Die „Avengers“ – oder: Warum ich ein Ende der konventionellen Comicverfilmungen befürchte


Wie Interessierte bestimmt schon mitbekommen haben, ist vor einigen Wochen hier in Deutschland (und etwas später in den USA) der Film „The Avengers“ angelaufen, Marvels Mammutprojekt, könnte man so sagen, deutete doch spätestens sei Iron Man alles darauf hin, dass mit so einem Film zu rechnen ist. Und der Film (Iron Man) erschien bereits 2008. Es folgte Iron Man 2, Thor und Captain America, alles hoch unterhaltsame Filme und alle für sich genommen ein kleiner Anlauf auf „The Avengers“.

Ist das Mammutprojekt geglückt? 

Ja. Der Film ist von den Einnahmen her die Comicverfilmung die zum Startwochenende die höchsten Einspielergebnis einfuhr. In den USA spielte er 18,7 Millionen US-Dollar in der ersten Nacht ein, „The Dark Knight“ bis dato der Film mit dem höchsten Einspielergebnis lag bei 18,5 Millionen US-Dollar. (wobei man beachten muss, dass „The Avengers“ in 3D auch in den USA höhere Ticketpreise mit sich bringt, in manchen Kinos bis zu 5 (!) Dollar — Aber darum gehts nicht 😉 )

Ja. Der Film macht wahnsinnig Spaß. Marvel hat es in der Beziehung richtig gemacht. Sie haben auf sympathische, gute Schauspieler gesetzt, Figuren genommen, die bis dahin im Kino recht gut angekommen sind und haben auf Witz und Charm in ihrem Film gesetzt.

Das hat alles wunderbar funktioniert und macht einen Heidenspaß.

Woher dann der merkwürdige „oder-“ Titel des Blogartikels?

Ich persönlich hatte etwas mehr von dem Film erwartet. Nicht falsch verstehen, ich halte den Film für uneingeschränkt sehenswert.
Aber die Story ist so geradlinig, als hätte man ein Linear auf ein Blatt Papier gelegt und einen Strich gezogen.
Ich hatte nicht angenommen, es gäbe eine Story wie in „The Dark Knight“. Und genauso wie es naiv gewesen wäre, bei „The Expendables“ mehr Dialog und eine Handlung, die über „Wir-töten-alle-Bösen“ hinaus geht zu erwarten, wäre es gerade zu vermessen gewesen, eine „The-Dark-Knight-Handlung“ bei „The Avengers“ zu erwarten.
Aber ich kenne ja die anderen Marvel-Verfilmungen (mit Ausnahme von Hulk) und ich hatte zumindest einen Story erwartet, die sich auf einem Niveau mit Iron Man (dem ersten) befindet. Dort ist zwar auch recht früh klar, dass Obadiah Stane nicht ganz sauber ist, in wie weit dies aber der Fall ist und was er eigentlich vor hat, lässt sich nicht so leicht bestätigen. Seine Zusammenarbeit mit den Terroristen hatte ich damals nicht erwartet.
Ich hatte vielmehr erwartet, dass es Raza (der Araber) ist, der später ebenfalls einen Iron Man Anzug trägt.

[SPOILER]

Die einzige Stelle, bei der ich bei den Avengers hingegen nicht wusste (aus narrativer Hinsicht), wie man weiter verfährt, war, als Tony Stark zu sterben drohte. Heute kann ich sagen, dass es aufgrund des Franchises eine sicherlich eher dumme Entscheidung gewesen wäre, aber aus narrativer Hinsicht war sie mehr als möglich. Sie hätte sogar noch für eine „schöne“, wenngleich traurige Wendung im Film gesorgt. Aber sei’s drum, ich mag Tony Stark und sein Überleben finde ich natürlich auch großartig.
Nur: Es war eben das einzige Mal, bei dem ich mir im Kino bei der Filmstory kurzzeitig nicht sicher war, wie die Handlung „grob“ fortgeführt wird.
Andere Szenen hingegen haben beim späteren Nachdenken darüber keinen Sinn mehr gemacht. (dazu gehört für mich immer noch die Frage, warum Loki unbedingt auf das Schiff von S.H.I.E.L.D will. Es macht eigentlich handlungstechnisch keinen Sinn und wirkt fast so, als hätte man vergessen dort etwas einzuführen oder als hätte man unbedingt einen epischen Kampf auf diesem Schiff gewollt, aber nicht gewusst, wie man ihn in die Story einfügen kann).

[SPOILER ENDE] 

Für eine Empfehlung für Menschen, die sich (auch nur) leicht, für Comics interessieren, kann man darüber hinweg sehen und sagen: „Ja, geh ins Kino und zieh dir den neuen Avengersfilm (wenn möglich nicht in 3D – das ist nämlich überflüssig) rein. Der macht sau Spaß und wir haben viel gelacht.“ Ich würde aber noch anfügen: „Aber erwarte keine komplexe(re) Handlung.“

Dann kann man sich nämlich mit „The Avengers“: Ganz prächtig amüsieren – und die Besucherzahlen zeigen auch, dass viele Menschen den Film gerne sehen wollen. Die Einspielergebnisse sind bombastisch, ein zweiter Teil steht fast außer Frage. Und Iron Man 3 steht auch schon in den Startlöchern, Thor 2 ist geplant.

Bilder und Kämpfe sind im Übrigen auch sehr gut gelungen, die Sprüche sind herrlich. Ich betone: Ich finde Tony Stark klasse und Chris Hemsworth ist ein attraktives Kerlchen.

Und warum befürchtest du dann ein Ende der konventionellen Comicverfilmungen? 

Mit konventionell meine ich ganz bewusst Superheldenverfilmungen und explizit nicht so Sachen wie „Watchmen“, „V wie Vendetta“, „Sin City“, „Kick-Ass“ oder auch „Scott Pilgrim vs. the World“, sondern unsere geliebten Superhelden, wie Superman, Captain America, Green Lantern, Thor, Spider-Man, X-Men und selbstverständlich Iron Man.

Es ist wohl kaum zu leugnen, dass in letzter Zeit gerade Marvel sehr viele Comicverfilmungen auf den Markt/ins Kino gebracht haben, die unglaublich Spaß gemacht haben und alle recht erfolgreich waren (lassen wir Ghostrider außen vor). Iron Man ist herrlich, ich sehe ihn immer wieder gerne und könnte Tony Stark (Robert Downey Jr.) stundenlang beim Selbstfeiern zu schauen, Captain America nimmt den eigenen Patriotismus auf die Schippe und ist Gott sei Dank weniger militaristisch als befürchtet und Thor ist „der Hammer“ (haha, der Wortwitz musste sein), hier überzeugte mich vor allem die Verbindung von Asgard-Szene und Erd-Szenen und bis dato wusste ich auch nicht, dass Loki der Sohn der Eisriesen ist.
Aber in ihrer zugrunde liegenden Struktur waren sie doch alle recht ähnlich. Vielleicht waren sie sich sogar zu ähnlich.

Ich mache diese „Befürchtung“ nicht konkret an den Avengers fest. Das wäre auch nicht gerecht, denn immerhin muss man sagen, dass die Avengers ein lange geplantes Filmprojekt waren, dessen Ausläufer sich auf andere Filme erstreckten und somit die Grenzen zwischen Filmen, die nicht der selben Trilogie zugehören (wie es etwa bei Star Wars der Fall ist) aufzulösen. Das ist vielleicht ein Schritt in Richtung von Filmen, in denen sich „Universen“ überkreuzen.

Ich denke aber, dass der Kinozuschauer sich in absehbarer Zeit an konventionellen Comicverfilmungen satt gesehen haben wird. Die immer gleichen Strukturen, Aufbauten und Abläufe könnten das Ende der Verfilmungen von Comics – vorläufig – bedeuten. Um das aufzuhalten benötigt es meines Erachtens eine kurze Pause und dann, in nicht allzuferner Zukunft einen – wie man im Comicbereich so gerne sagt – Reboot.

Und dann bleibt die Frage, welcher Film tatsächlich einer der Filme sein wird, die auch noch in 20 Jahren als „gute und großartige“ Filme des ausgehenden ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts gelten werden. Ich möchte darüber keine genauen Prognosen treffen. Aber ich glaube, dass es von den Comicverfilmungen, die in den letzten Jahren auf den Markt kamen, nur wenige sein werden, von denen auch noch unsere Kinder sagen können, dass sie großartig waren.

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