von Luxemburg, des Bischofs von Lüttich, des Bischofs von Bozen-Brixen. Freiburg, Basel, Wien: Herder 1980.

Heinzle, Joachim: Nibelungensage und >Nibelungenlied< im späten Mittelalter. In: Forschungen zur Literatur des Spätmittelalters. Festschrift für Johannes Jota, hg von Horst Brunner und Werner Williams-Krapp. Tübingen: Niemeyer 2003

Mir geht es nicht darum, dass manchmal die Herausgeberangaben durchaus sinnvoll sind. Das weiß ich auch. Ich denke mir nur, dass es eine ganze Menge unnötiger Arbeit und Beschwörung unnötiger und vor allem unwichtiger Fehler ist, Sachen anzugeben, die man tatsächlich – um das Buch zu finden – nie, nie, nie brauchen wird.

Als ich noch in der Bibliothek gearbeitet habe, hab ich den Studenten immer gesagt, sie sollten korrekt zitieren und korrekt bibliographieren, weil das sonst gerne mal ein paar Punkte kosten kann.
Und natürlich habe ich ihnen auch gesagt, warum man nicht gleich nur die ISBN angibt. (Bücher ohne ISBN, mit gleicher ISBN, schwierigere Suche in den Bibliotheken usw.).

Warum man aber redaktionelle Leitung mit angeben muss, warum die Begründer angegeben werden müssen und warum die Herausgeber (wenn man doch sonst alles hat), ist mir schleierhaft.

Ganz ehrlich.

PS: Ach ja, ich hätte es beinahe vergessen. In unserem Germanistikreader sind auch noch Fehler drin.

So sieht die Formel zum Nachweis für Lexikaartikel aus:

Nachname, Vorname des Verfassers: Stichwort/Artikel. In: Ggf. Ders./Dies.: Titel des Lexikons. Untertitel. ggf. hg. von Vorname[n] Nachname[n]. Ggf. BAnd x: Titel des Bandes, ggf. hg. von Vorname[n] Nachname[n]. Auflage. Ort: Verlag Jahr, Sp.[alte(n)] x-y oder S.[eite(n)] x-y.

Und so sieht die Beispielangabe dazu aus:

Rosenfeld, Hellmut: Plagiat. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Begründet von Paul Merker und Wolfgang Stammler, hg. von Werner Kohlschmidt und Wolfgang Mohr, neu bearbeitet und unter redaktioneller Mitarbeit von Klaus Kanzog. 2. Auflage. Bd. 3: P-Sk, hg. von Klaus Kanzog und Achim  Masser. Unveränderte Neuausgabe. Berlin, New York: de Gruyter 2001, S. 114-126.

Na, wem fällt der Fehler auf?

Dem Baum zur Ehr‘


Bild von: Klaus Kappel aus den Wikimedia Commons
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Link: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baum-mw.jpg

In Aachen, meiner momentanen Wahlheimat, beherrscht seit einiger Zeit unter anderem ein Thema die Nachrichten. Der Umgau des Templergrabens, die Straße vor dem Hauptgebäude der RWTH. Dort soll ein sogenannter Shared Space entstehen, wie es sie schon seit einiger Zeit in den Niederlanden gibt. Beim Shared Space Konzept teilen sich Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt eine Fläche. Sprich: Es gibt keine vorgeschriebene Einteilung mehr in „Straße“ und „Fußweg“. Jeder achtet auf jeden.

Was so unvorstellbar klingt, muss es gar nicht sein, denn – wie gesagt – in den Niederlanden gibt es derartige Konzepte bereits. Aber über das Konzept soll hier gar nicht geredet werden, sondern über das, was damit verbunden ist.

Die Umstrukturierung der gesamten Fläche.

Vor dem Karman-Auditorium in Aachen standen ziemlich viele Plantanen. Nicht gerade die Bäume, die ewig brauchen zum Wachsen, gehören eher zu der Sorte Bäume, die doch recht zügig wächst.
Diese Bäume mussten, um einen Umbau des Templergrabens und eine dringend nötige Umgestaltung des Karman-Vorplatzes, gefällt werden. Dass gab schon bei den ersten Bäumen einen riesen Palaver, manch Aachener begann sich schon selbst als „Wood-Bürger“ zu bezeichnen.
Ich habe nichts gegen Leute, die die Bäume schützen und Aachen grün halten wollen. Doch darf man nicht vergessen, dass für Umbauarbeiten in größerem Maßstab häufig Pflanzen und Bäume dran glauben müssen. Das ist zugegebenermaßen recht traurig und sollte so weit es irgendwie möglich ist – und ich meine auch finanziell möglich – vermieden werden.
Doch die Bäume am Karman waren weder besonders erhaltenswürdig – es ist ja keine 1000 Jahre alte Eiche dabeigewesen – noch sind sie sonderlich hübsch. Die Plantanen, für deren Erhalt manch Aachener gekämpft hat, sind in meinem Umfeld unter den Studenten gar nicht so sonderlich beliebt gewesen. Unter anderem deshalb, weil sie die Platten um die Bäume herum mit ihren Wurzel bereits anhoben und die Fläche im Winter damit noch gefährlicher wurde. Auch standen um die im Quadrat angeordneten Bäume keine Bänke, sondern höchstens Fahrradständer, sodass der Platz gar nicht korrekt genutzt werden konnte. Schade, eigentlich.

Und auch Schade, dass die Bäume jetzt weg sind.

Die Bauarbeiten haben jetzt in jedem Falle begonnen und sind auch schon recht weit fortgeschritten. Es ist halt wirklich viel zu tun.

Jetzt laufe ich heute nichtsahnend am Karman-Auditorium herum und was sehe ich? An diversen Bäumen und Ampeln hängen Pappschilder, die mit teils sehr drastischen Worten die Uni, die Studenten und die Befürworter des Projekts für anscheined den Untergang der Welt verantwortlich machen. Warum? Weil einerseits noch ein paar mehr Bäume gefällt werden sollen und andererseits ja schon so viele weg sind.
Ich gebe insofern recht: Bäume bieten Vögeln und anderen Lebewesen Lebensraum, lassen die Stadt grüner werden und sorgen für Schatten. Aber im Endeffekt sind es ein paar Bäume.
Wie gesagt: Auch ich finde es sehr, sehr schade, dass man die Plantanen dort gefällt hat. Aber ich sehe auch, dass es nötig ist, um ein modernes Verkehrssystem zu schaffen, welches nicht – wie so oft in Aachen – die Autofahrer bevorteilt und die Fußgänger unnötig lange warten müssen, um von der einen auf die andere Straßenseite zu kommen.

Meine Sympathie für die Wood-Bürger wäre größer, würden sie nicht nur schreien, sondern durchführbare Alternativen vorschlagen. Aber meine Suchen im Internet war kurzweilig, weil ich nichts definitives gefunden habe, außer Vorschläge alla Stufenbau und weitere Treppen. Doch genau das gilt es gerade am Karman zu verhindern. Denn schon jetzt ist es für behinderte Menschen aufgrund der vielen Treppen ziemlich schwierig, einen guten Zugang zum Karman zu finden..

Was zu sagen bleibt:

Liebe Wood-Bürger, nennt durchführbare Alternativen, die für die Studenten, die dort tagtäglich herumlaufen, akzeptabel sind, die eine Alternative für Behinderte darstellt und finanziell machbar ist, ohne das man dabei Bäume wochenlang herumkarren muss.

Lieber Spiegel


Im heutigen Artikel zur Schließung der Seite „megaupload.com“ (in wie weit man das gut oder schlecht finden muss, will ich hier nicht erörtern), den ich gerne gelesen hätte, weil mich das Thema doch brennend interessiert, habe ich bereits nach einigen Abschnitten aufgehört zu lesen. Warum?

Ganz einfach. Eigentlich bin ich mit eurem Blatt sehr zufrieden, meistens gute Recherchen und  kontroverse Artikel. Aber der Abschnitt:

„Im Jahr 2000 gab es in Deutschland 170.000 DSL-Anschlüsse. Das war das Jahr, in dem die Dotcom-Blase platzte, das Internet also plötzlich nicht mehr ganz so sexy zu sein schien. Aber es war auch das Jahr, in dem die Ur-Tauschbörse Napster ihren großen Durchbruch feierte. Sie erwies sich als Killer-Anwendung für DSL-Zugänge. Bereits 2001 waren es hierzulande 1,9 Millionen Anschlüsse, die Anzahl hatte sich binnen eines einzigen Jahres verelffacht – dank der Möglichkeit, plötzlich kostenlos und in unbegrenzter Menge an Musikdateien zu kommen.“

(Quelle: Stöcker, Christian: Megaupload und Co. Die geheimen Gesetze des Raubkopierer-Untergrunds. Spiegel, 20.01.2012. Link: Hier. Ebenfalls Auszug aus dem Buch: „Nerd Attack. Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook. Ein Spiegel-Buch)

Hat mich wirklich gestört. Das unter dem Artikel stand, es handle sich um einen Auszug aus einem Buch, macht das Erscheinen im Spiegel vielleicht etwas harmloser. Aber der Punkt ist: Es bleibt doch trotzdem falsch.
Ich verweise nochmal auf die wirklich kritische Passage: Da wird doch glatt behauptet, dass die Zahl der DSL-Anschlüsse zugenommen hat, weil – Achtung – man die Möglichkeit sah, Daten im Internet herunter zu laden!

Was soll denn das? Das wäre doch, als würde man sagen, dass die Zahl der Autos zugenommen hat, weil man damit schneller vom Tatort eines Banküberfalls weg kommt. Man blicke mal in die 20er Jahre. Dillinger und Co…..

Bleibt noch zu sagen: Ich hätte schon bei der Überschrift aufhören sollen. Wer was raubt, der wendet Gewalt an und bewegt meistens etwas, das nicht wieder zurückgegeben werden kann – außer man schnapp den Täter. Bei „Raubkopien“ ist aber nur der zweite Teil des Wortes wichtig: Kopieren. Das „Original“ ist also noch da. Aber das ist nur Wortklauberei.

Wucherpreise in Bibliotheken


Quelle: Wikimedia Commons Urheber: SteKrueBe Lizenz: CC some rights reserved

Tja, ich bezeichne mich selbst in Bezug auf Bücher immer gerne als sehr gewissenhaften Menschen. Ich arbeite selbst in einer Institusbibliothek. In geliehenen Büchern – ob aus der Bibliothek oder von Privatpersonen – male ich nicht rum, mache keine Eselsohren rein und versuche, sie auch pünklich abzugeben.

Das will mir nicht immer gelingen. In der Hochschulbibliothek ist das ärgerlich, es kann sich auch mal summieren, aber was sich die Bibliothek für Politische Wissenschaft an der RWTH leistet, grenzt wirklich an Wucher. Denn im Gegensatz zur Hochschulbibliothek, die auch in den Semesterferien jeden Tag auf hat, hat die Bibliothek der PoWi ab August nur noch an Donnerstagen auf! Nicht allein, dass das schon Grund genug wäre, sich zu beschweren, es kommt noch besser. Bis in die Nacht des 02.08 habe ich an meinen Hausarbeiten gesessen, unter anderem auch in Politik. Dienstagmorgen habe ich dann meine Hausarbeiten abgegeben, im Sekretariat, die Bibliothek hatte ja zu. Dann war ich einen Donnerstag nicht da – war auf dem Conquest of Mythodea.Hatte ja auch noch Leihfrist und dachte mir, gibst du die Bücher dann demnächst mal ab. Der Donnerstag drauf war für mich auch schlecht, ich kam nicht weg. Warum genau, weiß ich nicht mehr. Am kommenden Montag, also dem 15.08. bekam ich eine automatisch generierte E-Mail darüber, dass meine Leihfrist am 17.08 (das war ein Mittwoch) abläuft. Haha. Jetzt durfte ich auch schon Strafe zahlen, weil die BIBLIOTHEK NICHT AUF HAT, wenn ich das Buch an einem regulären Wochentag abgeben muss. In der Hoffnung, die Bibliothek würde vielleicht dennoch irgendwie mehr als einmal in der Woche (nämlich am Öffnungstag DONNERSTAG) ihre E-Mails abrufen, schrieb ich also eine E-Mail, dass ich am Donnerstag ganz sicher nicht in Aachen wäre und ob eine andere Möglichkeit der Rückgabe der Bücher bestünde. Wann bekam ich die Antwort? Richtig, Donnerstag morgen, als ich zwei Zugstunden entfernt von Aachen war. Und lange hat die Bibliothek natürlich auch nicht auf….

Und in dieser E-Mail stand drin, dass ich die Bücher auch im Sekretariat abgeben könnte, das DIENSTAGS und MITTWOCHS geöffnet hat. Die Strafe müsste ich aber trotzdem zahlen, da die Tatsache, dass die Bibliothek im August und September nur (mit zwei Ausnahmen) nur Donnerstags aufhabe ja hinlänglich bekannt gewesen wäre. Tolle Wurst, wie mein Vater zu sagen pflegt.
Ach ja, das Sekretariat hat natürlich nur zwischen 9.00 Uhr und 13.00 Uhr auf.

Jetzt berechnet die Bibliothek aber nicht pro Öffnungstag – wie es eigentlich sinnig wäre – sondern pro KALENDERTAG. Also Feiertage, Wochenende und Tage eingerechnet, wo die Bibliothek überhaupt nicht aufhat.
Das empfinde ich als eine bodenlose Frechheit. Ich kann verstehen, dass die Bibliothek ihre Bücher zurückhaben möchte. Da habe ich vollstes Verständnis für. Aber mir jetzt eine Strafe aufzubrummen, die sich für die fünf Bücher die ich hier habe schon auf 10 Euro beläuft, finde ich wirklich sehr dreist. Wartet man länger, darf man auch schon 25 Euro bezahlen.
Nehmen wir mal an, ich wäre am Donnerstag in Urlaub gefahren? Dürfte ich dann 25 Euro für Bücher bezahlen, weil die Bibliothek mir a) nicht rechtzeitig bescheid gibt – nämlich vor dem nächstmöglichen Rückgabetermin vor Ablauf der Frist und b) weil sie nur Donnerstags und das Sekretariat (von dem ich gar nicht wusste, dass ich die Bücher dort zurückgeben kann) nur Dienstags und Mittwochs auf hat? Ach ja, und laut Insitutshomepage im August auch nur Donnerstags? Ergo: Ich muss die Bücher Donnerstag zurückgeben. Eine andere Alternative bleibt nicht.

Was mich ganz konkret stört: Das ich zahlen muss, obwohl ich sie eigentlich a) gerne pünklich zurückgegeben hätte und b) ich sie nur und ausschließlich an einem Donnerstag zurückgeben kann, sollte das Sekretariat – wie zu erwarten – doch nur Donnerstags aufhaben.

Vielleicht sollten da noch mal ein paar Leute drüber nachdenken…..

Neulich in der Post


Autor: Huhu Uet; commons.wikimedia.org

Es kann schon schwierig sein, ein Paket anhand der Adresse aus dem Lager zu holen. Erst recht dann, wenn der Kunde einem noch mitteilt, dass das Paket am Vortag geliefert wurde… Ja. Schwierig.

Aber ich fang von vorne an:
Ich hatte über ein Forum ein gute Geschäft machen können und wartete jetzt auf das Paket. Das traf leider ein, als ich nicht da war und wie immer warf mir die Post so einen schönen gelben Zettel in den Briefkasten, dass bei der Poststelle ein Packet auf mich warten würde. Schön, dachte ich mir, gehst du das morgen nach der Arbeit direkt abholen.
Ich hatte nur meine kleine rote Tasche mit, habe aber festgestellt, dass ich noch bei der Hochschulbibliothek vorbei musste. Das habe ich dann erledigt und meine kleine rote Tasche war bis oben hin voll mit Büchern. Das Zettelchen, welches ganz unten lag, hatte ich schon vergessen, und war ganz froh, dass ich alle Bücher noch in die Tasche gequetscht bekommen hatte und der Reisverschluss auch noch zu ging.

Bei der Post war wenig los, keine Schlange, ich bin also sofort durch zu der Theke. Zum besseren Verständnis: Es handelt sich um eine dieser Poststellen, die in einen anderen Laden – in diesem, wie in vielen anderen Fällen auch, Fall ein Schreibwarengeschäft – integriert ist. Dort stand eine Frau, so um die 50 Jahre, grimmig drein schauend. Ich lege, weil ich es ja weiß, meinen Ausweis vor. Dort steht drauf, wer ich bin und auch wo ich wohne. Und dann habe ich einen Fehler gemacht. Ich habe diese Dame gefragt, ob sie unbedingt diesen kleinen gelben Zettel braucht – obwohl ich weiß, dass das nicht der Fall ist. (Kleine Anmerkung am Rande: Für mich kam mal ein Paket an, aber ich hatte keinen Zettel im Briefkasten. Nach einigen Gesprächen mit dem Versender und der Post war dann klar, es liegt dort in der Poststelle, den Zettel brauche ich NICHT). Ich wusste es also besser. Und habe trotzdem gefragt. Vermutlich aus Höflichkeit.

Bei dieser Frage verwandelte sich die Frau plötzlich – naja, nicht ganz so plötzlich. Aus ihrem Rücken wuchsen riesige, schuppige Flügel, ihr Atem roch nach Schwefel und bei jedem Wort spuckte sie genug Feuer, um den ganzen Laden abzubrennen: „Ja, weil da das Sendedatum draufsteht.“ Ich, im Hinblick auf die vollgestopfte Tasche, sagte ihr, dass ich die Tasche bis oben voll habe, und der Zettel ganz unten drin liegt. Ich kann verstehen, die Frau wird vermutlich gedacht haben, dass ich nur keine Lust habe, diesen Zettel hervorzukramen. Wer jetzt kommt: „Aber du hättest ja gar keinen Zettel haben können – da könnte ja jeder kommen“ – richtig. Aber mein Ausweis zeigt immer noch mich und das Paket war auch an mich addressiert.
Ich sage der Dame also das Datum des Vortages, aber sie reagiert darauf gar nicht. Ich fange also ganz langsam und mit Bedacht an, meine Bücher aus der Tasche zu räumen. Hinter mir stand ja noch keiner. Eines nach dem anderen. Ich habe sie schön gestapelt, schließlich lagen dort sechs Bücher auf der Theke. Den Zettel hatte ich zu dieser Zeit längst schon gefunden, aber ich dachte mir, dass ich sie doch noch länger aufhalten könnte, wenn ich schon dabei wäre. Ich weiß, dass das gemein ist.

Dann drückte ich ihr den Zettel in die Hand und habe versucht, meine Bücher wieder einzupacken, was natürlich bis zum Zeitpunkt der Rückkehr der Dame aus dem Lager nicht gelang, und habe mein Paket in Empfang genommen. Da stand dann auch schon der nächste hinter mir. Da dieser Mensch mir ja nichts getan hatte, habe ich mir also die restlichen Bücher unter den Arm geklemmt und mich auf einem Hocker ans Einpacken gemacht.

Was ich draus gelernt habe? Nächstes Mal einfach sagen, dass ich den Zettel nicht dabei habe oder nie bekam. Das wäre auch so eine Option….