Rezension: Hartmann von Aue – Erec


Ich starte heute eine neue Kategorie. In dieser möchte ich euch einige mittelalterliche Texte vorstellen, die ich gelesen habe. (und sicherlich auch einige meiner Leser) Dabei möchte ich die Texte für solche Leute bewerten, die bisher nichts oder wenig mit mittelalterlichen Texten zu tun hatten. Daher fange ich mit dem Text an, mit dem auch ich angefangen habe: Dem Erec von Hartmann von Aue.

Entstanden ist der Erec irgendwann um 1180/1190 und gilt als ältester deutscher Artusroman. Artus, wie der, der das Schwert aus dem Stein gezogen hat. Nur spielt Artus in den Artusromanen eher eine untergeordnete Rolle, vielmehr geht es um die Ritter, die an Artus‘ Hof ein- und ausgehen.
Erec ist einer von ihnen und seine Geschichte gehört zu den Werken, die in vielen Germanistikstudiengängen gelesen werden.

Hartmann von Aue - Manessische Liederhandschrift  - Gemeinfrei -

Hartmann von Aue – Manessische Liederhandschrift
– Gemeinfrei –

Überlieferung des Erec

Auch hier nur kurz – in die Tiefe gehen würde dem diametral entgegengesetzt sein, was ich mit dem Text machen möchte – etwas zur Überlieferung: Nahezu vollständig ist uns der Erec nur in einer Handschrift aus dem 16. Jahrhundert überliefert, die geschrieben wurde von Hans Ried. Neben dem Erec ist auch der Iwein und das Nibelungenlied in dieser Handschrift, die man allgemein das Ambraser Heldenbuch nennt, überliefert, sowie einige weitere Texte. Fragmentarisch liegen noch andere Quellen vor.
Problematisch daran ist, dass der Text nicht in mittelhochdeutscher Sprache vorliegt, sondern – aufgrund des relativ jungen Entstehungsdatums der Handschrift – in frühneuhochdeutsch. In den bisher vorliegenden Edierunge des Textes hat man versucht, die mittelhochdeutsche Sprache eines Hartmanns von Aue wiederherzustellen und dabei einige Dinge verschlimmbessert, gerade auch im Hinblick auf den Sinn des Textes. Man muss also vorsichtig sein, wenn man die heutigen Ausgaben liest und sollte bei näherem Interesse für den Text – vielleicht auch etwas wissenschaftlicherer Natur – versuchen, in die Handschrift zu schauen. (Übrigens soll Ende dieses Jahres eine neue Edition herausgegeben werden, die sich stärker am Ambraser Heldenbuch orientiert und die daher wohl einige der „Fehler“ heutiger Editionen verbessern wird).

Inhalt:

Eigentlich – bricht man es herunter – ist der Erec eine klassische Rittergeschichte. Heutzutage würde man sagen: Mit einem strahlenden Held, einer wunderschönen Prinzessin, einem bösen Ritter (vielleicht auch mehrern) und schlussendlich auch einem Happy-End.
Erec gewinnt das Herz der schönen Enite durch Aventiuren für sich und heiratet sie schließlich. Doch die Heirat hält ihn davon ab, seine ritterlichen Tugenden nachzugehen, was dazu führt, dass man übel über ihn redet.
Als Erec dies erfährt, macht er sich auf, neue Abenteuer zu erleben und seine Ehre wieder herzustellen. Enite, die ihm von den Gerüchten am Hof berichtet hat, bekommt von ihm ein Sprechverbot, welches sie mehrfach bricht, um Erec zu retten. Nachdem Erec eine Menge Abenteuer bestanden hat, ganz unterschiedlicher Natur, und den Kampf gegen den furchtbaren Mabonagrin gewinnt, kann er zurück an seinen Hof kehren. Mit dem Wissen darüber, wo das richtige Maß zwischen Liebe und Herrschaft liegt, werden er und Enite zu einem guten Herrscherpaar.

Ambraser Heldenbuch  - Gemeinfrei -

Ambraser Heldenbuch
– Gemeinfrei –

Kritik für Nicht-Germanisten:

Obwohl der Erec einige Stellen bietet, die dem heutigen Leser merkwürdig vorkommen (insbesondere die verselange Beschreibung von Enites Pferd und dessen Zaumzeug), ist der Roman durchaus ein guter Einstieg in die mittelhochdeutsche Literatur. Er hat alles, was eine Rittergeschichte braucht und gleichzeitig nichts, was die Geschichte für den Laien zu kompliziert oder zu „wenig lesenswert“ macht. Nicht umsonst gehört sie zu den ersten mittelhochdeutschen Geschichten, die man im Studium liest.
Gleichzeitig ist der Text auch ein guter Einstieg für das Lesen weiterer mittelhochdeutscher Texte, weil hier einige Dinge vorgeführt werden – und zwar leicht verständlich – die für das Lesen komplizierterer Texte durchaus notwenig sein könnten.
Man kann beim ersten Lesen nicht alles verstehen, dafür ist ein Studium von Sekundärliteratur wohl unumgänglich. Wer allerdings kein Problem damit hat, bestimmte Motive oder Anspielungen nicht beim ersten Mal zu durchschauen, für den ist der Erec der perfekte Einstieg in eine mittelhochdeutsche Literaturliste, die doch sehr lang werden kann.

Nicht abschrecken lassen sollte man sich ob der Sprache. Der Erec ist ins Neuhochdeutsche übersetzt worden und selbst wenn die Versform auf den ersten Blick abschreckend wirkt, so ist sie es nicht. Eimal daran gewöhnt kann man es leicht und relativ locker herunterlesen.
Natürlich sollte man sich aber auch davon lösen, dass man hier ein Buch liest, wie wir sie heute kennen. Die Zusammenhänge sind vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz klar, die einzelnen Episoden scheinen fast willkürlich zusammengestellt. Wenn man mittelhochdeutsche Literatur liest, dann sollte man damit rechnen, dass diese zunächste inmmal mündlich vorgetragen wurde, weshalb einige Brüche und einige unzudsammenhängend wirkende Stellen in fast allen Überlieferungen zu finden sind – und auch in fast allen (mir bekannten: allen) Texten zu finden ist. Blattverlust, Übertragungsfehler, „Verbesserungen“ tragen ihren Teil dazu bei.

Solltet ihr Fragen haben: Ab in die Kommentare damit, vielleicht kann ich helfen

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Neues aus der Bibliothek


Gemeinfreies Bild

Gemeinfreies Bild

Als langjähriger Freund und Mithelfer von diversen Bibliotheken bin ich wirklich nicht der Typ Mensch, der sich schnell aufregt, wenn in einer Bibliothek einmal etwas nicht ganz so läuft, wie ich mir das vorstelle und ich weiß auch, dass Fehler durchaus passieren können, das Bücher mal verschwinden oder nicht aufzufinden sind.

Aus dem Grund war ich auch nicht gerade besonders wütend darüber, dass der von mir bestellte Artikel neulich nicht aufzufinden war. Das kann passieren. Ich hatte zwar die E-Mail erhalten, in der mir mitgeteilt wurde, der Artikel wäre da und konnte auch die Nummer nennen; der Artikel war jedoch nicht aufzutreiben. Gut, eine Tag länger gewartet, Text neu ausgedruckt. Sache erledigt. Kein Grund für einen Blogeintrag – vor allem nicht den ersten seit langer, langer Zeit.

Mich ärgert eine andere Sache. Der Grund dafür ist mir nicht erklärt worden, daher sträube ich mich dagegen, es zu begreifen. Es geht um folgende Sache:

Für eine schriftliche Prüfung Anfang März brauche ich ein bestimmtes Buch von Florian Kragl. Meine Professorin hielt es für unwahrscheinlich, dass es dieses Buch überhaupt in der Hochschulbibliothek gibt. Nun gut, für so etwas gibt es die Fernleihe. Buch bestellen, Sache erledigt. Von wegen…
Zunächst einmal sei soviel gesagt: Per Fernleihe kann man Bücher in der Hochschulbibliothek nur leihen, wenn sie nicht in der Bibliothek „vorhanden“ sind. Soweit so gut, eigentlich eine klare Regel, die in der Regel (verzeiht mir das Wortspiel) wohl auch gut funktioniert.

Ich habe das Buch wider Erwarten im Katalog gefunden. Es ist also vor Ort. Soweit, so gut. Leider bis zum 13. Februar ausgeliehen. Per Fernleihe bestellen? Fehlanzeige. Buch ist ja vorhanden.

In meinen Augen ist das Unsinn. Ein Buch, welches ausgeliehen ist, ist in der Bibliothek höchstens theoretisch vorhanden. Und theoretisch ist nicht genug. Und ausgeliehen heißt: nicht da.
Ich habe extra noch einmal nachgefragt: Nein, das Buch ist vorhanden, daher nicht bestellbar. Ich müsse wohl darauf warten oder mich bei einer anderen Bibliothek anmelden und es dort versuchen. Ob ich das Buch jetzt möglichst zeitnah brauche oder es erst in zwei Wochen bekomme, ist dabei völlig egal. Eine andere Option bietet mir die Hochschulbibliothek nicht – auch wenn ich natürlich einen Anschaffungsvorschlag machen könnte – der aber in der Regel auch zwei Wochen benötigt. Also quasi kein Zeitgewinn und auch in meinen Augen für die Hochschulbibliothek herausgeworfenes Geld, so oft wird das Buch sicherlich nicht benötigt. (recht spezielles Thema).

Meine Option: Ich melde mich bei der Stadtbibliothek an und hoffe, dass sie es mir da beschaffen können.

Was ich daran kritisiere, ist denke ich ziemlich offensichtlich: Wieso gilt ein Buch als vorhanden, wenn es ausgeliehen ist? Und vor allem: Warum lässt es sich nicht dennoch bestellen, aus einer anderen Bibliothek, in der das Buch nicht ausgeliehen ist? Gibt es ein Gesetz, welches das verbietet? Oder ist es der Hochschulbibliothek zu teuer? Für mich ist es vor allem eines: Ein Ärgernis.

Die Fragen sind übrigens durchaus ernst gemeint. Wer Antwort weiß: Bitte kommentieren.

PS: Ich habe das Buch dann durch Glück doch etwas früher bekommen, der Ausleiher hatte es etwas früher zurückgegeben. Bei einer Nachfrage in der Stadtbibliothek im Übrigen kam heraus: Dort hätte ich das Buch auch nicht bestellen können, weil es in der Hochschulbibliothek „vorhanden“ ist. Auch dies gibt der im Kommentar schon angegebene „Ministeriumserlass“ vor. Nur erschließt sich mir der Sinn dahinter absolut nicht.

„Melancholia“ – Eine Filmkritik


Wenn ein neuer, innovativer Film in die Kinos kommt – gerade die Art von Film, die man allgemein auch als Kunstfilm bezeichnen kann – dann ist das Gejubel meistens ziemlich groß. Der Film wird als neues Meisterwerk gelobt, als Film, der viele Fragen stellt und der den Zuschauer am Ende ratlos darstehen lässt, ein Film, der aufwühlt, der die tiefsten Gefühlt im inneren des Menschen anspricht und zugleich mit großen Bilder und musikalisch einmaligen Eindrücken für ein Filmerlebnis der Extraklasse sorgt. Die Rezensenten zu dem Film überschlagen sich, voll des Lobes für das großartige Werk.

Und Leute, die den Film nicht gut fanden? Die werden häufig – gerade in Foren – als unintelligent beschrieben, als solche, die die Überlegenheit des Films nicht verstehen, als solche, die besser bei „Stirb Langsam“ und „Blutig Schlachten und Morden IV“ bleiben sollten, anstelle sich solche Werke anzusehen, die sie sowieso nicht verstehen. Kein-echter-Schotte Argumentation. Schwach, aber als totschlagendes Argument zu gebrauchen.

Ich möchte mich in diesem Beitrag dazu äußern, warum ich den Film NICHT gut fand und ihn mir freiwillig wohl kaum ein zweites Mal ansehen werde. Dazu muss gesagt werden, obwohl ich sonst eher das Unterhaltungs- und Trivialkino mag, bin ich mit dem Gefühl in den Film gegangen, dass er mir doch gefallen wird. Und so groß ist meine Abneigung, gegenüber weniger trivialer Filme, wie etwa „2001 – Odyssee im Weltraum“ oder „Eyes Wide Shut“, nicht so ausgeprägt. Zudem bin ich auch Ungewöhnlichem gegenüber durchaus aufgeschlossen.

Aber genug der Vorrede, auf zur Filmkritik:

„Melancholia“ beginnt eindringlich. Einzelbilder, in Zeitlupe, alle sehr desaströs und apokalyptisch anmutend. Unterlegt mit der dramatischen Musik von Wagners Overtüre zu seiner Oper „Tristan und Isolde“ sorgt der Film in den ersten Minuten beim Zuschauer für eine Untergangsstimmung sondergleichen.
Immer wieder untermalen Bilder aus dem All, genauso bedrohlich wie die anderen, die Szenerie. Schon der Anfang zeigt, wo die Gefahr droht und das direkt in doppelter Hinsicht. Einmal im direkten bildlichen Sinne, die Gefahr aus dem All, einmal aber auch aus dem Einsamkeit des Menschen im All, aus der unendlichen Leere zwischen den Planete und vielleicht auch als Bild für die Leere zwischen den Menschen. Aber danach folgt vor allem eins: Storyleere.

Eine Hochzeit, die schief geht, eine Planet, der die Erde rammen könnte (rammt) und jede Menge Gefühle, Depressionen und Ängste, dass sind die Motive des Films. Aber nicht wirklich eine Geschichte, die konstant die Spannung halten kann. Zudem torpediert Lars von Trier seinen eigenen Film mit einer völlig hanebüchenden Rahmenerzählung. Ich habe per se nichts gegen Filmen, in denen die Leute vor Depressionen zergehen, in ihrer eigenen Gefühlswelt nichts anderes mehr finden als Leere und Angst und die einen derart pessimistischen Blick auf die Welt haben, dass man sich fragt, ob es da überhaupt noch einen Sinn gibt, zu leben.
Lars von Trier konstruiert jedoch eine weltumspannende Bedrohung, auf die er seinen Figuren aufbaut. Der Zusammenstoß der Erde mit einem Planeten, der ohne jegliche Begründung, auf die Erde treffen soll. Dies ganze garniert er mit Artikeln aus dem Internet. Dass Planet X wohl nicht existiert und die im Film gezeigte Flubahn eines solchen Planete selbst für Laien merkwürdig erscheint, lässt der Regiesseur und gleichzeitig auch Autor vollständig außer Acht. Das wirkt sich bei einem Film, der sonst alles in sehr realistischem Licht erscheinen lassen möchte, merkwürdig aus – ja, man könnte sagen, lächerlich. Es spricht nichts gegen unrealistische Rahmenhandlungen, nur darf dann der Rest des Films nicht auf die Realität pochen und auch gar nicht den Anspruch daran stellen. Aber genau dies scheint der Regisseur hier zu versuchen.

Manche Kritiker bezeichnen „Melancholia“ (übrigens ein sehr merkwürdiger Name für einen Planeten) als Science-Fiction (zumindest die Kommentatoren tun dies des öfteren). Nur vermisse ich vor allem die „Science“ in diesem Film. Nicht jeder Film, der was mit Planeten und dem Weltraum zu tun hat, ist ein Science-Fiction im eigentlichen Sinne. Dazu gehören im weitesten Sinne auch Veränderungen der Gesellschaft durch die Technik und häufig auch eine genauere wissenschaftliche Beschreibung derselben. Star Wars wird deshalb häufig als Grenzfall angesehen, da sowohl eine gesellschaftliche Veränderung als direkter Handlungsrahmen fehlte, als auch die technische Komponente. Aber dazu ein anderes Mal. „Melancholia“ erfüllt weder die Komponente der gesellschaftliche Veränderung (und eine depressive Familie mit Todesängsten zählt da nicht) noch den technischen Aspekt. Welcher Planet schleicht sich schon nach dem Vorbeiflug von hinten wieder an? Höchst merkwürdig.

Lobenswert sind in jedem Fall die schauspielerische Leistung, insbesondere von Kirsten Dunst – das muss man zugestehen – als auch die gewaltigen Bilder, die Lars von Trier genau einzusetzten weiß. Doch ab einer gewissen Menge von Bildern wird es zu viel. Es ähnelt jenen Romane, die unbedingt bedeutsam sein wollen und deshalb möglichst viele (unverständliche) Passagen einbauen. Nicht nur unverständlich, weil man – wie etwa bei Romanen von Goethe, Heine oder Kleist – in einer anderen Zeit lebt, sondern unverständlich, weil sie symbolisch zu überfrachtet ist. Da ist die Brücke, über die das Pferd Abraham nicht gehen will und über die auch später der Golfcaddy nicht fahren möchte. Es gibt Deutungsmöglichkeiten. Es könnte der Weg in ein anderes Leben darstellen, die Flucht vor dem selbst, die einem letztlich nicht gelingt, die Auswegslosigkeit aus dem Leben nicht entkommen zu können oder auch als Sinnbild dafür, dass man dem Schicksal nicht entrinnen kann. Aber so beeindruckend und so gruselig die Brücke auch immer sein mag, es geht in der Menge der Bilder unter, die alle ihre eigene Deutung erfahren können, aber letztenendes immer auf der Leere beharren, auf der Hoffnungslosigkeit, die sich alsbald nicht nur durch Justine, die Protagonistin, gespielt von Kirsten Dunst, sondern auch durch den Rest der Familie zieht. Es wurde nach 60 Minuten einfach zu viel. Zu viel Bilder, zu viel gewaltige Bilder, zu viele depressive Monologe.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Musik. Wagners Overtüre selbst ist kein Fehlgriff, aber da es das einzige Stück in dem Film bleibt, geht es nach dem vierten oder fünften Hören auf die Ohren des Zuschauers. Es wird keine Abwechslung geboten in der Monotonie des Gewaltigen. Sowohl was Wagner betrifft, als auch die Bilder. Das mag man toll finden, muss man aber nicht.

Fazit:

Lars von Triers „Melancholia“ mag ein Meisterwerk sein, aber ich denke nicht, dass es allen Menschen so gehen wird. Das mag pauschal klingen, aber worauf ich hinaus will, ist folgendes: Der Film selbst bietet nicht genügend Anreize, um ihn – anders als etwa 2001: Odyssee im Weltraum – auch noch in zwanzig oder dreißig Jahren zu sehen. Dafür müssen Filme mitreißen und spannend inszeniert sein. So ist die Anfangsszene – um einen Vergleich zu ziehen – von Stanley Kubriks Meisterwerk zwar langatmig und ähnlich musikalisch unterlegt wie Tiers (nämlich mit klassischer Musik) so ist der Rest des Films jedoch nicht nur in Bildern, sondern auch in der Geschichte ein Meisterwerk. Sei es in Hal 9000, dem fühlenden Computer, oder in der Haupfigur Dave, die zum Schluss eine besondere Offenbarung erlebt, der Film bleibt die ganzen 143 Minuten über spannend. Etwas, was ich bei „Melancholia“ wirlich vermisst habe. 130 Minuten dauert der Film, er hätte prima auf 100 Minuten gekürzt werden können, ohne viel zu verlieren (außer einige Bilder).

Zudem muss ich auch festhalten, dass wir mit fünf Leuten in diesem Film im Kino waren. Wir sind alle nicht dumm oder ungebildet, wir haben alle eine Schwäche für Literatur aber bei vieren von den fünfen hat der Film nicht besonders viel Eindruck geschindet. Man blieb eher mit einem Schulterzucken stehen und fragte: „Und?“ Da wurde dann über das ein oder andere Bild kurz diskutiert, aber nicht so, wie ich es zuerst erwartet hatte. Stehen geblieben sind wir bei der Frage: „Was soll der Film uns sagen?“ Und keiner hatte darauf eine Antwort, die zufrieden gestimmt hatte. Denn als Fazit zu ziehen, dass die Welt schlecht ist, ist weder neu, noch innovativ. Und ratlos stehen lassen, dass sollte weder ein Buch noch ein Film den Leser oder Zuschauer.

Eine Rezension in 10 Sätzen – Jim C. Heines: Drei Engel für Armand


Inhalt:

Im Märchenland hat Aschenputtel (eigentlich Danielle) ihren Prinzen geheiratet und ist nun Prinzessin Whiteshore. Doch die Abenteuer sind noch nicht ausgestanden. Die Stiefschwestern haben einen bösartigen Plan geschmiedet, das junge Glück Danielles zu zerstören und entführen Prinz Armand, ihren Mann. Gemeinsam mit Talia und Schnee macht sie sich auf, um ihn zu retten – und erfährt, dass so manch ein Märchen nicht so lief, wie in den Märchen erzählt…..

Kritik:

„Drei Engel für Armand“ ist nicht direkt ein Fantasybuch, sondern wirklich eher dass, was man als Märchen bezeichnet, allerdings wohl kaum für Kinder, sondern für Ältere. Zwar spritzt das Blut nicht literweise, aber gerade die Geschichte von Dornröschen ist beklemmend – und wirft in gewisser Art auch ein anderes Licht auf die grimm’schen Märchen.  Die Handlung bleibt stetig auf einem konstant spannenden Niveau, die Abwandlung der allseits bekannten Märchen trägt auch dazu bei.
Ebenso schafft es Hines, symphatische Charaktere zu kreiren, die alle ihren eigenen Wert in der Geschichte haben und deren unterschiedliche Fähigkeiten sich sehr gut ergänzen. Auch die Antagonisten sind sehr gut gelungen, man kann nicht allen im gleichen Maße Antipathie engegen bringen, sondern kann dies schön ausdifferenzieren.

Daher: 10/10 Punkten

Eine Rezension in 10 Sätzen – Rob Thurman: Nachtgeister


Inhalt:

Der Roman „Nachtgeister“ von der hierzulande recht unbekannten Autorin Robyn Thurman handelt von zwei Brüdern, die gemeinsam das Böse – sie nennen sie „Grendels – bekämpfen. Doch tief in sich drin verbirgt der Jüngere, Cal, ein düsteres Geheimnis, das an die Oberfläche brechen will….

Kritik:

Von dem Klappentext und von dem Verweis, dass Supernatural-Fans dieses Buch lieben werden, muss ich ganz, ganz klar Abstand nehmen. Das Buch wirkt in weiten Teilen eher nach einem Mary Sue Roman, als nach einem Werk mit eigenständigen Charakteren. Selbst als Cal – Kurzform für Caliban – dem Bösen verfällt, wirkt der Roman immer noch bemüht.
Die Protagnisten sind darüberhinaus sehr stereotyp aufgebaut, beide quasi perfekt, sehen gut aus und vor allem Nik, der ältere, kann sehr gut kämpfen. Es ist fast schon lächerlich, wie oft die Erzählfigur Caliban darauf eingeht.
Zwar wird das Buch zum Ende hin wirklich spannend und der große Plan, den die „Grendels“ entwickelt haben, ist tatsächlich durchaus bedrohlich, leider plätschert das Buch bis zu diesem Ende so vor sich hin. Auch als Caliban zum „Bösen“ mutiert, wirkt er durch die Tatsache, dass es immer noch ein Ich-Erzähler ist, nicht gefährlich.

Daher: 5/10 Punkten

Theodor Fontane – Unterm Birnbaum


Kommen wir heute zu etwas älterer Literatur und damit gleich auch zu meinem „Lieblingsautor“, Theodor Fontane. Fontane mag ich

eigentlich nicht… aber ob das bei diesem Buch gleich war?

Titeldaten:

Autor: Theodor Fontane

Titel: Unterm Birnbaum

Rezension:

Ich habe Effi Briest gehasst, ja, gehasst. Dieses ewige Lamentieren, das naive, dumme Verhalten von Effi, das für mich nicht nachzuvollziehende Verhalten von Innstetten und ganz zum Schluss der Tod, der zwar von einigen als sinnig und im Zusammenhang mit dem Werk logischen Ende gesehen wird, ist mir schon beim ersten Mal auf den Geist gegangen.

Nun ein weiteres Buch von Fontane. Gelesen in einem Kriminallektürekurs. Ich habe es soweit wie möglich nach hinten rausgeschoben und es dann doch gelesen.

Und ich war positiv überrascht, wenn gleich auch nicht angetan.

Im Großen und Ganzen handelt es sich bei „Unterm Birnbaum“ tatsächlich um einen Kriminalroman. Es gibt einen Toten, es gibt einen Mord und irgendwo dazwischen auch noch ermittelnde Figuren. Angefangen bei alten Mutter Jeschke bis hin zum Dorfpolizist.

Doch der Leser ist der ganzen Ermittlungsarbeit einige Schritte voraus. Denn der Protagonist aus dem Buch ist gleichzeitig auch für den Leser der Hauptverdächtige. Es werden zu Anfang sehr viele Hinweise darauf gegeben, dass dieser den Mord begangen hat, um seine hohen Schulden zu decken. Er gerät auch bei der Dorfbevölkerung in Verdacht, kann sich jedoch überaus geschickt davon freimachen. Bis zum Schluss jagt ihn jedoch das Gewissen und er muss, ganz wie Effi Briest, zum Schluss sterben, wie auch seine Frau.

Das ist der Punkt, der mich an dem Werk zweifeln lässt und der mich auch wieder dazu bringt, mich über Fontane zu ärgern.

Man könnte ihm zu Gute halten, dass es doch in den Kontext passt und dass das schlechte Gewissen als Todesgrund zum Schluss doch nicht unlogisch ist, doch anders, als bei Effi Briest, stirbt Hradscheck – so der Name der Hauptfigur – nicht an einem gebrochenen Herzen oder etwas Vergleichbaren, sondern bei einem Unfall, für den direkt er gar nichts kann. Es wirkt ein bisschen so, als sei Fontane hier keine passende Idee gekommen, den Protagonisten zu enttarnen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass er eben nicht ins Gefängnis kommt. Es kann auch heißen, dass Fontane es nicht wollte, dass Hradscheck weltliche Gerichtsbarkeit wiederfährt.

Auch der Tod von Frau Hradscheck, die später in dem Wissen lebt, dass ihr Mann ein Mörder ist und dass sie zu diesem Mord beigetragen hat, trägt nicht dazu bei, dem Buch mehr Tiefe zu verleihen. Den Tod der Frau (die natürlich an einer eher mysteriösen Krankheit leidet) hätte man noch irgendwie schön verpacken können, so bleibt jedoch ein fader Beigeschmack.

Fontane bleibt seinem Schreibstil, den viele wohl auch aus Effi Briest kennen, auch in diesem Werk treu. Der Akzent der Dorfbewohner wird jedoch viel weiter in den Vordergrund gestellt und ausgeführt, als in Effi Briest, was an der ein oder anderen Stelle schon ein wenig auflockernd wirken kann. Es ist auf der anderen Seite jedoch auch störend, wenn man gar nicht feststellen kann, welches Wort sich hinter dem Dialektwort verbirgt.  Gerade bei der Mutter Jeschke ist dies besonders bedauerlich, da sie sich am Ende doch als wichtige Zeugin herausstellt, jedoch wider ihrem eigenen Wissen.

Positiv anrechnen kann ich Fontane, dass er sich weniger auf Landschaftsbeschreibungen versteift, wie das in Effi Briest doch sehr häufig und auch sehr extrem der Fall ist. Das gibt dem Buch ein wenig Frische, neben den Seitenhieben, die Fontane auf das einfache Dorfvolk, macht. So wird die Bevölkerung auf eine häufig humoristische Weise karrikiert.  Sie sind demnach weniger als heterogenen Dorfgemeinschaft zu sehen, sondern vielmehr als Gemeinschaft, die konstruiert wurde, um genau die Klischees und Vorurteile bedienen zu können. So wird in diesem Buch die Karrikierung groß geschrieben. Dies trägt dazu bei, dass das Buch dann doch ein wenig besser war, als ich das erwartet hatte, allerdings kein Werk, dass ich empfehlen würde.

Fazit:

Unterm Birnbaum ist ein Werk des Realismus. Tatsächlich wird es wohl am ehesten von Studenten oder Schülern gelesen werden (müssen). Wer sich allerdings für Effi Briest begeistern konnte, wird wohl auch dieses Buch – in dem etwas mehr passiert – mögen.