Filmrezension – Doctor Strange (Film)


Inhalt: 

Stephen Strange ist ein begnadeter Chirurg, allerdings ein menschlicher Totalausfall: Egozentrisch, narzisstisch, eingebildet, hochnäsig und alles in Allem ziemlich unausstehlich. Doch nach einem schweren Autounfall verliert er die Fähigkeit als Chirurg zu praktizieren, sein Leben liegt in den Trümmern seines teuren Wagens begraben. Voller Verzweiflung und Zorn über den Verlust, gibt er sein ganzes Vermögen für sinnlose Operationen aus, schlägt Warnungen und Vorschläge von Freunden und Kollegen in den Wind, nur um am Ende feststellen zu müssen, dass ihm die Medizin nicht helfen kann. Von einem Therapeuten erfährt er, dass dieser vor einigen Jahren einen Patienten hatte, der wider aller Wahrscheinlichkeit nach einer schweren Rückenverletzung doch wieder laufen konnte. Strange nimmt Kontakt zu diesem Mann auf und erfährt, dass dieser in Nepal Heilung gefunden haben. Von seinem letzten Geld finanziert sich Strange, der sich in seiner letzten Hoffnung an jeden Strohhalm klammert, einen Flug nach Nepal, um dort an einem Ort namens Kamar-Taj zu erfahren, wie er geheilt werden kann. Doch statt Heilung entdeckt er dort eine Welt jenseits seiner Vorstellungskraft. Magie, Zauberei, alte Wesenheiten, andere Dimensionen. Nach anfänglicher Skepsis möchte Strange mehr über diese Welt erfahren und bald muss er sich die Frage stellen, ob er sein altes Leben überhaupt wiederhaben möchte. Dann überschlagen sich die Ereignisse…

Kritik (enthält eventuell Spoiler):

Doctor Strange ist ein erfrischend „anderer“ Marvel-Superheldenfilm. Weniger aufgrund der Struktur, die erinnert doch sehr an andere Produktionen des Genres, als vielmehr aufgrund der Charakterdarstellung und der endlich mal nicht technisierten und entmystifizierenden Erklärungen unerklärbarer Phänomene – selbst Lokis Stab entpuppte sich ja als künstliche Intelligenz. Magie existiert einfach und die Charaktere, allen voran Strange, haben dies zu akzeptieren. Das unterscheidet den Film deutlich von allen Marvelfilmen der letzten zehn Jahre, in denen selbst im mystischen Asgard alles technologisch erklärbar sein musste. In „Doctor Strange“ funktioniert das nicht – und der Zuschauer sollte eine Erklärung für diese magische Welt weder suchen noch erwarten.
Sich fallen lassen ist das Motto des rund zweistündigen Films, sich fallen lassen und genießen, wie Strange und all die anderen Zauberer die Grenzen der Physik aufheben, magische Waffen und Schilde erschaffen und aufgrund ihrer Fähigkeiten die Realität im wahrsten Sinne des Wortes ins Rutschen und Wanken bringen.

Dazu kommen eine für Marvelverhältnisse ausgesprochen gut ausgearbeitete Reihe von Charaktere. Allen voran Dr. Strange selbst, großartig gespielt von Benedict Cumberbatch. Mögen kann man den Chirurgen zu Anfang kaum, in seiner Arroganz und seinem Egozentrismus verschreckt er nicht nur alle Personen um sich herum, sondern auch die Zuschauer im Kinosaal. Der Unfall ändert ihn in Bezug auf diese Charaktereigenschaften zunächst nur wenig – anders als beispielsweise Tony Stark, der nach seinem Aufenthalt in Afghanistan gleich seine ganze Firma umkrempelt und selbst zu einem Mann wird, der das bekämpft, wovon er vorher lebte. Die erste Feststellung, die Strange nach seiner OP trifft, als er seine Hände in den Fixateuren sieht, ist, dass er es besser gekonnt hätte als seine Kollegen. Seine Hände hätte retten können. Selten ist ein menschlicher Absturz so glaubwürdig in einem Marvelfilm thematisiert worden. Der Zorn, der Strange antreibt, seine pure Verzweiflung aber auch seine Weigerung, einen neuen Weg einzuschlagen, passen nicht nur zum Charakter, sondern sind eine typisch menschliche Eigenart. Sturheit. Kaum Reue durchzieht den Charakter auch nach dem Unfall. Dies ändert sich erst während des Aufenthaltes in Kamar-Taj, und auch hier nur sehr langsam. Erst die Einführung in die Welt der Magie durch die Älteste/The ancient one (Tilda Swinton), kann etwas an Stranges Einstellung ändern und dies mit einer Wucht, die den Zuschauer durch geschickt gewählte, gigantische Bilder aus dem Kinosessel zu reißen vermag.
Vor allem an Strange selbst, aber auch an anderen Figuren, kann man ablesen, was diesen Film noch von vielen bisher dagewesenen Marvelfilmen unterscheidet: eine subtile, glaubwürdige Charakterentwicklung. Den Drehbuchautoren ist hier etwas gelungen, was sehr häufig misslingt oder gar nicht erst versucht wird: Strange entwickelt sich so, wie sich ein Mensch entwickeln würde. Er wird nicht plötzlich zum guten Menschen und strahlenden Helden. Die Entwicklung zum Helden passiert langsam, in Teilen ungewollt seitens des Hauptcharakters und bis kurz vor Schluss sieht man, dass Strange daran zweifelt, was er eigentlich mit seinem neugewonnenen Wissen machen möchte, ob er die Aufgabe, die ihm Kamar-Taj zuweisen möchte annimmt oder die Magie wie viele andere auch, nur als Mittel zum Zweck einsetzt um sich selbst ein besseres Leben zu verschaffen.

Doch nicht nur der Protagonist ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass auch Comiccharaktere glaubwürdig sein können: Auch der Antagonist, gespielt von Mads Mikkelsen, ist definitiv einer besten Marvelantagonisten und neben Loki und vielleicht Ivan Vanko (Whiplash/Iron Man 2) einer der, wenn nicht sogar „DER“ glaubwürdigste Antagonist. Dies liegt nicht an einer komplizierten Herkunftsgeschichte oder an einer besonders herausragenden Bösartigkeit. Ganz im Gegenteil: Verblendet, aber aus seiner Position heraus in sich logisch, schlüssig, nachvollziehbar und gut durchdacht arbeitet sich Kaecilius durch den Plot. Bisher fehlte es gerade im Marveluniversum an glaubwürdigen, in sich schlüssigen Schurken. Diese müssen keinen vollständig durchdachten Plan haben – erkennt man besonders gut (auch streitbar) am Joker aus „The Dark Knight“ – aber sie müssen in sich schlüssig handeln.

Man darf sich nichts vormachen: Doctor Strange ist deutlich dunkler als viele andere Marvelfilme (wenngleich auch nicht „Batman-Dunkle“) und weißt deutlich weniger Humor und Slapstick auf. Das tut dem Film aber ganz gut, sorgt für ordentlich Spannung und so ganz kurz kommt der Witz dann doch nicht. Wenn Stranges Umhang beispielsweise einen der Schläger des Antagonisten in Schach hält, fühlt man sich unweigerlich an den Teppich aus Disneys Aladdin erinnert, Stranges arrogante Art kann im Kontext durchaus auch zum Lachen animieren. Inbesondere hervorzuheben sind auch die Bibliotheksszenen mit dem trockenen Bibliothekar „Wong“. Zugeben muss man aber, dass sich all diese „Witze“ auf einer anderen Ebene befinden als in den bisherigen Marvelfilmen.

Eine Bemerkung sollte auch noch gemacht werden zum leidigen Thema „die Wahrheit sagen.“ So wie auch Strange die Magie als gegeben akzeptieren muss – und sie natürlich im Laufe des Films zu nutzen weiß – so muss auch seine Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams) dies tun und das auf unkonventionelle, spannende und gleichzeitig amüsante Weise. Strange hält mit dem, was er ist und was er kann, nicht hinter dem Berg oder versteckt sich hinter einer mittemäßig guten Maske.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass der Film auch visuell alles bisher Dagewesene von Marvel übertrifft, zwar sicherlich an der ein oder anderen Stelle Ideen aufgreift, die man in Inception (2010) schon gesehen hat, diese aber weiterführt und derart visuell aufbereitet und in den Film eingliedert, dass es sich allein schon wegen dieses CGI-Kunstwerks lohnt, den Film zu sehen.
Die Musik von Michael Giacchino (Star Trek) bereichert den Film zusätzlich und bleibt wie durch Zauberkraft im Gehirn hängen.

Alles in Allem ein rundum gelungener Film, der von mir 9/10 Punkten bekommt. Der Abzug resultiert aus der „B-Note“, da der Film doch strukturell sehr ähnlich zu anderen Marvelfilmen bleibt und mit wenig erzählerischen Überraschungen aufwarten kann.

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Eine Rezension in 10 Sätzen – Rob Thurman: Nachtgeister


Inhalt:

Der Roman „Nachtgeister“ von der hierzulande recht unbekannten Autorin Robyn Thurman handelt von zwei Brüdern, die gemeinsam das Böse – sie nennen sie „Grendels – bekämpfen. Doch tief in sich drin verbirgt der Jüngere, Cal, ein düsteres Geheimnis, das an die Oberfläche brechen will….

Kritik:

Von dem Klappentext und von dem Verweis, dass Supernatural-Fans dieses Buch lieben werden, muss ich ganz, ganz klar Abstand nehmen. Das Buch wirkt in weiten Teilen eher nach einem Mary Sue Roman, als nach einem Werk mit eigenständigen Charakteren. Selbst als Cal – Kurzform für Caliban – dem Bösen verfällt, wirkt der Roman immer noch bemüht.
Die Protagnisten sind darüberhinaus sehr stereotyp aufgebaut, beide quasi perfekt, sehen gut aus und vor allem Nik, der ältere, kann sehr gut kämpfen. Es ist fast schon lächerlich, wie oft die Erzählfigur Caliban darauf eingeht.
Zwar wird das Buch zum Ende hin wirklich spannend und der große Plan, den die „Grendels“ entwickelt haben, ist tatsächlich durchaus bedrohlich, leider plätschert das Buch bis zu diesem Ende so vor sich hin. Auch als Caliban zum „Bösen“ mutiert, wirkt er durch die Tatsache, dass es immer noch ein Ich-Erzähler ist, nicht gefährlich.

Daher: 5/10 Punkten

Jim Butcher – Proven Guilty


Heute mal wieder etwas von Harry Dresden, Chicagos einzigem Detektiv, der auch so einiges an magischen Kräften zu bieten hat. Ich habe mittlerweile die ersten acht Bände gelesen und „Proven Guilty“ ist wirklich eines der Besten.

Hier erstmal die Titeldaten:

Titel: Proven Guilty

 

Autor: Jim Butcher

Erscheinungsjahr: 2006

Rezension:

Inhalt:

Es geht um sehr viele verschiedene Dinge in diesem Buch. Im Vordergrund stehen jedoch einige merkwürdige Todesfälle und Krankheiten, die ganz offensichtlich von aus Horrorfilmen beschworenen Wesen ausgelöst worden sind. Natürlich versucht Harry zuerst einmal herauszufinden, wer dahinter steckt, gleichzeitig hat er es aber mit Molly, der Tochter seines Freundes Michael, und dessen sehr energischer Frau Charity zu tun. Doch auch der „White Council“ und Harrys neue Verpflichtung als Wächter haben große Aufgaben für den Magier. Er soll mit den Sidhe (Feen) in Kontakt treten um sie zu einem Kampf gegen den „Roten Hof“, die Vampire zu führen.Familiäre Probleme mit seinem Bruder Thomas und der Polizistin Murphy stehen auch noch auf dem Programm…

Kritik:

Proven Guilty, zu deutsch etwa „Erwiesen Schuldig“ ist ein Buch, welches viele alte Handlungsfäden aus den vorhergegangen Harry Dresden Teilen wieder aufgreift und auch den ein oder anderen Charakter, der längere Zeit abstinent war. Das Wiedersehen ist in weiten Teilen sehr erfreulich. Gerade der Ritter Michael, den man schon vermisst hatte, spielt hier – wenngleich auch eher eine kleine – Rolle. Eine ganz große hingegen spielt seine Tochter Molly, deren Freunde einem mysteriösen Schwarzmagier zum Opfer fallen. Das aber auch mit ihr was nicht stimmt, erfährt der Leser doch sehr früh. Das Buch bleibt jedoch durchgehende spannend, da sich nicht nur die Geschichte in sich stringend fortentwickelt, sondern auch die Handlungsfäden aus den vorhergegangen Teilen aufgreift und weiter führt. So wird immer eindringlicher, wie schlecht die Situation für den „White Council“ – den Rat der weißen Magier – in Bedrängnis geraten ist.

Die Sidhe spielen erneut eine sehr große Rolle und man darf gespannt sein, wie sich die Geschichte hier weiterentwickelt, vor allem im Hinblick auf kommende Titel.

Doch lassen sich an diesem Buch auch einige – wenn auch kleinere – Schwächen bemerken. So ist der Charakter von Michaels Tochter Molly zeitweise etwas blutleer. Mit dem Charakter warm zu werden, kann sich durchaus als schwierig gestalten. Sie ist keine direkte Identifikationsfigur für den Leser, außer, dieser ist eine Art Cyperpunkt mit einer großen Liebe zu Horrorfilmen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb es so scheint, dass sich Harry eher Gedanken um seine Beziehung zu Michael macht, als um Molly selbst. Beim Lesen kann dann schnell das Gefühl aufkommen, Harry nimmt all die Aufopferung nicht auf sich um ein junges Mädchen zu retten, sondern um sein eigenen schlechtes Gewissen vor Michael zu reinigen.

VORSICHT SPOILER

Vielleicht stößt es deshalb auch etwas übel auf, dass Molly sich letztendlich nicht nur als Urheberin der ganzen schrecklichen Taten entpuppt (das erwartet man als Leser aber durchaus auch schon länger) sondern auch großes magisches Potential besitzt – wie auch ihre Mutter, die dieses jedoch verleugnete. Das dadurch für Molly die Gefahr erwächst, wegen Übertretung der magischen Gesetzte, bzw. Nutzung schwarzer Magie verurteilt zu werden, liegt für den Leser recht zeitig auf der Hand. Es ist eine durchaus interessante Frage, wie Harry dieses Dilemma lösen wird. Aber für den Leser stellt sich weniger die Frage nach dem Tod Mollys, sondern nach der Frage, wie Harry damit umgeht, die Tochter seines besten Freundes möglicherweise dem Tod zu übergeben.

Fazit:

Auch dieses Buch ist wieder ein Muss für einen Harry-Dresden Fan. Einem Neueinsteiger würde ich es nicht empfehlen, dazu wird zu viel Bezug auf vorangegangen Bücher genommen, auch ist es nicht der stärkste Band der Reihe.

PS: Es wird vielleicht so manch einen erfreuen: Die Harry-Dresden-Reihe scheint in einem anderen Verlag auch auf DEUTSCH wieder zu erscheinen, nachdem sie für Knaur wohl nicht genügend Geld abgeworfen hat.

Simon R. Green – Wächter der Menschheit


Das Titelbild ist noch schlimmer als der Titel. Ich fands so kitischig. Allerdings gefiel mir aus irgendeinem wirklich seltsamen Grund wohl der Klappentext. Hab es dann aus einer Laune heraus erworben – im Bahnhofskiosk. Ich muss gestehen: Es war wohl eins der Bücher, die ich am schnellsten (rein von der Lesezeit her gesehen) gelesen haben. Nicht etwa, wie bei manch anderem Werk weil man die Hälfte überlesen kann, sondern weil es einfach schnell zu lesen war. Nun, auf zur Rezension.

Titeldaten:

Titel: Wächter der Menschheit

Autor: Simon R. Greeen

Originaltitel: The man with the golden torc


Rezension:

Da haben es die deutschen Übersetzter wirklich wieder geschafft. Einen Titel so zu verhunzen, dass der Witz absolut verloren geht. Ist mir eigentlich erst beim zweiten Werk (Krieg der Wächter – englisch. Daemons are forever) aufgefallen, aber „The Man with the golden Torc“ ist eine wirklich deutliche Anspielung auf „The man with the golden gun“ (zu deutsch: Der Mann mit dem goldenen Colt). Einer DER James Bond Klassiker. (Genauso wie Diamantenfieber). Dank des im Deutschen wirklich unglücklichen Titels geht tatsächlich eine Menge verloren. Nicht nur die Anspielung auf die Tarnidentität des Protagonisten (Shaman Bond), als auch sein Job als „Frontagent“ einer außergewöhnlichen Familie. Tja, einen herzlichen Dank an die deutschen Übersetzter.

Genug zum Titel. Auf zum Inhalt.

Der Frontagent Eddie Drood, Mitglied einer Familie, die die Geschicke der Menschheit überwacht und gegen allerlei fieses Kroppzeug kämpft, wird von seiner Familie verstoßen, obwohl er nichts getan hat. Er möchte wissen was los ist und entdeckt dabei ein fürchterliches Geheimnis, dass seine doch so gute Familie versteckt. Doch bis er das herausfinden kann, muss er eine Menge Dämonen oder ähnliches bekämpfen – und das in seiner goldenen Rüstung, die ihn unverbundbar macht.

Womit wir auch direkt beim Thema wären: Das Buch abgefahren zu nennen ist untertrieben. Allein die Figuren, die auftreten sind zum Schießen. Nicht immer positiv, aber häufig sehr lustig. Es ist das, was das Buch einfach zu lesen macht, aber auch das, was einen stört. Denn egal, wie gefährlich – oder skurill – die auftauchenden Dämonen sind, der Protagonist kann sie alle bekämpfen. Die einzige Gefahr geht eigentlich von den merkwürdigen Spielzeugen seines Onkels Jack (nein, er wird nicht J. genannt) aus, den alle nur „den Waffenmeister“ nennen. Nebenbei hat er auch eine merkwürdige Krankheit, die jedoch auch nicht wirklich so gefährlich zu sein scheint, dank Ich-Erzählers ist eigentlich gegeben, dass er überlebt. Man kann hier sagen, dass dies die größte Schwäche des Buches ist, die ständige Überlegenheit aller Droods und der goldenen Rüstungen, in die sie sich hüllen können. Das nimmt dem Buch eine ganze Menge Spannung und lässt die Familienmitglieder wie Götter in der Menschenwelt. Das kann einem schnell zuwider werden, da es sich über sehr viele Seiten zieht.

Allerdings ist positiv der flotte Schreibstil anzumerken. Auch wenn nie eine wirkliche Gefahr für den Helden zu bestehen scheint, passiert doch stets was, so dass einem als Leser niemals langweilig wird. Man beginnt sich eher für das Leben der Nebenfiguren zu interessieren, da doch gerade die interessantesteste, die sogenannte „wilde Hexe Molly Metcalf“, nicht unsterblich ist, wohl aber eine ungeheure Zaubermacht besitzt (was sie leider in der ein oder anderen Szene auch übermächtig erscheinen lässt).

Fazit:

Für Leute, die sich eher dafür eine „realistische“ und „gefährliche“ Urban Fantasy interessieren sollten meiner Meinung nach – sollten sie nicht wirklich was einfaches und lustiges lesen wollen – die Finger eher von dem ersten Teil dieser Reihe lassen. (der zweite ist deutlich spannender). Ansonsten würde ich sagen: Wer sich für sowas interessiert und unterhalten werden will – ohne dabei das neuste Buch eines Komikers lesen will. Es ist nicht schlecht, versteht mich nicht falsch, aber doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Garry Kilworth – Die Engel


Es ist momentan in Mode, Bücher „Die Zwerge“, „Die Elfen“, „Die Zombies“, „Die Dunkelelfen“ oder „Die Vampire“ zu nennen. Ein weiteres Beispiel dafür ist das Buch „Die Engel“. Geschrieben im Jahr 1993/1994. Verdammt lang her, wenn man das so überlegt. Damals war ich vier, bzw. fünf. Hätte nie dran gedacht, mal ein Buch mit über 600 Seiten zu lesen. Nun, wir sind jetzt sechzehn Jahre weiter in der Zukunft und Heyne hat es wirklich geschafft, dass Buch zu veröffentlichen. Wäre es schlimm gewesen, es nicht zu tun?

Titeldaten:

Titel: Die Engel

Autor: Garry Kilworth

Erscheinungsdatum: 1994


Rezension:

„Die Engel“ hab ich mir spontan gekauft.  Ich mag Geschichten, in denen Engel auftauchen. Erst zuhause bemerkte ich, dass das Buch ja schon etwas älter war – wenngleich erstmalig in Deutschland zu lesen. Davon war im Werk selbst nicht viel zu spüren. Handys und Computer spielen zwar noch nicht so eine wichtige Rolle wie in vielen Werken der heutigen Zeit, aber das tut gerade der Sympathie der beiden Protagonisten, dem Polizisten Dave (den man Mutter Teresa nennt), sowie des knuddeligen Sergant Danny (Bruder Tuck – der so gar nicht ist wie der Mönch) gar keinen Abbruch – und man vermisst auch nicht den übermäßigen Technikgebrauch ;).

Die Arbeit der beiden Polizeibeamten läuft eigentlich recht gewöhnlich ab. Doch dann werden sie gemeinsam auf einen Brandstifter angesetzt, der in San Francisco schon etliche Feuer entzündet hat, die keinen direkte natürliche Ursache haben und als „weiße Feuer“ bezeichnet werden. Im Laufe der Geschichte stellt sich dann heraus, dass dahinter ein Engel steckt, der Dämonen töten soll. Als der Engel schließlich selbst zum Dämonen wird, wird es für die beiden Cops richtig gefährlich.

Hier musste ich zum ersten Mal stutzen. Nach nicht einmal der Hälfte des Buches fragte ich mich, wie der Autor es schaffen will, auch noch die letzten 300 Seiten zu füllen, denn dem Leser waren eigentlich alle wichtigen Fakten bekannt. Ein wenig überrascht stellte ich dann fest, dass das Buch ja aus zwei Teilen besteht. Der erste Teil, „Angel“ oder „Feuerengel“, gestalt sich dabei meines Erachtens nach etwas liebloser und einfacher als der zweite Teil „Archangle“ oder auch „Erzengel“.

Hier bekommt das Handeln der Engel und Dämonen plötzlich einen ganz anderen Zusammenhang und ist nicht nur lose mit dem Schicksal der Cops verbunden. Figuren, die schon im ersten Teil eine wichtige Rolle spielten, haben auch hier wieder Auftritte und werden teils zu bedeutenden Figuren.
Der zweite Teil ist unheimlicher und auch bedrohlicher als der erste. Das der Diener des Teufels hier maßgeblich die neun Plagen auf die Welt loslässt (dies ist schon nach den ersten zwei Kapiteln klar), macht eine wirkliche Bedrohung deutlich, die Anpassung der Plagen auf die moderne Welt ist Kilworth wirklich gut gelungen.

Auffällig an Kilworth sind seine doch recht häufigen Sexszenen, die sich nicht nur auf eine Figur des Buches beschränken, sondern gleich auf mehrere. Quasi jede Figur hat sein eigene Szene. Etwas seltsam mutete die beschriebene Vergewaltigung eines Mannes an, ist für mich aber literarisch auch Neuland gewesen. Ob hier eine Beschreibung jedoch notwendig gewesen wäre, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall wird hier die Grausamkeit des Antagonisten deutlich – wenn nicht vielleicht sogar überdeutlich.

Letztendendes ist auch zu bemerken, das Buch dafür, dass es den Titel „Engel“ nicht nur im Deutschen, sondern auch im Englischen trägt, relativ wenig mit Engeln zu tun hat, sondern die Rollen der Polizisten und der Dämonen sehr viel stärker im Vordergrund stehen. So taucht der Erzengel, der dem zweiten Teil des Buches den Namen gibt, nur an einer Stelle auf – bzw. der Leser erfährt in etwa, wie man ihn sich vorzustellen hat. Ich habe diese Tatsache deshalb schade gefunden, weil ich ein Buch erwartete, in dem Engel auch die Hauptrolle spielen. Die Idee, die ganze Geschichte über die Polizisten aufzuziehen war gut, ohne Zweifel, die Frage ist nur, ob dann nicht der Titel einfach irreführend ist.

Ich hätte mehr Engel erwartet.

Fazit:

Es ist ein nettes Buch für zwischendurch, die Übersetzung auf jeden Fall wert. Man sollte allerdings nicht zu viel erwarten. Wer hofft, es mit Engeln mit Flügeln zu tun zu bekommen, wird schnell enttäuscht. Ich würde Leuten zum Kauf raten, die eine Mischung aus Kriminal- und Fantasyroman nicht abschrecken würde. Wer nur eins von beiden wirklich gut findet, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Dazu ist es auch einfach zu teuer.

Markus Heitz – Blutportale


Auf das Buch „Blutportale“ habe ich mich gefreut, seit Markus Heitz den Roman damals ankündigte, als ich auch einer seiner Lesungen war. Damals hatte ich den ersten Teil der Zwerge und Ritus gelesen und war total begeistert, ihn auch mal kennen zu lernen. Nun… Aber ich wollte ja über das Buch schreiben, nicht über die Lesung.

Ich hatte mir das Werk bereits im Februar gekauft und war leider nicht dazu gekommen, es zu lesen.

Nun war es endlich soweit. Und ich habe es verschlungen.

Titeldaten:

Titel: Blutportale

Autor: Markus Heitz

Erscheinungsjahr: 2008

Rezension:

Markus Heitz legt mit seinem Buch „Blutportale“ erneut ein Werk der Extra-Klasse im Urban-Fantasy Bereich vor. Manch einer wird es eher als Contemporary Fantasy bezeichnen, aber die Diskussion ist hier unwichtig. Das Buch führt zu Anfang – anders als etwa Ritus und Sanctum – ein wenig nach Indien. Nicht, dass ein Teil des Werkes in Indien spielt, das nicht, allerdings ist der männliche Protagonist Will(helm) Gul Inder und kehrt dies auch nach außen. Dass er zudem noch Florist ist, zeigt, dass Heitz wohl daran gelegen war, einen möglichst menschlichen Charakter zu schaffen. Das gelingt ihm hier. Will Gul dürfte wohl den allermeisten Lesern von Beginn an sympatisch sein.

Der Roman beginnt erschreckend blutig, man sollte jedoch nicht vergessen, dass Markus Heitz von seinen Büchern zum Teil selbst sagt, sie seien ab 16. Spätestens der Beginn dieses Buches verdeutlicht, warum.  Dieses Buch ist im Gesamten nichts für schwache Gemüter. Ist man einmal über die ersten sechzehn blutigen Seiten des Romans hinweg, beginnt die eigentliche Geschichte.

Die Fechterin Saskia begegnet ihrem größten Widersacher bei einem Fechtturnier. Dieser führt ihr einige merkwürdige Schnitte zu, die sie zunächst nicht weiter beachtet. Nachdem jedoch bei einer Feier die gesamte Partygesellschaft ausgelöscht wird, beginnt sie sich darüber Gedanken zu machen, ob sie vielleicht daran schuld ist. Es stellt sich heraus, dass sie eine „Öffnerin“ ist und verschiedenen Dingen öffnen kann. Nicht nur Türen, sondern auch Menschen, Tiere und Gefühle. Sie soll für einen Dämon namens Levantin das sogenannte Blutportal öffnen, damit dieser wieder in seine Heimat zurückkommen kann. Doch dafür benötigt sie einige Artefakte, hinterdem jedoch auch noch andere zwielichtige Gestalten her sind, die diese Artefakte dazu nutzen wollen, ihren gefürchteten Gott/Dämon in die Welt der Menschen zu holen.

Der Roman, dass muss man Heitz wirklich lassen, verliert nirgendwo an Fahrt. Ironischerweise hatte meine Ausgabe des Buches 666 Seiten, sehr verdächtig, wenn man ein Buch über Dämonen ließt. Und sie waren 666 voller Spannung und Abwechslung. So schafft es Heitz nicht nur eine spannende Suche nach den Artefakten zu beschreiben,  sondern auch noch historische Gegebenheiten näher zu erläutern, sowie seine Figuren so darzustellen, dass sie nicht plakativ, sondern durchaus facettenreich wirken. Besonders Will Gul wandelt sich vom so schüchternen Floristen hin zu einem starken Mann, der seine dunklen Seiten entdeckt. Zwar ist er streckenweise wirklich sehr blutig – so, dass ich mir teilweise dachte, es sei schon zu viel – aber nach dem vierten Buch von Heitz sollte ich mich – sollte man sich – daran gewöhnt haben. Vielleicht könnte man auch sagen, dass Heitz eine Mischung aus Fantasy und Horror präsentiert, wobei der Horror einen ganz erheblichen Teil zu dem unverwechselbaren Charakter des Autors beiträgt.

[Vorsicht Spoiler!]

Heitz zieht zudem in diesem Roman eine Verbindung zu seinen anderen Horror-Urban-Fantasy Büchern Ritus und Sanctum (über den schon aus diesen Büchern bekannten Charakter Justine) aber auch zu Kinder des Judas. Damit macht Heitz klar, dass all diese Geschichten in einem Universum spielen. Das eröffnet eine Menge Möglichkeiten, gerade auch im Hinblick auf mögliche Zusammenkünfte diverser Protagonisten. Aber es macht auch deutlich, dass Heitz möglicherweise einen sehr viel tiefgehenderen Plan verfolgt, was ich sehr reizend finde.

Werwölfe, Vampire, Dämonen, all dies sind natürlich Phänomene, die zusammengehören und die Heitz in seinem neuen Roman wirklch gekonnt zusammen bringt  – und definitiv auf mehr hoffen lässt. So kann Justine hier noch mal zeigen, was sie ist und wozu sie in der Lage ist. Und sie zeigt hier viel deutlicher ihrer gute und moralische Seite, was doch sehr erfreuend ist, da der Charakter einen Art Renaissance erleben darf. Ich hoffe, dass das auch noch mit anderen Charakteren, wie etwa Eric von Kastell aus Ritus/Sanctum.

[Spoiler endet]

Fazit:

Ich bin wirklich begeistert von Heitz‘ neuem Werk. Es hat unglaublichen Spaß gemacht, es zu lesen und ich war wirklich enttäuscht, als ich die letzte Seite gelesen hatte.

Für all diejenigen, die weniger schwachen Gemüts sind, mit Blut, Dämonen, Vampiren und ähnlichen Gestalten gut klar kommen und die wirklich in diese Richtung gut unterhalten werden wollen, ist dieses Buch wirklich genau das richtige. Von mir gibt es wirklich nur eine Empfehlung für dieses Buch – nichts zu meckern.

Jim Butcher – Dead Beat


Hat sich der Knaur-Verlag doch toll einfallen lassen, die ersten sechs Bände von Jim Butchers wirklich grandioser Reihe „The Dresden Files“ zu veröffentlichen, doch dann waren die beliebten Bücher für den Verlag wohl nicht mehr erfolgreich genug, sprich: Gewinnbringend.

Da ich aber nun mal wissen wollte, wie die Sage um Harry Dresden, den Chicagoger Magier ausgeht, hab ich mir Dead Beat auf Englisch zugelegt. Ich spreche ein ganz passables Englisch und mit dem Lesen hatte ich nie sonderlich große Probleme, aber zwischen deutschen und englischen Texten immer wieder umzuschalten, ist mir während des Semesters immer wieder schwer gefallen. So hab ich erst nach den Klausuren richtig Zeit gefunden das Buch genüsslich zu Ende zu bringen.

Titeldaten:

Titel: Dead Beat

Autor: Jim Butcher

Erscheinungsjahr: 2007

Rezension:

Dead Beat. Zunächst wusste ich nicht so genau, was mit dem Titel gesagt werden sollte. Eins war wohl klar. Der Tod, bzw. in diesem Falle eher der Untot sollten eine große Rolle spielen. Tat er auch. Eine Menge Nekromantie (Totenbeschwörung) wartete in diesem Werk. Die verschiedenen Akteure, die alle unterschiedliche und doch teilweise das selbe Ziel zu verfolgen scheinen, können zu Beginn schon verwirren (was wohl auch mit der Unterbrechung zu tun hatte, die ich beim Lesen einlegen musste).

Harry hat folgendes Problem: Für die Vampirin Mavra muss er ein Buch finden, da diese seine beste Freundin bedroht. Also macht er sich auf, „Das Lied des Erlkönigs“ (ich gebe es hier mal grammatisch korrekt wieder, bei Butcher heißt dieses Werk nämlich: „Das Lied der Erlking“) zu finden, doch nicht nur er, sondern noch einige andere zwielichtige Gestalten sind hinter dem „Lied“ her. Dazu kommt noch, dass einige Nekromanten (Totenbeschwörer) hinter dem „Word of Kemmler“ her sind, wobei Kemmler sich im Laufe des Buchs als Heinrich Kemmler herausstellt. Heinrich Kemmler – ein deutscher Nekromant – hatte eins einen gewaltigen Zauber entdeckt, mit dem man die Menschheit unterjochen kann. Da der Hohe Rat, der Rat der weißen Magier (zu denen auch Harry Dresden gehört), durch einen gewaltigen Krieg mit den Vampiren geschwächt ist, sammeln sich Kemmlers Anhänger um erneut einen todbringen Zauber zu weben um damit zu Macht zu gelangen. So hat Harry alles Hände voll zu tun, die gierige Vampirin zufrieden zu stellen und gleichzeitig die Anhänger Kemmlers von ihrem gewaltigen Zauber abzuhalten.

Sicherlich kein absolut neuer Stoff, aber spannend und rasant erzählt. Die ganze Erzählung verliert nicht an Tempo, sondern bleibt durchweg interessant – und lustig. In dem ganzen Werk kommt nie Langeweile auf und an Überraschungen (vor allem gegen Ende) mangelt es nicht. Durch die  verschiedenen Handlungsstränge zeigt sich Harry Dresden in Bestform. Leider weiß der Leser da teilweise nicht mehr so ganz genau, wo ihm eigentlich der Kopf steht und man muss immer mal wieder überlegen, wer eigentlich zu wem gehört. Sobald man aber einmal erkannt hat, wie der Hase läuft, hat man ein sehr gutes Buch der derzeitigen Urban Fantasy vor sich. Jim Butcher lässt wieder allerlei bekannte, aber auch neue Figuren auftauchen, die entweder ihren alten Charme behalten, oder ganz neue Aspekte in die Geschichte um Harry Dresden einfließen lassen. Die Angestellt einer Buchhandlung sei da nur ein Beispiel.

Interessant ist auch, dass es Butcher in diesem Buch gelingt, eine Seite von seinem Protagonisten darzustellen, die immer mal wieder unter den Tisch fällt. Harry Dresden leidet meiner Meinung nach an Wahnsinn. Und das er geistig nicht mehr ganz auf der Höhe zu sein scheint, wird in diesem Buch deutlich gemacht – oder das seine letzten Abenteuer ihn zumindest mitgenommen haben.

Alles in allem auf jeden Fall wieder ein Werk von Jim Butcher, das sich zu lesen lohnt – schade nur, dass sie wahrscheinlich nie in deutscher Sprache erscheinen werden. Wert wär die Reihe es auf jeden Fall.