„Hand-ab“ Mentalität


Quelle: wikimedia; "Execution of and Levina Ghyselins" 1554, Künstler: Thieleman van Braght; public domain

In meinen Augen gibt es kaum etwas Schlimmeres, als wenn Menschen Menschen töten. Morde an Kindern, Vergewaltigungen und anschließende Morde (in jedem Alter), sind für mich die schlimmsten Straftaten die man begehen kann – und die in richtigem Maße bestraft werden müssen.

Es gab mal eine Juristen namens Gustav Radbruch der sagte: Recht muss nicht gleich Gerechtigkeit sein. Er sagte gleichzeitig auch, dass sich Recht und Gerechtigkeit nicht zu sehr unterscheiden dürfen. Und damit hat er ganz recht.

Recht muss nicht gleich Gerechtigkeit sein. Ich stelle jetzt die Behauptung auf, dass jeder Mensch eine ganz individuelle Vorstellung von Gerechtigkeit hat. Und damit kann das Recht niemals gleich der Gerechtigkeit sein, da das Recht dann ebenfalls individuell sein müsste.

Jetzt vom Theoretischen zum Praktischen. Jeden Tag kann man in der Zeitung von unzähligen Verbrechen lesen, bei denen Menschen Menschen umbringen, Rauben, Kinder mißbrauchen und töten. Und man kann über die Urteile lesen, die diese Menschen später „Im Namen des Volkes“ bekommen. Meistens geht dann das Geschrei los. Es heißt: „Die Strafe ist zu niedrig“, „Der sollte niemals wieder frei kommen“, „Warum keine Sicherheitsverwahrung?“, „Warum hat denn vorher keiner eingegriffen?“ und immer wieder schön, wenn es sich bei den Täter um Migranten handelt „Ausweisen! Ausweisen! Raus“ (ganz ehrlich, dann sollte man NPD wählen – aber nein, so rechts ist man dann auch wieder nicht – zudem haben viele dieser Leute, die man vor einigen Jahren noch schlicht und ergreifend Ausländer genannt hätte, einen deutschen Pass). Dabei verkennt man vollkommen, dass wir uns hier in einem aufgeklärten Rechtsstaat befinden. Und dieser Rechtsstaat sichert allen Menschen und allen Bürgern bestimmte Rechte zu. Auch das Recht darauf, nicht abgeschoben zu werden.

Aber davon will ich hier nicht reden. Der Titel hier lautet ja „Hand-ab“ Mentalität.

Um darauf zurückzukommen… Sehr häufig wenn man solche Kommentare ließt, kann man erkennen, diese Menschen wollen nicht Recht gesprochen hören, sondern ihre eigene Vorstellung von Gerechtigkeit durchsetzen. Aber Gerechtigkeit ist etwas anderes, als Recht (nur um nochmal dran zu erinnern). Einen Mord rückgängig machen, ist nicht möglich. Und das dürften doch den allermeisten bekannt sein. Aber wie heimtückisch dieser Mord auch gewesen sein mag, es gibt ein Gesetz in Deutschland mit einem vorgegebenen Strafmaß und einem entsprechendem Spielraum für den Richter. Diesen Spielraum kann er ausnutzen, um mildernde Umstände walten zu lassen – die bestimmt jeder gerne bekommen würde, wenn er eine Straftat begeht. Mildernde Umstände müssen nicht immer verständlich sein. Mildernde Umstände können für die außenstehende Bevölkerung schnell ungerechtfertigt – und die angesetzte Strafe zu milde – scheinen. Doch meiner Meinung nach heißt das nicht, dass man dem Täter gegenüber mehr Respekt zu spricht, als dem Opfer. Sondern man erkennt dem Mensch nicht ab, dass er eben eines ist, ein Mensch. Und jeder Mensch soll das Recht haben, sich zu rehabilitieren und ein neues Leben in der Gesellschaft anzufangen, wenn er die festgesetzte Strafe abgesessen hat. Und dass 10 Jahre (wenn man mit 30 rein kommt, ist man erst mit 40 (!) wieder draußen) im Gefängnis sicherlich nicht angenehm sind, wird hier doch wohl hoffentlich keiner ernsthaft behaupten. Denn auch wenn sich Kommentatoren auf diversen Seiten darüber gerne auslassen, dass es in deutschen Gefängnissen zu locker zu geht: Einem ist die Freiheit genommen. Nur weil man teilweise arbeiten darf, Fernsehen schauen darf und Hofgang hat, heißt das nicht im gleichen Atemzug, dass man dazu auch die Freiheit hat. Dazu aber ein anderes Mal mehr.

Jetzt zur eigentlichen „Hand-ab“-Mentalität: Die Forderungen, die sich in einigen Teilen der Bevölkerung finden lässt, sind erschreckend. Man fordert lebenslange Haftstrafen (und zwar wirklich lebenslang), manchmal ließt man sogar, dass der Täter das gleiche erleiden soll, wie sein Opfer. Auch wenn das häufig wohl aus Wut und Verzweiflung – und der Unfähigkeit zu handeln passiert – halte ich es für bedenklich, dass einige Leute darüber ernsthaft nachdenken.

Im Mittelalter waren hier in Deutschland Leibstrafen an der Tagesordnung, zu Anfang konnte man sogar für einen Diebstahl (!) zum Tode verurteilt werden. Das wären Strafen, womit einige Deutsche wohl zufrieden sein würden. Und nur damit! Dann machen sie das ja nie wieder! Gut so!

Und das ist wohl auch der Grund, warum man grundsätzlich jeden Gewaltstraftäter (egal aus welchen Gründen) lebenslang wegsperren sollte. Nicht wegen des möglichen Lerneffektes, sondern

„weil der dass da ja nie wieder macht.“ Dass dies nicht der Sinn von Strafen – und natürlich auch Gefängnisstrafen ist, ist in den Köpfen der meisten wohl noch nicht so recht angekommen. Dann kommen so Forderungen auf wie: „Dem Kerl muss das gleiche angetan werden, was er seinem Opfer antat!“ In dem Moment sind wir übrigens auch weg von dem Begriff der individuellen Gerechtigkeit und nähern uns einem Begriff an, der ganz verwandt klingt, nämlich der Rache. Und Rache ist in einem Rechtsstaat nicht vorgesehen, so sehr das manchen auch ärgern mag.

„Hand-ab“-Mentalität. Was ist nun genau damit gemeint: Soweit das noch nicht klar geworden ist: Man soll dem Straftäter doch möglichst Schaden zu fügen, ihn leiden lassen und ihn nie wieder frei lassen, wenn er eine Straftat begangen hat, er könnte es ja wieder tun. Das wäre vergleichbar damit, einem Dieb die Hand abzuhaken, damit er damit nicht mehr klauen kann. Dass diese Begründung nicht gerade die Intelligenteste ist, dürfte logisch sein.

In dem Sinne schließe ich hier mit einem Zitat von Britney Spears, dass sinngemäß folgendes sagte: Ich bin für die Todesstrafe. Dann macht der das wenigstens nicht wieder.