Eine Rezension in 10 Sätzen – Batman Bauwerk des Todes


Alle Rechte liegen beim Urheber bzw. bei DC-Comics

Alle Rechte liegen beim Urheber bzw. bei DC-Comics

Inhalt 

In Gotham kommt es bei einer Kundgebung zum geplanten Neubau der Wayne Central Station zu einem Kranunfall, der nur auf den ersten Blick ein solcher zu sein scheint. Die neugebaute Terrasse eines Klubs bricht zusammen und nur Batman kann verhindern, dass es Tote gibt – etwas geht im Baugewerbe in Gotham nicht mit rechten Dingen zu. Außerdem mischt noch eine bezaubernd schöne Schützerin des alten Bahnhofes mit und ein verschwundener Architekt…

Kritik

Was an diesem Heft wirklich großartig ist, ist nicht unbedingt die Story, die einem relativ einfachen Muster folgt, sondern der – ich würde sagen – einzigartige Zeichenstil. Schwarz-weiß würde man auf den ersten Blick denken, aber in die einzelnen Panels mischen sich immer einige wenige Farben ein: vom Rot-Orange der Sonne oder der Explosion über das zarte Lila eines Damenkleides bis hin zu den pastellgrünen Haaren des Jokers. Jedes Bild in diesem Heft kann man genießen und sollte man auch genießen. Dabei kann man auch sagen, dass Zeichner Dave Taylor ein gutes Hänchen für Gesichter hat; sein Bruce Wayne gefällt mir, auch wenn sich Gesichter ab und an ändern, das stört aber kaum, da sie so unique sind, dass man eigentlich keine Figuren verwechselt (was schon mal häufiger bei anderen Zeichnern passiert). Dazu kommt die Vermischung von Stilelementen aus unterschiedlichen Epochen. Dies gilt sowohl für die Architektur, die in diesem Heft auch zeichnerisch ein ganz wichtiger Aspekt ist, aber auch für technische Gerätschaften, die teils wirken, als entstammten sie den 60er Jahren, teils aber eine futuristischen Anstrich bekommen – wie etwa ein schützendes Stasefeld oder eine Enterhaken mit Ionenantrieb.

Fazit: 9/10 Punkten mit einem Extrapunkt für die Zeichnungen: 10/10

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Batman – Houdini


Erschienen ist das Heft auf Deutsch im Jahre 1997 im Carlsen-Verlag. Das amerikanische Copyright beläuft sich auf das Jahr 1993. Geschrieben von Howard Chaykin und John Francis Moore. Gezeichnet von Mark Chiarello.

Inhalt:

Die Geschichte spielt im Jahre 1907, eine Zeit, die ich persönlich künstlerisch schätze.
In Gotham City befindet sich der großartige Zauberer Houdini. Gleichzeitig verschwinden auf mysteriöse Weise in Gotham City Kinder.
Houdini möchte dem Verschwinden der Kinder nachgehen und trifft dabei auf den jungen, verwöhnten Bruce Wayne als auch auf eine riesige Fledermaus, der im Heft als „Bat-Man“ (!) bezeichnet wird. Gemeinsam machen sie sich auf, das Verschwinden der Kinder aufzuklären und nehmen es dabei mit einem ungewöhnlichen Gegner auf, der beide in ihren Überzeugungen und Grundfesten erschüttert.

Rezension/Kritik:

Der Anfang des Heftes macht es einem nicht gerade leicht. Dadurch, dass sich Bruce Wayne und Houdini durch den verwaschenen Zeichenstil sehr ähnlich sehen (beide dunkle Haare, keiner einen Bart), ist es nicht immer einfach, den jeweiligen Sprecher auseinander zu halten. Auch ist nicht von Anfang an klar, wer eigentlich der Erzähler des Hefts ist. Er später wird deutlich, dass es nur Houdini erzählt, obwohl zu Anfang auch Batman der Erzähler sein könnte.

Doch wenn man diese Hürde ersteinmal überwunden hat, kann man viel Freude an diesem Heft haben. Nicht nur die andere Zeit, in der Batman agiert, ist interessant, sondern auch das, womit er es letztenendes zu tun kommt.
Man trifft einerseits auf bekannte Gestalten, wie Vicky Vale (Victoria Vale wird sie im Heft genannt), Alfred (der in diesem Heft ein Dunkelhäutiger ist) und Jack Schadenfreude (Wer sich hinter letzterem verbirgt, brauch ich glaub ich nicht ausführen), auf der anderen Zeite aber auch auf ganz neue Figuren, wie etwa den undurchsichtigen „Rindfleischbaron“ und eine Opernsängerin.
Der Zeichenstil machte es mir einfacher, zu erkennen, in welcher Epoche man sich befindet. Denn auch wenn das Verwaschene, gemalt Wirkende, einem das Erkennen einzelner Figuren nicht leicht macht, hat man doch als Leser schnell das Gefühl, in einer anderen Epoche zu sein. Vielleicht, da der glatte Strich nicht existiert, den man heute so kennt. Damit wird der Eindruck erzeugt, dass man sich nicht in der heutigen Zeit/Moderne befindet, sondern eben in einem für uns etwas „verwaschenen“ Zeitalter (vielleicht etwas überinterpretiert).

Die allgemeine Örtlichkeiten im Heft sich überzeugend ausgesucht worden. Die Fleischfabrik ist ein unheimlicher Ort und wie man im Verlaufe des Hefts feststellt, natürlich nicht ganz koscher. All dies hat auch mit den Kindern zu tun…

Die Zusammenstellung der Protagonisten ist sicherlich interessant. Houdini wirkt für Batman/Bruce Wayne als eine Art Mentor. Vielleicht auch als „kluger Kopf“. Während des Heftes stellt Houdini Batman immer als einen Neuling dar, als jemanden, der lieber Sprengstoff benutzt als Dietriche, vorprescht und teils unüberlegt handelt. Dies ist ein interessanter Schachzug der Autoren, könnte man doch argumentieren, dass Houdini das Hirn/der Geist und Batman der Körper/der Kämpfer ist. Dies stimmt sicherlich nicht in allen Punkten, auch Batman zeigt, dass er Köpfchen besitzt, aber in gewisser Art und Weise scheint es doch so, als habe man den bekannte Batman in einen Bat-Man (!) und einen Houdini aufgetrennt. Interessante Sache in jedem Falle, die Batman nicht als absolut perfekt darstehen lässt.

Das Heft geht relativ schonungslos mit dem Leser um. Zwar werden die Taten von Jack Schadenfreude nicht offen gemalt gezeigt, sondern (meist durch diesen „Verwaschen“-Effekt) nur angedeutet oder angesprochen. Den Rest kann der Leser sich denken und das fand ich schon – sagen wir mal – sehr, sehr düster. Es handelt sich hierbei definitiv um ein Heft, dass für Erwachsene, vielleicht noch ältere Jugendliche gemacht ist. Nicht aber mehr für ein Kind. Dafür sind die Figuren zu skuril, der Zeichenstil zu düster, die Handlung psychisch zu brutal.
Gerade Jack Schadenfreude macht seinem Vorbild alle Ehre, vielleicht setzt er sogar noch einen oben drauf. Das weiß zu gefallen.

Die Geschichte ist gut durchdacht, auch wenn der Leser vielleicht schneller als die handelnden Figuren weiß, wie der Hase läuft. Dies macht aber nicht unbedingt die Geschichte weniger spannend. Als Manko muss man jedoch festhalten, dass die Autoren zwar unglaublich gut starten und eine unheimliche Atmosphäre aufbauen, ihre eigentlichen Antagonisten jedoch bis auf Jack Schadenfreude ein wenig farblos bleiben. Man hätte noch einiges mehr an Spannung rausholen können.
Victoria Vale jedoch weiß zu gefallen.


Fazit:

Persönlich halte ich „Batman – Houdini“ für eine sehr gelungene Elseworthgeschichte, die mit ihren fast 20 Jahren auf dem Buckel immer noch nichts von ihrer Spannung einbüßen konnte. Auch heute noch, wenn man mal überlegt, wie viele Geschichten in den 20 Jahren erzählt worden sind, stellt dieses Heft einen neue Herangehensweise an den Mythos Batman dar, den man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Es gibt Abstriche, dass habe ich bereits gesagt.
Herausheben (eventuell erneut) möchte ich:
– die Zeit. Batman an den Anfang des 20. Jahrhunderts zu versetzten hat was und zeigt, dass die Figur auch dort funktionieren könnte. Ja, sie tut es. Davon würde ich gerne mehr lesen.
– das Setting. Man hat das Gefühl, man befände sich wirklich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeichnungen, die Kleidung, das Auftreten der Figuren ist in sich stimmig.
– das Kostüm von Bat-Man. Ach, ich liebe Kutschermäntel
– der starke Start der Geschichte. Gute Idee, sehr guter Handlanger. Leider schwacher „Endgegner“.
– Houdinis Darstellung. Sie ist ziemlich gut gelunge, vor allem, da Houdini wirklich ein Gegner der Spiritismusbewegung war und maßgeblich daran beteiligt war, dass ein Geldpreis der Zeitschrift „Scientific American“ für den Nachweis von übernatürlichen Aktivitäten nie ausgezahlt werden musste
– der Bat-Man-Bezug. Für alle, die es nicht wissen: Batman sollte/hieß zuerst so.

Kevin Smith/Walt Flanagan – Batman: Kakofonie


Autor:Kevin Smith

Zeichner: Walt Flanagan

Enthält:Batman Cacophony 1-3

Inhalt:

Als der bekannte Batmanschuke Deadshot im Arkham Asylum einbricht, um den Joker für einen Auftraggeber umzubringen, erscheint ein neuer Mann auf der Bildfläche, der dem Joker hilft, aus der Irrenanstalt zu entkommen – und schon gibt es in Gotham City einen neuen Schurken.
Onomatopoeia
(Onomatopoesie als Fachausdruck der Lautmalerei) ist der Name des unheimlichen Mannes. Er redet nicht und hat auch schon zwei andere Helden auf dem Gewissen, an Green Arrow ist er zuvor gescheitert. Onompatopeia scheint nun vor zu haben, Batman ein für alle mal aus dem Weg zu räumen, und schließt sich dem Joker an. Auch der alte Batman Gegner Maxie Zeus hat einen denkwürdigen Auftritt.

Kritik:

Das Heft ist ungewöhnlich, Kevin Smith Erzählstil ist sicherlich für ein Batmanheft mehr als außergewöhnlich. Ganz fest im Gedächtnis geblieben ist mir folgender Satz des Jokers, den er von sich gab, als er im Krankenhaus liegt und zuerst ein Gespräch mit Matches Malone (alias Batman) und später mit Batman führt: „Und da wir gerade so gnadenlos ehrlich sind, muss ich dir sagen, dass ich dein Gehänge gesehen hab, als du dich unmgezogen hast.“ Aber nicht nur Joker wartet mit ungewöhnlichen Aussagen auf, auch Batman trifft die ein oder andere Aussage, die ungewöhnlich ist: „Barucha Haba – DRECKSACK“ oder Sätzen „Halt bloß deine Fresse„.

Kevin Smith, der gerade für Filme wie Dogma, sowie Silent Bob und Jay bekannt ist, pflegt sicherlich keinen Umgang mit der Figur, die jedem gefällt. So viel sei schon mal gesagt. Die Storyidee als solche ist nicht einmal schlecht, das kann man ihm nicht vorwerfen, die Umsetzung teils aber schon grenzwertig. So ist es in amerikanischen Filmen häufig der Fall, dass Kinder nicht sterben. Hier stürzt Dank des Jokers gleich eine ganze Schule über den Köpfen von Kindern zusammen. Harter Tobak, wie ich finde. Wenngleich auch nicht direkt „nicht schon mal dagewesen.“ Das ist vielleicht auch gerade das Problem des Heftes.
Obwohl Kevin Smith mit Onomatopoeia jemand ganz Neuen für Leute einführt, die nur Batman lesen, gelingt es ihm nicht, ihn als den großen Schurken darzustellen, der er sein soll. Das könnte unterschiedliche Gründe haben. Meines Erachtens ist einer, dass er ihn zusammen mit dem Joker aufstellt. Joker ist eine Figur, die schnell alles andere erdrücken kann, wenn man ihn zu sehr herausstellt – und genau dies Smith passiert. Anstellte, Joker eher in den Hintergrund treten zu lassen – wenn er schon auftaucht – wird er zum eigentlichen Antagonisten stilisiert, nicht Onomatopoeia.
Dabei wäre Joker vielleicht gar nicht mal zwingend nötig gewesen, um Onomatopoeia zu charakterisieren. So benutzt dieser den Joker in erster Linie um an Batman heranzukommen. Ob Joker davon weiß, oder nicht, ist nicht ganz genau zu entnehmen, ich gehe davon aus, dass er es nicht weiß. Hier hätte es vermutlich auch jeder andere große Schurke getan, z.B Mr. Zsazas der einen Kurzauftritt in diesem Heft hat. Leider hat sich Smith an dieser Stelle seine Geschichte selbst verbaut, da Joker seinen eigenen Charakter wirklich in den Schatten stellt.

Das moralische Ende war mit der Klappentextankündigung leider in gewisser Weise absehbar und auch nichts neues mehr:
„Dabei gilt es für den Dunklen Ritter, eine schwere Entscheidung zu fällen, bei der einem seiner Feinde das Lachen im Halse stecken bleiben könnte….“
Auch hier muss ich Smith leider vorhalten, dass im Großen und Ganzen nichts neues erfunden hat. Jedem, der Batman über einen längeren Zeitraum gelesen hat – wie es die allermeisten wohl tun – weiß, dass Batman selbst den Joker nicht sterben lassen könnte. Das beweisen schon eindrucksvoll Hefte wie „A death in the family“, wo Batman trotzt allem den Joker nicht umbringen will. Dass Smith hier also Bezug darauf nimmt, und den Joker sogar fragen lässt, ob Batman ihn umbringen würde, birgt für den Leser keine große Überraschung, und die Tatsache, dass er sich nicht dafür entscheidet, Onomatopoeia zu verfolgen, sondern den Joker zu retten auch nicht.

Allein verblüffend ist, die Antwort des Jokers auf die Gegenfrage, die er sich aber auch eher selbst stellt. Joker meint: „Aber ich will dich töten“ und obwohl er nacher darlegt, warum er glaubt, dass sein Wahnsinn enden würde, wäre Batman tot (Sein Hass auf Batman ist der Grund, warum er irre ist. Ohne Batman würde er nicht mehr irre sein und kein Chaos mehr anrichten) scheint diese Antwort im Zusammenhang mit dem Verhalten von Joker in zahlreichen anderen Hefte nicht stringent. Wenn man längere Zeit Comics liest, könnte man auf die Idee kommen, dass die Figuren mehr von einander abhängig sind, als man auf den ersten Blick glauben mag: Der eine würde ohne den anderen nicht existieren. (Im Übrigen schon ein ziemlich altes Motiv, welches im Minnesang bereits Anwendung fand). Sie geben sich beiderseits eine Existenzberechtigung, sind vielleicht beide in gewisser Art und Weise der selbe, wahnsinnige Charakter – der sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Und wie Alfred durch die Blumen in diesem Heft treffend bemerkt: „Und ein normaler Mensch wie Sie Sir… und ich nenne Sie nur widerwillig normal […]“ ist Batman bestimmt selbst wahnsinnig. Diesen Zusammenhang deckt nicht erst Smith auf, sondern ist schon vielen anderen Autoren vorher bewusst gewesen.

Gerade deshalb ist Jokers Antwort vielleicht so verblüffend – weil es im Grunde genommen jeder besser weiß und intertextuell könnte man vielleicht sogar schlussfolgern, dass er es selbst besser weiß (man nehmen die neueren Batmanhefte, wo Joker so lange verschwunden war, bis es einen neuen Batman gab) und sich selbst vorlügt, er könne Batman töten. Durch dieses Gespräch, wenngleich es erst gegen Ende erfolgt, macht Smith eindeutig, dass auf dem Joker das Hauptaugenmerk liegt  – und nicht auf Onomatopoeia. Wollte er dies, dann hätte er sich den neuen Schurken schenken können, wollte er es nicht, hat er einen Fehler gemacht, den schon andere gemacht haben und sicherlich immer wieder machen werden. Dennoch hält das Ende die ein oder andere Überraschung für den geneigten Leser bereit, die ich hier jetzt nicht vorweg nehmen will.

Schön gelungen finde ich – um das Heft nicht nur zu kritisieren – die Darstellung Alfreds. Er ist sarkastisch, direkt, aber dabei immer höflich. Zwar ist auch das nicht neu, aber wird hier konsequent durchgeführt. Dabei geht Smith auch an einer Stelle deutlich über den Text hinaus. Auf die Aussage, von Batman, dass der Joker sein „Gehänge“ gesehen habe, antwortet Alfred:
Kein Wunder, dass er Ihre Männlichkeit erspähte, da sie doch Ihre Unterhose über Ihren Kleidern tragen.“

Fazit:

Kein schlechtes Heft. Aber vermutlich hätte ich es bereut, hätte ich es zum Vollpreis gekauft. Wer sich allerdings für „abgeschlossene“ Batmangeschichte, ohne die verwirrenden Erzählstränge von Grant Morrison interessiert, liegt hier vielleicht gar nicht so falsch. Und wer sich einen „menschlicheren“ Batman wünscht, vielleicht auch nicht. Denn so manch ein kleiner Wortwitz, der Batman in anderen Hefte nicht über die Lippen käme, lässt ihn hier menschlich erscheinen.
Wie ich einleitend schon sagte: Wer das Heft außerhalb der Kontinuität lesen kann, kann Spaß haben. Für andere könnte es schwierig werden.

Der Nachfolger hat übrigens noch einige Eckpunkte mehr. Dazu später.

Batman 52: Der mexikanische Zug/Der Garten des Todes


Autor: Grant Morrison

Zeichner: Andy Clarke/ Fraizer Irving

Enthält: Batman&Robin 12/13

Inhalt:

Auf der Suche nach Bruce Wayne machen Batman (Richard Grayson) und Robin (Damien Wayne) große Fortschritte. Doch zunächst einmal muss Damiens Mutter Talia aus dem Weg geräumt werden, die ihren Sohn durch ein elektrisches Implantat körperlich kontrollierbar machte und ihn auf Batman loslässt. So beginnt der erste Teil des Heftes schon mit einem Kampf zwischen Batman und Robin, die sich danach aufmachen, Damien aus den Klauen seiner Mutter zu befreien. Damien sagt ihr dabei ein für alle mal die Meinung.
Der andere Teil des Hefts beschäftigt sich mit dem mysteriösen Oberon Sexton, dessen Identität hier vielleicht ein wenig überraschend gelüftet wird und auch mit dem Geheimnis um den wiederauferstandenen Thomas Wayne. Was hat es mit diesem auf sich?

Kritik:

Wie die Nummer 51 auch, legt Grant Morrison ein Heft vor, welches sich gut lesen lässt und eine spannende Geschichte vorzuweisen hat, leider aber auch einigen Grund zur Kritik bietet.

Zunächst einmal hätten wir da wieder Damien Wayne:

Zwar wirkt Damien hier nicht so überdurchschnittlich intelligent – er ist schließlich erst 10 Jahre alt – aber es gibt etwas anderes, was dem Leser auffallen kann. Denn Morrison weicht ihr stark von seinem eigenen Charakterkonzept ab. Damien, der zuvor ein nerviges, kleines, verwöhntes Balg war, wird hier plötzlich zum Retter von Moral und Ehre, als er seiner moralisch völlig verkommenen Mutter gegenüber tritt.
Im Heft 52 gab es schon eine charakterlichen Wandel, der die Figur zumindest für mich erträglicher machte, allerdings ist es vielleicht doch zu drastisch um zu sagen, dass Morrison hier nicht hinten herum versucht, Damien symphatisch werden zu lassen. Man kann gespannt sein, was er letztenendes aus der Figur machen will. Ich prophezeihe vom momentanen Standpunkt in einigen Jahren ein Ende alla Jason Todd (vor seiner Zeit als Red Hood).

Der nächst Kritikpunkt betrifft Damiens Mutter Talia al Ghul. Auch wenn ich sie im vorhergegangen Post schon mal kritisiert habe, muss ich sagen, dass sie sich hier meiner Meinung nach zu sehr aus ihrem eigenen Charakterkonzept herausbewegt hat. Natürlich erfindet jeder größere Autor die Figuren der Geschichten neu, was so einen gewissen Reiz aus macht, aber alles, was geschah einfach zu übergehen, ist eine andere Geschichte. Denn trotzt der Tatsache, dass Talia sicherlich keine reine Weste hat und noch weniger moralisch vollkommen ist, bleibt sie eine der Geliebten von Batman, den sie auch immer noch liebt. Dass sie Dick Grayson, den Bruce adoptierte, nicht mag und ihn vielleicht sogar umbringen will, kann ich mit dem Charakterkonzept noch in Einklang bringen, die Tatsache, dass sie ihren Sohn quasi verstößt um einen neuen zu züchten, halte ich aber für zu weit hergeholt und zu wenig an den Charakter angepasst. Das würde sie, würde man den mir bekannten Bildern folgend, nicht tun.

[Vorsicht SPOILER]

Oberon Sextons Demaskierung.

Auch dies betrifft eine Sache, die meiner Meinung nach „Out of character ist“. Die Demaskierung von Oberon Sexton ist durchaus überraschend und die Tatsache, dass sich Joker darunter befindet, scheint ein typischer Kunstgriff von Morrison sein, doch hier muss ich – im Gegensatz zu einigen anderen Lesern – sagen, dass mir die Wendung gar nicht gefällt.
Man kann sagen, dass Joker ohne den original Batman nicht existieren kann, aber dennoch wird aus einem genialen Wahnsinnigen nicht plötzlich ein wahnsinniges Genie. Denn Oberon Sexton erscheint im vorgehenden Heft eher wie ein vernünftiger Mann, nicht nur in seinem Auftreten gegenüber Dick und Damien, sondern auch gegenüber den Gegnern der drei. Auch dass er gleichzeit der Dominokiller ist, passt mir nicht ganz ins Bild. Denn die Pointen, die Dick im Heft erwähnt, sehe ich nicht und konnte ich auch im Nachhinein nicht nachvollziehen. Da hat sich Morrison nicht genügend Zeit genommen und zu wenig direkte Hinweise gestreut, damit der Leser nicht das Gefühl hat, einem – wenn auch etwas aus der Art geschlagenen – Deux ex machina gegenüber zu stehen.

Figur des Thomas Wayne

Noch erschließt sich mir der Nutzen dieser Figur nicht ganz. Klar, Thomas Wayne, da denkt man immer zuerst an den Vater von Bruce Wayne. Sollte DC aber wirklich auf die Idee kommen, diesen wiederauferstehen zu lassen, dann überlege ich ernsthaft, ob sie die Figur in den Grundfesten nicht nur erschüttern, sondern zerlegen wollen. Das ist ein Schritt, der wohl  überlegt sein will. Sollte es sich tatsächlich um den einen westenlich älteren Thomas Wayne handeln, bin ich gespannt, wie er sich entwickelt, auch wenn ich der Black Glove Sache immer noch mehr als skeptisch gegenüberstehe.

Aber es gibt auch einiges Positives an diesem Heft. So sind die Clarke-Zeichnungen sehr ansehnlich und machen Lust auf mehr, auch die Beziehung zwischen Dick und Damien entwickelt sich in eine durchaus positive Richtung. Macht Spaß auf mehr, auch wenn Bruce Wayne – wie zu erwarten ist – zurückkehren sollte.
Die Suche nach dem selbigen gestaltet sich auch sehr spaßig, die Suche nach versteckten Spuren und Hinweisen ist auch sehr gut gelungen und lässt ein wenig klassisches Batman-Feeling aufkommen.

Auch wenn ich die negativen Punkte hier viel breiter ausgeführt hat, sind in meinen Augen die positiven Fakten auch stark zu werten.

Fazit:

Alles in Allem vergebe ich für dieses Heft 7/10 Punkten, wegen den beiden Geschichte, die mir zu sehr „out of character“ sind.

Moore/Bolland – Batman: The Killing Joke


Autor: Alan Moore

Zeichner: Brian Bolland

Titel: Batman – The Killing Joke

Erscheinungsjahr: 1988

Inhaltliche Zusammenfassung:

Es war einmal ein junger, armer Mann mit einer hochschwangeren Frau. Seinen Traum, ein großer Komiker zu werden, scheint in unerreichbare Ferne gerückt zu sein. In seiner großen Not greift er zu  einer Notlösung und schließt sich dem Überfall auf eine angeblich ungesicherte Chemiefabrik an. Dort soll er den Verbrecher „Red Hood“ verkörpern, der die Stadt seit einiger Zeit unsicher macht…

Es ist Abend im Haus der Gordons, als es an der Tür klingelt. Barbara Gordon, Tochter des Polizeicommissoners Jim Gordon öffnete die Haustür und bekommt vom Joker eine Kugel in den Unterleib geschossen. Schwer verletzt wird sie in ein Krankenhaus eingeliefert. Währenddessen entführt der Joker den Commissoner ein einen Vergnügungspark des Grauens. Dort stellt er ihn vor die Wahl… verrückt werden oder sterben….

Um den Commissoner zu retten, versucht Batman verzweifelt, Jokers Versteckt aufzuspüren um den Commissoner aus den Händen des personifizierten Wahnsinns zu retten….

Kritik:

Auf alle Aspekte des Hefts einzugehen, würde vermutlich hier den Blog sprengen, deshalb werde ich nur einige Aspekte herausgreifen, etwa die Alterskennzeichnung, das Verhältnis von Commissoner Gordon zu Batman und die Geschichte des Jokers. Es wäre sicherlich reizvoll dieses Heft tiefergehend zu analysieren, vielleicht bietet sich dazu im Studium noch mal die Möglichkeit, denn es hat genügend Ansätze, die eine Analyse rechtfertigen. Gerade der Umgang der Personen untereinander ist nicht zu vernachlässigen.

Das Comic trägt zu Recht die Kennzeichnung „Suggested for mature readers„. Frei übersetzt: Ausgerichtet auf erwachsene Leser. Auf der einen Seite ist dort die sehr brutale Handlung, Barbara Gordon, vielen Kinder der damaligen Zeit wohl noch als schwarz-gelbes Batgirl bekannt, wird vom Joker verstümmelt und – anders als es in vielen anderen Comics der Fall ist – nicht geheilt.

Commissoner Gordon wird in einen Vergnügungsparkt entführt, der wenig mit den quietschbunten und glücklichen Freizeitparks zu tun hat, die man kennt. Diese Fröhlichkeit und das Bunte wird ins krasse Gegenteil verkehrt. Sowohl die Farbgebung, wie auch noch die Ankündigungen längst nicht mehr existenter „Attraktionen“ (sei es die dickste Frau der Welt – mit dem Vermerk „Gals, be glad it ain’t you“; oder das zwei-köpfige Baby) oder die zahlreichen Hinweise auf „Fun“ in diesem Park, tragen zu einer unheimlichen Atmosphäre bei, die dem erwachsenen Leser einen gruseligen Schauer über den Rücken jagt.

Auch der Umgang von Joker mit dem Commissoner geht an die Nerven. So wird er von den kleinwüchsigen Gehilfen des Jokers, die selbst aussehen, wie auch einer Monstrositätenshow, nackt ausgezogen, ihm wird ein Stachelhalsband umgelegt und mit Hilfe eines Metallstabs wird er dazu gezwungen, das zu tun, was Joker möchte. In einer pervertierten Version einer Geisterbahn macht Joker dem Commissoner deutlich, dass der einzige Ausweg aus der Situation der Wahnsinn ist: „Madness is the emergency exit“.

Es geht Joker ganz bewusst darum, den Commissoner zu brechen, seinen sonst so starken Willen auf eine letzte und alles entscheidende Prüfung zu sichern. Die Bilder, die der Commissoner in der Geisterbahn präsentiert bekommt – seine Tochter, schwer verletzt, nackt auf dem Boden der gemeinsamen Wohnung liegend – würden wohl die allermeisten Menschen wahnsinnig werden lassen. Als Gordon die Achterbahn verlässt, ist dem Leser nicht sofort klar, was aus Gordon geworden ist. Sein Gesicht wird nicht gezeigt, ein kluger Schachzug von Autor und Zeichner. Joker spricht den Commissoner zwar an, bekommt aberk eine Antwort.

Als Batman schließlich im Park auftaucht, um den Commissoner zu retten, sieht man Gordon in einem Tierkäfig sitzen, die Arme um den nackten Körper geschlungen. Hier findet man eine der emotionalsten Szenen in der Geschichte der Batmancomics, könnte man behaupten. Vermutlich mangels Alternative fragt Batman den Commissoner „Jim? Jim are you… are you still okay?“ Gordon antwortet nicht, er fällt Batman in die Arme, der ihn tröstend in die Arme nimmt und sagt: „It’s okay. Let it come.“ Eine starke Szene, die einerseits das Verhältnis von Batman und Commissoner Gordon beschreibt, aber auch deutlich macht, das Gordon eben „nur“ ein Mensch ist. Im nächsten Bild sieht man erstmalig seit Gordon in der Achterbahn die Bilder seiner verkrüppelten Tochter gesehen hat, das Gesicht des Commissoners und in dem was er sagt, macht er sich vermutlich zu mehr, als man es ihm vielleicht zu getraut hat. Batman bietet ihm an, das er bleibt, bis die Polizei eintrifft, Gordon macht aber deutlich, dass er Joker gefangen sehen möchte „No, I’m okay! You have to go after him! I want him brought in… and I want him brought by the book!“

Nach all den Strapazen, den Demütigungen und den schrecklichen Verbrechen, die Joker ihm und seiner Tochter angetan hat, möchte Commissoner Gordon nicht, dass dem Joker etwas direkt unrechtmäßiges zustößt. Hier wird deutlich, das der Joker trotzt der unvorstellbaren Qualen, die er Gordon zufügt, am Ende gegenüber der Überzeugung Gordons versagt hat und an seinem Ziel – womöglich knapp – vorbeigeschrammt ist. Damit ist (für mich) Gordon und nicht Batman in diesem Comic der eigentliche Held. Denn wo man Batman getrost als „Superheld“ ohen Superkräfte betrachten kann, ist Gordon eher das, was wir alle sind – nämlich ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit normalen Gefühlen und einem halbwegs normalen Leben. Das er hier stark bleibt und auf Recht und Gesetz beharrt, macht ihn zu einem ungeheuer starken Mann.

Ein weiterer Aspekt, der dieses Heft besonders lesenswert macht, ist die Geschichte des Jokers, die hier in allen Facetten beleuchtet wird. Ist er doch – vielmehr als Batman – der eigentliche Protagonist der Geschichte. Es wird das Bild eines Mannes gezeichnet, der alles verlor. Seine Anstellung aufgab, zugunsten seiner Träume ein bekannter Komiker zu werden, sich kriminellen Menschen anschloss und seine alte Firma ausraubt, um dort in ein Säurebecken zu fallen. Es ist tragisch, weil der Leser mit dem Mann ohne Namen mitfühlen kann. Er ist kein großes Verbrechergenie, welches allein aus egozentrischem Antrieb einen Überfall durchzieht. Zu seiner Frau sagt er: „I’ve got to get you out of here before the baby comes…. I just want enough money to get set up in a decent neighborhood“, womit er deutlich macht, dass es ihm weniger um sich selbst, als viel mehr um seine Frau und das Baby geht. Deshalb stimmt er dem Plan der Kriminellen zu. Nur einige Sekunden später betritt ein dicker Polizist die Kneipe, in der sich die Ganoven trafen und teilt dem werdenden Vater mit, dass seine Frau und das Baby durch einen elektrischen Schlag und anschließenden Brand ums Leben kamen. Der junge Mann möchte aussteigen, kann aber nicht mehr. In der darauffolgenden Nacht wird der Plan in die Tat umgesetzt.

Aus Furcht rennt der junge Mann weg, als auf ihn und seine Kumpanen geschossen wird. Er trifft auf Batman. Vermutlich rennt er auch hier aus Furcht weg und lässt sich nicht davon abhalten in den Behälter voll mit giftiger Säure zu springen. Vielleicht war es eine Art Selbstmordversuch. Seine Frau tot, er mit einer Karriere im Gefängnis. Doch das Wunder – wenn man es so bezeichnen kann – geschieht. Er überlebt den Sturz. Seine Haut ist weiß gefärbt, die Haare grün, das Gesicht zu einem diabolischen Dauergrinsen verzerrt – der Joker ist entstanden. Und man merkt, schon hier ist das verborgen, was Joker später zu Commissoner Gordon sagt: Aus einer grausamen Situation, ohne ein Licht am Ende des Tunnels, ist der einzige Ausweg der Wahnsinn.

Vielleicht ist dies auch die Quintessenz des gesamten Heftes. Um ein Leben frei von Sorgen führen zu können, ein Leben, frei von jeglicher grausamen Situation muss man wahnsinnig sein. Aber wer nicht dem Wahnsinn verfällt – der wird später der tatsächliche Held. In wie weit das auf Batman zutrifft, ist eine Frage, die es an anderer Stelle zu erörtern gibt.

Alle Zitate stammen aus folgender Ausgabe:

Moore, Alan/Bolland, Brian: Batman. The Killing Joke. The deluxe Edition. DC Comics, New York: 2008.

Graham Nolen / Chuck Dixon – Des Teufels Advokat


Der Erwerb dieses Heftes ist zwar schon was länger her, allerdings habe ich mir gedacht, dass es doch einen Blogartikel wert ist. Also auf gehts.

Eine kurze Einführung zur Hauptfigur des Batman gibt es auch  hier wieder, für diejenigen, die nicht wissen, wer den „Batman“ ist. Acht Jahre war der junge Bruce Wayne alt, als in einer dunklen Gasse nach einem Kinobesuch seine Eltern von einem Ganoven erschossen wurden. Er überlebte und schwor sich, dass kein Kind und kein Mensch ein ähnliches Schicksal erleiden sollte. Jahre später wählte er als Zeichen die Fledermaus und wurde zu Gotham Citys gefürchtetem und geachteten Helden, Batman.

Titeldaten:

Autor: Chuck Dixon

Zeichner: Graham Nolan

Titel: Des Teufels Advokat/The devil’s advocat

Rezension:

Inhalt:

Dass da, wo ein Superheld auftaucht, schnell auch ein Superschurke zur Hand ist, ist hinlänlich aus zahlreichen Filmen bekannt. Das dieser Superschurke in 99% (keine Garantie, da keine Statistik ;)) der Fällen vom Superhelden eingebuchtet wird oder eben den Tod findet, ist auch bekannt.

Es ist nie der Fall, dass der Superheld mal für seinen Superschurken-Erzfeind kämpft. Dachte ich bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich dieses Comic in den Händen hielt. Es geht um Batmans Erzfeind, den Joker. Dieser wird verdächtigt, dass er Briefmarken mit berühmten Komikern als Motiv vergiftet hat um damit Angst und Schrecken in Gotham zu sähen. Überraschenderweise kommt es zu einer Anklage gegen Joker, der eigentlich gedacht hatte, er würde wegen Unzurechnungsfähigkeit wieder nach Arkham gesteckt werden. Aber es kommt anders.

Als Joker schließlich vor Gericht steht und wegen den Briefmarkenmorden zum Tode verurteilt wird, streitet dieser die Tat ab. Bezeichnet sie als stümper- und amateurhaft, lacht sie aus. Batman wird klar: Joker ist dafür nicht verantwortlich.

Er sucht den wahren Täter, während die Uhr gegen den Joker zu laufen  beginnt.

Kritik:

Dieses Heft bietet eine wirklich sehr spannende Geschichte, die den Leser das ein um das andere Mal dazu bringt, sich zu fragen, wie kalkuliert und berechnend, wie dreist und wie irre der Joker tatsächlich ist. Man kann sich sehr lange nicht ganz sicher sein, wer hinter der Tat steckt und lange ist auch nicht eindeutig festzustellen, dass der Joker es nicht ist.

Aber das ist nicht das wahrhaft Interessante und Spannende an diesem Heft, sondern eher die Frage nach dem Wort „Gerechtigkeit“. Was ist gerecht? So fragt Commissioner Gorden indirekt, ob es nicht besser wäre, wenn man den Joker auf den elektrischen Stuhl setzten würde, obwohl er die Briefmarken nicht vergiftet hat. Batman macht deutlich: das ist nicht die Gerechtigkeit, die er sucht.

Gerechtigkeit ist ein schwieriger Begriff und das wird hier in dem Heft deutlich. In wie weit man als Leser diese Auffassung teilen kann, ist ein Entschluss, den wohl jeder selbst treffen wird. Aber es macht dieses Heft außergewöhnlich. Dass gerade Batman, der Jason Todd an den Joker verlor, der soviele Schlachten gegen ihn schlug, und die Schlachten gewann, nie aber den Krieg, sagt, dass Joker den Tod nicht verdient hat, zeigt, wie sich sein Gerechtigkeitsbegriff von dem vieler anderer Menschen unterscheidet.

Es geht ihm zwar um Gerechtigkeit, nicht aber um unbedingte Gerechtigkeit. Er will nicht Taten und Untaten gegeneinander aufwiegen. Es ist schwierig zu sagen, warum Batman Joker nicht auf dem Stuhl sehen will und es gibt dazu sicherlich unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten. Meine ist: Batman würde Joker nur dann auf dem Stuhl sehen wollen, wenn er rechtmäßig vor einem Gericht verurteilt werden würde. Für eine Tat, die er auch begangen hat. Und zwar genau für diese Tat, nicht für etwas, was er vorher getan hatte. Deshalb betrachtet wohl sowohl der Leser, wie auch die verschiedenen Charaktere im  Comic Batmans Einstellung als seltsam. Es ist wohl auch ein fragwürdiges Motiv, einen schwerkriminellen Irren, den man wohl nie mehr vor ein vernünftiges Gericht stellen kann, dem entgültigen Ende zu entziehen, weil man seine eigene merkwürdige Auffassung von Gerechtigkeit durchsetzten will.

Aber genau das ist es, was die Figur Batmans in diesem Heft ausmacht. Die Frage, was Gerechtigkeit ist und wie sie umgesetzt werden soll. Und gerade, wie sie hier umgesetzt werden soll. Joker ist kein Heiliger und wohl innerhalb der Comics derjenige, der die meisten Leute auf dem Gewissen hat.

Doch, wie Batman schön zu Gordon sagt, er wisse ja, warum das nicht geht. Das ist sicherlich keine Antwort, die den Leser oder den P0lizeichef in dieser Situation zufrieden stellen würde, allerdings lässt sich gewissen Interpretationsspielraum über die Figur Batman und seinen „Codex“. Ob dieser Codex dann tatsächlich der Gerechtigkeit dient, kann jeder – und muss jeder – Leser für sich beantworten

Fazit:

Sicherlich interessant, wenn man sich dafür interessiert, wie man Recht, Gerechtigkeit und Gesetz interpretieren kann. Natürlich sollte ein bisschen Spaß am Comic lesen nicht fehlen. Positiv ist hier allerdings (im Gegenteil zu „A death in the familie“ (ein Tod in der Familie) dass man quasi kein Vorwissen über Charaktere und deren Gestaltung wissen muss, um die Geschichte zu verstehen. Man kann hier wirklich genug erfahren. Also hier muss ich sagen: Nicht nur was für Comicfans

Jim Starlin/Jim Aparo – Ein Tod in der Familie


Heute mal wieder zu einem Comicklassiker der Extraklasse und wohl einer der tragischsten Geschichten der Batman-Historie. Aber auch einer derjenigen, die die Leser anhörte.

Titeldaten:

Autor: Jim Starlin

Zeichner: Jim Aparo

Erscheinungsjahr: 1988

Originaltitel: A death in the family

Inhalt:

Die Geschichte ist relativ einfach erzählt. Jason Todd hat einen gewaltigen Streit mit Bruce Wayne alias Batman, wegen seiner Art zu arbeiten. Jason verlässt wutentbrannt Wayne Manor und kehrt in das Haus zurück, indem er als Kind wohnte. Dort stellt er fest, dass die Frau, von der er glaubte, dass es sich um seine Mutter handelt, „nur“ seine Adoptivmutter war. Also macht er sich auf der Suche nach seiner echten Mutter. Drei kommen in die engere Auswahl, alle leben außerhalb von Amerika. Die erste wird im Libanon vermutet.

Gleichzeitig bricht der Joker – mal wieder – aus Arkham aus und versucht, seine Cruise Missile (bestückt mit Nuklearsprengstoff!) im Libanon an Terroristen zu verkaufen, was Batman auf den Plan ruft. So treffen sich Batman und Jason Todd im Libanon wieder und suchen – nachdem die Cruise Missile aus dem Weg geschafft ist – gemeinsam die wahre Mutter von Jason…. Doch der Joker ist nicht fern….

[Vorsicht! Spoiler]

Die ersten beiden Frauen, die Jason Todd und Bruce Wayne/Batman aufsuchen, stellen sich als Fehlschläge heraus. Bei der dritten Frau jedoch landen die beiden einen Volltreffer. Leider war der Joker schneller und droht der Frau mit der Bekanntgabe eines Behandlungsfehlers vor einigen Jahren. Er verlangt von ihr die Medikamente des Flüchtlingslagers, die sie verwaltet. Im Gegenzug möchte er sein gefährliches Lachgas in dem Lager verteilen.

Jason folgt seiner Mutter, obwohl Batman ihn warnt, in das Lagerhaus, wo er einen schrecklichen Tod erleidet.

Der geknickte Batman versucht mit aller Gewalt den Joker zu jagen, muss jedoch feststellen, dass dieser als Diplomat des Irans (!) Immunität genießt. Erst als Joker dann versucht, die UNO-Vollversammlung zu sabotieren und alle Mitgleider umzubringen, kann Batman ihn endlich wieder einsperren

[Ende Spoiler]

Kritik:

Das Heft ist ein Klassiker der Comicliteratur. Sowohl der Joker, wie auch Jason Todd haben hier große Auftritt. Letzterer wohl den besten seines relativ kurzen Comiclebens. Jason war zu Anfang ähnlich kreiert worden, wie Richard Grayson, symphatisch, Artist, Eltern ermordet. Man entschied sich dann jedoch, die Herkunfstgeschichte nochmal zu überarbeiten. Dabei schuf man eine weniger symphatische, aber individuellere Persönlichkeit. Jason war damals von Batman erwischt worden, wie er die Reifen des Batmobils klauen wollte. Bruce, der gerade Dick Grayson als Robin verloren hatte, entschied sich, den jungen Jason auszubilden und mit ihm einen zweiten Robin zu schaffen. Allerdings war Jason immer impulsiver und nicht so leicht zu beeinflussen, bzw. zu kontrollieren, wie sein Vorgänger, was von Anfang an zu großen Problemen führte. Die haben hier ihren absoluten Höhepunkt. Der Streit, der zwischen Bruce und Jason ausbricht, zeigt, dass Bruce einen zweiten Richard haben wollte und keinen Jungen, der eigenständig handelt und vielleicht weniger den Kampf gegen das „Böse“ als den Nervenkitzel, die Gefahr und die Gewalt sucht.

Als er das erkennt, ist es eigentlich schon zu spät, denn Jason ist nicht mehr zu bändigen.

[Spoiler]

Das merkt Batman schmerzhaft, als Jason das erste Mal abhaut und das zweite Mal innerhalb dieses Heftes, als Joker Jason Todd erst mit der Brechstange quasi zu Tode prügelt und dann das Lagerhaus, indem sich Jason und seine Mutter befinden, in die Luft jagt. Es ist wohl eine der brutalsten Sterbeszenen eines so jungen Helden wie Jason Todd.

Interessant ist daran, dass Jason Todd starb nicht, weil ein Autor es so wollte, oder der damalige Intendant, sondern weil die Fans es so wollten. Per Telefonabstimmung hatte man entschieden, ob Jason Todd sterben oder leben sollte. Knapp war das Ergebnis, etwa 400 Stimmen Unterschied. Da man nicht wusste, wie die Abstimmung ausging, zeichnete Jim Aparo direkt beide möglichen Enden. Als aber klar war, dass Jason Todd ins Nirvana geschickt werden sollte, veröffentliche man nur das traurige Bild. Jason Todd, tot in den Armen von seinem Mentor. Eins der beklemmensten Bilder – und für mich auch eins der traurigsten – in der gesamten Batmangeschichte.

Es zeigt das Scheitern eines großen Helden. Es zeigt die Unfähigkeit Batmans/Bruce Waynes, einen zweiten Jungen auszubilden, der Dick Grayson ersetzt kann – aber es zeigt auch das Batman als Superheld dafür geschaffen ist, dies zu überstehen.

Das zweite Bild, was Aparo zeichnete und den zweiten möglichen Ausgang, Jason Todd lebt, wurde erst viele Jahre später, etwa 2006, veröffentlicht, als man Jason Todd erneut überarbeitete. Doch fragt man sich spätestens an dieser Stelle ob das Überleben Jason Todds für die Comicwelt nicht noch viel mehr Probleme beschehrt hätte, als sein Tod. Und ob die Geschichte mit einer ähnlichen Brisanz und einer ähnlichen Emotion hätte gelesen und geschrieben werden können.

[/Spoiler]

Ein weiteres Highlight der Geschichte ist selbstverständlich Joker. Als Botschafter des Irans hat er die wohl wichtigste politische Rolle seines ganzen Leben. Die diplomatische Immunität macht es Batman unmöglich, Jasons Tod zu rächen. Zunächst würde es ihn nicht abhalten, aber nachdem Superman (alias Clark Kent) ihm offen droht, dass nicht zu dulden – er soll nämlich die UNO bewachen – lässt Batman davon ab. Sicher jedoch, dass Joker nicht untätig gegenüber der UN-Vollversammlung, kommt er als Zuhörer zur Veranstaltung und kann dort am eigenen Leib miterleben, wie Superman das Massaker verhindert.

Vielleicht steht Batman hier schon wieder an einem Punkt, an dem er erneut scheitert. Als Superheld kann er den Joker nicht aufhalten, vor der UNO zu sprechen, ohne einen internationalen Zwischenfall zu provozieren. Das Dilemma für Batman liegt auf der Hand. Superman – als einer seiner besten, wenn nicht der beste Freund – warnt ihn davor, offen einzugreifen und zeigt damit, dass er sich genau darum Sorgen macht. Und auch um den Geisteszustand von Batman.

Fazit:

Dieses Heft ist nicht nur was für eingefleischte Comicfans, sondern durchaus auch für Leute, die sich für gute, tragische Geschichten interessieren. Ein bisschen Vorwissen zu den Figuren kann aber nicht schaden. Zur Not reicht hier aber einmal das Lesen der entsprechenden Wikipedia Artikel.