Robin – Warum wurde Robin erschaffen?


Die Frage, wer Robin ist, habe ich schon (grob) beantwortet. Hier möchte ich die Frage besprechen, warum es Robin überhaupt gibt.
Als Batman 1939, ein Jahr nach Superman, geschaffen wurde, war er als dunkle Figur konzipiert. Als einzigen Menschen, mit dem er sprach, hatte er Jim Gordon, den Polizeichef.
Das war auf die Dauer – vor allem für die Zielgruppe der Kinder – etwas wenig. Da die Comics damals ein eher jüngeres Publikum hatten, fehlte für viele der Kinder eine richtige Identifikationsfigur. Batman war dafür zu düster.
Dazu kam die schon erwähnte Stille der Figur, Gedanken konnten nur in Erzählkästchen oder Gedankenblasen wiedergegeben werden. Das war auf die Dauer nichts, was man halten wollte. Alfred gab es damals noch nicht.
Man schlug zwei Fliegen mit einer Klappe, als man sich entschied, Robin zu schaffen. In der quirligen Figur fand Batman einen Partner zum Reden und die Kinder eine Identifikationsfigur. Batman und Robin erlebten gemeinsam die tollsten Abenteuer

Robin als psychischer Anker

Während Robin in der ersten Zeit in erster Linie wohl wirklich der Identifkation diente, entwickelte sich die Figur zu mehr als nur zu einem Gesprächspartner. Batman, der immer wieder in seiner eigenen Psyche zu versinken drohte, brauchte einen Anker, der ihn an die Realität band. Diesen fand er in Robin, einem Vertrauten und Anvertrauten. Robin war ein Haltepunkt, einen Konstante, jemand für den Batman die Sorge trug. Vermutlich rettete dieser Umstand die Figur Robin gleich mehrfach vor dem Ende.
Nach Jahren, in denen Batman vor allem bunt war – auch dank der Darstellung des dynamischen Duos durch Adam West und Burt Ward – entschieden sich Denny O’Neil als Autor und Neal Adams als Zeichner, für einen düsterern Batman. In vielen Heften der siebziger Jahre spielt Robin nur eine untergeordnete Rolle – selbstverständlich nicht in allen. Als Umbruch ging der jungen Dick Grayson auf das College und verließ Wayne Manor. Als weiteren Bruch kann man verzeichnen, dass Bruce Wayne aus Wayne Manor auszog und eine Penthouse-Wohnung in Gotham City bezog. Von dieser Wohnung aus arbeitete er auch als Batman. In den meisten seiner eigenen Fälle war er auch alleine unterwegs.
Womöglich ist es deshalb häufiger der Fall, dass sich Batman zusammenreißen musste, um nicht die Realität aus den Augen zu verlieren. Natürlich gibt das den Geschichten auch eine gewisse Spannung, die Figur Batman wird sehr genau ausgearbeitet und mehr und mehr auch eine Figur für Erwachsene.
Doch ganz verschwunden war Robin nie. Als Dick Grayson seine Robinkarriere aufgab, kam der junge Jason Todd ins Spiel, der seinerseits zwar eine neue Figur, im Großen und Ganzen jedoch ein Abziehbild von Dick Grayson war. Er kam aus dem Zirkus, seine Eltern wurden ermordet, sie nannten sich die Flying Todds…. na? Wem ist die Parallele nicht aufgefallen?
Der einzige Unterschied war im Prinzip die Haarfarbe, den Jason Todd war zu Anfang blond.

Als die Comicschreiber entdeckten, dass eine Abziehfigur nicht das Wahre sein konnte, entschied man sich innerhalb einer der großen Krisen des DC Universums, die Geschichte von Jason Todd umzugestalten. Diese Idee war für die Frage, warum Jason Todd erschaffen wurde – und damit auch, warum es Robin gibt – von großer Bedeutung. Den anders als der absolut unschuldige Dick Grayson, der ein reines Kind war, lernte Batman Jason Todd in der zweiten Version kennen, als dieser die Reifen des Batmobils klauen wollte. Diese Umänderung der Geschichte führte zu einem grauen Robin mit krimineller Vergangenheit und damit einer so gesehen nicht genau umrissenen Figur. Damit schuf man ein neues Spannungselement und auch ein neues Spannungsfeld. Denn auch wenn Dick und Bruce sich stritten, am Ende fanden sie immer gut wieder zusammen, beide sorgten sich umeinander und hätten nie eine längere Splittung zu gelassen. Jason war anders. Er war zwar auch auf Zusammenhalt bedacht, aber sein Handeln war viel impulsiver als das von Richard Grayson. Die Figur war nicht so berechenbar.

Jason Todd diente auch bei seinem Ableben als Paradebeispiel. Denn anhand seines Todes erhielt Batman nochmal eine genauere Charakterisierung. Denn Batman wird hier als weinender Mann gezeigt, vielleicht sogar gebrochen. Aber er rappelt sich auf, um sich dann auf richtige Weise am Joker zu rächen. Indem er die Grenzen, die er sich selbst setzte, nicht übertrat und Joker gefangen nahm.

An dieser Stelle spekuliere ich: Man ließ Robin nicht sterben, weil es der Wunsch der Redaktionsleitung oder eines Autors war. Man machte eine Telefonumfrage. Knapp war das Ergebnis, aber eindeutig. Jason Todd sollte sterben. Ich glaube nicht, dass das nur an der Figur an sich und an der Konzeption als „grauer“ Robin lag, sondern an der Figur allgemein. Robin stand für Buntes, für Farbe, für Spaß. Vielleicht war einfach nicht mehr die Zeit dafür. Vielleicht war ein düsterer Batman ohne Robin gewünscht. Ich könnte mir neben der Erklärung, Robin sei zu unsymphatisch gewesen auch diese Erklärung durchaus vorstellen.
Eine weitere mögliche Erkärung wäre, dass die Fans eine derartige Geschichte, die ja schon einen gigantischen Umbruch bedeutet, einfach lesen wollten. Ob man damals schon mit einer Rückkehr der Figur rechnete, ist fraglich.

Als Jason Todd nun starb, brach für Batman eine Welt zusammen (siehe den Blogartikel zu: „A death in the family“). Es war das erste Mal, das Batman jemanden verlor, der ihm so nah stand (ausgenommen mal der Tod der Eltern) und das auch endgültig. Robin hatte zwar schon vorher einiges durchmachen müssen, vieles davon entpuppte sich im Endeffekt jedoch als recht harmlos. Man hatte Batman von seinem psychologischen Anker getrennt. Ein mutiger Schritt und auch ein Schritt hin zu einem veränderten Robin.

Der ältere Robin

Tim Drake fand über Nightwings Geheimidentität heraus, wer sich hinter der Maske von Batman verbarg. Tim war eine kluge Figur, jemand, der unter allen Umständen Robin werden wollte, weil er Robin sein wollte. Nicht, weil ihn der Tod seiner Eltern dazu trieb. Ganz im Gegenteil, Robin lebte zusammen mit seiner Familie und nicht wie Robin I und II im Hause von Bruce Wayne.
Zudem war Tim Drake schon deutlich älter als seine acht- und zehnjährigen Vorgänger, die vielleicht für Kinder Identifikationsfiguren waren, aber ansonsten doch sehr unglaubwürdig.
Doch warum brauchte Batman wieder einen Robin, nachdem der alte abgetreten war?

Auch an dieser Stelle kann ich nur spekulieren: Ich glaube nicht, dass Robin noch als Identifikationsfigur dienen sollte. Ich nehme eher an, das die Figur Robin innerhalb der Geschichte eine so hohe Bedeutung als „normaler Mensch mit Maske“ bekommen hatte, dass Batman ohne ihn nicht arbeiten kann. (Häufig bezeichnet Batman auch Bruce Wayne als Maske, wohin gegen für Dick immer Robin/Nightwing die Maske war) Batman brauchte einen Partner, mit dem er reden kann, der aber auch nicht – wie Nightwing – bereits sein eigenes Leben führt. Da kam Tim Drake genau richtig. Dadurch, dass er schon älter war, löste sich die Figur meines Erachtens auch von der kindlichen Naivität und erhielt einen deutlich jugendlicheren und auch erwachseneren Touch. Tim Drake war vernünftig, hörte auf Batman, hatte aber seinen eigene Kopf – wobei dieser selten pubertär wirkte. So wurde Tim Drake zu einem Robin, den man anerkennen konnte, ohne über die Figur den Kopf zu schütteln oder ihn rechtfertigen zu müssen. Einem Jugendlichen von 15 oder 16 Jahren nimmt man die Rolle eines maskierten Verbrecherjägers eher ab, als einem zehnjährigen. Da bleibt auch die Realität in gewissem Sinne gewahrt, denn welcher 10-jährige ist schon tatsächlich in der Lage, es körperlich und geistig mit einem Erwachsenen aufzunehmen. Ich erinnere gerne an Ausrufe wie: „Vorsicht, das KIND“.
Tim Drake war jedoch kein Kind mehr, sondern ein junger Erwachsener, dies zeigte auch das Kostüm, dass nun weniger elfenhaft wirkte. Endlich bekam Robin richtige Schuhe und auch eine Hose. Das Kostüm wurde im späteren Verlauf auch „langärmig“.

Rückschritt

Comicautor Grant Morrison – von einigen vergöttert, von mir zwiespältig bedacht – wühlte in der Mottenkiste herum, und fand tatsächlich eine Figur, die viele andere wohl schon längst vergessen hatte. Damien Wayne, den Sohn von Talia al Ghul und Bruce Wayne.
Es vergingen ein paar Monate, in denen nicht ganz klar war, was mit Damien wohl geschehen sollte, aber schließlich war klar, er wird der neue Robin an Batmans Seite.
Nach dem „Tod“ von Bruce Wayne war das ziemlich eindeutig, da Tim Drake – fest im Glauben, dass sein alter Mentor noch lebt – seine eigenen Identität entwickelte, Red Robin, der sich im Kostüm noch einmal deutlicher von seinen Vorgängern unterschied.

Warum aber ist Damien Wayne für mich ein Rückschritt: Betrachet man sich Tim Drake haben die Comicautoren viel richtig gemacht. Eine Änderung des Kostüms war dringend nötig. Ebenso eine Änderung der Herkunftsgeschichte. Es war geboten, einen älteren Robin zu schaffen, vielleicht ein Stilbruch, aber der richtige Schritt.
Damien Wayne hingegen war wieder der zehnjährige Junge, der alles kann und alles weiß. Ein Konfliktpotential ist sicherlich da, da der Junge arrogant, sturrköpfig und eigensinnig ist. Dazu wirkt er vergleichsweise sehr kindisch (nicht kindlich). Damien mag zwar wegen seiner Mutter von der Mordliga ausgebildet worden sein, dennoch ist nicht zu vergessen, dass er immer noch „nur“ 10 Jahre alt ist. Das ist kein Alter, das wissen alle, die schon mal zehn waren. Der eigentliche Rückschritt liegt für mich auch im Alter. Damien Wayne ist ein Anachronismus. Tim Drake, der so herrlich gelungen war, eine Figur, mit der sich auch der ältere Leser noch identifizieren konnte, wird ersetzt durch einen Robin, wie wir ihn schon mal in Jason Todd hatten, vielleicht sogar extremer – und vielleicht teils auch trotziger und weinerlicher.
Sicherlich, dass kann man Morrison nicht vorwerfern, ist die Figur gut gezeichnet, es ist ein recht ausgefeilter Charakter, aber dennoch für mich zu sehr Klischee. Seine Sätze sind häufig vorhersehbar, er hat wenig, was ihn wirklich auszeichnet, außer. dass er ein zehnjähriges arrogantes Kind ist. Ich werde mit der Figur nicht so recht warm, wie sehr ich es auch versuche.

Ich sehe in der Figur einen Störenfried, der in dieser Hinsicht eigentlich keine der Aufgaben mehr so recht erfüllen mag, für die Robin einst gedacht war. Als Gesprächspartner ist er nur in bestimmten Situationen tauglich, als Identifikationsfigur wohl für viele gar nicht mehr. Eben weil das Alter von Zielpublikum und Figur nicht mehr übereinstimmt. Heute muss ich zugeben, hätte ich wieder Probleme einen derartigen Robin rechtfertigen zu können. Bei Tim Drake war das kein Problem.

Und selbst der „Zwischen-Robin“ Stephanie Brown war für mich eine leichtere Identifkiationsfigur – nicht nur, weil sie ein Mädchen ist – weil sie eben älter war.
Ich bin gespannt, wie sich Robin unter Damien Wayne weiter entwickelt – und wie lange sich die Figur tatsächlich im DC Universum halten wird.

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Batman 51: Batman gegen Robin – Das Geheimnis von Wayne Manor/Friedhof


Allgemeine Angaben:

Autor: Grant Morrison

Zeichner: Andy Clarke

Enhält: Batman&Robin 10/11

Inhalt:

Auf der Suche nach Bruce Wayne kommen Damien (momentaner Robin) und Richard Grayson (momentaner Batman) hier ein ganzes Stück weiter. In Wayne Manor stoßen sie auf Spuren, die auf eine mögliche Zeitreise Waynes hindeuten. Sie folgen Bildern, versteckten Hinweisen im Haus und befinden sich gleichzeitig noch auf der Jagd nach dem Dominomörder. Hierbei erhalten sie Unterstützung von Oberon Sexton, einem geheimnisvollen Mann, der sein Gesicht stetig unter einer Maske verbirgt und auch Damiens Mutter Talia bekommt ihre eigene Rolle in diesem Heft…..

Kritik:

Das Heft weiß schon Spaß zu machen, ohne Zweifel eines der gelungensten der letzten Monate in der deutschen Batman-Serie. Leider gibt es einige Kritikpunkte, die ich hier kurz anbringen möchte:

– Damien Wayne: Ja, um die Figur wird viel gestritten, und auch wenn er als Robin eine durchaus gute Figur macht und seine Gespräche mit Dick darüber, ob er nun Robin bleiben kann, wenn Bruce wiederkommt, lassen einen symphatischen Eindruck auf den Leser. Sein Auftritt zu Beginn, als wüsste er als 10-jähriger alles über ein Unternehmen wie Wayne Enterprises wirkt unglaublich aufgesetzt und zudem lächerlich.

– Talia al Ghul: Talia war zwar nie eine Figur, die ich besonders gut leiden konnte oder die auch nur in irgendeiner Weise kohärent gewesen wäre, hier wird meiner Meinung nach aber ein gewisses Maß überschritten. Denn bei allen Gemeinheiten, die Talia schon ausgeheckt hat, war ihr immer eine Sache eigen: Ihre Liebe zu Batman/Bruce Wayne. Deshalb passt mir hier die Art und Weise wie sie mit ihrem Sohn umgeht, gar nicht, denn er ist immerhin aus einer „Verbindung“ von Wayne und ihr entstanden. Ihr Verhalten ist schon etwas out of character.

Positiv herauszuheben an diesem Heft sind einpaar andere Sachen:

– Die Zeichnungen. Ich bin kein Fan von Andy Clarke, aber dennoch muss ich zugeben, dass mir, nach erstem Eingewöhnen, die Zeichnungen sehr gut gefielen und mir das Lesen wirklich Spaß machte.

– Die Suche nach Hinweisen auf Bruce Waynes Verbleib in der Vergangenheit. In meinen Augen ganz großes Kino. Hier hat der Leser wirklich wiedermal ein klassisches Rätsel vor Augen, wie es – mir zumindest – auch in Krimis oder gar in den alten, heiß geliebten Kinderbüchern, eine wahre Freude war. Die Hinweise sind in sich schlüssig und der Fehler, dass Wayne Manor eigentlich während des Niemandsland zerstört worden ist und davon eigentlich nicht viel übrig blieb (zumindest den Bildern nach) wird geklärt. (wenngleich einwenig ad hoc.)

– Oberon Sexton. Er weiß hier wirklich zu gefallen. Im Hinblick auf Heft 52 muss ich jedoch sagen, dass mir die Auflösung, wer unter der Maske steckt, nicht besonders zusagt.Im vorliegende Heft jedoch ist er wirklich ein brauchbarer Charakter, den Autor Grant Morrison gut einzubinden weiß. Sehr erfreulich.

Fazit:

Wegen einer Story, die mir wirklich sehr gut gefällt: 8/10 Punkten