Wucherpreise in Bibliotheken


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Tja, ich bezeichne mich selbst in Bezug auf Bücher immer gerne als sehr gewissenhaften Menschen. Ich arbeite selbst in einer Institusbibliothek. In geliehenen Büchern – ob aus der Bibliothek oder von Privatpersonen – male ich nicht rum, mache keine Eselsohren rein und versuche, sie auch pünklich abzugeben.

Das will mir nicht immer gelingen. In der Hochschulbibliothek ist das ärgerlich, es kann sich auch mal summieren, aber was sich die Bibliothek für Politische Wissenschaft an der RWTH leistet, grenzt wirklich an Wucher. Denn im Gegensatz zur Hochschulbibliothek, die auch in den Semesterferien jeden Tag auf hat, hat die Bibliothek der PoWi ab August nur noch an Donnerstagen auf! Nicht allein, dass das schon Grund genug wäre, sich zu beschweren, es kommt noch besser. Bis in die Nacht des 02.08 habe ich an meinen Hausarbeiten gesessen, unter anderem auch in Politik. Dienstagmorgen habe ich dann meine Hausarbeiten abgegeben, im Sekretariat, die Bibliothek hatte ja zu. Dann war ich einen Donnerstag nicht da – war auf dem Conquest of Mythodea.Hatte ja auch noch Leihfrist und dachte mir, gibst du die Bücher dann demnächst mal ab. Der Donnerstag drauf war für mich auch schlecht, ich kam nicht weg. Warum genau, weiß ich nicht mehr. Am kommenden Montag, also dem 15.08. bekam ich eine automatisch generierte E-Mail darüber, dass meine Leihfrist am 17.08 (das war ein Mittwoch) abläuft. Haha. Jetzt durfte ich auch schon Strafe zahlen, weil die BIBLIOTHEK NICHT AUF HAT, wenn ich das Buch an einem regulären Wochentag abgeben muss. In der Hoffnung, die Bibliothek würde vielleicht dennoch irgendwie mehr als einmal in der Woche (nämlich am Öffnungstag DONNERSTAG) ihre E-Mails abrufen, schrieb ich also eine E-Mail, dass ich am Donnerstag ganz sicher nicht in Aachen wäre und ob eine andere Möglichkeit der Rückgabe der Bücher bestünde. Wann bekam ich die Antwort? Richtig, Donnerstag morgen, als ich zwei Zugstunden entfernt von Aachen war. Und lange hat die Bibliothek natürlich auch nicht auf….

Und in dieser E-Mail stand drin, dass ich die Bücher auch im Sekretariat abgeben könnte, das DIENSTAGS und MITTWOCHS geöffnet hat. Die Strafe müsste ich aber trotzdem zahlen, da die Tatsache, dass die Bibliothek im August und September nur (mit zwei Ausnahmen) nur Donnerstags aufhabe ja hinlänglich bekannt gewesen wäre. Tolle Wurst, wie mein Vater zu sagen pflegt.
Ach ja, das Sekretariat hat natürlich nur zwischen 9.00 Uhr und 13.00 Uhr auf.

Jetzt berechnet die Bibliothek aber nicht pro Öffnungstag – wie es eigentlich sinnig wäre – sondern pro KALENDERTAG. Also Feiertage, Wochenende und Tage eingerechnet, wo die Bibliothek überhaupt nicht aufhat.
Das empfinde ich als eine bodenlose Frechheit. Ich kann verstehen, dass die Bibliothek ihre Bücher zurückhaben möchte. Da habe ich vollstes Verständnis für. Aber mir jetzt eine Strafe aufzubrummen, die sich für die fünf Bücher die ich hier habe schon auf 10 Euro beläuft, finde ich wirklich sehr dreist. Wartet man länger, darf man auch schon 25 Euro bezahlen.
Nehmen wir mal an, ich wäre am Donnerstag in Urlaub gefahren? Dürfte ich dann 25 Euro für Bücher bezahlen, weil die Bibliothek mir a) nicht rechtzeitig bescheid gibt – nämlich vor dem nächstmöglichen Rückgabetermin vor Ablauf der Frist und b) weil sie nur Donnerstags und das Sekretariat (von dem ich gar nicht wusste, dass ich die Bücher dort zurückgeben kann) nur Dienstags und Mittwochs auf hat? Ach ja, und laut Insitutshomepage im August auch nur Donnerstags? Ergo: Ich muss die Bücher Donnerstag zurückgeben. Eine andere Alternative bleibt nicht.

Was mich ganz konkret stört: Das ich zahlen muss, obwohl ich sie eigentlich a) gerne pünklich zurückgegeben hätte und b) ich sie nur und ausschließlich an einem Donnerstag zurückgeben kann, sollte das Sekretariat – wie zu erwarten – doch nur Donnerstags aufhaben.

Vielleicht sollten da noch mal ein paar Leute drüber nachdenken…..

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5 Kommentare zu “Wucherpreise in Bibliotheken

  1. leerleser sagt:

    Willkommen im Zeitalter der Einsparungen, Halbtagsstellen und verkürzten Arbeitszeiten, sag ich da nur.
    Du vergleichst hier gerade ein Würstchen mit einem Steak. In einer UB arbeiten meist um die 100 Vollzeitangestellte oder mehr, in der von dir angesprochenen Institutsbibliothek eine Bibliothekarin die mehrer Ämter einnimmt und vier studentische Hilfskräfte, die einen 40-Stunden-Monat haben und wie alle anderen in der Vorlesungsfreien Zeit mal Urlaub nehmen. Da dann die Bibliothek offen halten zu können ist echt eine Kunst für sich. Ich befinde mich in einer ähnlichen Situation, wir sind auch fünf Leute zur Betreuung einer Institutsbibliothek die wesentlich kleiner ist als deine und hoffen jeden Tag aufs neue, heute auch öffnen zu können. Und BTW: ich finde es schon kulant, dass du die Bücher auch im Sekretariat abgeben kannst, das hast du auch nicht immer.

    Zu den Benachrichtigungen: Die Institutsbibliothek hat wahrscheinlich noch kein elektronisches Verwaltungssystem für den Bestand bzw. haben es noch nicht aktiviert weil der Bestand nur unvollständig aufgenommen wurde. Da kann es auch mal vorkommen, das es mit den Benachrichtigungen hakt. Ich habe da leider keine Einsicht in die Arbeitsabläufe und Ausleihmodalitäten.

    Zu den Mails: Wenn die Menschen keinen Dienst haben, schauen sie auch nicht in die Mails. Das ist überall so und liegt sozusagen in der Natur des Menschen. Die Person, die Donnerstags zum Dienst kommt, schaut in die Mails, sonst keiner.

    Ich finde es immer ziemlich unverschämt, wenn sich Menschen über andere Menschen aufregen aber nicht deren Situation bedenken und sich da hineinversetzen. Hinterfrag doch mal Gegebenheiten und denk darüber nach warum etwas so ist wie es ist. Du tust damit deiner Umwelt einen großen Gefallen.

    Und falls du jetzt meinst „Iurgh, die regt sich aber auf, hat die sonst nichts zu tun?“, ja ich verstehe halt in Bezug auf mein Arbeitsumfeld und meinen Beruf keinen Spaß. So bin ich halt.

    Mit freundlichem Gruß und schönen Abend noch.

    Leerleser

    • Da ich selbst in einer Institutsbibliothek arbeite, weiß ich, dass es auch anders geht! Wir haben auch in den Semesterferien jeden Tag von 8.30 bis 19.30 auf. E-Mails werden, wenn die Chefin da ist, auch am Wochenende teils abgearbeitet.

      Die Kontoführung in der politischen Bibliothek läuft vollständig automatisch, weshalb es einfach möglich sein müsste, die vom PC automatisch generierten E-Mail auf ein Datum vorzustellen, welches es Leuten möglich macht, die ihre Bücher Montags, Dienstags oder Mittwoch ausgeliehen haben, auch nocht pünktlich zurückzugeben. Nämlich genau eine Woche vor Ablaufdatum.

      Durch meine Arbeit weiß ich sehr wohl, wovon ich rede und das EIN TAG in der Woche auch für eine kleine Institutsbibliothek – und so winzig ist das Institut jetzt auch wieder nicht – durchaus sehr wenig ist.
      Wie ich übrigens nach dem Artikel noch erfahren durfte, hat das Sekretariat wohl auch nur Donnerstags auf.

      Liebe Grüße

  2. leerleser sagt:

    Arbeitest du denn in einer Institutsbibliothek der gleichen Uni? Dann sprich doch mal mit deiner Chefin. Vielleicht kann die ja intern mehr über die Gründe in Erfahrung bringen. Und dann gleich deinen Einwand/Vorschlag bezüglich einer „Erinnerungsmail“ für die ausgeliehenen Bücher weiterleiten. Oder du schreibst/redest mit den Angestellten selbst mal. Soweit ich weiß ist konstruktive Kritik meist gern gesehen.

    Lieben Gruß

    • Jep, ich arbeite an der gleichen Uni.
      Ich habe gestern abend auch – sehr freundlich, ich weiß auch, dass die Bibliotheken da im Zweifelsfall nicht direkt was für können – die Sache mit der Erinnerungsmail schon angebracht. Eigentlich war das der Grund, der mich so ärgerte. Ich habe die Mail halt erst bekommen, als ich definitiv schon zahlen musste.

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