Filmrezension – Doctor Strange (Film)


Inhalt: 

Stephen Strange ist ein begnadeter Chirurg, allerdings ein menschlicher Totalausfall: Egozentrisch, narzisstisch, eingebildet, hochnäsig und alles in Allem ziemlich unausstehlich. Doch nach einem schweren Autounfall verliert er die Fähigkeit als Chirurg zu praktizieren, sein Leben liegt in den Trümmern seines teuren Wagens begraben. Voller Verzweiflung und Zorn über den Verlust, gibt er sein ganzes Vermögen für sinnlose Operationen aus, schlägt Warnungen und Vorschläge von Freunden und Kollegen in den Wind, nur um am Ende feststellen zu müssen, dass ihm die Medizin nicht helfen kann. Von einem Therapeuten erfährt er, dass dieser vor einigen Jahren einen Patienten hatte, der wider aller Wahrscheinlichkeit nach einer schweren Rückenverletzung doch wieder laufen konnte. Strange nimmt Kontakt zu diesem Mann auf und erfährt, dass dieser in Nepal Heilung gefunden haben. Von seinem letzten Geld finanziert sich Strange, der sich in seiner letzten Hoffnung an jeden Strohhalm klammert, einen Flug nach Nepal, um dort an einem Ort namens Kamar-Taj zu erfahren, wie er geheilt werden kann. Doch statt Heilung entdeckt er dort eine Welt jenseits seiner Vorstellungskraft. Magie, Zauberei, alte Wesenheiten, andere Dimensionen. Nach anfänglicher Skepsis möchte Strange mehr über diese Welt erfahren und bald muss er sich die Frage stellen, ob er sein altes Leben überhaupt wiederhaben möchte. Dann überschlagen sich die Ereignisse…

Kritik (enthält eventuell Spoiler):

Doctor Strange ist ein erfrischend „anderer“ Marvel-Superheldenfilm. Weniger aufgrund der Struktur, die erinnert doch sehr an andere Produktionen des Genres, als vielmehr aufgrund der Charakterdarstellung und der endlich mal nicht technisierten und entmystifizierenden Erklärungen unerklärbarer Phänomene – selbst Lokis Stab entpuppte sich ja als künstliche Intelligenz. Magie existiert einfach und die Charaktere, allen voran Strange, haben dies zu akzeptieren. Das unterscheidet den Film deutlich von allen Marvelfilmen der letzten zehn Jahre, in denen selbst im mystischen Asgard alles technologisch erklärbar sein musste. In „Doctor Strange“ funktioniert das nicht – und der Zuschauer sollte eine Erklärung für diese magische Welt weder suchen noch erwarten.
Sich fallen lassen ist das Motto des rund zweistündigen Films, sich fallen lassen und genießen, wie Strange und all die anderen Zauberer die Grenzen der Physik aufheben, magische Waffen und Schilde erschaffen und aufgrund ihrer Fähigkeiten die Realität im wahrsten Sinne des Wortes ins Rutschen und Wanken bringen.

Dazu kommen eine für Marvelverhältnisse ausgesprochen gut ausgearbeitete Reihe von Charaktere. Allen voran Dr. Strange selbst, großartig gespielt von Benedict Cumberbatch. Mögen kann man den Chirurgen zu Anfang kaum, in seiner Arroganz und seinem Egozentrismus verschreckt er nicht nur alle Personen um sich herum, sondern auch die Zuschauer im Kinosaal. Der Unfall ändert ihn in Bezug auf diese Charaktereigenschaften zunächst nur wenig – anders als beispielsweise Tony Stark, der nach seinem Aufenthalt in Afghanistan gleich seine ganze Firma umkrempelt und selbst zu einem Mann wird, der das bekämpft, wovon er vorher lebte. Die erste Feststellung, die Strange nach seiner OP trifft, als er seine Hände in den Fixateuren sieht, ist, dass er es besser gekonnt hätte als seine Kollegen. Seine Hände hätte retten können. Selten ist ein menschlicher Absturz so glaubwürdig in einem Marvelfilm thematisiert worden. Der Zorn, der Strange antreibt, seine pure Verzweiflung aber auch seine Weigerung, einen neuen Weg einzuschlagen, passen nicht nur zum Charakter, sondern sind eine typisch menschliche Eigenart. Sturheit. Kaum Reue durchzieht den Charakter auch nach dem Unfall. Dies ändert sich erst während des Aufenthaltes in Kamar-Taj, und auch hier nur sehr langsam. Erst die Einführung in die Welt der Magie durch die Älteste/The ancient one (Tilda Swinton), kann etwas an Stranges Einstellung ändern und dies mit einer Wucht, die den Zuschauer durch geschickt gewählte, gigantische Bilder aus dem Kinosessel zu reißen vermag.
Vor allem an Strange selbst, aber auch an anderen Figuren, kann man ablesen, was diesen Film noch von vielen bisher dagewesenen Marvelfilmen unterscheidet: eine subtile, glaubwürdige Charakterentwicklung. Den Drehbuchautoren ist hier etwas gelungen, was sehr häufig misslingt oder gar nicht erst versucht wird: Strange entwickelt sich so, wie sich ein Mensch entwickeln würde. Er wird nicht plötzlich zum guten Menschen und strahlenden Helden. Die Entwicklung zum Helden passiert langsam, in Teilen ungewollt seitens des Hauptcharakters und bis kurz vor Schluss sieht man, dass Strange daran zweifelt, was er eigentlich mit seinem neugewonnenen Wissen machen möchte, ob er die Aufgabe, die ihm Kamar-Taj zuweisen möchte annimmt oder die Magie wie viele andere auch, nur als Mittel zum Zweck einsetzt um sich selbst ein besseres Leben zu verschaffen.

Doch nicht nur der Protagonist ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass auch Comiccharaktere glaubwürdig sein können: Auch der Antagonist, gespielt von Mads Mikkelsen, ist definitiv einer besten Marvelantagonisten und neben Loki und vielleicht Ivan Vanko (Whiplash/Iron Man 2) einer der, wenn nicht sogar „DER“ glaubwürdigste Antagonist. Dies liegt nicht an einer komplizierten Herkunftsgeschichte oder an einer besonders herausragenden Bösartigkeit. Ganz im Gegenteil: Verblendet, aber aus seiner Position heraus in sich logisch, schlüssig, nachvollziehbar und gut durchdacht arbeitet sich Kaecilius durch den Plot. Bisher fehlte es gerade im Marveluniversum an glaubwürdigen, in sich schlüssigen Schurken. Diese müssen keinen vollständig durchdachten Plan haben – erkennt man besonders gut (auch streitbar) am Joker aus „The Dark Knight“ – aber sie müssen in sich schlüssig handeln.

Man darf sich nichts vormachen: Doctor Strange ist deutlich dunkler als viele andere Marvelfilme (wenngleich auch nicht „Batman-Dunkle“) und weißt deutlich weniger Humor und Slapstick auf. Das tut dem Film aber ganz gut, sorgt für ordentlich Spannung und so ganz kurz kommt der Witz dann doch nicht. Wenn Stranges Umhang beispielsweise einen der Schläger des Antagonisten in Schach hält, fühlt man sich unweigerlich an den Teppich aus Disneys Aladdin erinnert, Stranges arrogante Art kann im Kontext durchaus auch zum Lachen animieren. Inbesondere hervorzuheben sind auch die Bibliotheksszenen mit dem trockenen Bibliothekar „Wong“. Zugeben muss man aber, dass sich all diese „Witze“ auf einer anderen Ebene befinden als in den bisherigen Marvelfilmen.

Eine Bemerkung sollte auch noch gemacht werden zum leidigen Thema „die Wahrheit sagen.“ So wie auch Strange die Magie als gegeben akzeptieren muss – und sie natürlich im Laufe des Films zu nutzen weiß – so muss auch seine Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams) dies tun und das auf unkonventionelle, spannende und gleichzeitig amüsante Weise. Strange hält mit dem, was er ist und was er kann, nicht hinter dem Berg oder versteckt sich hinter einer mittemäßig guten Maske.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass der Film auch visuell alles bisher Dagewesene von Marvel übertrifft, zwar sicherlich an der ein oder anderen Stelle Ideen aufgreift, die man in Inception (2010) schon gesehen hat, diese aber weiterführt und derart visuell aufbereitet und in den Film eingliedert, dass es sich allein schon wegen dieses CGI-Kunstwerks lohnt, den Film zu sehen.
Die Musik von Michael Giacchino (Star Trek) bereichert den Film zusätzlich und bleibt wie durch Zauberkraft im Gehirn hängen.

Alles in Allem ein rundum gelungener Film, der von mir 9/10 Punkten bekommt. Der Abzug resultiert aus der „B-Note“, da der Film doch strukturell sehr ähnlich zu anderen Marvelfilmen bleibt und mit wenig erzählerischen Überraschungen aufwarten kann.

Batman – Houdini


Erschienen ist das Heft auf Deutsch im Jahre 1997 im Carlsen-Verlag. Das amerikanische Copyright beläuft sich auf das Jahr 1993. Geschrieben von Howard Chaykin und John Francis Moore. Gezeichnet von Mark Chiarello.

Inhalt:

Die Geschichte spielt im Jahre 1907, eine Zeit, die ich persönlich künstlerisch schätze.
In Gotham City befindet sich der großartige Zauberer Houdini. Gleichzeitig verschwinden auf mysteriöse Weise in Gotham City Kinder.
Houdini möchte dem Verschwinden der Kinder nachgehen und trifft dabei auf den jungen, verwöhnten Bruce Wayne als auch auf eine riesige Fledermaus, der im Heft als „Bat-Man“ (!) bezeichnet wird. Gemeinsam machen sie sich auf, das Verschwinden der Kinder aufzuklären und nehmen es dabei mit einem ungewöhnlichen Gegner auf, der beide in ihren Überzeugungen und Grundfesten erschüttert.

Rezension/Kritik:

Der Anfang des Heftes macht es einem nicht gerade leicht. Dadurch, dass sich Bruce Wayne und Houdini durch den verwaschenen Zeichenstil sehr ähnlich sehen (beide dunkle Haare, keiner einen Bart), ist es nicht immer einfach, den jeweiligen Sprecher auseinander zu halten. Auch ist nicht von Anfang an klar, wer eigentlich der Erzähler des Hefts ist. Er später wird deutlich, dass es nur Houdini erzählt, obwohl zu Anfang auch Batman der Erzähler sein könnte.

Doch wenn man diese Hürde ersteinmal überwunden hat, kann man viel Freude an diesem Heft haben. Nicht nur die andere Zeit, in der Batman agiert, ist interessant, sondern auch das, womit er es letztenendes zu tun kommt.
Man trifft einerseits auf bekannte Gestalten, wie Vicky Vale (Victoria Vale wird sie im Heft genannt), Alfred (der in diesem Heft ein Dunkelhäutiger ist) und Jack Schadenfreude (Wer sich hinter letzterem verbirgt, brauch ich glaub ich nicht ausführen), auf der anderen Zeite aber auch auf ganz neue Figuren, wie etwa den undurchsichtigen „Rindfleischbaron“ und eine Opernsängerin.
Der Zeichenstil machte es mir einfacher, zu erkennen, in welcher Epoche man sich befindet. Denn auch wenn das Verwaschene, gemalt Wirkende, einem das Erkennen einzelner Figuren nicht leicht macht, hat man doch als Leser schnell das Gefühl, in einer anderen Epoche zu sein. Vielleicht, da der glatte Strich nicht existiert, den man heute so kennt. Damit wird der Eindruck erzeugt, dass man sich nicht in der heutigen Zeit/Moderne befindet, sondern eben in einem für uns etwas „verwaschenen“ Zeitalter (vielleicht etwas überinterpretiert).

Die allgemeine Örtlichkeiten im Heft sich überzeugend ausgesucht worden. Die Fleischfabrik ist ein unheimlicher Ort und wie man im Verlaufe des Hefts feststellt, natürlich nicht ganz koscher. All dies hat auch mit den Kindern zu tun…

Die Zusammenstellung der Protagonisten ist sicherlich interessant. Houdini wirkt für Batman/Bruce Wayne als eine Art Mentor. Vielleicht auch als „kluger Kopf“. Während des Heftes stellt Houdini Batman immer als einen Neuling dar, als jemanden, der lieber Sprengstoff benutzt als Dietriche, vorprescht und teils unüberlegt handelt. Dies ist ein interessanter Schachzug der Autoren, könnte man doch argumentieren, dass Houdini das Hirn/der Geist und Batman der Körper/der Kämpfer ist. Dies stimmt sicherlich nicht in allen Punkten, auch Batman zeigt, dass er Köpfchen besitzt, aber in gewisser Art und Weise scheint es doch so, als habe man den bekannte Batman in einen Bat-Man (!) und einen Houdini aufgetrennt. Interessante Sache in jedem Falle, die Batman nicht als absolut perfekt darstehen lässt.

Das Heft geht relativ schonungslos mit dem Leser um. Zwar werden die Taten von Jack Schadenfreude nicht offen gemalt gezeigt, sondern (meist durch diesen „Verwaschen“-Effekt) nur angedeutet oder angesprochen. Den Rest kann der Leser sich denken und das fand ich schon – sagen wir mal – sehr, sehr düster. Es handelt sich hierbei definitiv um ein Heft, dass für Erwachsene, vielleicht noch ältere Jugendliche gemacht ist. Nicht aber mehr für ein Kind. Dafür sind die Figuren zu skuril, der Zeichenstil zu düster, die Handlung psychisch zu brutal.
Gerade Jack Schadenfreude macht seinem Vorbild alle Ehre, vielleicht setzt er sogar noch einen oben drauf. Das weiß zu gefallen.

Die Geschichte ist gut durchdacht, auch wenn der Leser vielleicht schneller als die handelnden Figuren weiß, wie der Hase läuft. Dies macht aber nicht unbedingt die Geschichte weniger spannend. Als Manko muss man jedoch festhalten, dass die Autoren zwar unglaublich gut starten und eine unheimliche Atmosphäre aufbauen, ihre eigentlichen Antagonisten jedoch bis auf Jack Schadenfreude ein wenig farblos bleiben. Man hätte noch einiges mehr an Spannung rausholen können.
Victoria Vale jedoch weiß zu gefallen.


Fazit:

Persönlich halte ich „Batman – Houdini“ für eine sehr gelungene Elseworthgeschichte, die mit ihren fast 20 Jahren auf dem Buckel immer noch nichts von ihrer Spannung einbüßen konnte. Auch heute noch, wenn man mal überlegt, wie viele Geschichten in den 20 Jahren erzählt worden sind, stellt dieses Heft einen neue Herangehensweise an den Mythos Batman dar, den man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Es gibt Abstriche, dass habe ich bereits gesagt.
Herausheben (eventuell erneut) möchte ich:
– die Zeit. Batman an den Anfang des 20. Jahrhunderts zu versetzten hat was und zeigt, dass die Figur auch dort funktionieren könnte. Ja, sie tut es. Davon würde ich gerne mehr lesen.
– das Setting. Man hat das Gefühl, man befände sich wirklich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeichnungen, die Kleidung, das Auftreten der Figuren ist in sich stimmig.
– das Kostüm von Bat-Man. Ach, ich liebe Kutschermäntel
– der starke Start der Geschichte. Gute Idee, sehr guter Handlanger. Leider schwacher „Endgegner“.
– Houdinis Darstellung. Sie ist ziemlich gut gelunge, vor allem, da Houdini wirklich ein Gegner der Spiritismusbewegung war und maßgeblich daran beteiligt war, dass ein Geldpreis der Zeitschrift „Scientific American“ für den Nachweis von übernatürlichen Aktivitäten nie ausgezahlt werden musste
– der Bat-Man-Bezug. Für alle, die es nicht wissen: Batman sollte/hieß zuerst so.

Eine Rezension in 10 Sätzen – Jim C. Heines: Drei Engel für Armand


Inhalt:

Im Märchenland hat Aschenputtel (eigentlich Danielle) ihren Prinzen geheiratet und ist nun Prinzessin Whiteshore. Doch die Abenteuer sind noch nicht ausgestanden. Die Stiefschwestern haben einen bösartigen Plan geschmiedet, das junge Glück Danielles zu zerstören und entführen Prinz Armand, ihren Mann. Gemeinsam mit Talia und Schnee macht sie sich auf, um ihn zu retten – und erfährt, dass so manch ein Märchen nicht so lief, wie in den Märchen erzählt…..

Kritik:

„Drei Engel für Armand“ ist nicht direkt ein Fantasybuch, sondern wirklich eher dass, was man als Märchen bezeichnet, allerdings wohl kaum für Kinder, sondern für Ältere. Zwar spritzt das Blut nicht literweise, aber gerade die Geschichte von Dornröschen ist beklemmend – und wirft in gewisser Art auch ein anderes Licht auf die grimm’schen Märchen.  Die Handlung bleibt stetig auf einem konstant spannenden Niveau, die Abwandlung der allseits bekannten Märchen trägt auch dazu bei.
Ebenso schafft es Hines, symphatische Charaktere zu kreiren, die alle ihren eigenen Wert in der Geschichte haben und deren unterschiedliche Fähigkeiten sich sehr gut ergänzen. Auch die Antagonisten sind sehr gut gelungen, man kann nicht allen im gleichen Maße Antipathie engegen bringen, sondern kann dies schön ausdifferenzieren.

Daher: 10/10 Punkten

Eine Rezension in 10 Sätzen – Rob Thurman: Nachtgeister


Inhalt:

Der Roman „Nachtgeister“ von der hierzulande recht unbekannten Autorin Robyn Thurman handelt von zwei Brüdern, die gemeinsam das Böse – sie nennen sie „Grendels – bekämpfen. Doch tief in sich drin verbirgt der Jüngere, Cal, ein düsteres Geheimnis, das an die Oberfläche brechen will….

Kritik:

Von dem Klappentext und von dem Verweis, dass Supernatural-Fans dieses Buch lieben werden, muss ich ganz, ganz klar Abstand nehmen. Das Buch wirkt in weiten Teilen eher nach einem Mary Sue Roman, als nach einem Werk mit eigenständigen Charakteren. Selbst als Cal – Kurzform für Caliban – dem Bösen verfällt, wirkt der Roman immer noch bemüht.
Die Protagnisten sind darüberhinaus sehr stereotyp aufgebaut, beide quasi perfekt, sehen gut aus und vor allem Nik, der ältere, kann sehr gut kämpfen. Es ist fast schon lächerlich, wie oft die Erzählfigur Caliban darauf eingeht.
Zwar wird das Buch zum Ende hin wirklich spannend und der große Plan, den die „Grendels“ entwickelt haben, ist tatsächlich durchaus bedrohlich, leider plätschert das Buch bis zu diesem Ende so vor sich hin. Auch als Caliban zum „Bösen“ mutiert, wirkt er durch die Tatsache, dass es immer noch ein Ich-Erzähler ist, nicht gefährlich.

Daher: 5/10 Punkten

Jim Butcher – Dead Beat


Hat sich der Knaur-Verlag doch toll einfallen lassen, die ersten sechs Bände von Jim Butchers wirklich grandioser Reihe „The Dresden Files“ zu veröffentlichen, doch dann waren die beliebten Bücher für den Verlag wohl nicht mehr erfolgreich genug, sprich: Gewinnbringend.

Da ich aber nun mal wissen wollte, wie die Sage um Harry Dresden, den Chicagoger Magier ausgeht, hab ich mir Dead Beat auf Englisch zugelegt. Ich spreche ein ganz passables Englisch und mit dem Lesen hatte ich nie sonderlich große Probleme, aber zwischen deutschen und englischen Texten immer wieder umzuschalten, ist mir während des Semesters immer wieder schwer gefallen. So hab ich erst nach den Klausuren richtig Zeit gefunden das Buch genüsslich zu Ende zu bringen.

Titeldaten:

Titel: Dead Beat

Autor: Jim Butcher

Erscheinungsjahr: 2007

Rezension:

Dead Beat. Zunächst wusste ich nicht so genau, was mit dem Titel gesagt werden sollte. Eins war wohl klar. Der Tod, bzw. in diesem Falle eher der Untot sollten eine große Rolle spielen. Tat er auch. Eine Menge Nekromantie (Totenbeschwörung) wartete in diesem Werk. Die verschiedenen Akteure, die alle unterschiedliche und doch teilweise das selbe Ziel zu verfolgen scheinen, können zu Beginn schon verwirren (was wohl auch mit der Unterbrechung zu tun hatte, die ich beim Lesen einlegen musste).

Harry hat folgendes Problem: Für die Vampirin Mavra muss er ein Buch finden, da diese seine beste Freundin bedroht. Also macht er sich auf, „Das Lied des Erlkönigs“ (ich gebe es hier mal grammatisch korrekt wieder, bei Butcher heißt dieses Werk nämlich: „Das Lied der Erlking“) zu finden, doch nicht nur er, sondern noch einige andere zwielichtige Gestalten sind hinter dem „Lied“ her. Dazu kommt noch, dass einige Nekromanten (Totenbeschwörer) hinter dem „Word of Kemmler“ her sind, wobei Kemmler sich im Laufe des Buchs als Heinrich Kemmler herausstellt. Heinrich Kemmler – ein deutscher Nekromant – hatte eins einen gewaltigen Zauber entdeckt, mit dem man die Menschheit unterjochen kann. Da der Hohe Rat, der Rat der weißen Magier (zu denen auch Harry Dresden gehört), durch einen gewaltigen Krieg mit den Vampiren geschwächt ist, sammeln sich Kemmlers Anhänger um erneut einen todbringen Zauber zu weben um damit zu Macht zu gelangen. So hat Harry alles Hände voll zu tun, die gierige Vampirin zufrieden zu stellen und gleichzeitig die Anhänger Kemmlers von ihrem gewaltigen Zauber abzuhalten.

Sicherlich kein absolut neuer Stoff, aber spannend und rasant erzählt. Die ganze Erzählung verliert nicht an Tempo, sondern bleibt durchweg interessant – und lustig. In dem ganzen Werk kommt nie Langeweile auf und an Überraschungen (vor allem gegen Ende) mangelt es nicht. Durch die  verschiedenen Handlungsstränge zeigt sich Harry Dresden in Bestform. Leider weiß der Leser da teilweise nicht mehr so ganz genau, wo ihm eigentlich der Kopf steht und man muss immer mal wieder überlegen, wer eigentlich zu wem gehört. Sobald man aber einmal erkannt hat, wie der Hase läuft, hat man ein sehr gutes Buch der derzeitigen Urban Fantasy vor sich. Jim Butcher lässt wieder allerlei bekannte, aber auch neue Figuren auftauchen, die entweder ihren alten Charme behalten, oder ganz neue Aspekte in die Geschichte um Harry Dresden einfließen lassen. Die Angestellt einer Buchhandlung sei da nur ein Beispiel.

Interessant ist auch, dass es Butcher in diesem Buch gelingt, eine Seite von seinem Protagonisten darzustellen, die immer mal wieder unter den Tisch fällt. Harry Dresden leidet meiner Meinung nach an Wahnsinn. Und das er geistig nicht mehr ganz auf der Höhe zu sein scheint, wird in diesem Buch deutlich gemacht – oder das seine letzten Abenteuer ihn zumindest mitgenommen haben.

Alles in allem auf jeden Fall wieder ein Werk von Jim Butcher, das sich zu lesen lohnt – schade nur, dass sie wahrscheinlich nie in deutscher Sprache erscheinen werden. Wert wär die Reihe es auf jeden Fall.

Sturmnacht – Jim Butcher


Jim Butchers Roman „Sturmnacht“ war der Glücksgriff auf einem Bücherbummel vor zwei Jahren. Und damit eröffne ich hier auch meinen Blog.

Titel: Sturmnacht

Autor: Jim Butcher

Reihe: Die dunklen Fälle des Harry Dresden


Rezension:

Das Buch mit dem roten Umschlag und der stilisierten Teufelsmaske auf dem Umschlag, machte auf den ersten Blick nicht gerade viel her. Auf den zweiten Blick war es eins der besten Bücher, dass ich mir in den letzten Jahren kaufte.

„Mein Name ist Dresden, Harry Dresden“, so der erste Satz auf dem Klappentext. Ein bisschen, wie in einem der guten alten James Bond Filme. Und so ein bisschen ließt sich das Buch auch – aber nur ein ganz kleines bisschen.
Harry Dresden, Protagonist des Romans ist ein Magier, der einzige Magier mitten in Chicago, wo er ein Detektivbüro betreibt, welches eher schlecht als recht läuft.

Doch dann wird Chicago von einer bizzarren Mordserie erschüttert, die Polizei steht vor einem Rätsel und Harry, dem doch irgendwie liebenswerten Kautz mit seinem Kater Mister und dem alten, „blauen“ VW-Käfer, ist klar, hier ist Magie im Spiel.

Es folgt keine rein fantastische Geschichte, sondern eine wirklich meisterhafte Mischung von Fantasy- und Kriminalroman.

Es geht stehts rasant zu, so dass es einem auf den etwa 300 Seiten niemals  langweilig wird. Im Gegensatz zu vielen andern Büchern verliehrt der Roman weder an Tempo noch an Spannung und behält gleichzeitig immer wieder Stellen zum Schmunzeln bereit, gerade dann, wenn Harry wieder einen zynischen Kommentar gegenüber seines sprechenden Totenschädels „Bob“ gibt.

Dass kaum Technik in Harrys Leben eine Rolle spielt, lässt ihn einerseits zu einem sehr schönen Detektiv der 20er Jahre (des 20. Jahrhunderts), aber durch die Einbettung in eine moderne Umgebung auch wie ein Mensch des 21. Jahrhunderts werden. Sein Problem mit Technik wird innerhalb des Buches noch sehr souverän erklärt, weshalb gerade auch der blaue VW zu einem Lieblingsobjekt der Romanreihe werden kann.

Jim Butcher schafft es mit seinem Roman ein wirklich gutes Erstlingswerk mit vielen ebenso guten Nachfolgern zu schreiben.

Leider wird die Reihe in Deutschland mittlerweile nicht mehr gedruckt, in den USA, bleibt sie aber ein Renner. Mit Filmen und auch Graphic Novels (eine auch in Deutschland erschienen) zeigt sich, dass hinter der Figur des Harry Dresden viel Potential steht, was sicherlich genutzt und genossen werden sollte.

Fazit:

Eine wirklich lesenswerte Reihe für all diejenigen, die Urban-Fantasy lieben oder die jenigen, die es kennen lernen wollen. Eine (fast) perfekte Vereinigung von Witz, Spannung, Charme, der Moderne und den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wer sich sehr stilvoll unterhalten lassen will – für den ist dieses Buch genau das richtige.