Eine Rezension in 10 Sätzen – Die drei Fragezeichen und die silberne Spinne


Inhalt

Der junge Lars Holmquist soll die Firma seines Vaters übernehmen, doch üble Machschaften eines windigen Geschäftsführers drohen diese Übernahme zu verhindern. Die drei Fragezeichen sollen helfen und geraten selbst in einen undurchsichtigen Studel aus Intrigen, Verfolgungen und einer Spinne, die gar keine Spinne ist.

Kritik

Ich habe das Hörspiel ziemlich oft gehört – aber weniger wegen der packenden Geschichte als vielmehr, weil man es immer hören kann, egal ob man dabei etwas geistig Angstrengendes tun muss oder lediglich den Hausputz erledigt. Denn wenn man mit offenen Ohren zuhört, fallen einem sofort die Schwachstellen dieser Geschichte auf, von der fehlenden passenden Atmosphäre ganz zu schweigen.

Man merkt dem Hörspiel an, dass es ursprünglich anders konzipiert war: Statt um eine Firmenübernahme im amerikanischen Texas geht es im Original um die Thronfolge in einem kleinen, fiktiven europäischen Staat. Dieses Wissen erklärt einige Fehler des Hörspiels: das Polizei- und Justizsystem in Magnusstadt, das doch ziemlich weit weg vom amerikanischen System zu sein scheint und das ohnehin merkwürdige Setting einer Firma, die ein ganzes Dorf zum Spaß zu betreiben scheint.

Man könnte diese Dinge in Anbetracht der Tatsache, dass man um das Original weiß, leicht überhören, allerdings sorgt es nicht für eine bessere Atmosphäre im Hörspiel selbst: ein Beispiel dafür ist die Hintergrundmusik, die – mal etwas abseits meiner gewöhnlichen Wege – im TKKG-Hörspiel Bombe an Bord als Untermalung für ein Segelabenteuer dient und hier ein schwedisches Dorf illustrieren soll. Bei IKEA hat man mehr Schwedengefühl… Das größte Manko liegt allerdings meines Erachtens beim Plan der Antagonisten: in einem Staat hätte eine Übernahme mit Methoden, wie sie Stephan Forsberg nutzt, wohl noch funktioniert, mit Sicherheit aber nicht in den USA.

Insgesamt daher leider nur:

2/10 Punkten

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Figurenkritik – Tim aus TKKG


In dieser Rubrik möchte ich gerne bekannte oder auch weniger bekannte Figuren aus Hörspielen, Bücher und Ähnlichem kritisieren und ihnen auch ein bisschen Raum geben, sich vorzustellen. Die erste Figur ist schon kontrovers, denn Tim aus TKKG spaltet, wie der Zwist zwischen TKKG und den Drei ???, die Hörspielszene.

 

Wer ist Tim?

Tim, ehemals Tarzan (bis zur Folge: „Die weiße Schmugglerjacht“), ist eigentlich alles, was ein Mädchen bis 14 oder ein Junge im selben Alter vergöttert, oder zumindest das Bild, welches sich die Autoren der Serie TKKG vorstellen. Er ist groß, sportlich, gut aussehend, gut in der Schule, hat das tollste Mädchen der Schule als Freundin, ist gerecht, fair, stark und ein Ass in Judo. Prinzipiell scheint er gar keine schlechten Eigenschaften zu haben. Sein Vater ist verstorben, seine Mutter lebt nicht in der gleichen Stadt, weshalb Tim sich im Internat mit Klößchen (Vorstellung kommt später) ein Zimmer – das Adlernest – teilt. Hier bricht er häufig und gerne draus aus, um kriminellen Machenschaften nachzugehen.

Kritik:

Tim ist zu perfekt. Schaut man sich die Attribute an, die ihm zugeschrieben werden, findet man zwar einiges, was die Figur symphatisch erscheinen lässt, schnell drängt sich dem älteren Leser aber auf, dass er gar keine Schwäche zu besitzen scheint, über die andere ihn direkt oder indirekt aufklären. Alles – oder das meiste – was Tim tut, wird als gut und richtig erachtet, egal, welche Grenzen er dafür eigentlich überschreitet. Wendet Tim einen seiner meisterhaften Judotricks an oder fährt er mal wieder Gaib über den Mund, ist das okay. Niemals trifft Tim den Falschen und Gabi sagt nie ernsthaft ihre Meinung. Tim behält in vielen Lebenslagen recht und seine Kombinationsgabe ist in der Regel auch die richtige. Ich muss zugeben, dass mir dies als Kind sehr gut gefallen hat, heute fällt mir allerdings auf, wie unglaublich fixiert die Serie, die eigentlich eine „Jugendbande“ beschreibt, doch auf ihren Anführer ist. Karl, Klößchen und Gabi verkommen häufig zu Hintergrundfiguren ohne tieferen charakterlichen Sinn.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Figur ist die Auffassung Minderheiten gegenüber. Man kann Tim und TKKG nicht generell vorwerfen, dass sie gegen Minderheiten sind, häufig helfen sie gerade auch den ärmeren Menschen der Gesellschaft oder jenen, die nicht in gleichem Maße anerkannt werden. Gerade Tim ist sehr schnell mit Vorurteilen, seien es Ausländer (früher häufig Italiener, heute auch Türken), ältere Jugendliche (rauchen, trinken, Lederkleidung), Obdachlose (Penner), Leute die verdächtig aussehen, Arbeitslose, Ex-Knackis usw. Quasi jede Randgruppe der Gesellschaft scheint in TKKG in der Regel nur dem Zweck der kriminellen Aktivitäten zu dienen. Das gerade Tim, der sich häufig als gerecht und fair darstellt, hier vorurteilsbeladen ist, zeigt die Ambivalent von Charaktereigenschaft und Charakterhandlung.

Tim wirkt – meiner Meinung nach gerade in den neueren Hörspielen – zudem übermächtig. Egal, ob der Gegner älter, größer und stärker ist, in allen mir bekannten Fällen gewinnt Tim den Kampf gegen den Gegner. Dies kann einem Kind toll vorkommen und Tim wird zum größten Helden, allerdings fällt dem älteren Leser/Höhrer auf, dass diese Häufung unrealistisch ist. Man bringt kein Messer mit zu einer Schießerei. Tim hat nie das Problem, in einem Kampf zu verlieren, egal, was der Gegenüber auch mitbring. Im Zweifelsfall zieht Klößchen dem entsprechenden Bösewicht eben eine Bratpfanne über den Kopf.

Fazit:

 

Wenn ich ehrlich bin – und man könnte hier noch mehr schreiben – muss ich sagen, dass mir Tim viel zu einseitig ist. Erinnere ich mich an meine Kindheit zurück, fand ich ihn zwar immer toll, aber auch damals schon unglaubwürdig, da er wirklich jeden Gegner schaffte. Das wird nach dem dritten oder vierten Buch/Hörspiel auch für ein Kind lächerlich. Ein Held, der immer nur gewinnt, wird auf die Dauer schnell langweilig. Deshalb tut es vielleicht bei den Drei ??? ganz gut, dass sie ab und an mal eingesperrt werden und dann i.d.R auf die Hilfe von Erwachsenen und nicht auf die brachiale Gewalt eines Judokämpfers, angewiesen sind.