Wahlergebnisse, die traurig machen


Ich weiß gar nicht, was mich schwerpunktmäßig so traurig am Wahlerfolg der AfD macht.

Ist es die Tatsache, dass es eine Menge Leute zu geben scheint, die die Parolen der Partei glauben und glauben, Frauke Petry und ihre Anhänger hätten die Lösungen für nationale, europäische und globale Probleme?

Ist es die Tatsache, dass es Menschen gibt, die die AfD wählen, weil sie meinen, dass das eine „Protestaktion“ ist?

Ist es die Tatsache, dass das vermutlich die selben Menschen sind, die nicht verstehen, warum wir uns heute immer noch mit
der Shoa, dem Dritten Reich, Hitler und der Schuldfrage beschäftigen?

Ist es die Tatsache, dass es mehr Leute gibt, die in ihrem Kopf rechte und auch rechtsextreme Thesen haben?

Ist es die Tatsache, dass man, obwohl man aufklärt über das Parteiprogramm und die Ideologie hinter der AfD anscheinend auf vollkommen taube Ohren stößt?

Ist es die Tatsache, dass immer noch eine viel zu große Zahl von Menschen nicht wählen geht?

Ist es die Tatsache, dass man als Mensch, der gegen die AfD spricht, das Gefühl hat, gegen Windmühlen zu kämpfen?

Oder ist es vielleicht das Gefühl, dass die eigenen humanitären Ansätze mit einem Federstrich einfach zunichte gemacht werden?

Vielleicht ist es ein bisschen „alles zusammen“. Vielleicht erkennen einige AfD-Wähler, was sie gewählt haben, wenn andere Themen als die Flüchtlingskrise und die Islamkritik an die Oberfläche dringen. Vielleicht….
Und vielleicht müssen wir, die sich gegen die AfD stellen, online wie real, noch viel mehr tun, damit wir nicht bei der nächsten Bundestagswahl die selben katastrophalen Ergebnisse sehen müssen. Auch wenn es uns vorkommt wie der Kampf gegen die Windmühlen.

Sehr geehrter Herr Klocke – Ein Brief an den verkehrspolitischen Sprecher der Landesregierung NRW


Unter CC some rights reserved  Fotograf: Stephan Kühn

Unter CC some rights reserved
Fotograf: Stephan Kühn

aus der Rheinischen Post habe ich heute erfahren, dass derzeit eine Diskussion zum Thema Lieferverkehr in deutschen Innenstädten im Landtag die Runde macht.
Ein verkehrspolitisch sicherlich wichtiges Thema, das möchte ich gar nicht bestreiten. Allerdings frage ich mich, ob der Internethandel wirklich das Problem ist – oder ob die Ursache für innerstädtische Staus nicht ganz wo anders liegt.

Zunächst einmal: Ich wohne selbst in einer Innenstadt. Verstopfungen aufgrund von gelben DHL-, braune UPS- oder blauen Hermes-Fahrzeugen habe ich noch nicht erlebt. Ja, die parken manchmal suboptimal, aber in der Regel nicht so, dass dadurch ein anderer Verkehrsteilnehmer so langsam wird, dass daraus quasi immer ein Stau entsteht. Eher ist es so, dass Privatpkw, die „kurz mal jemanden rauslassen“ möchten, ganz normale Lieferwagen, schlecht abgestellte Privatwagen, Busse usw. den Verkehr zum Erliegen bringen. Auch merkwürdige Ampelschaltungen tun ihren Dienst dazu. Hier allein auf den Lieferverkehr zu zeigen, finde ich etwas kurz gedacht.

Sicherlich bestellen heute viele Menschen – ich auch – Sachen im Internet. Doch das aus den unterschiedlichsten Gründen. Die meisten davon dürften aber schlicht und ergreifend keine Lust darauf haben in die Innenstädte zu müssen, die häufig ohnehin verstopft sind – und ich sehe da eher weniger Transportfahrzeuge als vielmehr Privatpkw, Busse, Straßenbahnen (gut, hier in Aachen keine Straßenbahn, dafür um so mehr Busse), Fußgänger, Radfahrer, schlechte Ampelschaltungen (oh ja, davon gibt es in Aachen eine Menge – daran können Sie aber nichts änder) und selbstverständlich auch die ganz normalen Lieferwagen, die Bekleidungsgeschäfte, Bäckereien, Dönerbuden, Restaurants, Kneipen, Buchläden usw. beliefern.
Die gelben Lieferwagen der DHL gehören da eher weniger zu den Störfaktoren.

Auch frage ich mich, wie sich die Diskussionsteilnehmer eine zentrale Abgabestelle vorstellen. Das kann nicht funktionieren.

Gemeinfrei

Gemeinfrei

1. Dann müssen die Leute, die jetzt zuhause sind, nämlich jeder einzeln dorthin, wo das Paket liegt. Entweder passiert das über einen Privatpkw – dann bräuchte man ein entsprechen großen Parkplatz vor dem Lagerhaus – oder über den ÖPVN. Das ist zwar tendenziell schon machbar, für den Verbraucher aber zeitlich wohl kaum machbar. Zudem führt es meines Erachtens nicht zu weniger, sondern zu mehr Verkehr, der vielleicht zunächst aus der Innenstadt raus fährt, aber eine halbe Stunde später auch wieder rein. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass Sie (ich meine hier die Regierung/die Diskussionsteilnehmer/den Landtag), diese Idee wirklich an den Wähler herantransportieren können, ohne dass der Ihnen den sprichwörtlichen Vogel zeigt.

2. Wenn ich mir vor Augen führe, wie das schon heute aussieht, wenn man ein Paket in der Post abholen muss – dann graut es mir. Ewig lange Schlangen, z.T. steht man dort mehr als 30 Minuten (dafür reicht die Mittagspause nicht aus), langsame Mitarbeiter, Leute, die nicht wissen, was sie abholen wollen, falsch gelieferte Pakete, falsch beschriftete Pakete, kein Zettel im Briefkasten usw.. Das in einem großen Versandzentrum? Besser kann es nicht werden, eher schlimmer.

3. Die Leute kaufen im Internet in der Regel deshalb ein, weil die Lage in den Innenstädten bereits katastrophal ist. Ich glaube nicht, dass hierfür eine kurzfristige Lösung seitens der Politik überhaupt machbar ist, denn vielfach liegt es am Sortiment des Einzelhandels oder an den Wünschen der Besteller. Auch ist die Lage gerade in kleineren Städten noch angespannter.
Ich – und ich glaube auch viele andere gerade in meinem Alter – habe keine Lust, vier mal in die Stadt zu fahren für einen Gegenstand, der vier mal nicht da ist. Oder auf einen Sache mehrere Tage zu warten, die mir das Internet (welche Händler auch immer) zum nächsten oder spätestens zum übernächsten Tag liefern können.
Erst kürzlich habe ich auf eine Grafikkarte für meinen Rechner fast eine Woche warten müssen. Das geht nicht, wenn man den Rechner dringend benötigt.
Weiter ist es so, dass die Leute auch Sachen bestellen, die eher „exotischer“ Natur sind, die man nur sehr schwer bekommt, und auf dem Land – wo ich geboren worden bin – gar nicht. Zumindest nicht, ohne wiederum wochenlang warten zu müssen.

CC some rights reserved  Fotograf: Horsch Quelle: Wikimedia Commons

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Fotograf: Horsch
Quelle: Wikimedia Commons

4. Es ist bereits viel zu spät, um eine solche Umstrukturierung zu machen. Bestellt und geliefert wird nicht erst seit vorgestern, sondern schon seit Zeiten von Quelle-, Otto- und Bofrostkatalogen. Die Leute sind es mittlerweile gewöhnt, zu Hause zu bleiben und von dort ihre Blurays, Schuhe (ich habe noch nie Schuhe im Internet bestellt), Katzenkratzbäume, und weiß der Himmel was noch zu bestellen. Das ist auch legitim. Ich habe oben schon gesagt, dass das Einkaufen im Handel nicht immer – vielleicht sogar in den seltensten Fällen – wirklich die Alternative ist. Außer, man weiß genau was man haben möchte und WOHNT günstig. Wenn ich erst eine halbe Stunde bis zum Laden brauche, wo ich das gewünschte Teil bestellen muss, dann überlege ich mir das zweimal. Wenn ich ohnehin am nächsten Tag wieder dorthin fahren müsste, um es abzuholen. (Das wären innerhalb von zwei Tagen auch zwei Stunden Fahrzeit). Und solche Leute gibt es, die sind gar nicht mal so selten.

Sollte es sich bei dieser Idee um eine Idee handeln, die die Innenstädte wiederbeleben soll – na ich weiß nicht. Der richtige Weg scheint mir das nicht zu sein, das Kind ist dafür im Brunnen mittlerweile ertrunken. Einfach auch, weil zwar alle drüber diskutiert haben, aber keiner mal rechtzeitig auf die Idee gekommen ist, ein Seil herunterzulassen.
Man belebt die Innenstadt nicht wieder, in dem man eine eigentlich für den Verbraucher attraktive Lösung meint einstampfen zu können. So sollte Politik auch nicht funktionieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Evas Sammelsurium

Ach ja. PS: Wen genau will man damit eigentlich einschränken? Geliefert werden auch Pizzen, Lebensmittel (aus Supermärkten, Bofrost usw.), Essen auf Rädern, Umzugswagen, usw.

Murad


Die folgende Geschichte habe ich für einen Wettbewerb geschrieben – dummerweise aber das Abgabedatum total verschlafen.

Ich finde sie aber nicht so schlecht, weshalb ich sie ganz gerne hier publizieren würde:

Murad 

Krokus

Unter CC-Lizenz, Fotograf: Jörg Hempel

Die Blumen blühen. Es ist Frühling. In den schönsten Osterfarben leuchten die Blumen, die Häuser, die Menschen. Sogar das Blut, welches langsam in der Erde versickert. Sein Name ist Murad, 17 Jahre alt. Schüler der Realschule. Er hat nichts gemacht, davon abgesehen, dass er er selbst gewesen ist.
Zwei Jungen, nur wenig älter als er. Sie sind gekommen, sie haben seine Freundin angemacht. Fatema, das hübsche Mädchen vom Gymnasium, 15 Jahre alt ist sie, trägt ein Kopftuch. Dies hat die Jungen veranlasst, sie anzuspucken, sie am Arm zu greifen, sie festzuhalten und als „Türkenschlampe“ zu bezeichnen. Er hat nur das getan, was jeder getan hätte. Er hat ihnen gesagt, sie sollen aufhören. Einer trug einen Anzug. Kam von einer nur wenige Meter weiter stattfindenden Ansprache der örtlichen Rechtsextremen. Die Menschen haben ihm zugehört. Seriös war er schließlich. Im Anzug. Und mit einer so eloquenten Ausdrucksweise, so gebildet. Der muss recht haben, haben sie gedacht.

Murads Blut läuft an den gelben Krokussen vorbei, die im grünen Gras des Parks stehen.

Sie haben ihn zusammengeschlagen, einer hat ihm ein Messer in den Bauch gestochen. Hat gesagt, er hätte ihm seinen Arbeitsplatz weggenommen. Dabei ist Murad nicht einmal fertig mit der Schule, möchte aber noch dieses Jahr eine Ausbildung anfangen, zum Krankenpfleger. Die Aussichten sind gut, einen Ausbildungsplatz hat er schon. Was hat er getan…
Er hat seine Freundin schützen wollen, hat gesagt, sie sollen sie in Ruhe lassen.
Hat gesagt, er würde die Polizei rufen.
Und dann war da der Schmerz.

Schläge.
Tritte.
Ein Stich.
Dunkelheit

Wie eine große, goldene Kugel, die den Schatz des Lebens in sich trägt, scheint die Sonne vom Himmel herab. Taucht alles in helles Licht. Der blaue Himmel funkelt wie ein großer Edelstein. Glitzernd spiegelt sich das Blau des Krankenwagens und der Polizei.

Fatema ist weggelaufen, hat sich im Gebüsch hinter dem Kindergarten versteckt, sich ganz klein gemacht. Die jungen Männer haben sie nicht gesehen, obwohl sie sie gesucht haben. Sie sind weiter gegangen. Ein Mann hat ihnen nachgeblickt, er muss gesehen haben, dass sie Murad angegriffen haben. Er geht weiter. Fatema beginnt um Hilfe zu rufen. Ein Fenster wird zugeschlagen. Sie greift zu ihrem Handy, will eine Nummer wählen. Der Akku ist leer. Sie wirft das nutzlose Gerät zu Boden, läuft zu Murad.

Das Blut läuft an den Osterglocken vorbei. Fatema sieht die Wunde. Alles ist voller Blut.

Sie schreit, sie schreit, sie schreit.
Und nur wenige Meter entfernt redet ein Mann von der allgegenwärtigen Ausländerkriminalität und dass dies in den Genen und der Kultur läge.
Die wenigen direkten Zuhörer applaudieren. Einige gehen an dem Rasen vorbei, auf dem Murad liegt. Schnatternd schweigen sie.
Eine Frau kommt von links gelaufen. Sie zieht sofort ein Mobiltelefon aus der Tasche, als sie die Schreie hört. Sie sieht Murad. All das Blut.

Sie ruft die Polizei.
Sie ruft den Krankenwagen.
Sie sagen, dass sie nicht wissen, ob Murad überleben wird.
Sie sagen, er sei schwer verletzt worden.

Die Polizei nimmt die Beschreibung der Täter auf. Einen Tag später wird die Zeitung darüber berichten. Fatemas Hinweis auf die Rechtsextremen wird zur Kenntnis genommen.
In der Zeitung steht: Streit unter Jugendlichen.

Die Kommentare:

Wer hat wohl angefangen?
Immer diese Türken.

Und Murad hat einen deutschen Pass – seit seiner Geburt.
Noch piepst das EKG.

Campusbahn – Wieso man das „Nein“ nicht als Ende der Modernisierung sehen sollte


CC-by-SAUrheber: Jener13

CC-by-SA
Urheber: Jener13

In Aachen sollte – für alle die, die es nicht wissen – eine Straßenbahn gebaut werden, so war die Idee der Politik. Es gab von Anfang an Kritik an der Planung, die Kosten, der Weg, die Zahlen, alles war irgendwie sehr verworren und zum Teil wirkte es auch unausgegoren.
Als absehbar war, dass die erforderlichen Stimmen für einen Bürgerentscheid zusammen kommen, hat die Stadt beschlossen einen solchen auch zu machen. Sprich: Die Aachener Bürger durften selbst darüber abstimmen, ob sie das 240 Millionen Euro teure Projekt (ja, es hätte eine Teilförderung gegeben) wollen – oder eben auch nicht. Auf die Pro- und Contraargumente möchte ich hier nur peripher eingehen, da es sonst zu lang werden würde. Die Bürger der Stadt Aachen haben in jedem Falle abgestimmt – mit 43% Wahlbeteiligung für einen Bürgerentscheid eine respektable Summe – und überraschenderweise war das Ergebnis nicht so spannend wie gedacht. Rund 66% der Stimmen waren negativ, 33% dafür. Da die Umfragen im Vorfeld deutlich knapper waren und auch mal die eine, mal die andere Seite überwog, war ich mir eigentlich sicher, dass das Ergebnis auch enger werden würde und eigentlich rechnete ich persönlich sogar mit einem Ergebnis zu Gunsten der Bahn. Nur um an dieser Stelle noch einmal zu verdeutlichen: Ich bin kein Gegner einer generellen Straßenbahnidee – nur dieses Konzept sagte mir in Teilen nicht zu – und dabei wohne ich in der Nähe einer der am meisten frequentierten Haltestellen in Aachen.

Um nun aber zur Überschrift zu kommen: Als die ersten Ergebnisse eintrudelten, war die Bestürzung bei den Befürwortern nicht nur bei Twitter zu merken, auch die Kommentare auf der Homepage der Aachener Nachrichten zeigten deutlich, dass man mit einem anderen Ergebnis gerechnet hatte. Ich möchte hier jetzt nicht auf einzelne Kommentare eingehen, auch wenn das sicherlich spannend wäre. Einige der Kommentare äußerten sich auch äußerst negativ über den Bürgerentscheid selbst, auch wenn die selben vielleicht noch vor einer Woche für eine Abstimmung waren. Nun funktioniert Demokratie aber leider nicht so, dass man ein solches Ergebnis einfach ignorieren kann. Die Campusbahn ist vom Tisch.

Allerdings sind damit die Verkehrsprobleme in Aachen nicht gelöst.

Schienenbus

CC-by-SA
Urheber: Patrick.tielke

Die Straßen sind tatsächlich voll von Individualverkehr und viele der  Busse sind auch nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Man sollte das „Nein“ zur Campusbahn jedoch keineswegs als Ende eines „modernen“ (wie Armin Laschet es bei Twitter bezeichnete, Verkehrskonzeptes werten. Viele derjenigen, mit denen ich über das Konzept gesprochen habe, haben sich grundsätzlich nicht negativ über eine Modernisierung geäußert, sondern vor allem über die Frage von Finanzierung und Argumentation. So war an einigen Stellen das Argument des doppelten Abiturjahrgangs zu hören. Dieser kommt – zur Erinnerung – in diesem Sommer, also zum Wintersemester 2013/2014. Die Campusbahn sollte fertig werden 2019. Gehen wir davon aus – weil einfacher zu rechnen – dass es sich dabei um das Wintersemester 2019/2020 handelt. Das ist sechs Jahre nach dem doppelten Abiturjahrgang –  und meine Wenigkeit ist dann seit etwa fünf Jahren mit dem Studium fertig – und auch der wird zu dem Zeitpunkt zumindest in Teilen (bei den Durchfallquoten der RWTH) fertig sein oder kurz vor dem Abschluss stehen. Das heißt: Man braucht nicht 2019 ein neues Verkehrskonzept, sondern am Besten schon in diesem Sommer.

Wie schon angesprochen war ein weiterer Punkt der Individualverkehr. Ja, Aachen ist in der unschönen Situation, dass die Luft zu stickig ist, da wäre eine Lösung über die ÖPNV sicherlich eine gute Idee. Ob dafür aber eine Campusbahn die Lösung ist, die mit einem nie getesteten System fahren soll und die zudem nur über eine Trasse fährt, die richtige Lösung ist, wage ich persönlich zu bezweifeln. Ich wäre in der „glücklichen“ Lage (heute, 2019 vermutlich nicht mehr) direkt an der Trasse zu wohne und überall wo ich (heute) hin muss, auch hinzukommen, ohne Umsteigen zu müssen. Gleiches gilt aber nicht für die Leute, die weiter abseits der Trasse wohnen oder gar in den Randgebieten, die nicht „Brand“ heißen. Denn Buslinien hätten dafür wegfallen sollen und die Leute hätten umsteigen müssen – vermutlich öfter als jetzt. Ob dann noch viele auf die Campusbahn gewechselt wären oder nicht doch lieber zum Auto greifen würden, ist nicht ermittelt worden.

Dies sind nur zwei Punkte, die Anlass zur Kritik gegeben, was ich mit ihnen zeigen möchte, ist, dass die Campusbahn nicht „DIE“ Lösung war, als die sie präsentiert worden ist. Das heißt nicht, dass ein innovatives Verkehrskonzept für Aachen nicht nötig sei oder das eine Straßenbahn an sich das Problem ist.

Modernität vor 170 Jahren

Modernität vor 170 Jahren

Wie bereits gesagt: Ich stelle mir die Frage danach, ob die Finanzierung des Projektes überhaupt in Relation zum Nutzen steht oder ob nicht eine Trasse einfach zu wenig ist. Ob nicht mehr Busse und Elektrobusse eine flexiblere (hätte die Campusbahn einmal z.B. an der Scheibenstraße mit einer Panne gestanden, dann stünde ein Großteil der Strecke einfach still) Lösung sein können, die vielleicht sogar billiger ist oder ob das Projekt besser angenommen worden wäre, wenn man nicht nur eine Trasse sondern gleich mehrere geplant hätte, wäre interessant zu ermitteln gewesen. Natürlich lässt sich das nicht über eine Wahl machen.

Ich persönlich gehe davon aus, dass die Menschen in Aachen viele verschiedene Gründe hatten, gegen das Projekt zu stimmen (und Gleiches gilt für die Menschen, die dafür stimmten). Die Stadt muss sich mit dem Ergebnis ebenso anfreunden, wie die Befürworter des Projektes – aber nicht die gesamten Arbeit in dem Bereich einstellen, denn Aachen braucht ein neues Verkehrskonzept und ja, auch ein modernes und innovatives. Aber keines, was sie in den Ruin treibt.

Weitere Gründe für „Nein-Stimmen“ hat im Übrigen Twitteruser „mrtopf“ in seinem Blog erläutert. Schöner Bericht.

Kein Cocktail-to-go


Ich bin heute mal wieder durch die Ponstraße gegangen, nachdem ich längere Zeit nicht dort gewesen bin.
Nach einem Besuch auf dem Öcher Bend bei den derzeit doch sehr warmen Temperaturen war mir aber unbedingt nach etwas zu trinken zu mute.

Wir entschieden uns, auch da wir mit Freunden unterwegs waren, die zum Teil am kommenden Tag arbeiten mussten, einen Cocktail-to-go zu nehmen. Zugegebenermaßen, wir hatten schon 23.15, waren aber dennoch sehr überrascht, als wir gesagt bekamen, dass es wohl „nirgendwo“ mehr einen Cocktail-to-go gibt.
Auch das alt bekannte Schild stand nicht mehr vor dem Restaurant.

Was ist passiert, liebe Betreiber? Waren wir einfach zu spät – obwohl wir neulich erst um eine ähnliche Uhrzeit noch ein Getränk bekamen? Wir entschieden uns dann, bei einem anderen Lokal zu schauen, doch wie wir mit erstaunen feststellten, machten immer mehr Läden wohl schon die Schotten dicht. Das nächste Restaurant erzählte uns, dass sie um 23.30 mindestens die Terrasse schließen.

Ich meine, es ist nicht auszuschließen, dass wir einfach einen Tag erwischt haben, an dem die Kneipen und Gaststätten früher Schluss machen, aber in Aachen ist es dank der immer wieder aufkeimenden Alkoholverbotsrufe in der Pontstraße durchaus auch denkbar, dass man ein „Verbot“ der Cocktails-to-Go oder der langen Öffnungszeiten durchgesetzt hat – vielleicht klamm heimlich, denn leider lässt sich darüber nichts im Internet finden.

Nehmen wir mal rein hypothetisch an, es gäbe tatsächlich keine Cocktails-to-Go mehr auf der Pontstraße.

Müsste man dann nicht mal überlegen, was da eigentlich schief gelaufen ist?

Auf der einen Seite gab es immer wieder Schlägereien auf der Pontstraße (aber pssst, die gibt es auch in kleineren Städten regelmäßiger) auf der anderen Seite beschwerten sich Anwohner über den Dreck (leere Becher) und den Lärm.
Doch man muss beachten, dass Aachen eigentlich nur noch so lebt, wie es lebt, weil die RWTH, die FH und die Tausenden von Studenten existieren. Das kurbelt ganz schön das Geschäft an. Nicht nur in der Pontstraße, sondern in ganz Aachen. Und ja, Studenten sind junge Leute und ja, die können Lärm machen. Aber wenn ich – und so dreist bin ich jetzt mal das zu sagen – keine Lärm möchte, dann ziehe ich nicht in die Pontstraße, bekanntermaßen Partymeile in Aachen. Dieses Argument ist in mancherlei Hinsicht – die Pontstraße gibt es immerhin so wie sie jetzt ist auch schon „etwas“ länger – genauso wie das der Flughafengegner, die erst in die Nähe des Flughafens ziehen und sich dann über den Lärm beschweren.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Nehmen wir etwa das Müllproblem. Ja, es gibt sicherlich die Art von Menschen, die ihren Müll einfach auf die Straße werfen. Aber einerseits hab ich das in meiner Cocktail-to-Go-Zeit weder einmal erlebt, noch massenweise Pappbecher gesehen (dafür aber ausgespuckte Kaugummis, kaputte Flaschen und ähnliches). Allerdings fehlen meines Erachtens in der Pontstraße auch Mülleimer.
Die wenigsten Leute werfen wirklich gerne Sachen einfach auf den Boden. Im Gegenteil. Aber manchmal glaube ich, dass man eine Sache lieber zu Boden wirft, als 10 Minuten nach einem Mülleimer zu suchen (ich weiß, an der Bushaltestelle ist einer, aber den muss man auch nicht kennen). Ich kann solche Sachen gut längere Zeit in der Hand halten, kann aber das Bedürfnis des „Loswerdens“ gut verstehen.

Desweiteren wurde massiv über leere und kaputte Flaschen geklagt. Ja, die hab ich auch gesehen. Aber die stammen nicht aus den Kneipen, sondern eher vom Kiosk und von Zuhause. Bringt es was, dagegen zu intervenieren, in dem man die Wirte ran nimmt, oder alle Studenten oder gar ein Alkoholverbot in der Pontstraße fordert?

Wer letzteres fordert hat übrigens meiner Meinung nach vor, Aachen in meine alte Heimat zu verwandeln. 30.000 Einwohner mit hochgeklappten Bürgersteigen nach 20.00 Uhr und einer Kneipe, die gute Cocktails macht. Aber Aachen ist kein „Dorf“ in dem Sinne, Aachen ist eine Stadt, die von und mit ihren Studenten leben muss und sollte und dafür auch hinnehmen sollte, dass es eben eine „Partymeile“ gibt. Wie in jeder anderen Stadt auch. Neben der Tatsache, dass sich ein Alkoholverbot nicht durchsetzten kann, wäre es im Übrigen meines Erachtens ein Schritt in die falsche Richtung. Das andere Bedürfnis, eine Art Sperrstunde zu etablieren, mag vielleicht in einigen Teilen Deutschlands gut ankommen, aber ich glaube, Aachen würde davon nicht profitieren.
Sperrstunden sind meiner Meinung nach nur dann nützlich, wenn man wirklich eine Gefahr hat, die damit entschärft wird.

In den drei Jahren, die ich jetzt in Aachen wohne und in denen ich doch häufig in der Pontstraße war, habe ich dort einmal mitbekommen, dass die Polizei dort stand und jemanden „verhaftet“ hat.
Was ich nicht genug finde – auch von den Artikeln, die man in der Zeitung liest – um gleich eine Sperre verhängen zu wollen. Vor allem, da sie zu nichts führt.

Mein Freund und ich sind übrigens dann zum Cafè Extrablatt auf den Markt gegangen. Was zwar im Großen und Ganzen teurer ist, als die Kneipen auf der Pontstraße, ab 17.00 Uhr jedoch eine Happy Hour für Cocktails bis Ende-offen anbietet.

Im Übrigen ist mir schleierhaft, was das „Cocktail-to-Go“-Verbot (sollte es so eines geben) denn eigentlich an der Gesamtsituation auf der Pontstraße ändern soll. Ich habe noch niemanden erlebt, der sich an einem Abend bei einer Kneipe gleich mehrere davon geholt hat und die dann beim Auf- und Abgehen austrinke. Dafür sind die eigentlich auch noch zu teuer.

Google Street View


Ich muss zugeben: Ich liebe Google Street View. Ich liebe es, weil ich mir den Aufbau von Orten ansehen kann, an denen ich noch nie gewesen bin. Ich liebe es, weil ich mir Orte ansehen kann, an die ich vermutlich nie kommen werde und ich liebe es, weil es mir mehr hilft, als ein Stadtplan. Es ist hilfreich, wenn man jemanden besuchen will, der in einer fremden Stadt wohnt. Man kann sich die Umgebung der z.B. Bushaltestelle ansehen und dann den Weg zum Bekannten schon mal virtuell abgehen. Zwar mögen sich Details verändert haben, aber große Gebäude bleiben in der Regel stehen. So kann man in etwa abschätzen, wie lang die Wegstrecke ist und auf welche markanten Punkte man achten muss. Es ist hilfreicher, als einen Stadtplan zu betrachten.

Nun birgt Google Street View auch Nachteile. Zunächst einmal sind die Fotos alle schon etwas älter, was den Betrachter, gerade bei Baustellen, aus dem Konzept bringen kann. Dann sind natürlich auf den Fotos auch Menschen zu sehen oder große Wohnhäuser. Manche Menschen wollen nicht gesehen werden. Manche Autos wollen sich auch lieber nicht vor dem örtlichen Bordell sehen lassen.
Dafür hat Google eine Verpixelungsmöglichkeit eingeräumt. Menschen und Autokennzeichen werden ohnehin verpixelt. In Deutschland auch Häuser. Weil die ja sonst keiner sehen kann.

Nun ist einem Mann in Frankreich was echt dummes passiert. Er steht so, mir nichts dir nichts, in seinem Vorgarten, da kommt das Google Street View Auto vorbei und macht ein Foto. Klick. Und der Mann ist beim Pinkeln im eigenen Vorgarten erwischt. Google Street View reagiert, wie bei jedem anderen Foto auf dem ein Mensch ist auch, und verpixelt den Herren. Dieser klagt jetzt. Denn anhand der Fotos und der damit verbundenen Adresse könnten die Nachbarn (und Leute darüberhinaus) erkennen, wer da im Vorgarten steht und uriniert.

Er kann ruhig klagen. Wenn er das möchte. Aber ist es das, was er will? Er bekommt jetzt sogar Aufmerksamkeit in deutschen Zeitungen (Spiegel). Hehe, jetzt weiß nicht nur die Nachbarschaft, dass er in den Vorgarten pinkelt, nein, die halbe Welt. Und man kann ja nicht davon ausgehen, dass jetzt keiner das entsprechende Foto googelt. Schön gepflegt bei Google Street View.

Aber betrachtet man sich das ganze mal aus Googles Perspektive: Da sind Millionen, wenn nicht gar Milliarden Fotos gemacht worden. Und diese Millionen Fotos von Menschen durchsuchen zu lassen, ist nahezu unmöglich. Irgendwann sieht man da den Mensch vor lauter Menschen nicht mehr (also auf den Bildern).
Die Software arbeitet in den meisten Fällen zuverlässig. In den Fällen, in denen sie es nicht tut, kann man sich bei Google melden (etwa im Falle eines Autos, dass aus dem Eingang zu einem Bordell herausgefahren kam und dabei fotografiert wurde. Heute ist das gesamte Auto, bei dem zunächst vergessen worden war, das Kennzeichen zu verpixeln, verpixelt) und dann wird nachgeholfen. Dass man neben der Verpixelung des Mannes schwerlich etwas machen kann (in Frankreich gibt es meines Wissens nach auch nicht die Hausverpixelungsklausel, die in Deutschland existiert), ihn unkenntlich zu machen, liegt meines Erachtens auf der Hand.

Darüber hinaus: Wer in seinen eigenen Vorgarten pinkelt, der von der Google Street View Kamera einsichtigt ist (und damit vermutlich auch von Häusern, die gegenüber liegen, von großen Menschen und Co.) ist meiner Meinung nach doch irgendwo selbst schuld, oder?
Das man nicht in den Vorgarten pinkelt, auch nicht in den eigenen, sollte doch eigentlich klar sein. Und das man dabei von wem auch immer gesehen werden kann, liegt auch auf der Hand.

Zudem finde ich es auch in anderen, ähnlich gelagerten Fällen, ein Unding, wenn – in der Regel Männer – meinen, in die Gegend pinkeln zu müssen. Wer muss, der muss, aber doch bitte nicht am Straßenrand oder in einem irgendwie einsehbaren Vorgarten. Vor allem, da in der Regel auch französische Häuser einen Toilette haben. Das an dieser Stelle Google verklagt wird, kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, andererseits aber nicht gut heißen. Ich würde mich in der Situation vielleicht ähnlich verhalten, dass räume ich ein. Aber würde ich in meinen eigenen Vorgarten pinkeln? Nein. Und wenn man mich dabei erwischt, ja, dann hätte ich einen hochroten Kopf, würde versuchen, privat mit Google zu kommunizieren, aber in jedem, ja absolut jedem Fall versuchen, die Presse rauszuhalten. So ist das doch noch viel peinlicher, weil es die ganze Welt erfährt. Und ich glaube kaum, dass es seiner Bekanntheit als Vorgarten-Pinkler entgegensteuert. Ich weiß, dieser Blogartikel ist da nicht besser, aber ich wollte es doch mal gesagt haben.

Ein anderer Kritikpunkt, den ich hier kurz ansprechen möchte, bezieht sich auf die Verpixelung von Häusern.
Einerseits kann ich den Wunsch nach Privatsphäre verstehen. Andererseits ist es mir als Privatperson immer noch möglich, das Haus als solches zu fotografieren und etwa bei Panoramio zur Verfügung zu stellen. Zack, ist das Haus wieder da. Nein… ich mach sowas nicht.
Was ich allerdings nicht gut heißen kann, ist die Praxis, dass eine Beschwerde reicht.
Stellen wir uns vor, in Haus X leben 10 Mietparteien und eine hat was dagegen, bei Google Street View aufzutauchen. Es reicht, wenn sie einer beschwert, auch wenn neun andere die gepflegte Hausfront bei Google Street View sehen wollen. Das halte ich, alles in allem, für bedenklich.
Im Übrigen sehe ich weniger ein Problem des Schutzes von Häuserfronten vor Google, als vielmehr die Gefahr, die durch Vorratsdatenspeicherung und ACTA droht. Die sind eher privatssphärenverletzend, als ein paar Bilder der Hausfront.

 

UPDATE: Ich hatte das noch nicht mitbekommen, aber im April 2011 hat Google verkündet, keine weiteren Fotos mehr aus Deutschland einzustellen. Schade. Man sollte vielleicht mal überlegen, warum.

Ein Brief an


Ich wollte die E-Mail an Frau Thein schreiben, habe mich dann aber nicht getraut. Deshalb veröffentliche ich sie jetzt hier:

Sehr geehrte Frau Thein,

auf http://acta.digitalegesellschaft.de/ schrieben Sie, dass es Ihnen um den Schutz des geistigen Eigentums ginge, der in Einklang zu bringen sei, mit der Freiheit des Internets und der Integrität der Bürgerrechte.

Das kann ich verstehen. Aber hier soll es ja um ACTA gehen.

Sind nicht durch ACTA gar nicht die Künstler und Urheber geschützt, sondern vielmehr die Verwerter der Werke? Warum kann ein Video eines Künstlers, welches er selbst auf Youtube hochgeladen hat, durch die GEMA gesperrt werden? Warum können Autoren nicht bei mehreren Verlägen gleichzeitig ihr Buch publizieren lassen?

Dazu kommt, das „geistiges Eigentum“ etwas ungeheuer Schwammiges ist.

Ich meine, jeder Autor hat das Recht darauf, zu entscheiden, was mit seinem Buch passiert und weiterhin hat er selbstverständlich auch das Recht darauf, dieses Werk angemessen bezahlt zu bekommen. Aber ich glaube, darum geht es bei ACTA gar nicht. Es geht nicht darum, dass der Urheber profitiert, sondern vielmehr um die Interessen derer, die die Verwertungsrechte habe. Wieso sind „Die Buddenbrooks“ mehr als 100 Jahre nach Erscheinen immer noch nicht frei zugänglich?

Thomas Mann ist seit 1957 tot, sogar seine drei Kinder, Klaus (gest. 1949), Golo (gest. 1994) und Erika (gest. 1969), die ebenfalls bekannte Schriftsteller waren, sind ebenfalls verstorben.

Ich glaube, dass es vielen ACTA-Gegnern nicht nur um ACTA selbst geht, sondern vielmehr auch um eine Reformierung dieses Verwertungsrechts. Es geht nicht darum, dass man die Leistungen des Künstlers nicht anerkennt, oder das man alles „kostenlos“ haben möchte. Es geht um viel grundsätzlichere Fragen. Der Sohn eines Bauarbeiters profitiert auch nicht mehr davon, dass sein Vater Bauarbeiter war (nichts gegen Bauarbeiter an dieser Stelle, ich sehe es nur als gutes Beispiel). Dass das Verwertungsrecht überhaupt so lange anhält, ist ja noch gar nicht so lange Gang und Gebe. Als Thomas Mann die Buddenbrooks schrieb, war es noch nicht einmal Thema, dass das Buch auch nach seinem Tod noch nicht frei erhältlich gewesen wäre. Ich kann den frommen Wunsch – den manch einer gerne äußert – danach, dass auch die Kinder von Schriftstellern noch von den Werken der Eltern (Mütter wie Väter) profitieren sollen, nachvollziehen.

Aber ist das wirklich der Grund für das Verwertungsrecht bis 70 (!) Jahre nach dem Tod? Wenn ich mir das so vorstellen, dann denke ich eigentlich eher, dass es ein Interesse derer ist, die die Verwertungsrechte haben. Namentlich der Verläge. Wäre ich der Abkömmling eines Schriftstellers und nicht einer Krankenschwester, dann würde ich vielleicht anders darüber denken. Aber im Endeffekt bleibt es doch dabei: Der eigentlich Künstler, Urheber, des Werkes, hat nichts von den Verwertungsrechten, die bis 70 Jahre nach seinem Tod weiter laufen. Das heißt, ein ganzes Menschenleben. Meine Oma ist nach dem Erscheinen der Buddenbrooks geboren worden (ca. 30 Jahre) und es ist nicht unmöglich, dass sie vor Ablauf der Verwertungsrechte verstirbt. Das muss man sich doch eigentlich mal vor Augen halten.

Ich möchte hier keineswegs polemisieren, ich schreibe nur auf, was mich im Zuge der ACTA-Debatte bewegt und was auch meine tiefsinnigeren Gedanken dazu sind.

Bevor ich schließen möchte, möchte ich noch etwas zum Thema Verwertungsrecht aufgreifen, dass vielleicht auf den ersten Blick weit hergeholt zu sein scheint.

Es geht mir um soetwas wie „Veränderung“ des Werkes. Es ist schon nicht ganz legal, ein Lied, etwa von Herbert Grönemeyer, selbst zu covern und auf Youtube unentgeldlich hochzuladen. Meines Wissens nach befindet man sich dabei in einer rechtlichen Grauzone. Hätte es diese Grauzone vor etwa 1800 Jahren bereits gegeben, großartige Werke, wie etwa das Nibelungenlied (Anonym), der Parzival (Wolfram von Eschenbach) oder die vielen Arthusromane (Wolfram von Eschenbach, Hartmann von Aue), wären uns vorenthalten gebleiben, weil sie auf der Veränderung bereits gegebener Werke fußten. Genauso etwa Musikstücke, bei denen sich namenhafte Komponisten bei anderen namenhaften Komponisten bedienten und ihre Motive und Themen aufgriffen, veränderten und neuartige, wunderschöne Stücke schafften. Ich weiß nicht, ob Sie Zeit haben, diesen ganzen Sermon zu lesen. Persönlich muss ich sagen, dass ich für die meisten Abgeordneten, die wirklich etwas tun, Anerkennung zeigen kann. Ich würde mich aber dennoch sehr glücklich schätzen, würden Sie vielleicht den ein oder anderen Gedanken mal für sich revue passieren lassen und ihn weiter tragen.

Hochachtungsvoll,

Eva