Robin – Wer ist Robin?


Sicherlich haben viele schon mal etwas von dem dynamischen Duo gehört. Für die, die dies nicht getan haben:

Dabei handelt es sich um Batman – der in meinem Blog schon häufiger Platz fand – und seinen „Juniorpartner“, das „Boy Wonder“ oder zu deutsch: „der Wunderknabe“ Robin. Und um diesen soll es in einer kurzen Reihe hier gehen. Dabei gehe ich subjektiv und nicht genau wissenschaftlich vor.

Beginnen wir mit der offensichtlichsten Frage: Wer ist eigentlich Robin? 

Dick Grayson, Jason Todd, Tim Drake, Stephanie Brown, Damien Wayne und Carrie Kelly. Sie alle waren oder sind „Robin“. Der Bekannteste unter ihnen, auch außerhalb der Comicwelt dürfte Richard „Dick“ Grayson sein, der bereits im Jahre 1940 seinen ersten Auftritt als „Wunderknabe“ hatte. Er bleib es, bis Jason Todd ihn 1983 ablöste. 1989 wurde Tim Drake zu Robin, es folgte vor wenigen Jahren ein Kurzauftritt von Stephanie Brown – der ehemaligen Spoiler und in Deutschland mittlerweile Batgirl – als Robin. Nach der Erkenntnis, dass Bruce Wayne einen Sohn hat, Damien Wayne, ist dieser mittlerweile Robin. Zu diesem Verhältnis vielleicht an anderer Stelle mehr, da gibts genug zu meckern.
Carrie Kelly sei an dieser Stelle erwähnt, da sie in Frank Millers Meisterwerk „The Dark Knight Returns“ die Rolle des Robin übernimmt.

Es gibt also nicht den einen Robin, sondern direkt mehrere, die alle ihre eigenen Geschichten haben. Deshalb hier eine kurze Zusammenfassung:

Dick Grayson, der erste Robin, war der Sohn einer Artistenfamilie, die von einem Gangsterboss getötet wurde. Bruce Wayne, der im Zirkus zur Tatzeit zugegen war, nahm den jungen Richard bei sich auf und nachdem dieser festgestellt hatte, warum er Batman öfter sah, als seinen Wohltäter, wurde er zu seinem ersten Partner, Robin. Dick Grayson hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen und war alles in allem der „Sonnenschein“ der Erzählungen. Er war kindlich, aber nicht naiv, er war schlau und hatte hohe Ziele. Später verließ er Wayne Manor für das College und arbeitete einige Jahre in Gothams Nachbarstadt Blüdhaven als Polizist. Als er älter wurde und dem Robinkostüm entwuchs, entschied er sich für seine eigene Geheimidentität als Nightwing. Zur Zeit (August/September 2011) ist Richard Grayson der Ersatzmann für Bruce Wayne als Batman.

Eine andere Geschichte hat Jason Todd, der als Nachfolger von Dick Grayson auftrat. In der ersten Zeit war ihre Herkunftsgeschichte recht identisch, erst später bekam der Charakter eine deutlich negativere Herkunftsgeschichte. Batman begegnet Jason Todd erstmals, als dieser versucht die Reifen des Batmobils zu klauen. Batman nimmt sich auch diesem Weisenjungen an. Anders als Dick Grayson ist Jason Todd aufbrausend, jähzornig und handelte häufig unüberlegt. Dies führt letztlich auch zu seinem tragischen Ende. Auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter gerät er mit dem Joker aneinander, der den Jungen zu Tode prügelt. Eine der wohl erschreckensten Geschichten in der Batmanhistorie. Doch die Entscheidung wurde nicht über das Knie gebrochen. Man befragte die Comicleser in den USA ob Jason Todd leben oder sterben sollte. In einer knappen Telefonabstimmung wurde über Jason Todd das Todesurteil gesprochen. (Mittlerweile lebt auch dieser wieder, das ist aber eine andere Geschichte)

Tim Drake erkannte, dass Batman einen neuen Partner brauchte. Über Nightwings Geheimidentität fand er heraus, wer sich unter der Maske des dunklen Verbrecherjägers verbarg. Tim wurde Robin, weil er es werden wollte, nicht weil er seine Eltern verloren hatte oder weil er von Batman aufgenomen wurde. Zwar starb seine Mutter recht früh, aber er war nicht familienlos. Dies ergab sich erst in einer späteren Geschichte, als Tim bereits lange Jahre Robin war. Bis dahin musste er sich zusätzlich zu seiner Geheimidentität auch noch mit seinen Eltern und Schulkameraden herumschlagen. Vielleicht war es das, was Robin in Gestalt von Tim Drake zu einem sehr angenehmen Charakter werden ließ. Zudem musste er nicht mehr die Hotpans und die Elfenschuhe tragen, sondern bekam ein funktionales, sicheres Kostüm, von dem nur noch die Farben an „Robin“ erinnerten, aber nicht mehr so unbedingt die Aufmachung. Mittlerweile nennt er sich selbst Red Robin, in Abgrenzung zu Damien Wayne.

Stephanie Brown war nur für wenige Hefte Robin. Batman gab dem jungen Talent eine Chance, die sie fehlerhafte nutzte. Denn anstelle, sich Batman, wie er es gewohnt war, unterzuordnen, bot sie ihm die Stirn. Das und einige andere Verfehlungen brachten Batman letztenendlich dazu, sie als Robin aufzugeben. Stephanie erlebt derzeit ihre Renaissance als viertes (oder auch fünftes) Batgirl.

Damien Wayne… Zu der Figur komme ich später nochmal. Hier sei soviel gesagt: Damien Wayne ist knapp 10 Jahre alt, Sohn von Bruce Wayne und Talia al Ghul und derzeitiger Robin. Er ist hochnäsig, arrogant, egoistisch, von sich selbst überzeugt und hat lauter Fähigkeiten – nicht nur auf körperlichem, sondern auch auf geistigem Niveau, die nicht so ganz zu einem 10-Jährigen passen wollen. Er ist ein exzellenter Kämpfer, ausgebildet von der Mordliga und absolut fit in verschiedenen Kampfrichtung. Seine Halsstarrigkeit könnte zum Problem werden.

Zu Carrie Kelly muss nicht viel gesagt werden. Sie sollte nur erwähnt werden, um zu zeigen, dass es auch außerhalb der Kontinuität der Storys weitere „Robins“ gibt. Innerhalb von Frank Millers „The Dark Knight Returns“ ist sie ein weiblicher Robin, der einem gealterten Bruce Wayne zur Seite steht.

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Kevin Smith/Walt Flanagan: Batman – Der Teufelskreis


Autor: Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält: The Widening Gyre 1-6

Inhalt:

In Gotham ist das Übliche los. Irgendjemand benutzt Baron Blitzkriegs Uniform, Poison Ivy übernimmt Arkham, der Dämon Etrigan frisst die halbe Belegschaft und ein Kinderschänder entführt Kinder in einem Freizeitpark. Batman – der mal wieder bis zum Hals in Blut und Poison Ivys Gift steckt – bekommt aber unerwarteterweise Hilfe von einem neuen Helden in Gotham, der sich selbst Baphomet nennt.
Doch nicht nur Baphomet ist in der Stadt, auch Silver St.Cloud ist zurückgekehrt. Nachdem ihr Verlobter verstorben ist, sehnte sie sich wieder zurück zu Bruce Wayne, dessen dunkles Geheimniss sie kennt. Es kommt zu einer heftigen – mehr als das – Affäre zwischen den beiden, die Batman  vor die Frage zu stellen scheint, wie lange er noch Batman sein will…. und wer ihn ersetzten kann.

Kritik:
Ähnlich wie in Kakofonie kann – und sollte – man dieses Heft außerhalb der klassischen Kontinuität lesen. So tritt Batman, ähnlich wie in Kakofonie, ungewöhnlich auf. Das ist sicherlich der Story zu schulden, die ab einem Drittel etwa ihre Konzentration auf das Verhältnis von Silver St. Cloud und Bruce Wayne legt. Das ist schön, würde das Herz erwärmen, wäre es etwas glaubwürdiger. Zwar kennen sich Silver und Bruce schon eine ganze Weile, Silver kennt das Geheimniss des Mitternachtdetektivs und schon in „The Dark Detective“ hat es heftig geknistert, aber es wirkt, als ginge die Beziehung in diesem Band nicht wirklch über mehr hinaus, als eine Menge Sex – den Aquaman auch noch belauscht. Mit Hilfe von Delphinen. Wortwörtlich sagt Bruce Wayne hier sogar – und das ist sicherlich sehr, sehr ungewöhnlich: „Wir waren weniger allein, als gedacht. Die Delfine hörten uns beim Sex und sagten es Aquaman.“ Der dann auch prompt im Liebesnest der beiden auftauchte.
Das Ganze wäre noch einigermaßen erträglich, würde Bruce Wayne seiner „Angebeteten“ nicht auf dem Satelliten der JLA einen Heiratsantrag machen….
Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand – soll das Heft doch eigentlich in der Kontinuität spielen – und am Ende wird man, wenn auch etwas blutiger, an „James Bond – Im Geheimdienst ihrer Majestät“ erinnert.

Anhand des Endes dieses Heftes erkennt man auch eine weitere große Schwäche desselbigen. Baphomet, der neuen Held in Gotham wirkt auf den Leser schon von Anfang an nicht ganz sauber. Es ist der Eindruck, der über das einfache – aber gruselige – Kostüm, die Auftrittsweise – er öffnet etwa seine Maske schon sehr früh – und das schnelle Anfreunden mit Batman, alles Sachen, die dem Leser schnell auffallen. Dabei ist es egal,ob man zum ersten Mal ein Batmanheft in den Fingern halten sollte, oder ob man schon länger Batmancomics liest. Letzteren wird der Umstand vermutlich schneller bewusst. Es ist übrigens auch den Figuren bewusst, dass Baphomet eher zu einem Schurken passt, als zu einem Helden. Vielleicht ist es deshalb noch befremdlicher, dass Batman die Distanz zu ihm aufgibt – und sogar noch mehr, ihm seine Geheimidentität verrät.
Smith verleiht diesem Moment noch ein bisschen mehr Dramatik – naja, es ist definitiv zu viel – indem er vorher Batman darauf aufmerksam machen lässt, dass er seine Maske noch nicht einmal vor Superman abgenommen hat („Ich kenne Superman seit Jahren un dnehme trotzdem meine Maske nicht vor ihm ab„). Ich kann das jetzt nicht bewerten, ob es stimmt oder nicht, aber da Superman der beste Freund von Batman ist, währe es allein dieser Freundschaft gegenüber nicht fair, Baphomet ohne genaue Überprüfung in die Höhle zu führen und dann auch noch das Gesicht zu zeigen.
Hier liegt mein Hauptkritikpunkt: Batman wäre niemals so unvorsichtig. Vor allem nicht, da noch ein Schurke herumläuft, der sich zum Ziel gemacht hat, ihn umzubringen. Nämlich Onomatopoeia.

[VORSICHT! DICKER SPOILER]

Wer es bis hierher noch nicht geahnt hat: Hinter dem so „gut“ handelnden Baphomet versteckt sich niemand anders, als der Schurke Onomatopeia, der bereits im Vorgänger „Batman-Kakofonie“ auftauchte. Und er sorgt auch, in dem einzigen Bild, in dem man seine Maske sieht, für einen großen Knall, in dem er Silver St. Cloud in der Bathöhle die Kehle aufschneidet. Tragisch, tragisch. (und wieder der Hinweis auf den Bond-Klassiker)
Aber leider wahr etwas Ähnliches spätestens ab dem Heiratsantrag zu erwarten….

Und HIER liegt der Hund begraben:

Batman ist zu naiv. Und das passt nicht zu der Figur. Batman mag manchmal in bestimmten Gedankengängen

festgefahren sein, aber die Figur ist nicht naiv. Planer, Denker, Stratege. Das ist kein Platz für Naivität. Sprüche wie „Bist du etwa ein Kiffer?“ mögen unkonventionnell sein und dem ein oder anderen unpassend erscheinen, aber Naivität ist etwas, was dieser Figur nicht passiert. Sprüche gab es auch schon in anderen Heften. Wer es nicht wagt, vor seinem besten Freund die Maske abzulegen, die ihn ausmacht, der macht das bestimmt nicht vor einem Fremden, der sich nach einem Dämon benennt – noch weniger, wenn er gerade erst von einem mordlüsternden Irren verfolgt worden ist.
Es fehlt diesem Heft an der batmantypischen Planung – und im Endeffekt daran, dass er den Gang der Dinge schon kennt, bevor sie passieren. Der Detektiv fehlt, der Batman auszeichnet.
Die Liebesgeschichte mit Silver St. Cloud kann schon Spaß machen, die Vorstellung, dass Bruce Wayne heiraten könnte, dass er ein normales Leben führen könnte, weg von Batman und der Dunkelheit der Nacht, hat eigentlich etwas Tröstliches. Aber dem Leser ist über weite Strecken klar, dass hinter Baphomet kein guter Mann steckt. Subtile Andeutungen, Gestiken, Mimiken, weißen darauf hin. Das ist nicht schlecht gemacht von Smith – nur fragwürdig, weil es Batman eben nicht auffällt. Und gerade IHM hätte es auffallen müssen.

Positiv vermerken möchte ich aber nochmals die Figur von Alfred, der zwar wieder nur kurz auftaucht, aber einen schönen, sarkastischen Moment hat, in dem er zeigen kann, dass er mehr ist als nur „der Butler“. Schade eigentich, dass man der Figur allgemein eher wenig Spielraum zu kommen lässt.
Ebenfalls positiv beleuchtet finde ich das Verhältnis von Catwoman zu Batman.Die Frage, ob Batman seine Geliebte mit Catwoman betrügen könnte – und ob dies eine falsche Annahme von Seiten Smith ist – ist diskutiert worden. Das Ergebnis ist merkwürdig: Trotzt der mittlerweile 72-jährigen Geschichte des Charakters – der sich natürlich auch von Generation zu Generation ändert – ist darüber keine genaue Aussage zu treffen. Smith wirft also hier eine Frage auf, die bisher so noch nicht gestellt – oder zumindest nicht beantwortet – worden ist. Eigentlich eine spannende Frage, die im Rest der Geschichte allerdings untergeht. Dass Catwoman mit der Ankündigung, dass Batman heiraten will, nicht glücklich ist, erklärt sich, wenn man die Beziehung dieser beiden Charaktere anschaut – und auch hier wirft sich eine Frage auf: Handelt Batman in seinem Verhältnis zu Silver St. Cloud eigentlich rational? Wenn er sie – kurz zuvor – noch mit Catwoman betrügt, steckt da nicht noch mehr hinter?

Interessante Fragen, die jedoch nicht einfach zu beantworten sind.

Fazit:

Definitiv kein Heft für Anfänger. Aber für Leute, die sich für die Materie interessieren, ein bisschen Spaß an Unterhaltung finden, gegen nackte Haut und eine Menge Blut nichts haben, könnte die Geschichte etwas sein.
Ich mag sie trotzt allem wegen ihrer vielen „Bruce-Wayne“-Szenen, da dieser in der letzten Zeit in den Comics meines Erachtens, etwas zu kurz gekommen sind und auch richtige Liebesgeschichten fehlten in letzter Zeit.
Ich würde mich auch freuen, würde Kevin Smith noch den letzten Teil fertig bekommen, damit der Cliffhanger am Schluss aufgelöst wird.

Kevin Smith/Walt Flanagan – Batman: Kakofonie


Autor:Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält:Batman Cacophony 1-3

Inhalt:

Als der bekannte Batmanschuke Deadshot im Arkham Asylum einbricht, um den Joker für einen Auftraggeber umzubringen, erscheint ein neuer Mann auf der Bildfläche, der dem Joker hilft, aus der Irrenanstalt zu entkommen – und schon gibt es in Gotham City einen neuen Schurken.
Onomatopoeia
(Onomatopoesie als Fachausdruck der Lautmalerei) ist der Name des unheimlichen Mannes. Er redet nicht und hat auch schon zwei andere Helden auf dem Gewissen, an Green Arrow ist er zuvor gescheitert. Onompatopeia scheint nun vor zu haben, Batman ein für alle mal aus dem Weg zu räumen, und schließt sich dem Joker an. Auch der alte Batman Gegner Maxie Zeus hat einen denkwürdigen Auftritt.

Kritik:

Das Heft ist ungewöhnlich, Kevin Smith Erzählstil ist sicherlich für ein Batmanheft mehr als außergewöhnlich. Ganz fest im Gedächtnis geblieben ist mir folgender Satz des Jokers, den er von sich gab, als er im Krankenhaus liegt und zuerst ein Gespräch mit Matches Malone (alias Batman) und später mit Batman führt: „Und da wir gerade so gnadenlos ehrlich sind, muss ich dir sagen, dass ich dein Gehänge gesehen hab, als du dich unmgezogen hast.“ Aber nicht nur Joker wartet mit ungewöhnlichen Aussagen auf, auch Batman trifft die ein oder andere Aussage, die ungewöhnlich ist: „Barucha Haba – DRECKSACK“ oder Sätzen „Halt bloß deine Fresse„.

Kevin Smith, der gerade für Filme wie Dogma, sowie Silent Bob und Jay bekannt ist, pflegt sicherlich keinen Umgang mit der Figur, die jedem gefällt. So viel sei schon mal gesagt. Die Storyidee als solche ist nicht einmal schlecht, das kann man ihm nicht vorwerfen, die Umsetzung teils aber schon grenzwertig. So ist es in amerikanischen Filmen häufig der Fall, dass Kinder nicht sterben. Hier stürzt Dank des Jokers gleich eine ganze Schule über den Köpfen von Kindern zusammen. Harter Tobak, wie ich finde. Wenngleich auch nicht direkt „nicht schon mal dagewesen.“ Das ist vielleicht auch gerade das Problem des Heftes.
Obwohl Kevin Smith mit Onomatopoeia jemand ganz Neuen für Leute einführt, die nur Batman lesen, gelingt es ihm nicht, ihn als den großen Schurken darzustellen, der er sein soll. Das könnte unterschiedliche Gründe haben. Meines Erachtens ist einer, dass er ihn zusammen mit dem Joker aufstellt. Joker ist eine Figur, die schnell alles andere erdrücken kann, wenn man ihn zu sehr herausstellt – und genau dies Smith passiert. Anstellte, Joker eher in den Hintergrund treten zu lassen – wenn er schon auftaucht – wird er zum eigentlichen Antagonisten stilisiert, nicht Onomatopoeia.
Dabei wäre Joker vielleicht gar nicht mal zwingend nötig gewesen, um Onomatopoeia zu charakterisieren. So benutzt dieser den Joker in erster Linie um an Batman heranzukommen. Ob Joker davon weiß, oder nicht, ist nicht ganz genau zu entnehmen, ich gehe davon aus, dass er es nicht weiß. Hier hätte es vermutlich auch jeder andere große Schurke getan, z.B Mr. Zsazas der einen Kurzauftritt in diesem Heft hat. Leider hat sich Smith an dieser Stelle seine Geschichte selbst verbaut, da Joker seinen eigenen Charakter wirklich in den Schatten stellt.

Das moralische Ende war mit der Klappentextankündigung leider in gewisser Weise absehbar und auch nichts neues mehr:
„Dabei gilt es für den Dunklen Ritter, eine schwere Entscheidung zu fällen, bei der einem seiner Feinde das Lachen im Halse stecken bleiben könnte….“
Auch hier muss ich Smith leider vorhalten, dass im Großen und Ganzen nichts neues erfunden hat. Jedem, der Batman über einen längeren Zeitraum gelesen hat – wie es die allermeisten wohl tun – weiß, dass Batman selbst den Joker nicht sterben lassen könnte. Das beweisen schon eindrucksvoll Hefte wie „A death in the family“, wo Batman trotzt allem den Joker nicht umbringen will. Dass Smith hier also Bezug darauf nimmt, und den Joker sogar fragen lässt, ob Batman ihn umbringen würde, birgt für den Leser keine große Überraschung, und die Tatsache, dass er sich nicht dafür entscheidet, Onomatopoeia zu verfolgen, sondern den Joker zu retten auch nicht.

Allein verblüffend ist, die Antwort des Jokers auf die Gegenfrage, die er sich aber auch eher selbst stellt. Joker meint: „Aber ich will dich töten“ und obwohl er nacher darlegt, warum er glaubt, dass sein Wahnsinn enden würde, wäre Batman tot (Sein Hass auf Batman ist der Grund, warum er irre ist. Ohne Batman würde er nicht mehr irre sein und kein Chaos mehr anrichten) scheint diese Antwort im Zusammenhang mit dem Verhalten von Joker in zahlreichen anderen Hefte nicht stringent. Wenn man längere Zeit Comics liest, könnte man auf die Idee kommen, dass die Figuren mehr von einander abhängig sind, als man auf den ersten Blick glauben mag: Der eine würde ohne den anderen nicht existieren. (Im Übrigen schon ein ziemlich altes Motiv, welches im Minnesang bereits Anwendung fand). Sie geben sich beiderseits eine Existenzberechtigung, sind vielleicht beide in gewisser Art und Weise der selbe, wahnsinnige Charakter – der sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Und wie Alfred durch die Blumen in diesem Heft treffend bemerkt: „Und ein normaler Mensch wie Sie Sir… und ich nenne Sie nur widerwillig normal […]“ ist Batman bestimmt selbst wahnsinnig. Diesen Zusammenhang deckt nicht erst Smith auf, sondern ist schon vielen anderen Autoren vorher bewusst gewesen.

Gerade deshalb ist Jokers Antwort vielleicht so verblüffend – weil es im Grunde genommen jeder besser weiß und intertextuell könnte man vielleicht sogar schlussfolgern, dass er es selbst besser weiß (man nehmen die neueren Batmanhefte, wo Joker so lange verschwunden war, bis es einen neuen Batman gab) und sich selbst vorlügt, er könne Batman töten. Durch dieses Gespräch, wenngleich es erst gegen Ende erfolgt, macht Smith eindeutig, dass auf dem Joker das Hauptaugenmerk liegt  – und nicht auf Onomatopoeia. Wollte er dies, dann hätte er sich den neuen Schurken schenken können, wollte er es nicht, hat er einen Fehler gemacht, den schon andere gemacht haben und sicherlich immer wieder machen werden. Dennoch hält das Ende die ein oder andere Überraschung für den geneigten Leser bereit, die ich hier jetzt nicht vorweg nehmen will.

Schön gelungen finde ich – um das Heft nicht nur zu kritisieren – die Darstellung Alfreds. Er ist sarkastisch, direkt, aber dabei immer höflich. Zwar ist auch das nicht neu, aber wird hier konsequent durchgeführt. Dabei geht Smith auch an einer Stelle deutlich über den Text hinaus. Auf die Aussage, von Batman, dass der Joker sein „Gehänge“ gesehen habe, antwortet Alfred:
Kein Wunder, dass er Ihre Männlichkeit erspähte, da sie doch Ihre Unterhose über Ihren Kleidern tragen.“

Fazit:

Kein schlechtes Heft. Aber vermutlich hätte ich es bereut, hätte ich es zum Vollpreis gekauft. Wer sich allerdings für „abgeschlossene“ Batmangeschichte, ohne die verwirrenden Erzählstränge von Grant Morrison interessiert, liegt hier vielleicht gar nicht so falsch. Und wer sich einen „menschlicheren“ Batman wünscht, vielleicht auch nicht. Denn so manch ein kleiner Wortwitz, der Batman in anderen Hefte nicht über die Lippen käme, lässt ihn hier menschlich erscheinen.
Wie ich einleitend schon sagte: Wer das Heft außerhalb der Kontinuität lesen kann, kann Spaß haben. Für andere könnte es schwierig werden.

Der Nachfolger hat übrigens noch einige Eckpunkte mehr. Dazu später.

Batman 52: Der mexikanische Zug/Der Garten des Todes


Autor: Grant Morrison

Zeichner: Andy Clarke/ Fraizer Irving

Enthält: Batman&Robin 12/13

Inhalt:

Auf der Suche nach Bruce Wayne machen Batman (Richard Grayson) und Robin (Damien Wayne) große Fortschritte. Doch zunächst einmal muss Damiens Mutter Talia aus dem Weg geräumt werden, die ihren Sohn durch ein elektrisches Implantat körperlich kontrollierbar machte und ihn auf Batman loslässt. So beginnt der erste Teil des Heftes schon mit einem Kampf zwischen Batman und Robin, die sich danach aufmachen, Damien aus den Klauen seiner Mutter zu befreien. Damien sagt ihr dabei ein für alle mal die Meinung.
Der andere Teil des Hefts beschäftigt sich mit dem mysteriösen Oberon Sexton, dessen Identität hier vielleicht ein wenig überraschend gelüftet wird und auch mit dem Geheimnis um den wiederauferstandenen Thomas Wayne. Was hat es mit diesem auf sich?

Kritik:

Wie die Nummer 51 auch, legt Grant Morrison ein Heft vor, welches sich gut lesen lässt und eine spannende Geschichte vorzuweisen hat, leider aber auch einigen Grund zur Kritik bietet.

Zunächst einmal hätten wir da wieder Damien Wayne:

Zwar wirkt Damien hier nicht so überdurchschnittlich intelligent – er ist schließlich erst 10 Jahre alt – aber es gibt etwas anderes, was dem Leser auffallen kann. Denn Morrison weicht ihr stark von seinem eigenen Charakterkonzept ab. Damien, der zuvor ein nerviges, kleines, verwöhntes Balg war, wird hier plötzlich zum Retter von Moral und Ehre, als er seiner moralisch völlig verkommenen Mutter gegenüber tritt.
Im Heft 52 gab es schon eine charakterlichen Wandel, der die Figur zumindest für mich erträglicher machte, allerdings ist es vielleicht doch zu drastisch um zu sagen, dass Morrison hier nicht hinten herum versucht, Damien symphatisch werden zu lassen. Man kann gespannt sein, was er letztenendes aus der Figur machen will. Ich prophezeihe vom momentanen Standpunkt in einigen Jahren ein Ende alla Jason Todd (vor seiner Zeit als Red Hood).

Der nächst Kritikpunkt betrifft Damiens Mutter Talia al Ghul. Auch wenn ich sie im vorhergegangen Post schon mal kritisiert habe, muss ich sagen, dass sie sich hier meiner Meinung nach zu sehr aus ihrem eigenen Charakterkonzept herausbewegt hat. Natürlich erfindet jeder größere Autor die Figuren der Geschichten neu, was so einen gewissen Reiz aus macht, aber alles, was geschah einfach zu übergehen, ist eine andere Geschichte. Denn trotzt der Tatsache, dass Talia sicherlich keine reine Weste hat und noch weniger moralisch vollkommen ist, bleibt sie eine der Geliebten von Batman, den sie auch immer noch liebt. Dass sie Dick Grayson, den Bruce adoptierte, nicht mag und ihn vielleicht sogar umbringen will, kann ich mit dem Charakterkonzept noch in Einklang bringen, die Tatsache, dass sie ihren Sohn quasi verstößt um einen neuen zu züchten, halte ich aber für zu weit hergeholt und zu wenig an den Charakter angepasst. Das würde sie, würde man den mir bekannten Bildern folgend, nicht tun.

[Vorsicht SPOILER]

Oberon Sextons Demaskierung.

Auch dies betrifft eine Sache, die meiner Meinung nach „Out of character ist“. Die Demaskierung von Oberon Sexton ist durchaus überraschend und die Tatsache, dass sich Joker darunter befindet, scheint ein typischer Kunstgriff von Morrison sein, doch hier muss ich – im Gegensatz zu einigen anderen Lesern – sagen, dass mir die Wendung gar nicht gefällt.
Man kann sagen, dass Joker ohne den original Batman nicht existieren kann, aber dennoch wird aus einem genialen Wahnsinnigen nicht plötzlich ein wahnsinniges Genie. Denn Oberon Sexton erscheint im vorgehenden Heft eher wie ein vernünftiger Mann, nicht nur in seinem Auftreten gegenüber Dick und Damien, sondern auch gegenüber den Gegnern der drei. Auch dass er gleichzeit der Dominokiller ist, passt mir nicht ganz ins Bild. Denn die Pointen, die Dick im Heft erwähnt, sehe ich nicht und konnte ich auch im Nachhinein nicht nachvollziehen. Da hat sich Morrison nicht genügend Zeit genommen und zu wenig direkte Hinweise gestreut, damit der Leser nicht das Gefühl hat, einem – wenn auch etwas aus der Art geschlagenen – Deux ex machina gegenüber zu stehen.

Figur des Thomas Wayne

Noch erschließt sich mir der Nutzen dieser Figur nicht ganz. Klar, Thomas Wayne, da denkt man immer zuerst an den Vater von Bruce Wayne. Sollte DC aber wirklich auf die Idee kommen, diesen wiederauferstehen zu lassen, dann überlege ich ernsthaft, ob sie die Figur in den Grundfesten nicht nur erschüttern, sondern zerlegen wollen. Das ist ein Schritt, der wohl  überlegt sein will. Sollte es sich tatsächlich um den einen westenlich älteren Thomas Wayne handeln, bin ich gespannt, wie er sich entwickelt, auch wenn ich der Black Glove Sache immer noch mehr als skeptisch gegenüberstehe.

Aber es gibt auch einiges Positives an diesem Heft. So sind die Clarke-Zeichnungen sehr ansehnlich und machen Lust auf mehr, auch die Beziehung zwischen Dick und Damien entwickelt sich in eine durchaus positive Richtung. Macht Spaß auf mehr, auch wenn Bruce Wayne – wie zu erwarten ist – zurückkehren sollte.
Die Suche nach dem selbigen gestaltet sich auch sehr spaßig, die Suche nach versteckten Spuren und Hinweisen ist auch sehr gut gelungen und lässt ein wenig klassisches Batman-Feeling aufkommen.

Auch wenn ich die negativen Punkte hier viel breiter ausgeführt hat, sind in meinen Augen die positiven Fakten auch stark zu werten.

Fazit:

Alles in Allem vergebe ich für dieses Heft 7/10 Punkten, wegen den beiden Geschichte, die mir zu sehr „out of character“ sind.

Batman 51: Batman gegen Robin – Das Geheimnis von Wayne Manor/Friedhof


Allgemeine Angaben:

Autor: Grant Morrison

Zeichner: Andy Clarke

Enhält: Batman&Robin 10/11

Inhalt:

Auf der Suche nach Bruce Wayne kommen Damien (momentaner Robin) und Richard Grayson (momentaner Batman) hier ein ganzes Stück weiter. In Wayne Manor stoßen sie auf Spuren, die auf eine mögliche Zeitreise Waynes hindeuten. Sie folgen Bildern, versteckten Hinweisen im Haus und befinden sich gleichzeitig noch auf der Jagd nach dem Dominomörder. Hierbei erhalten sie Unterstützung von Oberon Sexton, einem geheimnisvollen Mann, der sein Gesicht stetig unter einer Maske verbirgt und auch Damiens Mutter Talia bekommt ihre eigene Rolle in diesem Heft…..

Kritik:

Das Heft weiß schon Spaß zu machen, ohne Zweifel eines der gelungensten der letzten Monate in der deutschen Batman-Serie. Leider gibt es einige Kritikpunkte, die ich hier kurz anbringen möchte:

– Damien Wayne: Ja, um die Figur wird viel gestritten, und auch wenn er als Robin eine durchaus gute Figur macht und seine Gespräche mit Dick darüber, ob er nun Robin bleiben kann, wenn Bruce wiederkommt, lassen einen symphatischen Eindruck auf den Leser. Sein Auftritt zu Beginn, als wüsste er als 10-jähriger alles über ein Unternehmen wie Wayne Enterprises wirkt unglaublich aufgesetzt und zudem lächerlich.

– Talia al Ghul: Talia war zwar nie eine Figur, die ich besonders gut leiden konnte oder die auch nur in irgendeiner Weise kohärent gewesen wäre, hier wird meiner Meinung nach aber ein gewisses Maß überschritten. Denn bei allen Gemeinheiten, die Talia schon ausgeheckt hat, war ihr immer eine Sache eigen: Ihre Liebe zu Batman/Bruce Wayne. Deshalb passt mir hier die Art und Weise wie sie mit ihrem Sohn umgeht, gar nicht, denn er ist immerhin aus einer „Verbindung“ von Wayne und ihr entstanden. Ihr Verhalten ist schon etwas out of character.

Positiv herauszuheben an diesem Heft sind einpaar andere Sachen:

– Die Zeichnungen. Ich bin kein Fan von Andy Clarke, aber dennoch muss ich zugeben, dass mir, nach erstem Eingewöhnen, die Zeichnungen sehr gut gefielen und mir das Lesen wirklich Spaß machte.

– Die Suche nach Hinweisen auf Bruce Waynes Verbleib in der Vergangenheit. In meinen Augen ganz großes Kino. Hier hat der Leser wirklich wiedermal ein klassisches Rätsel vor Augen, wie es – mir zumindest – auch in Krimis oder gar in den alten, heiß geliebten Kinderbüchern, eine wahre Freude war. Die Hinweise sind in sich schlüssig und der Fehler, dass Wayne Manor eigentlich während des Niemandsland zerstört worden ist und davon eigentlich nicht viel übrig blieb (zumindest den Bildern nach) wird geklärt. (wenngleich einwenig ad hoc.)

– Oberon Sexton. Er weiß hier wirklich zu gefallen. Im Hinblick auf Heft 52 muss ich jedoch sagen, dass mir die Auflösung, wer unter der Maske steckt, nicht besonders zusagt.Im vorliegende Heft jedoch ist er wirklich ein brauchbarer Charakter, den Autor Grant Morrison gut einzubinden weiß. Sehr erfreulich.

Fazit:

Wegen einer Story, die mir wirklich sehr gut gefällt: 8/10 Punkten

Moore/Bolland – Batman: The Killing Joke


Autor: Alan Moore

Zeichner: Brian Bolland

Titel: Batman – The Killing Joke

Erscheinungsjahr: 1988

Inhaltliche Zusammenfassung:

Es war einmal ein junger, armer Mann mit einer hochschwangeren Frau. Seinen Traum, ein großer Komiker zu werden, scheint in unerreichbare Ferne gerückt zu sein. In seiner großen Not greift er zu  einer Notlösung und schließt sich dem Überfall auf eine angeblich ungesicherte Chemiefabrik an. Dort soll er den Verbrecher „Red Hood“ verkörpern, der die Stadt seit einiger Zeit unsicher macht…

Es ist Abend im Haus der Gordons, als es an der Tür klingelt. Barbara Gordon, Tochter des Polizeicommissoners Jim Gordon öffnete die Haustür und bekommt vom Joker eine Kugel in den Unterleib geschossen. Schwer verletzt wird sie in ein Krankenhaus eingeliefert. Währenddessen entführt der Joker den Commissoner ein einen Vergnügungspark des Grauens. Dort stellt er ihn vor die Wahl… verrückt werden oder sterben….

Um den Commissoner zu retten, versucht Batman verzweifelt, Jokers Versteckt aufzuspüren um den Commissoner aus den Händen des personifizierten Wahnsinns zu retten….

Kritik:

Auf alle Aspekte des Hefts einzugehen, würde vermutlich hier den Blog sprengen, deshalb werde ich nur einige Aspekte herausgreifen, etwa die Alterskennzeichnung, das Verhältnis von Commissoner Gordon zu Batman und die Geschichte des Jokers. Es wäre sicherlich reizvoll dieses Heft tiefergehend zu analysieren, vielleicht bietet sich dazu im Studium noch mal die Möglichkeit, denn es hat genügend Ansätze, die eine Analyse rechtfertigen. Gerade der Umgang der Personen untereinander ist nicht zu vernachlässigen.

Das Comic trägt zu Recht die Kennzeichnung „Suggested for mature readers„. Frei übersetzt: Ausgerichtet auf erwachsene Leser. Auf der einen Seite ist dort die sehr brutale Handlung, Barbara Gordon, vielen Kinder der damaligen Zeit wohl noch als schwarz-gelbes Batgirl bekannt, wird vom Joker verstümmelt und – anders als es in vielen anderen Comics der Fall ist – nicht geheilt.

Commissoner Gordon wird in einen Vergnügungsparkt entführt, der wenig mit den quietschbunten und glücklichen Freizeitparks zu tun hat, die man kennt. Diese Fröhlichkeit und das Bunte wird ins krasse Gegenteil verkehrt. Sowohl die Farbgebung, wie auch noch die Ankündigungen längst nicht mehr existenter „Attraktionen“ (sei es die dickste Frau der Welt – mit dem Vermerk „Gals, be glad it ain’t you“; oder das zwei-köpfige Baby) oder die zahlreichen Hinweise auf „Fun“ in diesem Park, tragen zu einer unheimlichen Atmosphäre bei, die dem erwachsenen Leser einen gruseligen Schauer über den Rücken jagt.

Auch der Umgang von Joker mit dem Commissoner geht an die Nerven. So wird er von den kleinwüchsigen Gehilfen des Jokers, die selbst aussehen, wie auch einer Monstrositätenshow, nackt ausgezogen, ihm wird ein Stachelhalsband umgelegt und mit Hilfe eines Metallstabs wird er dazu gezwungen, das zu tun, was Joker möchte. In einer pervertierten Version einer Geisterbahn macht Joker dem Commissoner deutlich, dass der einzige Ausweg aus der Situation der Wahnsinn ist: „Madness is the emergency exit“.

Es geht Joker ganz bewusst darum, den Commissoner zu brechen, seinen sonst so starken Willen auf eine letzte und alles entscheidende Prüfung zu sichern. Die Bilder, die der Commissoner in der Geisterbahn präsentiert bekommt – seine Tochter, schwer verletzt, nackt auf dem Boden der gemeinsamen Wohnung liegend – würden wohl die allermeisten Menschen wahnsinnig werden lassen. Als Gordon die Achterbahn verlässt, ist dem Leser nicht sofort klar, was aus Gordon geworden ist. Sein Gesicht wird nicht gezeigt, ein kluger Schachzug von Autor und Zeichner. Joker spricht den Commissoner zwar an, bekommt aberk eine Antwort.

Als Batman schließlich im Park auftaucht, um den Commissoner zu retten, sieht man Gordon in einem Tierkäfig sitzen, die Arme um den nackten Körper geschlungen. Hier findet man eine der emotionalsten Szenen in der Geschichte der Batmancomics, könnte man behaupten. Vermutlich mangels Alternative fragt Batman den Commissoner „Jim? Jim are you… are you still okay?“ Gordon antwortet nicht, er fällt Batman in die Arme, der ihn tröstend in die Arme nimmt und sagt: „It’s okay. Let it come.“ Eine starke Szene, die einerseits das Verhältnis von Batman und Commissoner Gordon beschreibt, aber auch deutlich macht, das Gordon eben „nur“ ein Mensch ist. Im nächsten Bild sieht man erstmalig seit Gordon in der Achterbahn die Bilder seiner verkrüppelten Tochter gesehen hat, das Gesicht des Commissoners und in dem was er sagt, macht er sich vermutlich zu mehr, als man es ihm vielleicht zu getraut hat. Batman bietet ihm an, das er bleibt, bis die Polizei eintrifft, Gordon macht aber deutlich, dass er Joker gefangen sehen möchte „No, I’m okay! You have to go after him! I want him brought in… and I want him brought by the book!“

Nach all den Strapazen, den Demütigungen und den schrecklichen Verbrechen, die Joker ihm und seiner Tochter angetan hat, möchte Commissoner Gordon nicht, dass dem Joker etwas direkt unrechtmäßiges zustößt. Hier wird deutlich, das der Joker trotzt der unvorstellbaren Qualen, die er Gordon zufügt, am Ende gegenüber der Überzeugung Gordons versagt hat und an seinem Ziel – womöglich knapp – vorbeigeschrammt ist. Damit ist (für mich) Gordon und nicht Batman in diesem Comic der eigentliche Held. Denn wo man Batman getrost als „Superheld“ ohen Superkräfte betrachten kann, ist Gordon eher das, was wir alle sind – nämlich ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit normalen Gefühlen und einem halbwegs normalen Leben. Das er hier stark bleibt und auf Recht und Gesetz beharrt, macht ihn zu einem ungeheuer starken Mann.

Ein weiterer Aspekt, der dieses Heft besonders lesenswert macht, ist die Geschichte des Jokers, die hier in allen Facetten beleuchtet wird. Ist er doch – vielmehr als Batman – der eigentliche Protagonist der Geschichte. Es wird das Bild eines Mannes gezeichnet, der alles verlor. Seine Anstellung aufgab, zugunsten seiner Träume ein bekannter Komiker zu werden, sich kriminellen Menschen anschloss und seine alte Firma ausraubt, um dort in ein Säurebecken zu fallen. Es ist tragisch, weil der Leser mit dem Mann ohne Namen mitfühlen kann. Er ist kein großes Verbrechergenie, welches allein aus egozentrischem Antrieb einen Überfall durchzieht. Zu seiner Frau sagt er: „I’ve got to get you out of here before the baby comes…. I just want enough money to get set up in a decent neighborhood“, womit er deutlich macht, dass es ihm weniger um sich selbst, als viel mehr um seine Frau und das Baby geht. Deshalb stimmt er dem Plan der Kriminellen zu. Nur einige Sekunden später betritt ein dicker Polizist die Kneipe, in der sich die Ganoven trafen und teilt dem werdenden Vater mit, dass seine Frau und das Baby durch einen elektrischen Schlag und anschließenden Brand ums Leben kamen. Der junge Mann möchte aussteigen, kann aber nicht mehr. In der darauffolgenden Nacht wird der Plan in die Tat umgesetzt.

Aus Furcht rennt der junge Mann weg, als auf ihn und seine Kumpanen geschossen wird. Er trifft auf Batman. Vermutlich rennt er auch hier aus Furcht weg und lässt sich nicht davon abhalten in den Behälter voll mit giftiger Säure zu springen. Vielleicht war es eine Art Selbstmordversuch. Seine Frau tot, er mit einer Karriere im Gefängnis. Doch das Wunder – wenn man es so bezeichnen kann – geschieht. Er überlebt den Sturz. Seine Haut ist weiß gefärbt, die Haare grün, das Gesicht zu einem diabolischen Dauergrinsen verzerrt – der Joker ist entstanden. Und man merkt, schon hier ist das verborgen, was Joker später zu Commissoner Gordon sagt: Aus einer grausamen Situation, ohne ein Licht am Ende des Tunnels, ist der einzige Ausweg der Wahnsinn.

Vielleicht ist dies auch die Quintessenz des gesamten Heftes. Um ein Leben frei von Sorgen führen zu können, ein Leben, frei von jeglicher grausamen Situation muss man wahnsinnig sein. Aber wer nicht dem Wahnsinn verfällt – der wird später der tatsächliche Held. In wie weit das auf Batman zutrifft, ist eine Frage, die es an anderer Stelle zu erörtern gibt.

Alle Zitate stammen aus folgender Ausgabe:

Moore, Alan/Bolland, Brian: Batman. The Killing Joke. The deluxe Edition. DC Comics, New York: 2008.

Graham Nolen / Chuck Dixon – Des Teufels Advokat


Der Erwerb dieses Heftes ist zwar schon was länger her, allerdings habe ich mir gedacht, dass es doch einen Blogartikel wert ist. Also auf gehts.

Eine kurze Einführung zur Hauptfigur des Batman gibt es auch  hier wieder, für diejenigen, die nicht wissen, wer den „Batman“ ist. Acht Jahre war der junge Bruce Wayne alt, als in einer dunklen Gasse nach einem Kinobesuch seine Eltern von einem Ganoven erschossen wurden. Er überlebte und schwor sich, dass kein Kind und kein Mensch ein ähnliches Schicksal erleiden sollte. Jahre später wählte er als Zeichen die Fledermaus und wurde zu Gotham Citys gefürchtetem und geachteten Helden, Batman.

Titeldaten:

Autor: Chuck Dixon

Zeichner: Graham Nolan

Titel: Des Teufels Advokat/The devil’s advocat

Rezension:

Inhalt:

Dass da, wo ein Superheld auftaucht, schnell auch ein Superschurke zur Hand ist, ist hinlänlich aus zahlreichen Filmen bekannt. Das dieser Superschurke in 99% (keine Garantie, da keine Statistik ;)) der Fällen vom Superhelden eingebuchtet wird oder eben den Tod findet, ist auch bekannt.

Es ist nie der Fall, dass der Superheld mal für seinen Superschurken-Erzfeind kämpft. Dachte ich bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich dieses Comic in den Händen hielt. Es geht um Batmans Erzfeind, den Joker. Dieser wird verdächtigt, dass er Briefmarken mit berühmten Komikern als Motiv vergiftet hat um damit Angst und Schrecken in Gotham zu sähen. Überraschenderweise kommt es zu einer Anklage gegen Joker, der eigentlich gedacht hatte, er würde wegen Unzurechnungsfähigkeit wieder nach Arkham gesteckt werden. Aber es kommt anders.

Als Joker schließlich vor Gericht steht und wegen den Briefmarkenmorden zum Tode verurteilt wird, streitet dieser die Tat ab. Bezeichnet sie als stümper- und amateurhaft, lacht sie aus. Batman wird klar: Joker ist dafür nicht verantwortlich.

Er sucht den wahren Täter, während die Uhr gegen den Joker zu laufen  beginnt.

Kritik:

Dieses Heft bietet eine wirklich sehr spannende Geschichte, die den Leser das ein um das andere Mal dazu bringt, sich zu fragen, wie kalkuliert und berechnend, wie dreist und wie irre der Joker tatsächlich ist. Man kann sich sehr lange nicht ganz sicher sein, wer hinter der Tat steckt und lange ist auch nicht eindeutig festzustellen, dass der Joker es nicht ist.

Aber das ist nicht das wahrhaft Interessante und Spannende an diesem Heft, sondern eher die Frage nach dem Wort „Gerechtigkeit“. Was ist gerecht? So fragt Commissioner Gorden indirekt, ob es nicht besser wäre, wenn man den Joker auf den elektrischen Stuhl setzten würde, obwohl er die Briefmarken nicht vergiftet hat. Batman macht deutlich: das ist nicht die Gerechtigkeit, die er sucht.

Gerechtigkeit ist ein schwieriger Begriff und das wird hier in dem Heft deutlich. In wie weit man als Leser diese Auffassung teilen kann, ist ein Entschluss, den wohl jeder selbst treffen wird. Aber es macht dieses Heft außergewöhnlich. Dass gerade Batman, der Jason Todd an den Joker verlor, der soviele Schlachten gegen ihn schlug, und die Schlachten gewann, nie aber den Krieg, sagt, dass Joker den Tod nicht verdient hat, zeigt, wie sich sein Gerechtigkeitsbegriff von dem vieler anderer Menschen unterscheidet.

Es geht ihm zwar um Gerechtigkeit, nicht aber um unbedingte Gerechtigkeit. Er will nicht Taten und Untaten gegeneinander aufwiegen. Es ist schwierig zu sagen, warum Batman Joker nicht auf dem Stuhl sehen will und es gibt dazu sicherlich unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten. Meine ist: Batman würde Joker nur dann auf dem Stuhl sehen wollen, wenn er rechtmäßig vor einem Gericht verurteilt werden würde. Für eine Tat, die er auch begangen hat. Und zwar genau für diese Tat, nicht für etwas, was er vorher getan hatte. Deshalb betrachtet wohl sowohl der Leser, wie auch die verschiedenen Charaktere im  Comic Batmans Einstellung als seltsam. Es ist wohl auch ein fragwürdiges Motiv, einen schwerkriminellen Irren, den man wohl nie mehr vor ein vernünftiges Gericht stellen kann, dem entgültigen Ende zu entziehen, weil man seine eigene merkwürdige Auffassung von Gerechtigkeit durchsetzten will.

Aber genau das ist es, was die Figur Batmans in diesem Heft ausmacht. Die Frage, was Gerechtigkeit ist und wie sie umgesetzt werden soll. Und gerade, wie sie hier umgesetzt werden soll. Joker ist kein Heiliger und wohl innerhalb der Comics derjenige, der die meisten Leute auf dem Gewissen hat.

Doch, wie Batman schön zu Gordon sagt, er wisse ja, warum das nicht geht. Das ist sicherlich keine Antwort, die den Leser oder den P0lizeichef in dieser Situation zufrieden stellen würde, allerdings lässt sich gewissen Interpretationsspielraum über die Figur Batman und seinen „Codex“. Ob dieser Codex dann tatsächlich der Gerechtigkeit dient, kann jeder – und muss jeder – Leser für sich beantworten

Fazit:

Sicherlich interessant, wenn man sich dafür interessiert, wie man Recht, Gerechtigkeit und Gesetz interpretieren kann. Natürlich sollte ein bisschen Spaß am Comic lesen nicht fehlen. Positiv ist hier allerdings (im Gegenteil zu „A death in the familie“ (ein Tod in der Familie) dass man quasi kein Vorwissen über Charaktere und deren Gestaltung wissen muss, um die Geschichte zu verstehen. Man kann hier wirklich genug erfahren. Also hier muss ich sagen: Nicht nur was für Comicfans